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Spiel

Durchgespielt: Super Metroid

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Es ist Valentinstag – der richtige Tag, um mal so richtig nerdig über ein Videospiel zu schreiben. Wieder einmal eine Rückblende. Wir schreiben das Jahr 1994. Ohne dass ich je eine eigene Spielekonsole gehabt hätte, aber dafür genügend Freunde, die das mit ihren Spielekonsolen ausgleichen konnten, war für mich Mitte der 90er Grund genug, mir Woche für Woche jede Nintendo- und Sega-Zeitschrift zu kaufen, die ich kriegen konnte. Ich verschlang sämtliche Spieletests und Komplettlösungen von Spielen, von denen ich eigentlich wusste, dass ich sie wohl eher niemals spielen würde. Eines jener Spiele war das brandneue Super Metroid für Nintendos SNES. Aufmerksam betrachtete ich die riesigen Levelkarten, sah mir die Screenshots der Endgegner an, und befand das Spiel im Endeffekt für uninteressant. Warum, das weiß ich heute nicht mehr. Wahrscheinlich sah es mir zu sehr nach Weltraum und Militär aus. Ich war eindeutig eher der Mario-, Turtles- und Zelda-Typ.

Obwohl ich Spiele lieber in der richtigen Reihenfolge spiele, mache ich desöfteren Ausnahmen, so wie Metroid Fusion auf dem GBA vor wenigen Jahren. Das Spiel überzeugte mich so sehr, dass ich es (nach einer längeren Pause zwischendurch) wirklich bis zum Abspann spielte. Der Weg zu einem genaueren Blick auf Super Metroid war damit geebnet. Ende 2013 war es soweit, und ich hatte mich bereits bis zur Hälfte durchgearbeitet, doch dann geschah das, was mir häufiger passiert: Ich kam irgendwann nicht weiter, und verlor erneut das Interesse. Es dauerte über ein Jahr, bis ich das Gamepad wieder anrührte. Am Donnerstag sah ich nun endlich den Abspann von Super Metroid, und es hat sich gelohnt.

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Super Metroid orientiert sich stellenweise mehr oder weniger stark am bekannten Horrorfilm-Franchise “Alien”. Viele Teile der Spielwelt machen einen ziemlich organischen Eindruck, so wie Gebilde hinter den Wänden, die entfernt an Dinosauriergerippe oder an unförmige Monster erinnern. H.R. Giger (R.I.P.) scheint hier überall präsent zu sein. Das Leveldesign ist aus praktischer Sichtweise mehr als absurd, aber äußerst fantasievoll, durchdacht, und abwechslungsreich. Nacheinander muss man im Spiel die Gebiete Crateria, Brinstar, Maridia, Norfair und Tourian durchqueren, um die großen, bösen Obermotze auszumerzen, außerdem gibt es noch ein abgestürztes Raumschiff, in dem gruselige Aliengeister herumspuken. Die Spielwelt wird einem alleine durch das ständige Backtracking irgendwann ziemlich vertraut. Der Soundtrack ist stark und sehr atmosphärisch. Das finsterste von allen Hintergrundstücken ist das im Raum der Endgegnerstatue. Man bekommt davon wie automatisch eine Gänsehaut.

Die Fans des Spiels werden lachen, wenn ich erzähle, dass meine Spieldauer 11 Stunden und 39 Minuten betrug, und ich nur 79% der Gegenstände finden konnte. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, da ich einen Großteil dieser knapp 12 Stunden eigentlich genau damit zubrachte, alle Wände nach möglichen Geheimgängen abzusuchen, und war es noch so mühsam. Super Metroid lebt von seinen Geheimgängen, es gibt unzählige, und viele davon wird man ohne Anleitung nicht finden. Ich schätze mal, neun von zehn Spieler werden den “Spring Ball” nicht einsammeln, der wirklich sehr gut versteckt ist. Ich war dutzende Male in jenem Raum in Maridia, aber ich hatte keine Ahnung. Zum Glück geht es in dem Fall auch ohne.

Die Geheimgänge nicht zu finden, ist doof, aber kein Problem. Ärgerlicher ist es, wenn Gänge, die für den Spielfortschritt relevant sind, so gut versteckt sind, dass man stundenlang im Kreis läuft, und am Ende trotzdem die Komplettlösung braucht. Der reguläre Ausgang aus Ridleys Tempel in Norfair zum Beispiel ist eine vermeintlich massive Felswand, die auch mit dem Röntgenblick ganz normal aussieht. Erst wenn man bewusst dagegenläuft, stellt man fest, dass man hindurchgehen kann. Das ist ja wohl Bullshit. Wer kommt auf sowas? Wer läuft denn sicherheitshalber gegen jede Wand? Wieso erlernt man im Spiel den Röntgenblick, wenn er im entscheidenden Augenblick völlig nutzlos ist? Eine gefühlte Ewigkeit habe ich jede einzelne Wand damit durchleuchtet, ohne Ergebnis. Kein Wunder, dass ich nicht weiterkomme.

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Noch so ein Ärgernis ist für mich der “Walljump”. Was habe ich mich gefreut, als man den endlich im Spiel gelernt hat. Als Metroid-Fusion-Kenner habe ich nur darauf gewartet, dass man die Fähigkeit bekommt, denn es macht vieles deutlich einfacher. Bis mir jemand schließlich verraten hat, dass man den Walljump eigentlich schon die ganze Zeit hätte benutzen können, es wird nur erst sehr spät im Spiel erwähnt. Selten fühlte ich mich von einem Spiel so auf den Arm genommen. Was zur Hölle, Nintendo?! Die Metroid-Spiele bestehen eigentlich daraus, dass Samus alle möglichen coolen Fähigkeiten nachträglich bekommt, indem sie blöde Container einsammelt, die sie finden muss, und dann macht Nintendo beim Walljump eine Ausnahme, verrät dem Spieler aber nix davon? Das ist doch Diskriminierung derjenigen Spieler, die sich nicht durch Komplettlösungen alles ruinieren wollen. Man stelle sich vor, nach der Hälfte des Spiels bekäme man so nebenbei erklärt, dass man mit der Y-Taste schießen kann, und plötzlich versteht man, wieso das Spiel die ganze Zeit so unverschämt schwer war.

Machen wir beim “Spacejump” weiter, mit dessen Hilfe man noch im Sprung einen weiteren Sprung ausführen kann, so dass man theoretisch unbegrenzt lange in der Luft bleibt. In manchen Abschnitten des Spiels gelingt mir dieser Sprung dermaßen gut, dass ich gefühlte Kilometer überwinden kann, ohne je den Boden zu berühren. Das sind die tollen Momente. In anderen Räumen, vorwiegend vertikal aufgebaute, schaffe ich es kaum, Samus überhaupt mal in die Luft zu bringen. Egal wie oft oder wie fest ich auf die Sprung-Taste hämmere, egal in welchem Rhythmus, egal ob kurz oder lang gedrückt, völlig egal wie – Samus will einfach nicht springen, fällt immer wieder wie ein Stein zu Boden. Das sind die Momente, da will man Super Metroid vergessen, weil man es am Ende nur mit großer Mühe schafft, ein einziges lächerliches Stockwerk zu überwinden. Ich habe es aufgegeben, die merkwürdige Physik hinter dem Spacejump zu verstehen. Manchmal klappt es ganz einfach, und manchmal absolut nicht.

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Sehen wir mal von ein paar fiesen Schnitzern ab, ist es ein wirklich grandioses Spiel. Es macht Spaß, die riesige rätselhafte Weltkarte auf dem Planeten Zebes aufzudecken. Jedes entdeckte Geheimversteck fördert den Sammlertrieb zusätzlich. Der Schwierigkeitsgrad ist leicht bis moderat, so dass eigentlich jeder Endgegner im zweiten, spätestens dritten Anlauf machbar ist. Durch den internen Timer und die unterschiedlichen “Endings” förderte Super Metroid als eines der ersten großen Spiele die sogenannten Speedruns, also Spieldurchläufe in möglichst kurzer Zeit. Aber das war nun offensichtlich so gar nicht meine Intention. Dafür gibt es für Anfänger in dem Spiel viel zu viel zu entdecken. Schade, dass man so ein großartiges Spiel auf den alten Nintendo-Konsolen verrotten lassen muss (ja, und auf der Wii/Wii U). Wieso nicht endlich mal ein Super Metroid HD für die überragende Plattform PC?

Retro

Torsten Fenslau @ Dorian Gray April 1990

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Kennt jemand das Gefühl, wenn man in einem staubigen Karton auf dem Dachboden seine alten Musikkassetten mit Radiomitschnitten aus seiner Kindheit und Jugend findet? Wer noch ein funktionierendes Kassettendeck oder einen Walkman findet und sich die Mühe macht, die Bänder einzulegen, der wird mitunter geflasht von sehr seltsamen, aber bewegenden Eindrücken aus längst vergangenen Tagen. Ich bin süchtig nach diesem Gefühl.

Wer Anfang der 90er Jahre zumindest hin und wieder mal das Radio eingeschaltet hat, dem ist die Musik von Torsten Fenslau sicher nicht unbekannt. Fenslau war unter anderem das kreative Genie hinter der erfolgreichen Gruppe Culture Beat. Seine Musik komponierte er auf einem Atari ST. Kaum war ihm mit dem überraschenden Megahit “Mr. Vain” der große Durchbruch gelungen, da verunglückte Fenslau bei einem Autounfall leider tödlich. Sein musikalisches Erbe verblasst inzwischen ein wenig, begleitet uns aber grundsätzlich noch bis heute.

Neben seinem Engagement mit Chartbreakern für besagte Danceformation war Torsten Fenslau ab der zweiten Hälfte der 80er bis zu seinem plötzlichen Tod 1993 in Deutschland ein sehr gefragter DJ, der regelmäßig im “Dorian Gray”, der legendären Discothek im Frankfurter Flughafen, auflegte. Seine besten Sets, die teilweise auch im Radio gesendet wurden, werden von echten Fans erhalten und zum Beispiel bei Soundcloud und YouTube hochgeladen, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Sie sind wie ein Querschnitt durch die spannende Welt der Clubmusik der späten 80er und frühen 90er Jahre, als elektronische Musik noch nicht ganz so durchkommerzialisiert und wesentlich experimenteller war.

Um diese Musik eingehender und vor allem treffender zu beschreiben, hätte ich vermutlich mindestens zehn Jahre älter sein müssen, denn wenn ich solche Dinge damals zufällig im Radio gehört hatte, dann ohne richtig hinzuhören, ganz zu schweigen von einem echten Erlebnis in einem Tanzlokal. Aber aus heutiger Sicht ist es für mich sehr angenehm, diese discothekale Zeitreise im Internet machen zu können, und ich möchte all den Sammlern und Uploadern für die Mitschnitte der vielen wundervollen Fenslau-Sets danken. Als Filmfan finde ich es faszinierend, wie in nicht wenige der damaligen Tracks einzelne Samples etwa aus SciFi-Blockbustern wie Alien oder Blade Runner eingebaut wurden.

Um interessierten Lesern ohne Abneigung gegen elektronische Tanzmusik ebenfalls die Möglichkeit zu geben, sich die konzentrierte Frankfurter Nightlife-Atmosphäre vom April 1990 reinzuziehen, binde ich hier ein kleine Kostprobe aus den vielen tollen Sets des unvergessenen Musikers und DJs an. Auf YouTube gibt es übrigens sogar noch bessere Einblicke in seine Musik.

Retro

Aus Neu mach Alt

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Fröhliches Halloween – oder schreckliches, oder wie auch immer man bei diesem Ereignis zu sagen pflegt. Nein, leider habe ich für diese Gelegenheit keinen gruseligen Artikel vorbereitet, der zu diesem besonderen Datum passen würde. Das wäre sowieso irgendwie geheuchelt, da ich Halloween zumindest dieses Jahr nicht feiere, weder auf einer der vielen Halloween-Partys, noch würde ich als laufendes Bettlaken verkleidet die Nachbarschaft auf der Suche nach Süßigkeiten unsicher machen.

raiderAber wo ich jetzt schon so geschickt die thematische Brücke zu den Süßigkeiten geschlagen habe, will ich eine erfreuliche, wenn auch nicht allzu spektakuläre Entdeckung bekanntgeben, die mir seinerzeit wirklich den Tag “versüßt” hat. Als jemand, der die späten 80er und die frühen 90er Jahre immer in Ehren halten wird, konnte ich mein Glück kaum fassen als ich vor etwa zwei Wochen in den nächsten Discounter stolperte und dort eine ganze Box mit den berühmten “Raider”-Schokoriegeln vorfand.

Wer bis etwa 1991 nicht noch in den Windeln lag, der erinnert sich womöglich, dass Twix hierzulande unter dem Namen Raider vermarktet, und die Umbenennung im deutschen Fernsehen mit dem markigen Spruch “Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix” bekannt gemacht wurde, der längst Einzug in die Popkultur gehalten hat, und seitdem nicht mehr allein auf Karamell-Keks-Schokoriegel angewendet wird, sondern immer dann, wenn ein Produkt seinen Namen, aber nicht den Inhalt ändert. Auch in einem meiner alten Artikel über mein Jahr 1991 erwähne ich diesen Spruch.

Selbstverständlich ist mir bewusst, dass das nicht das erste oder einzige Mal, und sicher auch nicht das letzte Mal war, dass man Twix kurzzeitig wieder zurück in Raider umbenannte um ein paar Nostalgiker aus der Reserve zu locken, aber es ist jedenfalls das erste Mal, dass ich das Vergnügen hatte. Immerhin hat es funktioniert, ich hab mir die Dinger gekauft. Und es schmeckt auch nicht anders als sonst. Die Retro-Riegel sind übrigens limitiert und die Aktion geht nur vom Zeitraum Oktober bis November 2013. Da ich die Renaissance des neuen YPS-Hefts für Erwachsene damals leider verpasst habe (bzw. keinen Händler in der Gegend gefunden habe, der die Hefte bestellt hat), kann ich froh sein, dass ich zumindest noch auf diesem Weg einen kurzen Rückblick auf meine Kindheit bekommen konnte.

So, genug über Schokoriegel gefaselt. Ich werde Halloween dieses Jahr mit einem Bier und einem Horrorfilm ausklingen lassen, damit ich mir nicht selbst vorlügen muss, mir überhaupt nichts aus heidnischen Bräuchen zu machen. Außerdem finde ich alles gut, was die Kirche ärgert.

Amiga

“The Amiga Works” veröffentlicht

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Vor fast genau einem Jahr habe ich in ein kleines Kickstarter-Projekt investiert, nun ist endlich die Erntezeit gekommen. Die Premiere war erfolgreich, mein erster Versuch als sogenannter “Backer” (Kickstarter-“Spender”) ist geglückt, ich habe mein Geld nicht in den Sand gesetzt: Der erfolgreiche Spielekomponist Allister Brimble hat sein neues Album “The Amiga Works” veröffentlicht. Den Downloadcode erhielt ich bereits vor wenigen Wochen (praktischerweise genau in meiner Offline-Phase), so dass ich den Inhalt der beiden CDs natürlich längst vorgehört habe. Selbige sind nun mit etwas Verspätung doch noch bei mir angekommen. Dass ich das Album schon in Form von FLAC- und MP3-Dateien auf der Festplatte habe, hat den angenehmen Nebeneffekt, dass ich die sorgfältig eingeschweißte CD nicht öffnen brauche.

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Neben der CD gab es noch ein kleines separates Booklet mit einem Autogramm des Künstlers. Für einen geringen Aufpreis hätte ich noch den “The Amiga Works”-USB-Stick bekommen können, mit exklusiven digitalen Kopien seiner früheren Alben (neu abgemischt und neu gemastert), den unmodifizierten Original-MODs seiner Amiga-Hits, und ein paar sonstiger Dateien und Artworks, wo ich schon mit mir selbst ringen musste, ob ich das vielleicht auch noch mitnehmen sollte. Andererseits habe ich die Alben teilweise schon, und so schlecht abgemischt sind die Originalversionen doch nicht. Und wo sollte das aufhören? Hätte ich noch mehr Geld investiert, dann wären sogar echte (signierte) Restposten seiner Diskografie im Paket dabei gewesen (im Gegensatz zu den Downloads). Ich musste meinem Will-Haben-Gefühl einen Riegel vorschieben.

Mir gefällt das tolle minimalistische Artwork von Team17-Grafiker Rico Holmes: Ein rauchendes Commodore-Logo, sonst nichts. Selbstverständlich gibt es im Booklet noch einige weitere grafische Finessen, wie eine Grafik von Superfrog, der mit seinem (fast) kompletten Soundtrack den größten Teil der beiden CDs ausmacht. Daneben gibt es die bekannten Amiga-Kracher Project X, Alien Breed, Alien Breed II, Body Blows, Assassin und Full Contact – fast durchweg Produktionen von Team17, bei dem Brimble in den frühen 90ern zur Stammbesetzung gehörte.

Um schließlich zur Musik zu kommen. Kurz und bündig: Das Ergebnis ist großartig! Ich will das Endprodukt keinesfalls überbewerten: Brimble hatte bereits in der Vergangenheit einige seiner Songs komplett remastert, und so wie ich das beurteilen kann, wurden diese Versionen zu großen Teilen recyclet (z.B. Project X), so dass sich der Aufwand für ihn in solchen Fällen womöglich doch in Grenzen hielt, und auch der eine oder andere Superfrog-Leveltune klingt als habe er das ProTracker-File genommen und lediglich das vordergründigste Instrument mit einem höher aufgelösten Sample versehen. Das klingt jetzt erstmal kritischer als ich es meine, denn eigentlich hat er es genau richtig gemacht. An den passenden Stellen dezent neue Aspekte gesetzt, und die Stärken der Originale bewahrt. Warum krampfhaft versuchen, etwas besser zu machen, was schon von vornherein fantastisch ist? Andererseits hat er bei Alien Breed und Assassin so richtig auf die Pauke gehauen und sehr beeindruckende effektgeladene Remakes abgeliefert.

So feiert der kultige Amiga zumindest in meinem Gehörgang ein höchst angenehmes Revival, das vermutlich noch so einige Wochen andauern wird. Schon als Neunjähriger wusste ich das musikalische Potenzial der Team17-Spiele so sehr zu schätzen, dass ich regelmäßig die Spiele startete, nur um die Introschleife mit der fetzigen Titelmusik laufen zu lassen. Für viele Erwachsene dagegen ist Spielemusik auch heute noch keine richtige Musik (geschweige denn Kunst), sondern höchstens ein zusätzlicher Krachfaktor im Kinderzimmer.

Auf Facebook äußerte Allister sich bereits beinahe gekränkt, dass sich zuwenige seiner Kickstarter-Unterstützer bei ihm via Facebook mit einem Bild und einem kleinen Dankeswort gemeldet hätten. Nun, Facebook mag ich nicht besonders, daher reiche ich das einfach hier auf meiner Webseite nach. Danke, Allister!

Television

Es ist immer Sommer in Sunnydale

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buffy1Es war ein krasser Schnitt, den ich nach Star Trek machte, kurz nachdem ich mich kühn dazu entschloss, es mal wieder mit einem ganz anderen Genre zu versuchen, denn ich landete bei der Kultserie Buffy – Im Bann der Dämonen. Kollegen schauten mich ungläubig an, als ich verkündete, künftig die Abenteuer von Sarah Michelle Gellar zu verfolgen. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso gerade das soviel Unverständnis erzeugen sollte, denn Buffy Summers ist so ziemlich die bei weitem ansehnlichste Vampirjägerin aller Zeiten. Als Mann habe ich also definitiv schon einen gewissen Anreiz, mir die Serie anzusehen, doch eigentlich würden auch die Damen auf ihre Kosten kommen.

Es war für mich schon etwas merkwürdig, als sich Ende der 90er Jahre plötzlich so viele männliche Jugendliche für die taffe Jägerin begeistern konnten, und einige sogar Poster von Sarah Michelle Gellar in ihrem Zimmer hängen hatten, doch ich hatte mir nie eine einzige Episode der Serie angesehen und konnte den Aufstand daher kaum nachvollziehen. Würde mich die Serie nun also knapp 16 Jahre später noch überzeugen können? Und ob! Leider eignet sich meine späte Erfahrung kaum noch als Gesprächsthema bei besagten Personen, denn die 90er sind ja längst Geschichte. Aber besser spät als nie.

Buffy Summers ist ein nicht ganz typischer Teenager an der Sunnydale High. Sie wurde auserwählt als die einzige Jägerin einer Generation, um die Menschheit gegen Vampire, Dämonen und was sonst noch so aus der Unterwelt hervorkriecht, zu verteidigen. Dazu wurden ihr auch gleich die passenden Superkräfte verliehen, und ihr ein Wächter zur Seite gestellt – der britische brillentragende Bücherwurm Rupert Giles. Fortan muss sie ein Doppelleben führen, in welchem sie tagsüber die Schule besucht, Freunde trifft, Hausaufgaben macht, und nachts auf Monsterjagd geht. Im Laufe der Geschichte werden allerdings immer mehr Personen in ihr kleines Geheimnis eingeweiht, darunter ihre besten Freunde Willow (Alyson Hannigan) und Xander, die sie im Kampf unterstützen. Der freundliche Vampir Angel (David Boreanaz), der Buffy bereits von Anfang an hilft, bekommt später sogar seine eigene Spinoff-Serie, die ich mir ebenfalls noch anschauen muss, allein der Vollständigkeit wegen.

Selten habe ich eine vielseitigere Serie gesehen, die das gesamte Spektrum der Emotionen beim Zuschauer weckt. Es ist beeindruckend wie sehr sich praktisch alle Charaktere der Serie weiterentwickeln. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, möchte ich erwähnen, dass es ab der fünften der insgesamt sieben produzierten Staffeln ziemlich ans Eingemachte geht. Wer sich es hier also in der actionreichen aber beinahe harmonischen Welt von Buffy zu sehr gemütlich gemacht hat, der wird ebenso mit seiner Heldin leiden wie alle ihre Freunde. Die Drehbuchschreiber muss ich wirklich dafür loben, dass sich sich einiges getraut haben. Danach kehrt in der Serie praktisch keine Ruhe und keine Routine mehr ein. Gänsehaut kommt auch in der vorletzten Staffel auf, wenn “Darth Rosenberg” (Dark Willow) zum Terminator wird, Sunnydale aufmischt, und beinahe den Untergang der Welt herbeiführt. Dagegen sind die Staffeln 1-4 ein Spaziergang. Überhaupt hinterlassen die späteren Staffelfinalen bei mir als Zuschauer gehörigen Eindruck, weil sie teilweise ziemlich fies sind. Aber zur Leidenschaft gehört eben auch das Leid. Schön zu wissen, dass mich eine Fernsehserie derart aus dem Konzept bringen kann.

buffy2Da in Sunnydale praktisch jeder noch so unsportliche Steuerberater mit seiner Verwandlung zum Vampir auch gleich eine solide Kampfsportausbildung als Begrüßungsgeschenk zur Mitgliedschaft gratis dazubekommt, gibt es in jeder Folge sehr schön inszenierte Kampfchoreografien zu sehen, die dank Buffy wirklich was fürs Auge sind. Im Laufe der sieben Staffeln gibt es viel zu viele tolle Gegner und Nebencharaktere, die einen beachtlichen Teil der Handlung einnehmen. Ich muss es mir leider verkneifen, auf jeden einzelnen davon einzugehen. Aber jetzt wo ich es erwähne, fällt mir doch auf, dass mit Buffy, Willow, Dawn, Anya, Cordelia, Kendra, Faith, Tara, Amy usw. ausschließlich sehr attraktive Frauen in der Serie beteiligt sind. Weniger gutaussehende Frauen kommen höchstens in ganz kleinen Rollen vor, wenn es gerade ins Konzept passt. Vielleicht gibt es an amerikanischen Highschools nur Models?

“Buffy – Im Bann der Dämonen” von Serienvater Joss Whedon wurde von 1997 bis 2003 gedreht. Eine als “Motion Comic” produzierte achte Staffel gibt es als Fortsetzung der Serie, leider sind aber keine Originaldarsteller als Sprecher dabei, und auch sonst ist die Comicserie etwas zu hektisch und wirr für mich, zumal diese nicht direkt an das Original anschließt, sondern etwas später. Eine neunte Staffel ist bereits angekündigt. Die Idee zur Serie wurde schon 1992 in Form eines Kinofilms mit Kristy Swanson als Buffy umgesetzt, konnte aber offenbar nicht überzeugen. Dennoch werde ich mir den Film gerne bei Gelegenheit mal anschauen. Etwas gestört hat mich, dass die Handlung in manchen Episoden auf Ereignisse aufbaut, die in der parallel laufenden Spinoff-Serie Angel passiert sind, die ich natürlich noch nicht kenne. Die Rückblicke waren da leider nicht besonders hilfreich, so dass einiges (z.B. die Beziehung zwischen Angel und Faith) für mich fast komplett im Unklaren geblieben ist.

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