Vince

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Ein Mann kann etwas verändern.

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Beiträge von Vince

SPACOLA Eclipse WIP 0.63

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Linux-Support

Palim palim! Der unregelmäßige SPACOLA-Remake Fortschrittsbericht ist da! Och, keine Sorge, viel Fortschritt gibts nicht. Aber es gibt immerhin was zu sehen. In den vergangenen Monaten habe ich weitestgehend unter Linux Mint weiterentwickelt, und leider ging auch ein nicht unwesentlicher Teil der Zeit dafür drauf, Probleme zu beheben, die das Spiel nur unter Linux hatte. Zum Beispiel habe ich es lange Zeit nicht hinbekommen, dass das GUI-Fenster sowohl unter Windows als auch unter Linux immer exakt die gewünschte Größe hat. Wenn es unter Linux gepasst hat, war es unter Windows falsch. Wenn ich es dann für Windows korrigiert habe, war die Linux-Version plötzlich wieder schief. Wenn das programmatische Resizing des Fensters endlich überall funktionierte, ging dafür die Menüleiste nirgends mehr. Habe ich eine Sache repariert, geht eine andere Funktion kaputt. Es war wie bei einem Teppich, bei dem man eine Unebenheit mit dem Fuß ausbessern will, die sich dann nur immer wieder woanders auftut. Da soll mir nochmal einer sagen, Java sei wirklich plattformunabhängig. Swing ist es jedenfalls schonmal nicht. Ich habe viele graue Haare bekommen bis es endlich perfekt war. Die aktuelle Version funktioniert somit einwandfrei unter Windows und Linux.

Neue Artworks

In der Zwischenzeit habe ich viel mit neuen Artworks experimentiert und dabei kräftig mit GIMP gebastelt. Lange Zeit habe ich darüber gegrübelt, wie ich die Titelgrafiken designen soll, so dass sie sehr nahe am Original bleiben, und trotzdem viel Spielraum für eine Neuinterpretation im Sinne des Remakes erlauben. Mittlerweile habe ich ein mehr oder weniger einheitliches Design für den Fensterhintergrund, für den About-Dialog, für die Webseite und für den Splash-Screen beim Laden entworfen. Ja, das Remake hat jetzt einen eigenen Ladebildschirm, weil das Starten auf manchen Systemen doch schon mal die eine oder andere Sekunde länger dauern kann. Die Grafiken sind natürlich bei weitem nicht perfekt, aber ich glaube, man kann das erstmal so stehen lassen. Der Wiedererkennungswert ist schonmal ganz ordentlich.

Spiel laden und speichern

Die Funktionen zum Laden und Speichern der Spielstände sind jetzt endlich fertig. Genau wie im Original kann der Kaffee-Button genutzt werden, um den aktuellen Spielstand zu speichern. Zusätzlich gibt es außerdem die Möglichkeit, beliebig viele weitere Spielstände zu speichern und auch via Dateiauswahl wieder zu laden. Im Moment bezieht sich das Speichern jedoch nur auf den Zustand zwischen den Levels, nicht direkt IM Spiel. Ob eine solche Funktion noch nachgereicht wird, und ob das jemandem viel hilft, muss ich noch klären. Jedenfalls ist es klasse, dass man nun tatsächlich den Spielfortschritt in eine Datei persistieren und so jederzeit fortsetzen kann. Damit wäre ein wichtiger Punkt von meiner Todo-Liste gestrichen.

GEM-Schriftarten und Highscore-Liste

Die Remake-GUI verwendet jetzt konsequent drei verschiedene Original-TOS/GEM-Systemschriftarten, um so zusätzlichen Wiedererkennungswert zu generieren. Die Atari ST-Schriftarten erkennen Fans sofort. Nicht dass diese Schriftarten besonders hübsch oder gut lesbar wären, aber sie geben einem echten Nostalgiker doch schnell ein warmes Gefühl. Die Highscore-Liste wurde von mir deutlich erweitert. Zusätzlich wird nun der Highscore-Zeitstempel gespeichert, außerdem die Komplettierungsrate des Spiels in Prozent, damit man die Angaben besser vergleichen kann. Außerdem werden jetzt beliebig viele Einträge gespeichert. Im gerenderten Spiel selbst tauchen dann allerdings nur die ersten zehn Einträge auf, und dann auch nur deren Namen und Punktestand – die übrigen Werte werden einfach versteckt, um so nah beim Original zu bleiben wie möglich.

Post-Processing-Filter dank neuer Rendering-Methode

Besonders wenn man das Spiel auf Pixelverdoppelung stellt, also in der Auflösung 1280×800 spielen will, bremsen etwaige Post-Processing-Filter das Spiel leider so stark aus, dass es kaum noch Spaß machen kann. Zwar gibt es im Moment mit der Invertieren-Funktion nur einen einzigen Filter, aber ich wollte dort in Zukunft noch mehr Filter-Optionen anbieten, um den Look des Spiels den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Nun, meine Idee war es, das Post-Processing immer nur auf die gerenderte Spielgrafik (in niedriger Auflösung) anzuwenden, und erst dann das Ergebnis hochzuskalieren. Würde ich erst hochskalieren und dann die Filter auf die hohe Auflösung anwenden, wäre das logischerweise viel langsamer. Leider machte dieser neue Ansatz es nötig, einige Teile des Renderings umzuschreiben, um die neue Reihenfolge der Arbeitsschritte zu ermöglichen. Zusätzlich implementierte ich eine Filterklasse, die es erlaubt, unbegrenzt viele verschiedene Filter ins Bild „einzuhängen“, um die Grafik zur Laufzeit jederzeit zu ändern. Der neue Code funktioniert wirklich erstaunlich schnell und schön flexibel. Die Änderungen haben sich gelohnt.

Neuer Anvisieren-Algorithmus für Geschütze

Man mag es kaum glauben, aber ich habe wirklich übermäßig viel Zeit in den Algorithmus für das Anvisieren der Geschütze investiert. Ich dachte ursprünglich, es genau richtig hinbekommen zu haben. Dann fiel mir jedoch beim Nachspielen des Originals auf, dass die Geschütze beim ST-Klassiker nie daneben feuern, egal wie schnell und egal wohin der Spieler sich bewegt. Das bedeutete, dass die Geschütze nicht nur den Winkel zum Spieler und dessen Bewegungsgeschwindigkeit in die Berechnung des Vektors einbeziehen, sondern bei bekannter eigener Geschossgeschwindigkeit auch den Abschusswinkel exakt so berechnen, dass die Geschosse den Spieler an einem unbekannten Punkt zielsicher treffen. Am Ende habe ich mir das Problem bestimmt ein dutzend Mal auf einem kartesischen Koordinatensystem skizziert und versucht herzuleiten, wie der Winkel berechnet wird. Ich wusste wie lang der Vektor sein dürfte, ich wusste nur nicht, wo er den anderen Vektor schneiden würde. Am Ende fand ich eine Lösung, indem ich den Spielervektor von der Position des Geschützes aus nahm, einen Kreis mit Radius der erlaubten verbleibenden Vektorlänge um diese neue Koordinate berechnete um die Schnittpunkte mit dem anderen Vektor zu finden. Der Vektor vom Geschütz zu diesen Schnittpunkten muss dann der Abschussvektor sein. Das ist dann zwar eine vergleichsweise teure Berechnung, aber sie funktioniert perfekt.

Levelgenerator-Verbesserungen

Den Levelgenerator habe ich wieder geringfügig verbessert. So funktionieren die Floodfilling-Methoden für Konfigurationen von Stationen, Powerups und schwarzen Löchern jetzt besser und erlauben auch die Übertragung von Parametern, wie aus dem Levelskript vorgegeben. Der Levelgenerator setzt nun korrekt die Deploy-Distanz für Gegner, die Deployment-Rate und die Anzahl gleichzeitig erlaubter Gegner. Außerdem habe ich eine Funktion eingebaut, die ich nur als „Shield-Powerup-Stacking“ bezeichnen kann, die mir im Original sehr merkwürdig vorkam. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das ein Bug ist, oder ob es beabsichtigt war. Jedenfalls kann der Spieler seine Schutzschild-Option zeitlich deutlich verlängern, wenn er mit aktiviertem Schutzschild noch ein weiteres Schild-Powerup einsammelt. Ich müsste wohl auch noch prüfen, ob dieses „Feature“ in jeder Spacola-Version auftritt, oder nur in einer bestimmten. Jedenfalls ist das nun ebenfalls im Remake perfekt nachgebildet.

So, das waren wieder einige kleine Einblicke in die Entwicklung der vergangenen Monate. Ich bleibe am Ball und arbeite mich langsam voran. Der Quellcode umfasst inzwischen über 40.000 Zeilen und wächst stetig weiter.

Hatemail von Linux-Fan

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Ach wie süß, ich habe tatsächlich gerade meine allererste Hatemail zu meiner Linux-Artikelserie bekommen! Und mit ganz schön viel Text! In doppelter Ausführung! Scheinbar war ich jemandem wirklich wichtig, ich spüre schon den Fame. Es klingt so, als wären meine kleinen Linux-Erfahrungsberichte ihm sogar eine Klage wegen Rufschädigung und übler Nachrede Wert. Welchen tollen Ruf sollte Linux denn eigentlich haben, den ich mit meinen Beiträgen schädigen könnte? Darüber hinaus schreibe ich natürlich Schwachsinn und habe keine Ahnung von Technik. Ich mache mich lächerlich, werde von ihm der Lüge bezichtigt, und ich diffamiere ihm zufolge Linux auf dumme Art und Weise auf meinem „Diffamierungsblock“. Na wenn’s weiter nichts ist.

Er hält mir allen Ernstes vor, dass ich wissenschaftliche Standards bei meinem „Experiment“ missachte, und dass ich meiner journalistischen Sorgfaltspflicht als Blogger nicht nachkomme, weil ich zu einseitig berichte. Aha. Er scheint wohl geistig verwirrt zu sein, da er mich für einen Wissenschaftler und einen Journalisten hält. Dass das hier ein komplett unjournalistischer Meinungsblog ist, und mein privates Experiment gar keinen wissenschaftlichen Anspruch hat, scheint ihm zwischen all seinen persönlichen Anfeindungen entgangen zu sein. Ebenso dass man meine Linux-Artikel gerne auch mit einem Augenzwinkern sehen darf, weil von vornherein klar ist, dass es nur ein persönlicher Erfahrungsbericht sein würde. Aber da war der Beißreflex wohl doch zu stark bei ihm.

Der militante, unfreundliche Autor der Hatemail, der sich ganz eindeutig ziemlich auf den Schwanz getreten fühlt, hat offensichtlich die Absicht meiner Artikelreihe überhaupt nicht verstanden. Natürlich hätte ich jedes einzelne Problem vollständig durchanalysieren und mir jedes Mal kompetente Hilfe in einem Forum suchen können. Natürlich hätte ich ein Linux-Handbuch lesen, und jemanden die Installation vornehmen lassen können, der genau weiß was zu tun ist. Natürlich hätte ich erst einen Doktortitel in Linuxologie machen können … aber GENAU DAS wollte ich eben NICHT, weil ich einen Erfahrungsbericht schreiben wollte, aus der Sicht eines Laien, der aus der Windows-Welt kommt, nicht viel Ahnung von Technik hat, und es mal selbst (und ohne Hilfe) mit Linux versuchen will. Die Naivität und Ahnungslosigkeit, die mir jetzt vorgeworfen wird, GEHÖRT ZUM KONZEPT.

Mal davon abgesehen: Jeder kann Windows bedienen ohne je ein Windows-Handbuch gelesen zu haben. Ich habe Leute mit Windows arbeiten gesehen, denen ich sonst nicht zugetraut hätte, alleine den Ein/Aus-Schalter zu finden. Der Hatemail-Verfasser ist der festen Überzeugung, dass sich jeder mit seinem Betriebssystem beschäftigen wollen sollte. Da habe ich aber leider eine traurige Nachricht für ihn: Die meisten Menschen wollen über ihr Betriebssystem genauso wenig wissen, wie die meisten Autofahrer über die Funktionsweise ihres Motors. Linux (Mint) wird keine ernstzunehmende Windows-Alternative werden, wenn von den Nutzern wirklich erwartet wird, dass sie sich immer alle Zeit der Welt nehmen, um die Macken ihres neuen Betriebssystems in ihrer Gänze zu verstehen. DAS ist utopisch. „It just works“ ist keine Utopie. Es ist das Ziel.

Schön zu sehen, dass meine Artikel Leute zum Nachdenken anregen, aber mir wären Zuschriften lieber die weniger hirnlos, ausfallend und aggressiv formuliert sind. Konstruktive Kritik – ja, gerne. Und ich danke natürlich jedem, der sich die Zeit nimmt, ein paar Zeilen zu den Problemen zu schreiben, die mir aufgefallen sind, aber wer stattdessen lieber zeigt, was für eine arme, beleidigte Leberwurst er ist, indem er mich per E-Mail beschimpft, der möge bitte einfach davon absehen mir zu schreiben. So spart derjenige uns beiden viel Zeit. Lieber wäre es mir sogar, solche Menschen würden meinen Blog einfach meiden und sich über ihre Probleme auf einem eigenen Blog ausheulen.

Linux – Der Untergang

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Mein Projekt zum Umstieg von Windows 7 auf Linux Mint ist vorgestern offiziell gescheitert. Meine Linux-Installation hat nicht ganz zwei Monate gehalten, und nun ist sie hinüber. ‚Hinüber‘ vom Standpunkt eines durchschnittlichen Windows-Benutzers gesehen. Natürlich könnte ich jetzt noch alle Hebel in Bewegung setzen, stundenlang nachforschen und kryptische Recovery-Befehle ausführen, den Rechner dem einzigen Linux-Experten in meinem Bekanntenkreis zur Analyse übergeben, und am Ende würde es vermutlich irgendwann wieder laufen, aber das war von vornherein nicht die Intention des Experiments. Tja, und was war passiert?

Vorgestern wollte ich ein Unterverzeichnis auf einer meiner NTFS-Festplatten anlegen (und ich schätze das hat bis dahin immer geklappt), doch dann stürzte der Dateimanager plötzlich ab, als ich dem neuen Ordner einen Namen geben wollte und ENTER gedrückt habe. Tja … Linux … so wahnsinnig stabil. Ich entschied mich, es noch einmal zu versuchen, das war bestimmt nur ein Ausrutscher. Auch beim zweiten Mal stürzte der Dateimanager sofort ab, und diesmal verschwanden auch alle Desktopsymbole und tauchten leider nicht mehr auf. Reboot tut gut, so dachte ich, und startete die Kiste ganz naiv neu.

Leider kam Linux nicht mehr hoch und so starrte ich minutenlang auf zwei dunkle Monitore ohne Signal. Nach einem weiteren Reboot meldete sich wenigstens das Bootmenü, aus dem ich eine der wichtigsten Recovery-Funktionen von Linux endlich praktisch nutzen konnte: Ich wählte dort den letzten funktionierenden Linux-Kernel vor dem aktuellen aus und startete diesen: Die Erwartung war groß, die Enttäuschung noch größer. Leider kein Linux, nur schwarze Bildschirme. Ich wählte anschließend den vorletzten Linux-Kernel aus, doch auch dieser startete nicht. Hat sich absolut gelohnt, diese super Funktion.

Schließlich doch noch ein Hoffnungsschimmer: Ich konnte im Wiederherstellungsmodus hochfahren, und nach ein paar sperrigen Menüs erschien auch tatsächlich der Linux-Desktop – ohne Grafikkartentreiber, in niedriger Auflösung, und auch nur auf einem Bildschirm. Aha, es geht also doch, nur nicht wie ich will. Da ich mit dem Wiederherstellungsmodus so nicht viel anfangen konnte, und auch nicht wusste, welche gruseligen Kommandos ich diesmal auf der Konsole eingeben musste („autorepair -pls -kthx“ und „fix my linux immediately“ haben beide nicht funktioniert…), entschied ich mich, wieder im normalen Modus hochzufahren. Doch wie erwartet ging nichts.

Ich krabbelte unter den Tisch, öffnete kurzerhand den Rechner und schloss die Windows-Festplatte an. Windows 7 startete einige Sekunden später genauso wie ich es vor zwei Monaten verlassen hatte. Mein Linux-Schiff ist leider untergegangen, damit hat sich das Thema für mich erledigt. Warum Linux so schnell kaputtging? Keine Ahnung, vielleicht habe ich den einen oder anderen bekackten Befehl aus dem Internet zuviel in die Konsole kopiert, und mir das blöde Betriebssystem so zerschossen ohne es zu wollen. Ist mir inzwischen auch egal. Das Ergebnis des Projekts ist für mich klar: Linux im Desktopbereich fängt hoffnungsvoll und beeindruckend an, zeigt dann nach und nach immer mehr fragwürdige Designentscheidungen, Macken, Probleme und Fehler, bis sich irgendwann die Update-Funktion verabschiedet, und kurz darauf das ganze System nicht mehr startet. Ob es sein kann, dass Linux unschuldig ist, und ich vielleicht einfach nur zu blöd war, damit umzugehen? Jeder darf sich selbst eine Meinung darüber bilden, welche der von mir gemeldeten Probleme allein auf meine Unfähigkeit zurückzuführen sind, und welche nicht. Im Grunde war das herauszufinden genau der Zweck der Übung: Wie weit komme ich als (beinahe) kompletter Linux-Anfänger? Leider nicht sehr weit, und damit ist Linux im Desktopbereich aus meiner Sicht disqualifiziert, denn das war die Anforderung.

Oh, doch, ich habe Windows-Installationen zerschossen. Einige! Windows 95 ging mir desöfteren kaputt, Windows 98 noch öfter. Windows ME war bei mir sofort nach der Installation kaputt, und wurde sofort von mir gemieden. Windows 2000 und XP waren endlich WESENTLICH stabiler, und seitdem sind die Ansprüche gestiegen. Damit war es dann auch nicht mehr so leicht, durch Bedienfehler das System zu ruinieren. Gerade Windows 2000 hat einige meiner übelsten Optimierungsversuche unbeschadet überstanden. Und Windows 7 hat die Wiederherstellungspunkte, die bei mir schon mehrmals funktioniert haben: Windows defekt – Wiederherstellungspunkt geladen – alles wieder gut.

Danke Linux, es waren spannende sieben Wochen mit dir, aber wir passen leider nicht zueinander. Du bist mir zu sehr „high maintenance“, dauernd muss ich mich um DEINE Probleme kümmern, so dass ich immer weniger dazu komme, mich den eigenen Dingen zu widmen. Ich hoffe wir können Freunde bleiben, dann sehe ich dich alle paar Monate mal, wenn auf irgendeinem Rechner Linux läuft. Bei mir zuhause eher nicht mehr. Aber wir sehen mal, wie sich die Dinge in den nächsten zehn Jahren entwickeln, vielleicht bist du bis dahin reifer geworden und endlich beziehungsfähig. Und tschüss.

Linux – Erste Ernüchterung

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Einige Wochen ist Linux Mint inzwischen bei mir im Betrieb, und ich muss zugeben, die erste Euphorie hat sich schnell gelegt, und auch von meinem Optimismus ist heute nicht mehr allzu viel übrig. Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Betriebssystem sind auch begleitet von erster Ernüchterung über die vielen kleinen und mittelgroßen Steinchen, die es mir in den Weg legt. Im großen und ganzen läuft Linux Mint stabil und arbeitet ordentlich, aber ich bin dennoch nicht der Meinung, dass alles Sonnenschein ist. Ich wollte ursprünglich einen Artikel schreiben über positive und auch negative Aspekte des Betriebssystems, die mir bislang aufgefallen sind, aber die negativen Punkte liegen in einer solchen Vielzahl vor, dass ich alleine daraus einen Artikel schreiben kann. Im Folgenden also eine Liste der Störungen, die mir begegnet sind, geordnet von den schwerwiegendsten, über solche mit dem größten Nerv-Faktor, bis hin zu den unbedeutendsten.

Der Knaller zuerst: Die Linux-Updates funktionieren bei mir schon nicht mehr. Nach einem der letzten Updates zeigte mir Mint plötzlich an, dass die Boot-Partition voll ist, und seitdem scheitern sämtliche Updates. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Boot-Partition wohl nur 500 MB groß ist (hat Mint genau so angelegt, ich habe nichts dergleichen konfiguriert!), und Linux hat das Ding jetzt vollgemüllt und gibt den Platz nicht mehr frei. Super! Es ist erbärmlich für ein Consumer-Betriebssystem, dass es nicht „einfach funktioniert“, sondern im Gegenteil durch falsche Standardkonfiguration garantiert schon nach wenigen Updates die Updatefunktion komplett lahmlegt. Das ist dilettantisch. Dann muss ganz offensichtlich jemand dafür sorgen, dass die Standardkonfiguration eine andere ist. Inzwischen habe ich nachgelesen, dass ich Terminal-Befehle eingeben muss, um das Problem zu beseitigen. Keine GUI-Systemtools oder dringend nötige Betriebssystemautomatismen, die mir diese Arbeit abnehmen. Immer nur Terminalbefehle, um doofe Linux-Probleme zu beheben, die ich in anderen Betriebssystemen erst gar nicht hätte.

Einen Befehl zur Systemreinigung habe ich wieder einmal entgegen meiner Intention aus dem Internet ins Terminal kopiert (irgendwas mit „autoremove“ und „purge“), und sogar DER wirft Fehler („No space left on device“) und die Boot-Partition ist davon auch nicht freigeworden. Die üblichen Zeilen aus den Linux-Foren möge man sich hier als Echo in meinem Kopf vorstellen („Das ist so einfach!“, „Das kann wirklich jeder!“, „Einfach nur diesen Befehl hier eingeben und schon…“). Ich muss jetzt also eine Problemlösung im Internet suchen, um die defekte manuelle Systemreinigung zu reparieren, die nur nötig ist, weil es Mint nicht selbst gebacken bekommt seine Daten richtig zu ordnen? Liebe Ubuntu- und Mint-Entwickler, müssen die Nutzer eures Betriebssystems wirklich ein Informatikstudium absolvieren, damit sie es richtig bedienen können? Das kann doch nicht euer Ernst sein. Das sind Dinge, die das OS selbst verwalten können MUSS! Windows KANN das! Ich kann gar nicht soviel kotzen wie mich das jetzt schon nervt.

Beim Starten des Rechners, wenn ich das Kennwort für die Festplattenentschlüsselung eingeben soll, sind die USB-Geräte dummerweise noch gar nicht aktiv, so dass ich die Tastatur nicht verwenden kann. Ich muss dann den Resetknopf betätigen, damit Linux mir das Bootmenü anzeigt. Anschließend erscheint ein alternativer Bildschirmdialog, der ebenfalls das Kennwort für die Entschlüsselung erfragt – und hier ist die Tastatur zum Glück eingeschaltet und erlaubt die Eingabe. Aber jedes Mal bei einem erneuten Start des Systems muss ich wieder den Resetknopf drücken. Offenbar ist das ein altbekanntes Ubuntu-Problem, das in mehreren Jahren nie behoben wurde, obwohl es als kritisch eingestuft ist: https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/plymouth/+bug/1386005

Der Filemanager meldet mir in schöner Regelmäßigkeit, dass es ein Problem mit meinem Thumbnail-Cache (Vorschaubildpuffer) gibt, das angeblich nur mit Root-Rechten beseitigt werden kann. Wieso muss der Nutzer mit solchem Kleinkram belästigt werden, und wieso kann das Betriebssystem den Fehler wieder nicht selbst beheben? Windows hat sich noch nie darüber beklagt, aber Linux muss da natürlich so wehleidig sein. Den Nutzer interessiert der Thumbnail-Cache überhaupt nicht, und er will nicht jedes Mal sein Passwort eingeben müssen, wenn – warum auch immer – mal wieder ein Vorschaubildchen kaputt gegangen ist.

Die Thumbnail-Generierung ist ohnehin der allergrößte Schwachsinn, das hätte man sich doch bitte bei Windows abgucken können. Wenn ich unter Linux ein sehr großes Verzeichnis mit tausenden Bildern öffne und irgendwo in die Mitte scrolle, dann berechnet der Dateimanager die Thumbnails. Alle Thumbnails. Von A bis Z berechnet er Thumbnails – minutenlang – und hört auch nicht mehr damit auf, erst wenn er irgendwann fertig ist. Die Festplatte rödelt sich tot, die CPU dreht hoch, es werden unnötig Ressourcen verschwendet. Und das geilste: Das macht er jedes Mal von vorne, wenn ich das Verzeichnis erneut öffne. Nemo berechnet die ganze Zeit Thumbnails für das ganze Verzeichnis und zeigt diese nach und nach an, während die Ansicht dabei permanent nach unten rutscht. Es ist kaum möglich in dieser Bewegung irgendwelche Dateien anzuklicken, weil alles an dir vorbeiscrollt. Wieso reicht es nicht, einfach nur die Thumbnails zu berechnen, die man aktuell im Fenster sehen kann? Große Verzeichnisse werden so automatisch zur Qual. Ich kann auch nicht so einfach zwischen Symbol-, Listen- oder Kompaktansicht hin- und herschalten, denn das dauert jedes Mal 1-2 Minuten, je nach Ordnergröße.

Meine externen Festplatten wurden beim ersten und zweiten Mal nach der Installation automatisch mit eingehängt, danach plötzlich nicht mehr. Scheint doch sehr willkürlich zu sein. Offenbar hängt Linux Festplatten beim Systemstart nicht immer automatisch ein. Ich musste erst einmal recherchieren, wie man Festplatten „manuell automatisch“ einhängen kann. Wieso muss ich Festplatten überhaupt manuell automatisch einhängen, wenn ich sie doch immer angeschlossen habe? Ach Mensch…

Das Tool zur Analyse der Festplattenbelegung funktioniert bei mir nicht richtig: Ich bekomme angezeigt, dass der größte Teil der Festplatte durch ein Verzeichnis „ecryptfs“ verbraucht wird, und darin sind nur …nunja … kryptische Dateien, die viel Platz brauchen. Wieso bekommt das Analysetool die Dateien nur in verschlüsselter Form zu sehen, wo ich im Dateimanager entschlüsselte Daten sehe?

Ich bin absolut kein Fan dieser unsichtbaren Mouseover-Scrollbalken, die Linux Mint überall forciert, also Scrollbalken die nicht sichtbar sind, erst wenn man den Fensterrand erreicht, werden sie eingeblendet. Das große Problem hierbei ist, dass mehrere Programme (wie z.B. Eclipse) den Bereich für die Scrollbalken dadurch nicht mehr RESERVIEREN, sondern als nutzbare Fensterfläche verwenden. Möchte ich also mit der Maus dort den Cursor hinter das letzte Zeichen einer langen Textzeile setzen, klicke ich unabsichtlich auf den vertikalen Scrollbalken, der dort sofort erscheint, weil der Scrollbalken ÜBER DEN TEXT gelegt wird. Es ist also mit der Maus überhaupt nicht mehr möglich, den Cursor an die richtige Stelle zu setzen, weil der Scrollbalken immer im Weg ist. Wer entwickelt so eine dämliche Scheiße?

Ganz zu schweigen von diesen extraschmalen Fenster-Titelleisten, die sich farblich nicht einmal von der Menüleiste unterscheiden und dadurch größer aussehen als sie sind. Möchte ich das Fenster also kurz an der Titelleiste anklicken um es irgendwohin zu ziehen, klicke ich fast immer erst daneben, nämlich in den Bereich der Menüleiste, weil da viel mehr Fläche zum Anklicken ist. Könnte man die Fenster nicht einfach auch im leeren Bereich der Menüleiste verschiebbar machen?

Gelegentlich, mehrmals täglich, flackern alle möglichen Fenster schwarz, manchmal der Desktophintergrund, manchmal der halbe Bildschirm, manchmal nur kleinste Teilbereiche von geöffneten Fenstern. Alle paar Stunden flackert irgendwas für ein paar Sekunden, und hört dann plötzlich wieder auf. Ich müsste Linux dafür nicht unbedingt die Schuld geben, da es vermutlich ein Treiberproblem ist, aber da ich nunmal eine Nvidia-Grafikkarte von der Stange verwende, und den offiziellen Treiber, und da Windows keine solchen Probleme hat, stört es mich doch sehr. Auch ein neuer Nvidia-Treiber hat nichts geändert. Offenbar ein steinaltes Ubuntu-Problem, und offenbar auch nach Jahren noch nicht behoben: http://askubuntu.com/questions/263996/fixing-the-nvidia-graphics-screen-flicker-issue

Manchmal, wenn ich via DRUCK-Taste bzw. mit ALT-DRUCK einen Screenshot anfertigen will, erkenne ich auf dem Bild mehrere merkwürdige schwarze Streifen, bzw. schwarze schmale Blöcke, mittig und rechts, die (offenbar immer an denselben Stellen) Bereiche des Bildes verdecken. Nicht immer, aber immer öfter.

Bei großen Dateitransfers von bzw. auf USB-Platten, bewegt sich der Mauszeiger plötzlich nur noch ruckartig durchs Bild, scheint immer wieder kurz hängenzubleiben, trotz gleichmäßiger Bewegung der Maus. Auch Tastatureingaben scheinen immer wieder für Bruchteile von Sekunden zu hängen, und auch Fenster bauen sich oft erst mit Verzögerung und erkennbar schrittweise auf. Es scheint mir so, dass Linux Probleme mit der Höherpriorisierung von USB-Eingabegeräten bzw. der CPU-Priorisierung hat, und dem Kopiervorgang alles andere unterordnet. Kein großes Problem, aber ein ziemlich dämliches, unnötiges.

Ich bin nicht besonders begeistert davon, wie unrund und ungeschliffen das Betriebssystem in vielen Kleinigkeiten ist. Vieles wirkt irgendwie ambitioniert, aber dann leider nicht ausreichend gut durchdacht. Im Endeffekt kommt alle paar Tage etwas dazu, was mir die ganze Sache noch ungenießbarer macht, mich noch mehr ärgert. Einiges davon mag daher rühren, dass es „nicht wie Windows ist“, und ich mich eigentlich nur richtig daran gewöhnen müsste, andere Probleme, wie die defekte Updatefunktion, die flackernden Fenster, dass die USB-Geräte beim Hochfahren nicht rechtzeitig eingeschaltet werden, und dass das Betriebssystem bei Kopiervorgängen manchmal grundlos herumruckelt, haben definitiv nichts mit meiner Windows-Sichtweise zu tun.

Ich fürchte an dieser Stelle muss ich meine vorschnelle Empfehlung von Linux als Betriebssystem für Windows-Umsteiger zurückziehen. Linux ist tatsächlich NUR Leuten zu empfehlen, die wirklich großen Spaß daran haben, kryptische Befehle aus Foren in das Terminal zu kopieren und Konfigurationsdateien von Hand anzupassen. Für alle anderen, die nicht basteln wollen, für die das Betriebssystem „einfach nur funktionieren“ soll, sind Windows und macOS die WEITAUS bessere Wahl, auch im Jahr 2017, so schwer es mir fällt, das zu bestätigen. Die Linuxer sind stolz darauf, wenn sie ihre geliebten Befehle ins Terminal tippen dürfen, und darum wird sich an der Usability des Betriebssystems vermutlich auch nie etwas ändern.

Softwareentwicklung

Linux – jetzt aber wirklich

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Die zurückliegende Woche war eine, die mich nachdenklich gemacht hat. Der geschätzte Mit-Atarianer und Blogbesucher Frank hat mit Hilfe unserer spannenden E-Mail-Korrespondenz dafür gesorgt, dass ich mich erneut eindringlich mit Linux beschäftigt habe. Schließlich ließ mich das Thema dann tatsächlich nicht mehr los. Sollte ich wirklich die kommenden fünf Jahre auf dem alternden Windows 7 aussitzen und mich erst dann ratlos nach Alternativen umsehen? Ich entschied mich, den Sprung ins kalte Wasser sofort zu wagen. Keine Test-VMs mehr, keine halben Sachen, einfach installieren und los. Und so kaufte ich spontan eine kleine SSD, warf Windows kurzerhand raus und dafür die DVD für Linux Mint 18.1 ein.

So kann ich nun stolz verkünden, dass ich inzwischen windowsfrei bin. Bis jetzt ist mir der Umstieg relativ leicht gelungen, ein paar Stunden Arbeit waren es zwar schon, aber die meisten neuen Tools habe ich mir jetzt zu Eigen gemacht, den Rest kannte man schon lange aus der Windowswelt. Sogar echte Festplattenverschlüsselung verwende ich jetzt. Ein paar Kleinigkeiten fehlen mir hier, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Ich möchte in diesem Beitrag auf meine positiven und auch negativen Erfahrungen bisher eingehen.

Zunächst muss ich anmerken, dass die Installation für meinen Geschmack doch noch etwas einfacher sein könnte: So musste ich zunächst entscheiden, ob ich „/dev/sdb“ vor der Installation aushängen will, weil das irgendwelche Nachteile haben könnte. Bitte was? Keine Ahnung, was heißt das? Der unbedarfte Anwender kapituliert hier sofort. Und dann diese UEFI-Warnung, weil Linux erkannt haben will, dass zuvor ein Betriebssystem im alten BIOS-Modus installiert wurde. Auch hier: Keine Ahnung, was mache ich denn kaputt, wenn ich mich falsch entscheide? Ratloses Recherchieren im Internet, das mich am Ende nicht weiterbringt. Dann eben doch der Leap of Faith. Kein Anwender würde hier guten Gewissens weitermachen ohne einen Linux-Profi zu fragen. Und das bei Linux Mint. Das muss nicht sein.

Dann die ersten positiven Überraschungen. Mint bringt ein dickes Softwarepaket als Starthilfe mit: u.a. Firefox, Thunderbird, Pidgin, diverse Medienspieler (z.B. VLC-Player) und Codecs, Libreoffice, GIMP, sogar den BitTorrent-Client Transmission. Mint hat ungefähr einhundert Bildschirmschoner. Sound funktioniert auf Anhieb, Internetzugriff funktioniert auf Anhieb. Nicht so toll: Obwohl Linux meine Grafikkarte korrekt erkennt und scheinbar auch einen freien Treiber dafür hat, startet er im lahmen Software-Renderer-Modus. Der Wechsel auf den Nvidia-Treiber gelingt kinderleicht mit wenigen Mausklicks, und sofort gibt es 2D- und 3D-Grafikbeschleunigung. Super!

Dazwischen stürzt mir Linux das erste Mal ab: Direkt nach der Installation des Nvidia-Treibers fährt Linux nicht mehr hoch – die Eingabe des Entschlüsselungskennworts klappt nicht, der Rechner reagiert gar nicht. Nach einem Hard Reset gehts dann aber zum Glück doch wieder. Und dann der erste kleine Härtetest: 1080p-Videos laufen im VLC-Player absolut problemlos und flüssig. Im alternativen „Xplayer“ dagegen stockt die Wiedergabe leicht, ist also eher nicht zu gebrauchen.

Der nächste Test war deutlich witziger: Mint hat meine beiden anderen NTFS-Festplatten auf Anhieb erkannt und als Datenträger eingehängt. Ich klickte mich so durch die Verzeichnisse und fand einige meiner Windows-Spiele. Die EXE-Dateien werden freundlicherweise mit einem Windows-Symbol dargestellt. Ein Rechtsklick offenbart die Option „Mit Wine starten“. Kurzerhand doppelklickte ich Amnesia – The Dark Descent und das Spiel startete zu meiner gigantischen Überraschung sofort. Ich stellte die Auflösung 2560×1440 ein und spielte einige Minuten. Und ja, ich weiß dass es eine Linux-Version von Amnesia gibt, aber sogar die Windows-Version läuft ohne Schwierigkeiten. Es ist erfreulich und befremdlich zugleich, zu sehen, dass ich Windows-Programme unter Linux starten kann, so als wär das was ganz normales. Wine scheint doch deutlich leistungsfähiger zu sein als ich das vermutet hätte. Ein Blick in die AppDB von Wine offenbart, dass tatsächlich nicht wenige (ganz moderne wie auch sehr alte) Windows-Spiele perfekt (oder nahezu perfekt) mit Wine laufen.

Der Vorteil beim Umgang mit NTFS-Festplatten ist auch, dass mir die fehlenden Dateiberechtigungen nie auf die Nerven fallen. Das ist keinem Anfänger zuzumuten, dass er sich immer erstmal mit der Meldung „Keine Berechtigung“ herumschlagen muss, und für jedes gottverdammte Verzeichnis entscheiden soll, wer darauf Lesen und Schreiben darf. Ich kenne Informatiker, die in solchen Fällen irgendwann keinen Bock mehr haben und einfach flächendeckend „777“ einstellen – also quasi alle Rechte für jeden. Und ich kann sie gut verstehen. Wie oft habe ich stundenlang herumgerätselt, wieso ein bestimmtes Programm nicht startet. Und was war es am Ende? Keine Leserechte für ein popeliges Verzeichnis. Das muss nicht sein.

Der Anwender in mir stört sich nach wie vor sehr an dem unnötig kryptischen Linux-Dateisystem (/mnt/ (Maintenance?), /proc/ (Processor?), /srv/ (Server?), /sbin/ (Super Binaries?) ???), da ist Windows mit seinen sprechenden Namen doch noch weiter, so ungern das die Linuxer hören. Ich hab keine Ahnung was /opt/ (Options?) bedeutet und was da reinkommt. Ich hab Eclipse dort entpackt (und vorher die Berechtigungen anpassen müssen, duh!). Wahrscheinlich war das falsch, keine Ahnung. Es ist nicht intuitiv. Nein, absolut nicht. Man kann sich daran gewöhnen und man kann es auswendig lernen, aber intuitiv wird das nie sein.

Die Anwendungsverwaltung ist der nächste Hit: Die Linux-Fans bringen sie gern als das Top-Argument gegen Windows, wo immer erstmal ein Installer heruntergeladen werden muss. Mit der Anwendungsverwaltung entfällt das händische Updaten der vielen Programme auf dem Rechner, denn die kümmert sich automatisch darum. Dumm nur, dass die Anwendungsverwaltung eben nicht alle Programme kennt, und man dann in Einzelfällen doch wieder im Internet nach Installationsdateien suchen darf – wie unter Windows. Außerdem kam mein Linux Mint mit einer älteren Version von Libreoffice daher (5.1.x), und die Anwendungsverwaltung wollte nicht auf 5.2.5 aktualisieren. Und schlimmer: Sie hat mir Version 3.8 von Eclipse installiert – diese ist fünf Jahre alt! Version 4.6 musste ich also doch wieder von Hand installieren. Das ist einfach schlecht gemacht. So wirklich gut kann das mit den automatischen Updates also nicht funktionieren, wenn fünf Jahre alte Programmversionen als „aktuell“ durchgehen.

Die Konsole ist super. Und zwar nicht, weil ich damit so extrem effizient und schnell arbeiten kann, sondern weil ich sie bisher noch nicht gebraucht habe. Es geht nichts über Konsolenbefehle, damit der Profi sein Ziel in Rekordzeit erreichen kann, sofern er alle Befehle und die Parameterreihenfolge auswendig kann. Aber wenn ein Anfänger, der überhaupt keinen Bezug zu Konsolenfenstern hat, plötzlich gezwungen ist, damit zu arbeiten, weil es keinen Mausklickweg zu einer bestimmten Funktion oder Einstellung gibt, dann ist das einfach nur Mist. Im Jahr 2017 muss es zumindest möglich sein, alles irgendwie mit der Maus zu erreichen. Ja, das ist langsamer, aber es liegt Anfängern näher. Profis werden mir jetzt vehement und wüst schimpfend widersprechen. „Linux muss so sein, das ist auch gut so! Wenn’s nach mir ginge, gäbe es gar keine grafische Oberfläche mehr, bla blub…“.

Anstelle von Firefox versuche ich es jetzt einmal mit dem Vivaldi-Browser. Das ist der geistige Nachfolger des alten Opera-Browsers, der noch auf Funktionsvielfalt und nicht auf hirnlosen Minimalismus gesetzt hat. Ich bin bis jetzt äußerst begeistert davon, da er einige Features mitbringt, die ich sonst meist per Addon nachrüsten muss (Mausgesten, Tabgruppen, Tab-Hibernation, Schnellwahl, Tab-Preview etc.). Ich denke, ich bleibe erstmal dabei.

Wie ist mein Fazit bisher? Linux wirklich als Desktop-Betriebssystem? Als Windows-Ersatz, sogar für Linux-Neulinge? Ja, grundsätzlich schon – wenn es denn auf Anhieb funktioniert. Leider ist das nicht immer der Fall. Fehlender Sound, fehlende Grafikbeschleunigung, Linux fährt direkt nach der Installation nicht mehr hoch, Probleme mit Dateiberechtigungen … alles schon erlebt, und schon muss man wieder ins Linux-Forum und darf die doofe Konsole aufmachen. Die Liste potentieller Probleme ist lang. Mit Standard-Hardware hat man es zum Glück leichter. Ein einmal eingerichtetes Linux ist dagegen eine echte Erleichterung und Freude, umgewöhnt hat man sich schnell. Man muss sich zwangsläufig ein paar neue Tools suchen, und auch bei den Spielen muss man natürlich einige Abstriche machen, aber Wine federt das ganze schon deutlich ab. Alles andere funktioniert wie man es kennt: Surfen im Internet, E-Mails abrufen, Musik hören, Filme schauen, ein bisschen Grafikbearbeitung und Softwareentwicklung, das alles ist kein Problem.

Bis jetzt bin ich wirklich zufrieden und auch überrascht davon, wie gut es funktioniert. So kann es meinetwegen bleiben. Ich werde in ein paar Wochen einen weiteren, etwas fundierteren Erfahrungsbericht abliefern. Sicherlich werden mir noch mehr Probleme auffallen, über die es dann zu berichten gilt.

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