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Über Vince

Ein Mann kann etwas verändern.

Wenn es eine Sache gibt, die ich überhaupt nicht machen will, dann ist es, eine Arbeit sinnlos zu wiederholen, die ich bereits vollständig und zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt hatte. Aber eben genau dazu war ich gezwungen, nachdem mein schönes, altmodisches (sprich: Retro-) Design durch ein Softwareupdate ruiniert war. Also alles wieder auf Anfang. Und dafür, dass ich mich letztlich nur mit größtem Widerwillen um die Angelegenheit gekümmert habe, bin ich doch relativ schnell vorangekommen. Gut, es hat ein paar Wochen gedauert, aber das ist ja alles noch verschmerzbar. Ich habe mich schon fast auf Jahre eingestellt.

Ich war doch recht erstaunt, wie simpel das Themeing immer noch ist, obwohl die Software längst sehr komplex und leistungsfähig geworden ist. Die WP-Standardthemes sind alle natürlich in höchstem Maß dynamisch und streng durchstrukturiert, aber es ist alles trotzdem gut lesbar, sogar für Frontend-Bauern und komplette Design-Pfeifen wie mich. Ich habe mir erstmal die ähnlichste Standardtheme ausgewählt, eine eigene „Child-Theme“ davon abgeleitet, und der Rest war jede Menge Grafikbearbeitung und vor allem stundenlanges CSS-Feintuning nach dem Prinzip Trial and Error. Als ich gemerkt habe, wie gut sich die Theme an allen möglichen Stellen anpassen lässt, ging vieles fast wie von selbst.

SuccessDenied.com zweites Design (seit 2011)

Einige Plugins musste ich auf Grund weiterer Fehler komplett ersetzen, hässliche Darstellungsfehler in meinen statischen Seiten musste ich an die neuen Stylesheets anpassen, und das komplette Header-Bild habe ich bei dieser Gelegenheit auch gleich aufwändig „remastered“; größer, breiter, in höherer Auflösung, mit schärferen Kanten und kristallklarer Schrift. Der OXYD-Hintergrund wurde dazu völlig neu entworfen, ebenfalls in besserer Auflösung. Die Menüleiste musste ich vorerst leider etwas schlichter gestalten, der alte, dezente 3D-Effekt fällt raus. Zu sehr reinhängen wollte ich mich am Ende dann doch nicht, zumal der Header schon einige Stunden meiner freien Zeit gefressen hat. Dann bleibt wenigstens noch mehr Optimierungspotenzial für später.

Und jetzt hat SuccessDenied.com endlich wieder einen Stand erreicht, der dem alten Design sogar überraschend nahe kommt. Ich bin sogar fast soweit, zu behaupten, dass mir das neue Design irgendwie besser gefällt, und dass ich froh sein sollte, dass nach dem Update alles kaputt war, denn es war ohnehin nur noch eine Frage der Zeit. Auf jeden Fall ist die neue Theme unter der Haube wesentlich simpler, übersichtlicher und schleppt viel weniger für mich undurchschaubare Code-Altlasten mit sich herum als das alte Konstrukt. Dadurch sinkt die Gefahr, dass so bald wieder was Unschönes passiert. Denn wo nichts ist, kann auch nichts plötzlich veraltet sein und Fehler erzeugen. Aber das heißt natürlich nicht, dass es hier am Design schon nichts mehr herumzubasteln gibt. Viele kleine Ecken und Kanten könnten noch glattgezogen werden. Es bleibt weiterhin ein fließender Prozess.

Ich hoffe diese Gelegenheit wird sich für mich im Rückblick als der dringend nötige Wendepunkt erweisen, an dem meine Aktivität auf dem Blog wieder spürbar steigt, und ich mich wieder um diverse andere Projekte kümmere, die ich wirklich aufs Sträflichste vernachlässigt habe, *hust*. Egal was kommt, dieser Artikel hier dürfte ja schonmal ein Anfang sein, und das ist besser als nichts, schätze ich.

Also: Willkommen auf SuccessDenied.com im Jahr 2019!

Ein Mann und sein Ergometer kämpfen gegen die Herrschaft der Maschinen. Naja, jedenfalls beobachten wir ihn auf der Mattscheibe. Die eigentlich gar nicht matt ist, sondern glänzt. Stundenlanges Strampeln zwecks Kalorienverbrennung über einen Zeitraum von mehreren Monaten war nötig, doch nun ist meine Fernsehserien-Checkliste um einen Eintrag länger geworden: Die Actionserie „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ ist für mich beendet; nach den einzigen beiden Staffeln, die diese Serie überhaupt zu bieten hat, da sie seinerzeit nach ihrer Laufzeit von 2007 bis 2009 vorzeitig vom Sender abgesetzt wurde, und daher mit einem Cliffhanger endet, der offiziell nie aufgelöst wurde. Wie eben so oft bei TV-Serien.

Wieder einmal handelt es sich um eine Serie, von der ich viel gehört hatte, und die mir von mehreren Personen ans Herz gelegt wurde, weshalb ich mich nach all den Jahren nun verspätet ins Vergnügen stürzte. Sarah Connor Chronicles spielt zeitlich wenige Jahre nach den Ereignissen von Terminator 2: Sowohl der T-1000 als auch der T-800 sind vernichtet, und auch die Entstehung von Skynet ist abgewendet worden. Der Tag der Abrechnung im Jahr 1997 fällt glücklicherweise aus. Aber Sarah Connor ist mit ihrem Sohn John seit Jahren auf der Flucht, da sie wegen Mordes an dem Cyberdyne-Programmierer Miles Dyson gesucht wird. Ihre schlimmsten Befürchtungen, dass das Unheil nämlich gar nicht aufgehalten, sondern nur verzögert wurde, bewahrheiten sich leider, als John plötzlich in der Schule von einem „Triple-8“ (Terminator Modell T-888) angegriffen wird. Zum Glück taucht aber sofort Hilfe auf: Johns hübsche Klassenkameradin Cameron (offensichtlich benannt nach Terminator-Schöpfer James Cameron) gibt sich rechtzeitig als der nächste Beschützer-Terminator zu erkennen, rettet John das Leben und bekämpft den bösen Blechmann.

Cameron hat für diesen Ernstfall bereits vorgesorgt und aktiviert eine versteckte Zeitmaschine, mit der sie Sarah und John ins Jahr 2007 schleust. Doch unvorhergesehenerweise gelingt es dem Triple-8, ihnen dorthin zu folgen, und so wird die mörderische Hatz fortgesetzt. Schon kurz darauf bekommt das Trio großkalibrige Unterstützung aus der Zukunft von dem Soldaten Derek Reese, dem Bruder des 1984 getöteten Kyle Reese, dem Vater von John. Gemeinsam versucht man, den Maschinen zu entkommen, und gleichzeitig erneut die Geburtsstunde von Skynet zu verhindern, denn die Gruppe erfährt bald, dass ein hochentwickeltes Schachprogramm mit fortgeschrittener künstlicher Intelligenz höchstwahrscheinlich der Anfang vom Ende der menschlichen Zivilisation sein wird.

Die Prämisse der Serie klingt erst einmal gar nicht schlecht und hatte mit Sicherheit viel Potenzial. Leider ist es für TSCC fatal, dass im Verlauf der beiden Staffeln ein Fass nach dem anderen aufgemacht wird, und dann wird leider für keines davon eine Auflösung präsentiert. Stattdessen wird am Ende von Staffel 2 in einem großen Cliffhanger-Finale zu allem Überfluss auch noch eine völlig neue Zeitlinie aufgemacht. Schließlich hängen sämtliche Handlungsstränge irgendwo in der Luft, und der Zuschauer stellt enttäuscht fest, dass Sarah, John, Cameron und Derek in diesen zwei kümmerlichen Staffeln praktisch kaum vom Fleck gekommen sind. Was war denn nun mit dem bösen Schachcomputer? Und was war mit dem mysteriösen Flüssigmetall-Terminator? Wozu sehen wir Episode um Episode „John Henry“ dabei zu, wie er lernt und über Menschen philosophiert? Wer war die „echte“ Cameron in der Zukunft? Was war mit den UFOs? Hat Sarah Connor denn nun Krebs oder nicht? Wohin flieht Dereks Soldaten-Freundin vom Widerstand? Die Liste der unbeantworteten Fragen ist fast endlos. Es ist mehr als deutlich, dass die Autoren das alles in die späteren Staffeln mitnehmen wollten.

Fans von Cameron-Darstellerin Summer Glau kennen diese Situation zufälligerweise bereits von ihrer anderen Kultserie, „Firefly“, bei der die Katastrophe sogar noch schlimmer war: Kaum mehr als ein Dutzend Episoden in einer einzelnen Staffel gab es zu bewundern, dann war sofort Sendeschluss. Dem Zuschauer wurde ein großes Serienuniversum schmackhaft gemacht, viele spannende Charaktere und Ideen etabliert, und gerade dann wenn man endlich richtig drin ist … fertig. Das ist eben der Nachteil bei Serien, die einen Handlungsbogen gleich über mehrere Staffeln hinweg spannen wollen, und dann vom produzierenden Sender viel zu früh den Stecker gezogen bekommen. Ich habe viele andere Serien gesehen, die auf Grund schlechter Quoten vor ihrer Zeit abgesetzt wurden, deren Handlung aber meist stets im Verlauf einer Episode, größtenfalls in einer Staffel komplett abgeschlossen wird. Solche Serien sind dadurch fast immun gegen spontane Planänderungen und lassen die Zuschauer immerhin nicht mit einem leeren Gefühl zurück. Und genau das gleiche Problem hatte ich zuletzt bei „Stargate: Universe“.

Aber ich will nicht alles schlechtreden. Ich kann vielleicht nicht behaupten, ein Fan der Serie geworden zu sein, aber ein bisschen von dem, was ich freudig erwartet hatte, bekam ich dann auch: Ein paar spannende Kämpfe Terminator vs. Terminator, nicht ganz so krachend wie mit Arnold Schwarzenegger, aber allemal gut genug. Lena Headey ist auch ein ganz annehmbarer Ersatz für Linda Hamilton, und Summer Glau verzückt wie erwartet in der Rolle der emotional hölzernen, sozial unbeholfenen Terminator-Teenagerin mit übermenschlicher Körperkraft. Die Effekte sind zugegebenermaßen eher bescheiden, aber dafür kann man sich auf die vielen Dialoge konzentrieren, in denen Sarah ihren Sohn irgendwie immer wieder zur Vorsicht und Wachsamkeit mahnt und John sich um Cameron sorgt. Die Spannungen zwischen den einzelnen Charakteren sind schon eine Menge Stoff für Unterhaltung in TSCC. Dennoch muss ich gestehen, dass ich die allgemeine Faszination selbst als Terminator-Fan nicht so recht nachvollziehen konnte.

Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass Edward Furlong bereits auf der Kinoleinwand einen frühjugendlichen John Connor gezeigt hat, der sich als Ausgestoßener, als schwer erziehbares Anarcho-Pflegekind weitestgehend von der Gesellschaft abgekapselt hat, der auf Konformität scheißt, der Bankautomaten knackt, Autos klaut und mit Waffen Umgang hat. Und jetzt steht John Connor an der Schwelle zum Erwachsensein und hat für meine Verhältnisse zuviele unbedeutende Teenager-Probleme. Er achtet auf sein Haarstyling, pflegt sein gefaketes unnahbares Bad Boy Image, sorgt sich um das Wohl seiner Mitschüler und verliebt sich in aufdringliche Highschool-Mädchen. Selbst seine Mutter, die es besser weiß, hat ihre Schwierigkeiten damit, ihm einzutrichtern, dass er kein normaler Teenager ist, sondern ein Soldat in einem Krieg gegen die Maschinen, der unentbehrlich dabei ist, das Ende der Menschheit aufzuhalten. Mein Eindruck ist, John war über diesen Punkt am Ende von Terminator 2 längst hinaus.

Was bleibt ist eine Actionserie, in die man nicht zuviel Zeit investieren muss, die die Terminator-Geschichte ein wenig weitererzählt, aber insgesamt keinen besonders großen bleibenden Eindruck hinterlässt. Für eine Wiederholung reicht es bei mir jedenfalls nicht. Die epische Titelmusik aus den ersten beiden Terminator-Filmen ist jedem Fan sofort präsent, wenn er nur daran denkt. Hier funktioniert der eher schwermütige Soundtrack oder das trockene Intro leider bei weitem nicht so gut, so dass man die Details schnell wieder vergisst. Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb man das Intro nach ein paar Folgen einfach unter den Tisch fallen gelassen hat. Und ob die kurze Geschichte um die Sarah Connor Chronicles bald überhaupt noch zum Kanon gehört, wird sich zeigen, wenn demnächst Camerons nächstes echtes Terminator-Kapitel (Terminator: Dark Fate) in die Kinos kommt. Von dem ist nämlich bekannt, dass es alle Filme nach T2 ignoriert. Und das ist wahrscheinlich gut so.

Tja, da geht sie hin, meine schöne alte WordPress-Theme, die ich damals mühsam zusammengefrickelt habe. Damals, 2010. Mit dem neuesten WordPress-Update hatte die Theme leider plötzlich einige schwerwiegende Probleme verursacht, wodurch Kommentare und diverse andere Dinge nicht mehr angezeigt wurden. Den oder die Fehler zu beheben hätte wahrscheinlich sehr lange gedauert, wenn ich es überhaupt irgendwie hinbekommen hätte. Also musste ich schnell improvisieren und eine neue Standardtheme einstellen, damit die Seite überhaupt wieder funktioniert.

Die alte Theme war ursprünglich für WordPress 3 erstellt worden, seitdem unverändert geblieben, und daher auch nicht mehr an die neuen Funktionen angepasst worden. Mit jedem weiteren Update und größeren Versionssprung stieg die Gefahr, dass früher oder später etwas an meiner Theme kaputtgehen würde. Insofern ist es ein Wunder, dass das Ding überhaupt so lange gehalten hat. Leider hatte ich heute Mittag dann wohl doch kein Glück mehr, und daher sieht meine Webseite jetzt eben so komisch aus.

Ich kann im Moment leider nicht viel machen, allerhöchstens Kleinigkeiten, mir fehlt auch meistens die Zeit, um mich wieder ins Themeing einzuarbeiten und Grafiken zu bearbeiten, insofern wird es jetzt wohl erstmal so bleiben, bis mir etwas einfällt. Die Umstände beim Lesen bitte ich zu entschuldigen.

Vielleicht sehe ich es einfach positiv: Jetzt muss ich tatsächlich mal wieder was machen, und kann die Gelegenheit für eine Generalüberholung meiner Webseite nutzen. Wer weiß schon was dabei rauskommt.

Heute vor exakt einem Jahr ereignete sich ein sonderbarer Vorfall, bei dem ich beinahe von einer selbsternannten Parkplatzpolizei – nämlich der schmierigen Firma Park & Control – abgezockt worden wäre. Immer häufiger schließen Supermarktbetreiber in ganz Deutschland windige Verträge mit Parkplatz-Wachfirmen ab, die dann mit Personal nebst Kontrollfahrzeugen die Supermarktparkplätze bewachen und „Strafzettel“ ausstellen, wenn man keine Parkscheibe im Auto hinterlässt. Oft genügt es – entgegen offizieller Aussagen – wenn man sein Auto nur fünf Minuten dort abstellt um eine Kleinigkeit zu besorgen, schon hängt ein gelber Zettel unter den Scheibenwischern.

Eine mir bekannte Person, genauer gesagt der Freund eines Freundes vom Onkel der Putzfrau eines Nachbarn, der mir zufälligerweise sehr ähnlich sieht, und gerne anonym bleiben möchte, besuchte im März 2018 mit meinem Auto eine Rewe-Filiale, bei der er schon desöfteren eingekauft hatte, der letzte Besuch mochte aber schon einige Monate zurückgelegen haben. Er wollte nur schnell ein paar Snacks holen, der Einkauf war wie immer nach kaum fünf Minuten erledigt. Wieder beim Auto angelangt, entdeckte er den gelben Zettel auf der Scheibe, und ein Prospekt besagter Firma. Ein „Parkverstoß“ wurde festgestellt, da er unerlaubt auf Privatgelände geparkt hatte. Als Vertragsstrafe würden jetzt leider 30 EUR fällig. Also mal eben der sechsfache Betrag von dem, den er soeben noch an der Kasse bezahlt hatte. Dazu die genaue Uhrzeit, einige technische Daten über mein Fahrzeug, von dem auch ein Beweisfoto gemacht wurde. Zuletzt die Zahlungsmodalitäten für die Zahlung innerhalb einer Frist von 10 Tagen bitteschön.

Von der Person, die den Zettel dort hinterlassen hatte, fehlte jede Spur. Nun begann sich der Bekannte zu diesem Zeitpunkt auf dem Parkplatz umzusehen. Am Eingang zur Filiale stand jedenfalls nirgends eine Warnung über die sogenannte „Parkraumüberwachung“. Auch gab es bei der Einfahrt zum Parkplatz keine deutlichen, markanten (idealerweise roten) Warnschilder, die auf Parkkontrollen hinwiesen. Jedoch entdeckte er nun auf dem Parkplatz tatsächlich neue Hinweisschilder – in etwa 3 Metern Höhe. Dort, wo man kaum täglich hinschauen wird, geschweige denn kleine Hinweise lesen, schon gar nicht, wenn man nicht erwarten muss, dass sich an der Beschilderung am Parkplatz plötzlich etwas ändern würde. Üblicherweise springt man aus dem Auto direkt in die Filiale, so wie schon gefühlte 100 Male davor. Aber erst wenn man sich aktiv und ohne Scheuklappen nach Schildern umsieht, die man vorher nie gesehen hat, findet man sie auch.

Als legitimer Kunde von Rewe sah mein Bekannter auch keinen Grund, die absurde Strafe zu zahlen, und so ließen wir die Frist bedenkenlos verstreichen. Direkt im Anschluss erhielt ich Post von der Abzockerfirma. Von „gut sichtbaren Schildern“ war darin die Rede. Von Beweisbildern bzw. „Nachweisen“ zum Vorwurf, die im Internet für mich einsehbar seien. Für die Halterermittlung warfen sie zusätzlich zur Forderung nochmal eine Mahngebühr von 6,50 Euro drauf. Das beste an dem Brief ist der FAQ-Teil in deutsch und englisch, in dem sie klarstellten, dass es hier juristisch keine Ausreden gibt, dass alles rechtlich einwandfrei und unstrittig ist, die Beweislage eindeutig, und die Schuld des Halters nicht in Zweifel gezogen werden kann. Sofern das Fahrzeug von mehreren Personen gefahren wird, so liege die Darlegungs- und Beweispflicht angeblich beim Halter, sonst hafte er pauschal.

Auch die neu gestellte Frist ließ ich verstreichen. Ende April flatterte mir Post von einer weiteren Abzockerfirma ins Haus, nämlich vom Inkassounternehmen Tesch Inkasso, die beauftragt wurde, die Forderung einzutreiben. Dafür schlugen sie wiederum 20 Euro drauf, weshalb die Forderung inzwischen stolze 56,50 Euro betrug. Dazu gab es jede Menge Rechtsgeschwurbel zu lesen, und der Hinweis, dass sie Inkassovollmacht besäßen, und ich mir „weitere Kosten und Maßnahmen“ ersparen könnte, wenn ich sofort überweise, sonst würden sie weitere Schritte einleiten. Freundlicherweise lag ein Überweisungsschein mit der Forderung bereits bei. Wer hätte bei soviel Entgegenkommen noch nein sagen können?

Als ich dann sogar diese Frist verstreichen ließ, lag Mitte Mai der nächste Brief im Briefkasten. Wieder die Inkassofirma, die mich „der guten Ordnung halber“ darauf aufmerksam machte, dass sie bald „alle Unterlagen zur Einleitung gerichtlicher Maßnahmen an unsere Vertragsanwälte übergeben“ würde. Aber ich sollte die Sache doch „außergerichtlich und einvernehmlich“ lösen wollen, denn sonst „wird die Forderung auf gerichtlichem Wege tituliert und mittels anschließender Zwangsvollstreckung beigetrieben“. Das würde ich ja schon „aufgrund der weiteren, nicht unerheblichen Kosten, welche zu Ihren Lasten gehen“ nicht wollen. Au weia! Wüste Drohungen! Jetzt musste ich also ganz schnell handeln.

Ganz schnell ließ ich wiederum die neue Frist verstreichen. Und so meldete sich Ende Mai ein netter Rechtsanwalt postalisch bei mir, nämlich der Thomas aus Frechen. Der freche Thomas wies mich „unter Versicherung anwaltlicher Vollmacht“ erneut auf die Forderung der Firma Park & Control hin, da ich trotz der „gütlichen Einigungsversuche“ bislang keine Zahlung geleistet hatte. Interessanterweise wurden mir keine Anwaltskosten auf die Forderung aufaddiert, weshalb es bei den 56,50 Euro bleiben sollte. Aber es würde bald ein „gerichtliches Mahnverfahren gegen Sie eingeleitet werden“. Und „mit der Beantragung des Mahnbescheides bei Gericht fallen weitere, nicht unerhebliche Mehrkosten an“, die ich jetzt gerade noch vermeiden könnte, wenn ich dem frechen Thomas rechtzeitig mein Geld überweise. Denn „sollte die Forderung rechtskräftig tituliert werden, kann ein Gerichtsvollzieher mit der Zwangsvollstreckung beauftragt und ggf. eine Kontopfändung bei Ihrer Bank oder eine Lohn- und Gehaltspfändung bei Ihrem Arbeitgeber durchgeführt werden.“. Bemerkenswert finde ich, wie mir solche Subjekte „mit freundlichen Grüßen“ die Zwangspfändung meines Kontos und meines Lohns in ihren Schreiben androhen, und ich mich dabei gleichzeitig „sehr geehrt“ fühlen sollte. Briefkonventionen in Deutschland haben schon etwas inhärent sehr Verlogenes an sich, oder?

Mit der gruseligen Drohung des Rechtsanwalts Thomas hatte ich nun offenbar keine andere Wahl, und so entschloss ich mich schließlich doch noch dazu, auch die neue Frist wiederum verstreichen zu lassen. Von mir würden diese Abzocker kein Geld sehen. Soll der freche Thomas nur kommen, mein Körper war bereit. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich allerdings längst selbst im Netz informiert. Dort wird Betroffenen dringend geraten, nicht zu zahlen, und auf die Schreiben dieser Firmen nicht zu antworten, denn anders als diese es in ihren lästigen Drohbriefen implizieren, ist die Rechtslage alles andere als eindeutig. Eine pauschale Halterhaftung ist völliger Unfug, genauso wie die angebliche Beweispflicht des Halters. Park & Control lügt die Adressaten ganz dreist und bewusst an, um eine Einschüchterung und somit Zahlungsbereitschaft zu erreichen. Ungestraft.

Und damit ist auch die bei Bagatellverstößen übrigens sehr umstrittene Halterermittlung wertlos. Wenn der Fahrzeughalter einfach bestreitet, den Parkverstoß begangen zu haben, hat die Firma vor Gericht bereits ganz schlechte Karten. Rechtlich gesehen muss ich Dokumente, die mir von verwirrten Personen unter die Scheibenwischer geklemmt werden, nicht einmal als zugestellt betrachten, da diese dafür nicht vorgesehen sind. Wenn ich also von der dubiosen Strafe nichts weiß, kann ich diese natürlich auch nicht begleichen. Außerdem wird die Beschilderung auf den Parkplätzen bewusst so gestaltet, dass sie leicht übersehen werden kann, wenn man die Vorgehensweise nicht bereits kennt. Die Schrift auf den Schildern wird ebenfalls kleiner gehalten als nötig. Beispiele für diese Irreführung gibt es viele, deutschlandweit. Die Kulanzzeit, die eigentlich 20 bis 30 Minuten betragen sollte, wird ebenfalls absichtlich ignoriert. Der Grund ist simpel: Der Betreiber des jeweiligen Supermarktes selbst bezahlt Park & Control nichts. Es handelt sich um gewinnstrebende Parkplatzbewacher, die allein davon profitieren wenn mehr Leute in ihre Falle tappen. Je mehr Supermarktbesucher alles richtig machen, desto weniger verdient die Firma. Und als Besucher gehe ich erst einmal davon aus, dass ich als zahlender Kunde auf dem Parkplatz willkommen bin, und nicht während des Einkaufens abgezockt werde.

Die geforderte Vertragsstrafe von anfänglich 30 Euro ist übrigens ebenfalls rechtswidrig, da sie viel höher liegt als vergleichbare Strafgebühren der öffentlichen Parkraumüberwachung. Erfahrungsgemäß lassen die meisten Betroffenen sich von den Strafzetteln jedoch leicht erschrecken, so dass diese die Strafe oftmals noch am selben Tag bezahlen. Wegen eines 5 Euro-Einkaufs für Snacks wollten sie zuletzt fast 60 Euro von mir haben. Dafür werde ich diese Filiale definitiv nie wieder betreten, und sie werden an mir auch nichts mehr verdienen. Ich weiß aus verlässlicher Quelle, und auch direkt von anderen Betroffenen, dass nicht wenige das genauso handhaben wie ich, und sie die Filialen, die solche Maßnahmen gegen ihre eigene Kundschaft durchsetzen, komplett boykottieren. Insofern würde es mich wundern, wenn der Filialbetreiber dabei am Ende des Tages Gewinn macht.

Seit Juni habe ich nun keine Schreiben mehr erhalten. Offenbar haben sie gemerkt, dass ich mich nicht einschüchtern lasse und bei mir nichts zu holen ist, und dass sie eben ein Gerichtsverfahren wegen 56,50 EUR gegen mich einleiten müssten. Und das bei zweifelhaften Erfolgschancen. Im Gegenteil, wurden Klagen der Firma Park & Control bereits von Gerichten abgewiesen.

Meine Damen und Herren, so ist Deutschland. Man wird belogen, betrogen, und bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten mit schmutzigen Tricks um sein Geld erleichtert. „Alles rechtlich einwandfrei“ verkündete der Supermarktbetreiber sogar öffentlich zu seiner neuen Parkraumüberwachung. Da ist überhaupt nichts einwandfrei, das ist eine ganz schöne Frechheit, mit welchen Mitteln da gearbeitet wird.

Weiterführende Links:

https://www.kanzlei-hollweck.de/ratgeber/parkplatzkontrolle/

http://www.takkiwrites.com/30-euro-fuer-parkverstoss-ist-das-ueberhaupt-zulaessig/

http://www.verkehrsrecht.gfu.com/2016/01/keine-halterhaftung-fuer-vertragsstrafe-bei-unberechtigtem-parken-auf-privatgelaende/

https://www.test.de/Privatparkplaetze-Duerfen-Supermaerkte-Knoellchen-an-Parksuender-verteilen-5446920-0/

Aus aktuellem Anlass ein Kommentar meinerseits zu einem Thema, das zuletzt durch die Medien geisterte und mich leider indirekt persönlich betrifft. Erst vor wenigen Monaten entschloss ich mich, mein Vertrauen einem deutschen E-Mail-Dienstleister zu schenken, der seinen Kunden für einen geringen monatlichen Obolus unter anderem Anonymität, Verschlüsselung, Sicherheit, Werbefreiheit und vor allem Datenschutz versprach: Posteo

Jüngst wurde ausgerechnet Posteo durch eine schwachsinnige und gefährliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nebst Geldstrafe dazu verurteilt, seine eigenen Kunden direkt zu überwachen, sobald deutsche Strafverfolgungsbehörden das verlangen. Die deutsche Unrechtsprechung zwingt also selbst IT-Dienstleister, die sich ganz konkret und vehement gegen jegliche Überwachung positionieren, auf schizophrene Weise zu aktiver Unterstützung dabei, die eigenen Kunden im Hintergrund auszuspionieren, ihre IP-Adressen aufzuzeichnen und alle diese Daten auszuhändigen. Und sie dürfen das alles den betroffenen Kunden noch nicht einmal mitteilen, werden also zusätzlich zur Verschwiegenheit und Heimlichtuerei verpflichtet.

Das sind Kunden wie ich, die Geld für IT-Dienstleistungen bezahlen, und wie versprochen im Gegenzug echte Anonymität und Datenschutz erwarten, dies aber möglicherweise gar nicht bekommen. Sie werden also streng genommen betrogen. Und Posteo kann dann noch nicht einmal etwas dafür, denn sie werden in ihren eigentlichen Absichten von höchster gerichtlicher Stelle sabotiert. Posteo hat juristisch alles getan, um diesen katastrophalen Fall abzuwenden, doch am Ende gewinnt die Überwachungsgeilheit deutscher Behörden, die sogar falsche Verfassungskonformität bescheinigt bekommt von senilen, konservativen Richtern, die die Tragweite ihrer technikfremden, fortschrittsfeindlichen Fehlentscheidungen nicht im Ansatz verstehen. Mit verbissener Konsequenz wird der von der Regierung vor Jahren eingeschlagene Holzweg zur Überwachung der Bürger fortgesetzt und juristisch immer mehr ausgeweitet und weiter legitimiert. Und selbst wer aussteigen will, sich dem Trend widersetzen will, wird von allen Gerichten per existenzbedrohender Geldstrafen wieder auf Linie gezwungen.

Es reicht offenbar nicht, dass alle Internet- und Mobilfunkanbieter als verlängerter Arm des Gesetzes längst zur Mithilfe und Datenübergabe selbst in Bagatellfällen verpflichtet sind, nun werden auch kleinere E-Mail-Anbieter in die Knie gezwungen und zur Obrigkeitshörigkeit verdonnert. Es ist damit de facto per Gesetz unzulässig, einen IT-Dienst anzubieten, der seinen Kunden Anonymität gewährt. Was bedeutet das folglich? Deutsche Unternehmen sind für Kunden daher grundsätzlich nicht vertrauenswürdig; können sie gar nicht sein, wenn sie ihren Kunden niemals garantieren können, dass Behörden nicht jederzeit Zugriff auf ihre Daten erlangen dürfen. Schlimmer noch, ich darf nicht einmal erfahren, wenn meine Daten an irgendjemanden ohne mein Wissen und ohne meine Genehmigung ausgehändigt wurden.

Posteo verdient meinen Respekt dafür, dass sie trotz aller Widrigkeiten versucht haben, sich dagegen zu wehren. Aber diesen Kampf konnten sie nur verlieren, denn hier sitzen längst die stolzen Architekten des Überwachungsstaats am Hebel. Und nun werden sie keine andere Wahl haben, als eine teure technische Vorrichtung zur Protokollierung der Zugriffe und Speicherung der IP-Adressen ihrer Kunden installieren zu müssen, und das einzig zum Zweck der Mithilfe zur Strafverfolgung. Denn falls mal wieder die Polizei anklopft und dumme Fragen stellt, dürfen sie sich in Zukunft nicht mehr auf technische Unmöglichkeit berufen, dürfen sich nicht mehr weigern, jemanden zu überwachen und möglicherweise ans Messer zu liefern. Sie müssen eigenes Kapital aufwenden, um dafür Sorge zu tragen, allen behördlichen Spionageanfragen problemlos nachzukommen.

Aus meiner Sicht eine absolute Schweinerei, dass so etwas hier möglich ist. Ein schändliches Urteil, das nicht hätte gefällt werden dürfen. Anonymität im Netz ist heutzutage sehr selten, wertvoll und in jeder Hinsicht schützenswert. Es ist bereits schwer genug, jemanden zu finden, der sich kompromisslosem Datenschutz verschrieben hat und wirklich im Sinne seiner Kunden handelt. Aber wenn selbst diese zahlenmäßig geringen Bemühungen von Behörden und Gerichten gemeinsam torpediert werden, sterben diese Werte endgültig aus. Für mich bedeutet das, dass ich mich von Posteo mittelfristig leider wieder trennen muss, um mich bei der Konkurrenz im Ausland umzusehen, die vor dem Zugriff deutscher Bürokraten möglicherweise etwas besser geschützt ist.