Vince

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Ein Mann kann etwas verändern.

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Beiträge von Vince
Television

MacGyver im Weltraum

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Ich musste gerade einmal kurz nachsehen, wann ich die letzte Fernsehserie beendet hatte – das war am 3. Februar vergangenen Jahres, also vor fast genau einem Jahr. So lange habe ich mir mit Stargate – Kommando SG-1 Zeit gelassen. Die Serie wurde mit zehn Staffeln zwischen 1997 und 2007 produziert. Wiederum handelt es sich um eine Empfehlung aus dem Kollegenkreis. Zur Serie hatte ich bislang überhaupt keinen Bezug und auch nie ein besonderes Interesse, das zu ändern. Einzig den Kinofilm „Stargate“ von Roland Emmerich aus dem Jahr 1994 hatte ich irgendwann Mitte der 90er Jahre gesehen und ich war vielleicht nicht unbedingt überwältigt, aber spannend war der Film allemal. Die Geschichte des Films in Form einer TV-Serie mit sehr viel geringerem Budget fortzuführen, das erschien mir irgendwie sinnlos und auch unspektakulär.

Nachdem ich mir nun die komplette Serie, sowie die beiden darauffolgenden Fernsehfilme Stargate: The Ark of Truth – Die Quelle der Wahrheit sowie Stargate: Continuum, die beide 2008 folgten, angesehen habe, haben sich meine anfänglichen Vorbehalte leider nicht unbedingt verflüchtigt. Um endgültig Gewissheit zu haben, dass mein Geschmack sich nicht inzwischen geändert hatte, sah ich mir zu allerletzt nochmals den Stargate-Kinofilm an. Die IMDb bewertet die Serie zwar ein ganzes Stück besser als den Emmerich-Auftakt, doch im Endeffekt muss ich sagen, dass mir der Stil des Films einfach besser gefällt. Der Film ist epischer und bietet mit Kurt Russell und James Spader zwei hollywood-erprobte Darsteller. Gut, die Serie andererseits hat MacGyver. Der kann aus einem Kaugummipapier, einer Kugelschreibermine und einem Stück Draht ein Stargate basteln, wenn es sein muss.

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Ich weiß nicht genau, wieso ich mit der Serie und den Charakteren nicht so recht warmgeworden bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir diesmal zuviel Zeit gelassen habe, und so für mich selbst die Fortsetzungsgeschichten ruiniert habe. Die Serie ist sicher nicht schlecht, aber mich hat sie leider nicht so wahnsinnig bewegt. Von Anfang an fand ich, dass die Serie keine gute Balance zwischen tödlichem Ernst der Situation und Humor bieten konnte. Jack O’Neill, der im Kinofilm noch ein gebrochener Mann ist, weil er seinen kleinen Sohn durch einen schrecklichen Unfall verlor, nutzt in der Serie jede Gelegenheit, um witzige Sprüche zu bringen. Wieder einmal irgendwo eingekerkert und kurz vor der Hinrichtung? Kein Problem, ein lustiger Spruch geht noch. Dadurch hat der Zuschauer nie den Eindruck, dass es in der Serie mal richtig gefährlich werden könnte. O’Neill grinst, bringt einen lässigen Spruch und schon ist das SG-1-Team wieder frei. Vielleicht sind die Helden aber auch einfach nur viel zu oft in solchen und ähnlichen Situationen, wer weiß.

Im Prinzip geht es in der Serie darum, dass die Menschen auf der Erde ein oder zwei Sternentore finden, später das dazu passende Telefonbuch, einen Wahlcomputer dafür entwickeln und damit überall im Universum anrufen und vorbeischauen können. Dadurch lenken sie die Aufmerksamkeit der Goa’uld auf sich, einer mächtigen Alienspezies, die sich überall als Gottheit ausgibt, Menschen versklavt und sich von ihnen anbeten lässt. Außerdem gibt es noch die Replikatoren und die Ori, die alle irgendwie mehr oder weniger dasselbe vorhaben. Grundsätzlich bin ich ja ein Freund der Religionskritik, aber mich hat es immer gestört, dass das SG-1-Team mit O’Neill in fremde Welten einfällt, dort den Bewohnern erzählt, dass sie falsche Götter anbeten (wahlweise Goa’uld oder Ori), diese Götter mit Waffengewalt ausmerzen, um dann nachhause zu fahren und abends vor dem Zubettgehen zu ihren „richtigen“ Göttern zu beten. Das ist doch irgendwie albern. Gerade in den USA bräuchte die Bevölkerung mit ihren vielen Kreationisten mal wirklich Nachhilfe in solchen Dingen. Aber vielleicht missverstehe ich das, und die Serie soll der Versuch sein, das umzusetzen.

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Noch so etwas, das meine Haare oft grau werden ließ: General Hammond muss sich im Stargate-Center jedes Signal mündlich bestätigen lassen („Es ist SG-1, Sir!“), und jede Iris-Öffnung muss er manuell befehlen („Aha, na gut, dann … äh … dann öffnen Sie doch vielleicht mal die Iris!“). Und damit lässt er sich oft ziemlich lange Zeit. In vielen Episoden wird nämlich gezeigt, dass jemand, der auf der anderen Seite durch das Stargate tritt bevor die Iris geöffnet wurde, beim Übergang sofort getötet wird. Das macht diese Vorgehensweise leider ziemlich unlogisch. Demnach hätten da schon deutlich mehr Menschen im Stargate den Tod finden müssen. Außerdem kommt es in der Serie ein-, zweimal zu oft vor, dass jemand der behauptet, er habe unsichtbare Außerirdische gesehen, von den Anderen für verrückt erklärt wird. Daniel Jackson muss dafür sogar einmal in die geschlossene Psychiatrie. Unsichtbare Außerirdische – bei Stargate – völlig absurd, wo kämen wir denn da hin?

Nein, die Serie ist nicht schlecht. Wenn ich über die Dinge hinwegsehen konnte, die mich genervt haben, dann war ich meistens ganz zufrieden. Die Serie hat auch ihre emotionaleren, ernsteren Momente. Zum Beispiel als O’Neill lieber sein eigenes Leben sinnlos aufs Spiel setzt als Samantha Carter in einer ausweglosen Situation zurückzulassen, und sich dann andeutet, dass sie am Ende vielleicht doch mehr als nur Kollegen sein könnten. Dummerweise wird diese Geschichte nie fortgeführt, was mich dann auch nur noch mehr an der Serie geärgert hat. Ich glaube O’Neill und Carter wären sowieso ein furchtbares Paar gewesen. Naja, mal sehen ob Stargate: Atlantis besser ist, denn was ich angefangen habe, muss ich auch zu einem Ende bringen.

goldenpoo

Linux und ich

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Linux und ich, wir beide haben eine schwierige Beziehung. Wir verstehen uns nicht besonders gut, aber wir kommen zur Not miteinander aus, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ich kann den Linux-Desktop bedienen, wenn ich muss, und ich bin auch in der Unix-Shell nicht völlig hilflos, auch wenn ich die Konsolenbefehle meistens trotzdem immer wieder nachlesen muss. Ich empfinde oft eine gewisse prinzipielle Sympathie für Linux, aber ich habe auch Vorbehalte und in mancher Hinsicht wiederum sogar eine Abneigung. Schon im Jahr 2000 begann ich mich grundsätzlich für Linux zu interessieren. Im Juli 2003 besuchte ich sogar den LinuxTag in Karlsruhe und hörte mir einige Vorträge an. Ich wollte mich informieren. Meine ersten eigenen Gehversuche in der Linux-Welt machte ich dann tatsächlich erst im Jahr 2005 mit SUSE Linux in einer virtuellen Maschine.

Ich wollte eigentlich gar nicht viel machen, nur einen Apache Webserver installieren, dann darin eine OTRS-Installation laufen lassen. Nur so zum Spaß und zum Testen. Ich rechnete bereits fest damit, dass nichts funktionieren würde, und so ging die Installation von Apache wie erwartet total in die Hose. Jeder Fliegenschiss unter Linux musste umständlich über die Konsole gemacht werden, der Linux-Desktop war vermutlich nur als Gag dabei, um Windows-Nutzer zu trollen. Meine Arbeit bestand hauptsächlich darin, kryptische Fehlermeldungen aus der Shell bei Google einzutippen, im Internet nach einer Lösung zu suchen, daraus wiederum kryptische Befehle in die Shell einzutippen, und das dann jeweils für die nächsten 200 Fehlermeldungen. Da werden reihenweise Pfade nicht gefunden, irgendwelche Pakete fehlen, die Zeichenkodierung ist falsch, Dateien können nicht gelesen werden, Berechtigungen sind falsch gesetzt, der Mond steht nicht im richtigen Verhältnis zur Sonne, man kennt das ja. Schöne, gemütliche Linux-Welt.

Schon im Jahr 2008 startete ich einen erneuten Versuch, mich endlich so richtig mit Linux anzufreunden, die Chancen standen besser denn je: Linux war offenbar so richtig ausgereift und benutzerfreundlich geworden. Linux ist die Zukunft, wie könnte ich dem Betriebssystem da eine zweite Chance verweigern? Ich glaube ich installierte Fedora oder Debian oder sowas. Ich konnte tatsächlich schon recht viel mit dem Desktop arbeiten, da störte es mich auch nicht, dass die Soundtreiber für das Notebook unter Linux nicht funktionierten. Es sah schließlich alles so schön aus. Ich wollte einen Compiler für C++ ausprobieren und versuchte nach einer Internet-Anleitung über die Konsole (wie denn auch sonst?) den GCC zu installieren. Die Installation war mir nach anfänglichen Problemen irgendwann geglückt. Dummerweise wusste ich leider nicht, wohin der Compiler eigentlich installiert worden war oder auf welchen Namen er hörte. Die Installation über die Konsole kommt einem doch sehr spartanisch vor, wenn man die bunten Windows-Installer gewohnt ist, die brav nach dem Pfad fragen. Ich kratzte mich hilflos am Kopf während ich versuchte, aus dem Linux-Dateisystem schlau zu werden. Wo ist Laufwerk C? „etc“? „opt“? „var“? Hilfe, wie kann ich Dateien suchen?

Okay, ich hätte mich schlauer anstellen können, aber es macht einfach keinen Spaß, sich wie der größte Anfänger zu fühlen, und Linux gab mir genau dieses unangenehme Gefühl. Und so verschwand Linux wieder von meinem Notebook. Dennoch verwarf ich meinen ursprünglichen Plan nie, es irgendwann doch einmal ganz ernsthaft zu versuchen, wenn die Zeit reif ist. Aber dazu müsste Linux mir schon noch ein ganzes Stück entgegenkommen.

Januar 2016: Microsoft gibt sich seit Monaten mit der aktuell noch kostenfreien Spyware Windows 10 alle Mühe, mir den Spaß an Windows endgültig zu verderben. Ein Wechsel zu Windows 10 kommt für mich derzeit aus mehreren Gründen überhaupt nicht in Frage. Es ist also der perfekte Zeitpunkt, einen Blick auf eine aktuelle Linux-Distribution zu werfen, die zudem besonders anfänger- und umsteigerfreundlich zu sein scheint: Ubuntu. Schon vor Monaten habe ich mich bei echten Linux-Fans unter meinen Arbeitskollegen informiert und mich beraten lassen. Ubuntu sei so wundervoll, sehr benutzerfreundlich und wirklich extrem leicht zu bedienen. Die Probleme der Vergangenheit sind alle längst behoben, sogar die Treiberunterstützung wurde deutlich verbessert. Prima, dann ist ja alles klar.

Ich installierte mir also Ubuntu 15.10 in Virtualbox:

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Oh, ja, in der Tat sehr wundervoll. Ubuntu lässt sich nicht starten. Schon kurz nach der Installation ist meine Abenteuerreise beendet, der Zeichensalat auf dem Bildschirm sah jedenfalls nicht nach dem Betriebssystem aus, das ich haben wollte. Ich musste wohl irgendetwas falsch gemacht haben. Sogleich wurde die VM gelöscht, neu angelegt und Ubuntu nochmals installiert. Diesmal aber richtig und mit doppelt soviel Konzentration bei den Details.

Nachdem auch die zweite Installation zu meinem Entsetzen scheinbar missglückt war und Ubuntu sich partout nicht starten ließ, beschloss ich entgegen meiner eigentlichen Vorsätze die Fehlermeldung wie gewohnt bei Google einzutippen. Dadurch fand ich tatsächlich heraus, dass ich die Bootreihenfolge der Laufwerke ändern musste, so dass die VM zuerst von der Festplatte startet (obwohl keine DVD im Laufwerk ist). Für aussagekräftigere Fehlermeldungen ist in der Linux-Community offenbar auch kein Geld da. Es ist mir schleierhaft, wie ich aus dem hingerotzten Output erkennen soll, dass die Bootreihenfolge falsch ist oder warum sie falsch ist. „I/O Error“, „Unable to read page“, „squashfs_read_data failed to read block“, „SQUASHFS error“, alles klar, das hilft mir natürlich weiter. Auch hätte ich doch von Geburt an wissen müssen, dass „dev sr0“ das DVD-Laufwerk ist. Aha.

Ubuntu fängt also wieder GENAU so an, wie ich Linux seit vielen Jahren kenne und hasse: Ich muss jedes Mal nach Fehlermeldungen googlen, um das Betriebssystem halbwegs nutzen zu können. Egal wie ich es anfange, endet es irgendwie immer damit, dass ich Fehlermeldungen in eine Suchmaschine eintippe um jemanden zu finden, der irgendwo die Lösung gepostet hat. Wieso geht das bei Linux nicht anders? Ich kann es mir absolut nicht erklären. Ich will das nicht, ich habe darauf keine Lust. Ich versuche es vielleicht in 4 Jahren nochmal. Merci, dass es dich gibt, Windows 7.

conspiracy

Die mysteriösen Silvesterstreifen

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Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch, wenn auch etwas verspätet. Wie sich herausstellte, hat das bisschen freie Zeit „zwischen den Jahren“ meine Unproduktivität nicht gelindert, sondern womöglich noch verschlimmert. Das versprochene neue Gameplay-Video für mein Remake-Projekt ist nicht fertig geworden, und auch über andere Themen habe ich keinen Beitrag schreiben können. Aber hey, neues Jahr – neues Glück. Schauen wir mal, was uns die kommenden zwölf Monate so an negativen und sehr negativen Überraschungen bringen. Heute nehme ich mir jedenfalls mal wieder die Zeit, auch weil ich etwas mehr oder weniger Kurioses zu berichten habe.

Nach dem gemütlichen Weihnachtsurlaub, der nach drei Wochen schließlich kurz nach den Silvesterfeierlichkeiten, dem Neujahrsfeiertag und dem daran anschließenden Wochenende sein wie immer viel zu frühes Ende fand, ging es Montagfrüh im stark verregneten Wetter wieder mit dem Auto ins Büro. Auf der Fahrt schaltete ich die Scheibenwischer ein, und bemerkte daraufhin merkwürdige Streifen, wie kleine Rinnsale, die sich großzügig über die komplette Frontscheibe zogen, von oben nach unten, so als wäre dort irgendeine Flüssigkeit entlanggelaufen und dann festgefroren. Tatsächlich dachte ich an Frost und so beachtete ich die Streifen zuerst nicht weiter.

Nach etwa zehn Minuten, obwohl das Auto längst aufgeheizt war, waren die Streifen weiterhin da. Weder der kräftige Regen noch die Scheibenwischer änderten etwas daran. Ich schaltete die Scheibenwaschanlage ein, aber auch das Scheibenwischwasser konnte den Streifen nichts anhaben. Auf der Fahrt ins Büro irritierten mich die hässlichen Streifen immer mehr. Bei Gegenlicht konnte man in der Dunkelheit durch sie kaum noch etwas sehen, und jedesmal wenn der Scheibenwischer darüber wischte, sah man, dass das Regenwasser an diesen Streifen irgendwie anders haftete. Wenn der Scheibenwischer sich nicht bewegte, waren die Streifen aber kaum sichtbar.

silvesterstreifen

Auch der morgendliche Tau bildete sich an den Streifen nicht, bei trockenem Wetter waren sie dagegen erst gar nicht zu sehen. Das war alles sehr mysteriös für mich. Mit dem Finger ließen sich die Streifen auch mit Kraft nicht wegreiben und als ich ihnen dann mit Glasreiniger zuleibe rückte, änderte das irgendwie auch nichts. Kurz vor Jahreswechsel war alles noch in Ordnung gewesen, daher fragte ich mich, was seitdem passiert sein mochte. Nach vier Tagen beunruhigten mich die Streifen schon sehr, die teure Scheibe war gerade erst vor ein paar Monaten ausgetauscht worden, und ich malte mir bereits einen Besuch beim Autoglasspezialisten aus.

Ich recherchierte mit einigen generischen Suchbegriffen mangels Detailwissen nach der Ursache des Problems. Es dauerte nicht lange, da fand ich wenige ältere Beiträge in Autoforen, in denen von genau denselben merkwürdigen Streifen die Rede ist, die bei allen Betroffenen plötzlich nach Silvester aufgetreten waren. Ich wurde hellhörig, denn genau das ist bei mir der Fall. Den Beiträgen nach scheint es irgendetwas mit regnerischem oder nebligem Wetter und mit Schwarzpulver zu tun zu haben. Offenbar betrifft es Autoscheiben und Dachfenster an Häusern. Einer behauptet, es handle sich um Verätzungen auf der Scheibe, und jemand anderes stellt fest, dass es vorkommen kann, dass mehrere Leute in einem Gebiet betroffen sind, in dem viele Feuerwerkskörper gezündet wurden.

Ein kurzer Blick heute morgen auf die Tautropfen auf dem Auto meines Nachbarn bestätigte diesen Verdacht, denn die gleichen krakeligen Streifen waren auch dort klar zu sehen. Der Konsens in den Autoforen jedenfalls ist, dass so ziemlich alle üblichen Reinigungsmittel und sogar Autowaschstraßen versagen, aber dass Ceranfeldreiniger funktioniert. So kaufte ich mir eine kleine Flasche von dem Zeug und machte sogleich den Versuch. Es scheint tatsächlich funktioniert zu haben, beim nächsten Regen kann ich es dann mit Bestimmtheit sagen. Immerhin bin ich nun wieder um eine kleine Autoerfahrung reicher.

Spiel

QWAK für PC und Mac

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Erschrocken stellte ich gerade fest, dass mein letzter veröffentlichter Artikel morgen bereits vier Wochen alt werden würde – ein neuer Negativrekord. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich Anfang November leider erkältet war und mein anhaltender, quälender Husten inzwischen wieder in die fünfte Woche geht. Das ruiniert einem jede Festtagsstimmung und Motivation. Zum Glück ist das Jahr nun endlich vorbei und auch meine Gesundheit scheint so allmählich zurückzukehren. Der letzte Urlaub für dieses Jahr hat gerade begonnen, und so möchte ich dieses Ereignis mit einem kleinen Zwischenartikel würdigen.

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Der britische Spieleprogrammierer Jamie Woodhouse ist nicht besonders bekannt. Sein einziger großer Hit ist der Amiga-Platformer „QWAK“ aus dem Jahr 1993, in dem sich zwei Enten in Rüstung von einem Raum zum nächsten vorkämpfen, dabei jede Menge Früchte und Juwelen einsammeln und die fiesen Gegner mit Eiern bewerfen. Das Spiel erschien eigentlich bereits vier Jahre zuvor für den BBC Micro, doch erst auf dem Amiga in knallbunter 16-Bit-Grafik feierte QWAK bei der Kult-Spieleschmiede Team17 einen großen Erfolg. Wie das damals so war, gelangte ich zu jener Zeit in den Besitz des Spiels als ein Bekannter mit einem großen Stapel Disketten vorbeikam, und man gemeinsam über die neuesten Amiga-Spiele diskutierte, während im Hintergrund X-Copy seinen Dienst verrichtete. Ich war jung, das Taschengeld war knapp, und die Jungs von ANTHROX hatten sich mit ihrem Intro doch soviel Mühe gemacht. Heute plagt mich das schlechte Gewissen umso mehr, denn mit dem Coop-Platformer QWAK erlebte ich gemeinsam mit meinem Bruder wirklich viele lustige Spielstunden.

Zehn Jahre später sollte das Spiel auf dem Gameboy Advance ein kleines Revival feiern, so wie beispielsweise auch James Pond 2, aber auf Nintendo-Handhelds nützen mir die Spiele nicht viel. Dafür freute ich mich umso mehr, als ich erfuhr, dass Jamie Woodhouse seinen Klassiker QWAK seit einigen Jahren für Windows-PC und Mac OS anbietet. Viel Zeit würde ich heutzutage nicht mehr in das Spiel investieren, schon gar nicht im äußerst schwierigen Einspielermodus, zumal die Liste der „Must-Play“-Spieletitel immer länger wird. Dennoch wollte ich dem Entwickler etwas zurückgeben dafür, dass er mir mit dem Spiel in meiner Kindheit viel Freude bereitet hatte, ohne dass ich für die gecrackte Version etwas bezahlt hatte. So kaufte ich vergangene Woche für etwas mehr als 7 Euro die Vollversion für den PC.

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Mehr als eine halbe Stunde anspielen war bisher leider nicht drin, zumal mir schon das lange Tutorial für den Anfang zu schwierig war. Aber das Spielgefühl ist weitgehend dasselbe geblieben, die Figuren sehen etwas glatter und weniger pixelig aus, man kann die Auflösung einstellen, es gibt einen Leveleditor und eine globale Highscore-Liste, alles ganz nett. Es ist ein wirklich liebevoll gemachtes, witziges kleines Spielchen. Für den einen oder anderen Amiga-Fan vielleicht auch noch einen Blick wert. Zu zweit macht es sicherlich noch sehr viel mehr Spaß, alleine kann es mich nicht mehr so wahnsinnig motivieren. Aber ich glaube, das konnte es auch damals schon nicht.

Degree

Ich habe die Ausbildereignung

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Endlich kann ich ein weiteres stressiges Kapitel meines Lebens beruhigt abschließen. Ich habe die Prüfungen bestanden. Von September bis Oktober habe ich die sogenannte „Ausbildung der Ausbilder“ durchlaufen, also die Schulung der Berufs- und Arbeitspädagogik und die anschließende Prüfung der Ausbildereignung durch die Industrie- und Handelskammer abgelegt. Die Schulung ist offenbar auf zwei Wochen ausgelegt, wurde in meinem Fall auf eine einzelne Woche zusammengestaucht. Die Eignung ist Voraussetzung um Verantwortung für Auszubildende während ihrer Ausbildung übernehmen zu können. So dürfte ich nun praktisch Auszubildende im Ausbildungsberuf Fachinformatik ausbilden, und man weiß ja nie wann man es mal brauchen könnte.

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Die Ausbildereignung wird gemeinhin auch als „AdA-Schein“ oder als AEVO-Eignungsprüfung bezeichnet. Im Vorfeld durfte ich erfahren, dass dieser AdA-Schein den Bachelor-Informatikstudenten heutzutage im Rahmen ihres Studiums scheinbar überall für lau hinterhergeworfen wird, denn diese müssen dafür kaum einen Finger krumm machen. Die „Prüfung“ findet dort in einem deutlich weniger aufwändigen Rahmen statt, teilweise wird die Prüfung auch komplett weggelassen. Ernsthaft fragte ich mich außerdem, wie sinnvoll es denn sein kann, jemandem eine Eignung über Ausbildungsfähigkeiten zu bescheinigen, der noch nicht einmal seine eigene Ausbildung abgeschlossen hat. Der Lehrgang musste mir daher zwangsläufig als eine ziemliche Larifari-Veranstaltung erscheinen. Umso mehr ärgerte ich mich darüber, wie ernst man das Thema in meinem Fall dann tatsächlich nehmen musste.

Auf die einwöchige Prüfungsvorbereitung folgte in meinem Fall zwei Wochen später die dreistündige(!) schriftliche Prüfung. Weitere drei Wochen später musste man sich dann mit einem aufwändig vorbereiteten Konzept in die halbstündige mündliche Prüfung begeben. Mich drei Stunden lang unter Prüfungsdruck ohne Pause auf ein Blatt Papier zu konzentrieren und dabei noch sinnvolle Antworten zu geben, das bin ich schon seit Jahren nicht mehr gewohnt. Auch die mündliche Prüfung war eine große Belastung für mich. Äußerst selten in meinem Leben fand ich mich in einer derart sterilen, distanzierten und so gruselig-förmlichen Prüfungssituation vor drei nahezu emotionslosen Prüfern wieder. Der Fluchtreflex hätte kaum stärker sein können.

Erschwerend kommt hinzu, dass die IHK uns derart mit schwafeligem Lehrmaterial zugeschissen hat, dass ich große Schwierigkeiten hatte, die relevanten Informationen daraus zu extrahieren: Einen dicken Leitz-Ordner mit Papier, dazu ein daumendickes Übungsbuch und eine vielleicht 900 Seiten starke Gesetzessammlung. Die bloße Menge des Lehrmaterials erschlägt einen so sehr, dass man sich schon rein mental kaum noch in der Lage sieht, den Wälzer aufzuschlagen und „einfach mal anzufangen“. Ich hätte mir wirklich sehr gewünscht, dass man den Stoff kompakter verpacken und mehr auf den Punkt bringen, um ihn auch konzentrierter lernen zu können. Wer keine Lust hat, täglich nach Feierabend 40+ Seiten zu lesen, um sich guten Gewissens in die Prüfung zu setzen, der wird wohl doch wieder Mut zur Lücke aufbringen müssen.

Trotz meiner Klagen konnte ich das für mich beste Ergebnis aus der Situation herausholen: 84 Punkte (von 100) im schriftlichen, sowie 88 Punkte im praktischen Prüfungsteil, also jeweils die Schulnote „gut“. Jetzt kann ich offiziell die Jugend mit meinem verqueren Gedankengut verderben. Zur Belohnung gibts ein schickes Zeugnis und eine Urkunde per Post. Zum Glück dachte man bei der IHK daran, dem Briefumschlag (wie bei Zeugnissen üblich) ein dickes Stück Pappe beizulegen, damit die Unterlagen nicht zerknittert oder geknickt werden. Dumm nur, wenn das dem Briefträger scheißegal ist, und er den Briefumschlag mitsamt Pappe gnadenlos zusammenknautscht und zusammengefaltet in den Briefkasten stopft. Manche Menschen haben echt einen tollen Humor und Spaß an ihrem Beruf.

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