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Durchgespielt: Theme Hospital

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Ende der 90er Jahre war es leicht, ein Bullfrog- und Peter Molyneux-Fan zu sein. Die britische Spielefirma kannte ich bereits seit meiner Kindheit von Powermonger und Populous auf dem Atari ST, später spielte ich auch Theme Park und Hi-Octane, und auch in Syndicate Wars investierte ich viel Zeit. Das Jahr 1997 brachte uns gleich zwei Kracher von der Insel: Dungeon Keeper und Theme Hospital. Ersteres räumte für seine innovative Spielidee und grandiose Umsetzung viele Preise ab, letzteres stand dagegen ein wenig in dessen Schatten. Es wurde zwar lobend und wohlmeinend beurteilt, es habe zwar nicht ganz die Klasse des wesentlich bekannteren Freizeitpark-Vorgängers von 1994, aber sei dennoch ein witziges und angenehm zu spielendes, solides Werk, vielleicht ein wenig verbuggt, aber doch insgesamt gut. Und schon nach kurzer Zeit geriet das Spiel in Vergessenheit.

Theme Hospital ist ein Krankenhaus-Aufbauspielchen mit isometrischer 2D-Comic-Grafik, witzigen Fantasiekrankheiten und schrägen Animationen. Wer als Kind eine Playmobil-Arztpraxis betrieben hat, wird Theme Hospital lieben. Zu knuffig sind die vielen kleinen Leute, die durch die Gänge tapsen, ihrer Arbeit nachgehen, sich behandeln lassen, oder die Toilette aufsuchen. Die Grafik ist farbenfroh und nach damaligen künstlerischen Maßstäben wunderbar gepixelt. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich in drei Stufen einstellen, ist aber insgesamt höchstens moderat. Da die Windows 95-Version heute nicht mehr überall besonders gut läuft, und diese bei mir auch unter VirtualBox in einer XP-VM leider extreme Performance-Probleme hatte, musste ich zur DOS-Version (Gepatchte deutsche Version 1.0.0.1) in der Emulation via DOSBox greifen, was problemlos funktioniert hat.

Mein jüngeres, 15-jähriges Ich würde wohl ungläubig gucken, wenn ich ihm erzählte, dass er noch fast 20 Jahre braucht, bis er das Spiel tatsächlich durchspielt. Aber es ist endlich vollbracht. Und so wurde Theme Hospital hiermit zum allerersten Spiel, das ich komplett in DOSBox bis zum Ende gespielt habe. Nachdem ich die Demoversion nach 1997 schon gespielt hatte bis der Arzt kommt, enttäuschte mich die Vollversion, die ich mir nicht mehr als zwei Jahre später besorgte, zunächst maßlos. Der Grund war recht simpel: Die ersten paar Levels sind wunderbar zu spielen, und haben mich genauso sehr mitgerissen wie die Demo. Und dann kamen die Epidemien.

Epidemien sind Zufallsereignisse und im wahrsten Sinne des Wortes die Pest in Theme Hospital. Sie machen mir das Spiel zur Hölle, was mir auch Ende der 90er schon unangenehm aufgefallen ist, weshalb ich es frühzeitig aufgegeben habe. Wer von einer Epidemie heimgesucht wird, kann diese entweder pflichtbewusst freiwillig melden und zahlt pauschal 10.000 Dollar Strafe. Das ist schon nicht leicht zu stemmen, besonders weil Epidemien in den höheren Levels ständig auftreten, gerne auch gleich mehrmals hintereinander, und man dadurch ruckzuck pleite ist und den Level von vorne beginnen darf.

Sinnvoller ist es, die Epidemien zu vertuschen und heimlich zu bekämpfen. Dann muss man eigentlich nur die betroffenen Patienten suchen und händisch mit der Maus markieren. Die Krankenschwestern können dann die markierten Patienten impfen. Schließlich muss man nur noch dafür sorgen, dass die Epidemie-Patienten schnell geheilt werden, bevor das Gesundheitsamt Wind davon bekommt. Dumm nur, dass hier absolut nichts funktioniert: Die Krankenschwestern übersehen minutenlang einzelne markierte Patienten, selbst wenn sie direkt davorstehen, selbst wenn man zehn extra neu angestellte Krankenschwestern direkt neben ihnen abstellt. Im schlimmsten Fall ignorieren sie die Patienten bis zum bitteren Ende.

Und sogar wenn alle Patienten erfolgreich geimpft sind: Ob und wieso eine Epidemie vom Gesundheitsminister entdeckt wird, scheint reiner Zufall zu sein. Beim allerersten Fall zahlte ich astronomische 36.000 Dollar Strafe und war auf einen Schlag ruiniert – Level verloren, alles für die Katz. Ein anderes Mal sind es „nur“ 8000 oder gar 4000 Dollar Strafe, und hin und wieder gewinnt man und bekommt plötzlich 9000 Dollar Entschädigung für eine Epidemie. Oft reicht es, wenn man dieselbe Epidemie via Savegame ein zweites oder drittes Mal spielt, ohne dass man den Eindruck hat, weniger falsch gemacht zu haben, schon ändert sich das Ergebnis extrem. Die Epidemien scheinen komplett fehlerhaft zu sein, und machen das Spiel fast ungenießbar. Denn eigentlich will man bauen und verwalten, und sich nicht ständig davor fürchten müssen, dass die nächste Epidemie mir das Level ruiniert. Dass die Epidemien oftmals schon in der frühesten Spielphase fast ausschließlich Krankheiten betreffen, die man noch nicht einmal behandeln kann, ist nur ein weiteres der unzähligen Probleme des Spiels.

Doch zum Glück gibt es für diesen Bug auch gleich einen Konter-Bug. Wenn man das Spiel sofort speichert, bevor man eine Epidemie „angenommen“ hat, kann man durch geduldiges Neuladen und Epidemiewarnung wegklicken, die Epidemiewarnung irgendwann gänzlich verschwinden lassen. Wenn das passiert, taucht im gesamten restlichen Level keine weitere Epidemie mehr auf, denn der Epidemiestatus scheint dadurch im Nirvana zu hängen. Durch diesen kleinen Kniff wurde das Spiel für mich tatsächlich wieder spielbar. Ein wirtschaftlich rentables Krankenhaus mit einem guten Ruf aufzubauen, ist schließlich schon schwer genug. Und selbst wenn man den Bug nicht triggern kann, kann man durch das Zurückgehen auf ein älteres Savegame die kommende Epidemie oft noch vermeiden.

Auch wenn es grausam klingt: Patienten, deren Gesundheitszustand sich rapide verschlechtert (zu erkennen an dem traurigen Smiley, der sich Schritt für Schritt in einen Totenschädel verwandelt) sofort aus dem Krankenhaus schmeißen, wenn sie nicht offensichtlich kurz vor der Heilung stehen. Das Spiel bestraft Sterbefälle nämlich rigoros. Zum einen ist der Imageschaden pro verlorenem Patienten deutlich spürbar, zum anderen fehlt in der Jahresendabrechnung der großzügige Keine-Sterbefälle-Bonus von 10.000 Dollar, der gerade in höheren Levels über Sieg oder Pleite entscheidet. Des Krankenhauses verwiesene Patienten mindern den guten Ruf dagegen auch in größeren Zahlen kaum. Daher am besten knallhart bleiben und die schwerkranken Patienten konsequent vor die Tür setzen, bevor sie zum Problem werden. Bei längeren Warteschlangen kippen die Menschen garantiert früher oder später reihenweise um, und der Sensenmann freut sich über das gute Geschäft. Später habe ich dann zum Glück begriffen, dass das Spiel von mir erwartet, Räume mehrfach zu bauen. Am Ende ist es keine Seltenheit mehr, dass man fünf, sechs oder noch mehr Allgemeinmediziner gleichzeitig beschäftigt.

Achja, die Erdbeben, das nächste Ärgernis in dem Spiel. Wiederholt kam es vor, dass einwandfreie medizinische Räume, die erst Sekunden zuvor von einem Handwerker repariert worden waren, durch ein folgendes Erdbeben zerstört wurden, obwohl das gar nicht passieren dürfte. Und zerstörte Räume sind dann im Spiel auch noch unbenutzbarer Platz, der sich nicht für alles Geld der Welt renovieren lässt. Oft reicht gefühlt schon ein winziger Kratzer an einem Diagnose- oder Behandlungsgerät und beim nächsten Erdbeben fliegt einem alles um die Ohren. Es nervt wirklich sehr.

Weiter gehts mit den Notfällen: Am Anfang ist man meistens ganz froh, wenn man mit der Pharmatheke, dem Entlüfter, und der Polyklinik wenigstens ein paar einfache Basiskrankheiten heilen kann, um nicht sofort rote Zahlen schreiben zu müssen, und dann kommt ein Notfall rein: Vier Patienten mit außerirdischer DNA. Oder 13 Patienten mit Verstrahlung. Schön für euch, ich kann euch nicht helfen. Aber sobald man endlich alle Krankheiten diagnostizieren und behandeln kann, kommen keine Notfälle mehr rein. So ist Theme Hospital. Genauso albern wie seine Animationen.

Einmal war ein Arzt aus irgendeinem Grund unter einem Billardtisch im Personalraum gefangen. Bei einem angekündigten Notfall mit sechs Patienten sind vier erst gar nicht aufgetaucht. Ich habe die ganze Karte nach ihnen abgesucht. Entsprechend wurde mir der Bonus verwehrt, weil ich nur zwei retten konnte. Und das kam später mehrmals vor. Gleich mehrere Ärzte wollten ums Verrecken ihre endlose Ausbildung zum Berater nicht abschließen. Irgendwann war ich mir sicher, dass ich einen Bug gefunden hatte. Als ich schließlich aus Verzweiflung den Lehrer ausgewechselt habe, sind nur eine Sekunde später auf einen Schlag fast alle Ärzte gleichzeitig zu Beratern aufgestiegen.

Die deutschen Texte in dem Spiel sind leider voller Fehler, numerische Werte werden falsch eingesetzt oder falsch umgerechnet („Sie haben Diagnosegeräte von 100 2.121996e-314rforscht.“, „Melden Sie die Epidemie, müssen Sie eine Strafe von 1852392736 zahlen.“). Einige „Tipps“ sind komplett irreführend und wenig hilfreich („Ihre Empfangsdamen sind total erschöpft. Veranlassen Sie sofort, daß sie eine Pause einlegen.“). Eine meiner Krankenschwestern wollte ihren Behandlungsraum partout nicht mehr verlassen, litt dadurch am Ende unter einem Burnout, und verlangte schließlich eine Gehaltserhöhung nach der anderen. Die Liste der Fehler ließe sich vermutlich noch eine Weile fortsetzen.

Kann ich das Spiel unter den gegebenen Umständen und trotz seiner vielen Problemchen überhaupt noch empfehlen? Aber unbedingt! Theme Hospital mag ein bisschen sperrig sein, es mag verbuggt sein, aber es hat Charme, es hat Spielwitz, es ist spannend, fordernd, es ist nett anzusehen, und der Wuselfaktor ist relativ hoch. Man muss mit seinen Macken umgehen können, dann macht das Aufbauen auch heute noch gehörigen Spaß. Leider krankt die Einzelspieler-Kampagne an einem Problem, das viele vergleichbare Aufbauspiele haben: Es ist furchtbar repetitiv. Im Prinzip baut man 12 Krankenhäuser auf, bis man den Abspann sieht. Von der Rezeption bis zum allerletzten Behandlungsraum muss man jedes Krankenhaus immer wieder von vorne hochziehen und liebevoll einrichten. Und es ist oft frustrierend, wenn man viel wirklich viel Zeit und Mühe in den Aufbau eines Krankenhauses investiert hat, endlich alles perfekt und rund läuft, den Level-Ende-Bildschirm sieht, um dann gleich wieder bei Null anfangen zu müssen. Irgendwann war dann auch bei mir die Luft raus. Da war ich dann doch froh, dass das Spiel nicht 20 oder gar 30 Levels hat.

Auch wenn es mit Two Point Hospital seit kurzem einen offiziellen inoffiziellen 3D-Nachfolger von den Original-Designern gibt, ist das für mich kein Grund, Klassiker wie diesen aus meinem Kopf zu verdrängen, denn ich hatte an Theme Hospital in meiner Jugend eine Menge Freude, und nun habe ich dieses Kapitel für mich mit einem kleinen Sieg abgeschlossen. Außerdem gibts Theme Hospital noch gänzlich ohne Steam-Zwang, und das ist mir heutzutage sehr viel Wert.

Durchgespielt: Diablo + Hellfire

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The sanctity of this place has been fouled„. Wer bei diesem einprägsamen Satz nostalgisch wird und sich mit gezücktem Schwert spontan nach Imps, Ghouls und Skelettkriegern umsehen muss, der wird diesem kleinen Retro-Artikel nicht ganz abgeneigt sein. Vor 20 Jahren veröffentlichte das für heutige Verhältnisse noch recht kleine Entwicklerstudio Blizzard North das Spiel Diablo. Blizzard hat gerade rein zufällig vor wenigen Tagen sein 25-jähriges Firmenbestehen gefeiert. Das Studio das einst für Battle Chess, Rock & Roll Racing und The Lost Vikings gefeiert wurde und natürlich große Erfolgsserien wie Warcraft, Starcraft und Diablo hervorbrachte, landete mit dem Hack’n’Slay-Spiel 1996 einen weiteren Überraschungshit, der Blizzard nicht zuletzt einen Platz auf dem Olymp der Spieleindustrie sicherte. 1997 folgte für Diablo die Erweiterung Hellfire von dem unabhängigen Entwicklerstudio Synergistic Software, die dem Spiel eine kleine Nebenkampagne verabreichte.

Wer Diablo bis heute noch nicht gespielt hat, der wird jetzt auch nicht mehr damit anfangen wollen. Es ist ein Stück PC-Spielegeschichte, kein Meilenstein der Spieletechnik, aber ein Süchtigmacher mit packendem Gameplay. Die Grafik mit ihren 640×480 Bildpunkten und 256 Farben wirkt heute antik und vor allem klein. Zu jener Zeit waren Bürorechner mit 14- oder 15-Zoll-Monitoren aber noch der Stand der Dinge, Diablo entsprechend ein bildschirmfüllender Spaß. Ich erinnere mich noch gut an die Tests in den Spielezeitschriften und an die Fernsehbeiträge in PC-Sendungen. Die Demoversion bekam ich relativ früh in die Hände, damit konnte man immerhin das erste Stockwerk unterhalb der Kathedrale von Tristram spielen. Ganze 16 Stockwerke mussten in der Vollversion durchkämmt werden, ehe man dem dunklen Lord zum finalen Showdown gegenübertrat.

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Mangels Unterstützung für Windows 7 installierte ich Diablo mitsamt der Erweiterung Hellfire in einer virtuellen Maschine unter Windows XP. Zunächst nur um VirtualBox erneut auf seine Spieletauglichkeit hin zu testen, packte mich die Atmosphäre des Spiels relativ schnell wieder. Die virtualisierte Umgebung war tatsächlich schnell genug für anspruchsvolle 2D-Spiele. Ich begann zu rätseln, ob ich Diablo je selbst vollständig durchgespielt hatte. Auf LAN-Parties zwar schon desöfteren, aber im Einzelspielermodus vielleicht noch nie. Um sicherzugehen, beschloss ich, mich des Spiels erneut (vielleicht zum letzten Mal) anzunehmen. Diablo wurde somit das erste Spiel, das ich je virtualisiert durchgespielt hatte.

In meiner grenzenlosen Einfallslosigkeit wählte ich den Krieger als Charakterklasse, so wie schon immer. Mit Magiern und Bogenschützen kann ich zugegebenermaßen nicht umgehen, daher versuche ich es erst gar nicht. Einige selbstauferlegte Regeln sollten das Spiel für mich spannender machen: Es werden keine Ausrüstungsgegenstände gekauft, sondern nur das benutzt, was man findet. Alles was ich finde und nicht brauche, wird ins Dorf gebracht und zu Geld gemacht. Da es in Diablo noch keine Truhe für den Spieler gab, wurden Geldhäufchen und ungenutzte Gegenstände schon immer im Dorfzentrum auf den Boden geworfen. Diablo hat eine wunderbar persistente Welt: Jedes einzelne tote Monster, jeder noch so unbedeutende Gegenstand bleibt in gespeicherten Spielen immer exakt an seinem Platz liegen. Das in Diablo sehr beliebte Duping war für mich tabu. Stadtportale nehmen einem viele lange Fußwege ab, vor allem wenn man wieder vollbeladen mit Gegenständen ins Dorf musste um diese bei Deckard Cain zu identifizieren.

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So räumte ich nacheinander Stockwerk für Stockwerk auf, vertickte den ganzen Müll bei Griswold und Adria, und besiegte nebenbei so sympathische Gestalten wie den Butcher, den Skelettkönig Leoric, den Erzbischof Lazarus und natürlich Diablo höchstpersönlich. Das Spiel bleibt dabei erstaunlich lange sehr einfach. Erst ab Stockwerk 9 zieht der Schwierigkeitsgrad spürbar an. Gegnergruppen versucht man dann möglichst vorsichtig auszudünnen und immer genug Lebenstränke im Gürtel zu haben. Für den Krieger sind die Fernkämpfer das größte Problem: Sie greifen feige aus der Distanz an, und sobald man näherkommt, laufen sie davon. Teilweise laufen sie dem Spieler dabei minutenlang durch das halbe Level davon. Da man nicht rennen kann, zehrt das extrem an der Geduld, bis man sie mal in eine Ecke gedrängt hat. Dummerweise werden die Fernkämpfer zum Ende des Spiels immer zahlreicher, und die Stockwerke so zeitaufwändiger und nervtötender.

Als Diablo schließlich gefallen und die Endsequenz über den Bildschirm geflimmert war, wollte ich noch die Erweiterung Hellfire spielen, und so übernahm ich wie im Handbuch beschrieben meine Spielfigur (mittlerweile Level 25) in das Addon. Dummerweise fiel mir dann erst auf, dass man in Hellfire erneut die Hauptkampagne durchspielen musste. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir den ersten Durchlauf glatt gespart. Da die Ausrüstung nicht übernommen werden konnte, versuchte ich mich zunächst im Faustkampf gegen die Monster im Erweiterungs-Dungeon des „Defilers“, aber auch dort machten mir die Fernkämpfer schwer zu schaffen. Genervt entschloss ich mich, die Kathedrale ein weiteres Mal auf den Kopf zu stellen, was verständlicherweise keine große Herausforderung mehr war.

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An die vier Stockwerke im Monsternest und die vier Stockwerke in der Krypta unter dem Friedhof konnte ich mich überhaupt nicht erinnern, was dafür spricht, dass ich so weit nie gekommen bin. Auch auf dem Weg zum Defiler und zum Hellfire-Endgegner Na-Krul waren die wenigen Nahkämpfer kein Problem, die unzähligen Fernkämpfer dagegen sehr. Besonders die Liches und Arch Liches wurden mir auch mit Level 28 noch extrem gefährlich. Ich versuchte mein Glück in der Not diesmal ohne Schwert, sondern mit einem Bogen, und plötzlich war das Spiel wieder spielbar. Lediglich das ständige, hektische Wechseln der Waffen war nervenaufreibend. Womöglich sollte ich manchmal etwas früher über den Tellerrand schauen.

Es ist ein wenig schade, dass Blizzard aus Gründen der Gewinnmaximierung seit 1997 am laufenden Band nur noch Ableger von Warcraft, Starcraft und Diablo produziert. Als etablierter Spieleentwickler und Publisher kann man sich offenbar keine Risiken mehr erlauben. Die erste Ausnahme nach all der Zeit stellt Overwatch dar, auf das ich auch ein wenig gespannt bin. Diesen kleinen (abschließenden) Ausflug hin zu den Wurzeln der Diablo-Serie habe ich auf jeden Fall sehr genossen, und so auch zeigen können, dass VirtualBox zumindest in manchen Fällen absolut brauchbar ist, um alte Spiele wiederzubeleben. Es war ein großer Spaß, das alte Teil nochmal auszugraben, mich stundenlang in die Welt von Tristram zu begeben, und dabei Horden von Monstern totzuklicken, ständig auf der Suche nach einer besseren Waffe oder einem besseren Helm. Mal sehen, ob ich das irgendwann mit anderen Spieleklassikern fortführe.

Linux und ich

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Linux und ich, wir beide haben eine schwierige Beziehung. Wir verstehen uns nicht besonders gut, aber wir kommen zur Not miteinander aus, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ich kann den Linux-Desktop bedienen, wenn ich muss, und ich bin auch in der Unix-Shell nicht völlig hilflos, auch wenn ich die Konsolenbefehle meistens trotzdem immer wieder nachlesen muss. Ich empfinde oft eine gewisse prinzipielle Sympathie für Linux, aber ich habe auch Vorbehalte und in mancher Hinsicht wiederum sogar eine Abneigung. Schon im Jahr 2000 begann ich mich grundsätzlich für Linux zu interessieren. Im Juli 2003 besuchte ich sogar den LinuxTag in Karlsruhe und hörte mir einige Vorträge an. Ich wollte mich informieren. Meine ersten eigenen Gehversuche in der Linux-Welt machte ich dann tatsächlich erst im Jahr 2005 mit SUSE Linux in einer virtuellen Maschine.

Ich wollte eigentlich gar nicht viel machen, nur einen Apache Webserver installieren, dann darin eine OTRS-Installation laufen lassen. Nur so zum Spaß und zum Testen. Ich rechnete bereits fest damit, dass nichts funktionieren würde, und so ging die Installation von Apache wie erwartet total in die Hose. Jeder Fliegenschiss unter Linux musste umständlich über die Konsole gemacht werden, der Linux-Desktop war vermutlich nur als Gag dabei, um Windows-Nutzer zu trollen. Meine Arbeit bestand hauptsächlich darin, kryptische Fehlermeldungen aus der Shell bei Google einzutippen, im Internet nach einer Lösung zu suchen, daraus wiederum kryptische Befehle in die Shell einzutippen, und das dann jeweils für die nächsten 200 Fehlermeldungen. Da werden reihenweise Pfade nicht gefunden, irgendwelche Pakete fehlen, die Zeichenkodierung ist falsch, Dateien können nicht gelesen werden, Berechtigungen sind falsch gesetzt, der Mond steht nicht im richtigen Verhältnis zur Sonne, man kennt das ja. Schöne, gemütliche Linux-Welt.

Schon im Jahr 2008 startete ich einen erneuten Versuch, mich endlich so richtig mit Linux anzufreunden, die Chancen standen besser denn je: Linux war offenbar so richtig ausgereift und benutzerfreundlich geworden. Linux ist die Zukunft, wie könnte ich dem Betriebssystem da eine zweite Chance verweigern? Ich glaube ich installierte Fedora oder Debian oder sowas. Ich konnte tatsächlich schon recht viel mit dem Desktop arbeiten, da störte es mich auch nicht, dass die Soundtreiber für das Notebook unter Linux nicht funktionierten. Es sah schließlich alles so schön aus. Ich wollte einen Compiler für C++ ausprobieren und versuchte nach einer Internet-Anleitung über die Konsole (wie denn auch sonst?) den GCC zu installieren. Die Installation war mir nach anfänglichen Problemen irgendwann geglückt. Dummerweise wusste ich leider nicht, wohin der Compiler eigentlich installiert worden war oder auf welchen Namen er hörte. Die Installation über die Konsole kommt einem doch sehr spartanisch vor, wenn man die bunten Windows-Installer gewohnt ist, die brav nach dem Pfad fragen. Ich kratzte mich hilflos am Kopf während ich versuchte, aus dem Linux-Dateisystem schlau zu werden. Wo ist Laufwerk C? „etc“? „opt“? „var“? Hilfe, wie kann ich Dateien suchen?

Okay, ich hätte mich schlauer anstellen können, aber es macht einfach keinen Spaß, sich wie der größte Anfänger zu fühlen, und Linux gab mir genau dieses unangenehme Gefühl. Und so verschwand Linux wieder von meinem Notebook. Dennoch verwarf ich meinen ursprünglichen Plan nie, es irgendwann doch einmal ganz ernsthaft zu versuchen, wenn die Zeit reif ist. Aber dazu müsste Linux mir schon noch ein ganzes Stück entgegenkommen.

Januar 2016: Microsoft gibt sich seit Monaten mit der aktuell noch kostenfreien Spyware Windows 10 alle Mühe, mir den Spaß an Windows endgültig zu verderben. Ein Wechsel zu Windows 10 kommt für mich derzeit aus mehreren Gründen überhaupt nicht in Frage. Es ist also der perfekte Zeitpunkt, einen Blick auf eine aktuelle Linux-Distribution zu werfen, die zudem besonders anfänger- und umsteigerfreundlich zu sein scheint: Ubuntu. Schon vor Monaten habe ich mich bei echten Linux-Fans unter meinen Arbeitskollegen informiert und mich beraten lassen. Ubuntu sei so wundervoll, sehr benutzerfreundlich und wirklich extrem leicht zu bedienen. Die Probleme der Vergangenheit sind alle längst behoben, sogar die Treiberunterstützung wurde deutlich verbessert. Prima, dann ist ja alles klar.

Ich installierte mir also Ubuntu 15.10 in Virtualbox:

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Oh, ja, in der Tat sehr wundervoll. Ubuntu lässt sich nicht starten. Schon kurz nach der Installation ist meine Abenteuerreise beendet, der Zeichensalat auf dem Bildschirm sah jedenfalls nicht nach dem Betriebssystem aus, das ich haben wollte. Ich musste wohl irgendetwas falsch gemacht haben. Sogleich wurde die VM gelöscht, neu angelegt und Ubuntu nochmals installiert. Diesmal aber richtig und mit doppelt soviel Konzentration bei den Details.

Nachdem auch die zweite Installation zu meinem Entsetzen scheinbar missglückt war und Ubuntu sich partout nicht starten ließ, beschloss ich entgegen meiner eigentlichen Vorsätze die Fehlermeldung wie gewohnt bei Google einzutippen. Dadurch fand ich tatsächlich heraus, dass ich die Bootreihenfolge der Laufwerke ändern musste, so dass die VM zuerst von der Festplatte startet (obwohl keine DVD im Laufwerk ist). Für aussagekräftigere Fehlermeldungen ist in der Linux-Community offenbar auch kein Geld da. Es ist mir schleierhaft, wie ich aus dem hingerotzten Output erkennen soll, dass die Bootreihenfolge falsch ist oder warum sie falsch ist. „I/O Error“, „Unable to read page“, „squashfs_read_data failed to read block“, „SQUASHFS error“, alles klar, das hilft mir natürlich weiter. Auch hätte ich doch von Geburt an wissen müssen, dass „dev sr0“ das DVD-Laufwerk ist. Aha.

Ubuntu fängt also wieder GENAU so an, wie ich Linux seit vielen Jahren kenne und hasse: Ich muss jedes Mal nach Fehlermeldungen googlen, um das Betriebssystem halbwegs nutzen zu können. Egal wie ich es anfange, endet es irgendwie immer damit, dass ich Fehlermeldungen in eine Suchmaschine eintippe um jemanden zu finden, der irgendwo die Lösung gepostet hat. Wieso geht das bei Linux nicht anders? Ich kann es mir absolut nicht erklären. Ich will das nicht, ich habe darauf keine Lust. Ich versuche es vielleicht in 4 Jahren nochmal. Merci, dass es dich gibt, Windows 7.

Manchmal ist Windows eben doch großer Mist

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Alles trieft, alles klebt, die Affenhitze hat Deutschland fest im Griff, und wochenlang gibt es keinen einzigen Tropfen Regen, der die Qual ein wenig lindern würde. Während ich bei bestimmt 40 Grad unterm Dach vor mich hin transpiriere und es seit letztem Monat kaum terminfreie Tage gab, versuche ich im Umzugsstress meinen Blog nicht komplett zu vernachlässigen, auch wenn ich dafür nur noch zwischen Tür und Angel mal die Möglichkeit habe. Aber es kommen wieder bessere Tage, dafür garantiere ich. Die Gelegenheit ist günstig für einen Füllbeitrag zum Thema „Warum Windows manchmal eben doch großer Mist ist“. Hier habe ich zwei skurrile Dinge gesammelt, die mir beim Arbeiten (oder Zocken) mit Windows sinnlos Probleme bereitet haben.

Fangen wir mit dem größten Übel an: Ein Problem mit Windows Server 2003, das scheinbar schon so manchem die Schuhe beim Gedanken daran auszieht. Ich wollte einen gerade unter Windows laufenden Java-Prozess mit Hilfe des Tools jstack.exe untersuchen. Üblicherweise ist das gar kein Problem, man muss eben nur Process-ID wissen, und die erfährt man mit dem tollen Windows-Befehl tasklist. Soweit alles noch in Ordnung. Als ich dann aber jstack mit besagtem Parameter ausführen wollte, erhielt ich diese völlig nichtssagende weil absurd falsche Fehlermeldung: „Not enough storage is available to process this command.“ (im deutschen Windows „Nicht genügend Server-Speicherplatz verfügbar, um diesen Befehl zu verarbeiten„).

Einwandfrei. Nicht genügend Arbeitsspeicher bzw. Swap-Speicher für die winzige jstack.exe auf einem eigentlich gut ausgestatteten Windows-Server? Nein, ich glaube eher nicht. Aber danke für deine unbrauchbare Hilfe, Windows! Ich fand eine Microsoft-Hilfeseite, die versucht das Problem näher zu erläutern und Problemlösungen zu bieten. Mit Betonung auf „versucht“, weil Microsoft grandios daran scheitert, denn schon die Fehlermeldung an sich ist einfach Quatsch. Auch eine deutsche Hilfeseite führte mit ihren Anweisungen nur komplett in die Irre.

Zum Glück kannte jemand auf Stackoverflow.com die Lösung. Man muss jstack mit Hilfe von „psexec -s jstack.exe pid“ aufrufen, damit es richtig auf dem Zielrechner ausgeführt wird. Das hat also genau gar nichts mit zuwenig Speicherplatz o.ä. zu tun, wie Windows mir weismachen wollte. Wenn man noch nicht einmal die richtige Fehlermeldung angezeigt bekommt, wenn schon ein Fehler auftritt, dann weiß ich nicht, worauf ich mich bei Windows sonst noch verlassen können soll.

Das zweite Problem ist dagegen ein eher kleines, kürzlich entdeckt und gelöst auf einer LAN-Party, also einem gesellschaftlichen Event zum gemeinschaftlichen Zocken netzwerkfähiger Windows-Spiele. Besonders nervtötend ist es, wenn das Windows-Netzwerk an sich fehlerfrei eingerichtet ist, es aber dennoch vereinzelt Spiele gibt, in denen immer derselbe LAN-Teilnehmer (=ich) die Spiele der anderen nicht sehen kann, und umgekehrt. Die Liste in der Lobby ist leer, obwohl alle anderen bereits dem offenen Spiel beigetreten sind. Man sucht sich also einen Wolf, auf der Suche nach dem einen Fehler, der dafür sorgt, dass man in manchen Spielen für alle anderen unsichtbar ist. Die Fehlersuche wird allein dadurch erschwert, dass das Problem nur manche Spiele betrifft, und auch dann noch nicht einmal immer.

lanadapterDas Problem wäre natürlich gar keines, wenn man in solchen Spielen einfach eine Ziel-IP zum Verbinden eingeben könnte, aber so einfach machen es einem die Entwickler nicht. Könnte womöglich manche Spieler überfordern. Des Rätsels Lösung lag dann in der Existenz weiterer LAN-Adapter, die unter Windows installiert waren: darunter der VirtualBox-LAN-Adapter, Tunngle, bei anderen findet man dort etwa Hamachi oder VMware. Alle diese Adapter müssten – auch wenn sie im Moment nicht benutzt werden – explizit deaktiviert werden, weil die Spiele sonst in Versuchung kommen könnten, diese für die Netzwerkverbindung mit den anderen Spielern zu verwenden, anstelle des eigentlich höher priorisierten richtigen LAN-Adapters.

VirtualBox 4.0 mit Guest-Scaling

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Die freie Virtualisierungslösung VirtualBox von Oracle (vormals Sun) liegt seit dem 22. Dezember in der Version 4.0 vor. Erstmals unterstützt diese Version das sogenannte Guest-Scaling. Darunter versteht man nicht etwa das Anpassen der Gast-Auflösung an die Host-Auflösung, sondern das nachträgliche Hoch- oder Runterskalieren von kleineren oder größeren Gast-Auflösungen. Bislang gab es stattdessen nur dicke schwarze Balken zu sehen, wenn die Host-Auflösung sehr viel größer war als die des Gastes.

Seit nicht weniger als drei Jahren warte ich auf diese Funktion, daher auch dieser Beitrag dazu. Von Nutzen kann diese Funktion z.B. dann sein, wenn Anwendungen in der Gastmaschine in einer fixen Auflösung laufen (z.B. Spiele wie Starcraft) und man diese aber trotzdem über die gesamte Monitorgröße nutzen will. Auch kann man nun Gäste schrumpfen lassen um so mehrere gleichzeitig laufende virtuelle Maschinen simultan auf einem Monitor überwachen zu können, ohne deren interne Auflösung zu ändern.

VirtualBox ist so ziemlich die spielefreundlichste und -kompatibelste verfügbare Virtualisierungssoftware und zudem noch frei. Microsofts Virtual PC und VMwares Workstation kommen da nicht ganz ran. VirtualBox ist vielleicht nicht ganz so komfortabel wie VMware Workstation mit seiner automatisierten „unattended“ Windows-Installation, und rein offiziell unterstützt VirtualBox keine Windows 9x-Gäste, aber wenn es um Windows NT geht, ist es meines Erachtens die beste Wahl.

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