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Eine seltsame, geradezu verschrobene Person wie ich, die mit ihren Gedanken sowieso bei jeder Gelegenheit in der Vergangenheit ist, ständig der Vergangenheit nachhängt, ihr beinahe nachweint, verbringt auch übermäßig viel Zeit damit, nach Wegen zu suchen, die Vergangenheit für sich zu erhalten. Und die Nostalgie ist stark in mir. Praktisch schon als Jugendlicher wurde ich regelmäßig nostalgisch gegenüber sämtlichen Dingen, die ich aus der (damals noch gar nicht so lange zurückliegenden) Kindheit kannte. Das betrifft das übliche Spektrum typisch nostalgiegeladener Dinge von Spielsachen, Zeitschriften, TV-Serien, über Personen, alte Schulsachen, Musik, bis hin zu Orten, Snacks und Süßigkeiten, und in meinem Fall eben auch ganz besonders: Computer, Computerspielen und anderer Software.

Schon in den späten 90er Jahren befasste ich mich durchgängig mit Emulatoren für den Atari ST, den Amiga, den C64, sowie sämtlichen beliebten Spielekonsolen meiner Kindheit, bastelte an Konfigurationen und verwendete gerne Programme und Spiele, die praktisch als ausgestorben galten. Allein die Vorstellung, für mich wichtige veraltete Hardware auf einem einzigen modernen Notebook bzw. Rechner zu vereinen, komplett mit einer umfangreichen Softwarebibliothek, jederzeit auf Knopfdruck abrufbar, erfüllte mich mit einem wohligen Gefühl. An diesem kleinen Traum arbeite ich praktisch seit Jahrzehnten. Und die technischen Möglichkeiten werden von Jahr zu Jahr besser, weil die Prozessoren immer leistungsfähiger und die Festplatten immer größer werden.

Während ich etwa das Feld der Amiga- und Atari ST-Emulation, sowie der meisten Spielekonsolen von vor 1994 weitestgehend abgearbeitet und durchleuchtet habe, kam vor knapp 15 Jahren ein weiteres großes Thema auf meiner Agenda hinzu: PC-Emulation. Dabei mag es vordergründig zunächst schwachsinnig klingen, einen PC auf einem PC emulieren zu wollen. Doch so unlogisch ist das nicht. Der PC als Plattform ist mittlerweile so alt, ausdauernd und langlebig, dass er viele Äras und Iterationen von Hardwarestandards und Betriebssystemen durchlebt hat. Das ist zwar eigentlich fast überall so, aber nirgends waren die Schritte so groß wie hier: Die Spanne reicht mindestens von den ersten x86-Prozessoren in den IBM PCs von Anfang der 80er mit MS-DOS, über den 486ern, Pentiums, dem K5 und z.B. den Cyrix-Prozessoren Mitte der 90er mit Windows 3.x/Windows 95, bis hin zu deutlich modernerer Hardware wie Mehrkernprozessoren und vollständig multitasking- und multiuserfähiger Betriebssysteme wie Windows XP/Vista/7/8/10 und Linux. Und dabei habe ich nur einen ganz groben Querschnitt aufgezählt. Diese sich permanent verändernde Umgebung innerhalb der Plattform bringt es mit sich, dass Software, die beispielsweise heute noch tadellos läuft, morgen schon nur noch eingeschränkt mit Tricks zum Laufen gebracht werden kann, während sie übermorgen wegen Hardwareinkompatibilitäten und weggefallener Betriebssystemstandards überhaupt nicht mehr startet, und das ist nur völlig natürlich und irgendwo auch notwendig, denn manchmal müssen alte Zöpfe zum Wohl des Fortschritts abgeschnitten werden. Das haben wir bei Spielen und Programmen unter MS-DOS beobachtet, danach mit 16-Bit-Windows-Software, die heute garantiert nirgends mehr läuft, und inzwischen gehen auch 32-Bit-Programme allmählich unter. Gegensteuern kann man hier nur mit Kompatibilitätschichten, Virtualisierung und Emulation.

PC-Virtualisierung bzw. -Emulation gibt es schon sehr viel länger als ich mich damit befasse. „Bochs“ gibt es seit 1994 und „QEMU“ immerhin seit 2003. Mit beiden bin ich leider nie besonders gut klargekommen, sie sollen aber, in den richtigen Händen, äußerst leistungsfähige Werkzeuge sein. Bei den Virtualisierern erprobe ich VMware, VirtualBox und Virtual PC schon seit langem. Letzteres fand sogar in Form des vorkonfigurierten „Windows XP-Modus“ einst offiziell seitens Microsoft Einzug in Windows 7, um erwartete Kompatibilitätsprobleme zumindest abzufedern. Mit „DOSBox“ gibt es seit 2002 einen Emulator, der einen typischen DOS-Rechner mit allen Schikanen nachstellt, und der speziell für Spiele optimiert wird. Dieses kleine aber äußerst kräftige Tool ist so gut, dass es von Spieledistributionsplattformen wie GOG offiziell verwendet wird, um die Nutzung sämtlicher DOS-Spiele unter modernen Betriebssystemen zu ermöglichen. DOSBox emuliert den PC heute so akkurat und schnell, dass man im emulierten DOS sogar Windows 95 installieren und darunter Spiele spielen kann – leider mit diversen technischen Einschränkungen.

Soviel also zur Einleitung. Vor wenigen Monaten entdeckte ich eher zufällig einen weiteren Mitstreiter auf dem Gebiet der PC-Emulatoren: PCem. Dieses Programm ist vereinfacht gesagt das Windows-Gegenstück zu DOSBox, wenn auch noch lange nicht auf Windows beschränkt. PCem emuliert grundsätzlich eine ganze Vielzahl von alten Mainboards, Prozessoren, Grafikkarten, selbst einst beliebte 3D-Beschleuniger wie Voodoo und Voodoo2. Entsprechend lassen sich damit die allerersten PCs, bis hin zu PCs der Pentium MMX Ära emulieren. Die akkurate Low Level Emulation fordert jedoch ihren Tribut, so benötigt man zur Nachbildung meines damaligen 200 MHz Pentiums von 1997 heutzutage über den Daumen gepeilt knapp 4 GHz Taktrate auf einem einzelnen Kern, denn selbstredend lässt sich die Emulation eines Singlecore-Prozessors nicht einfach auf mehrere Kerne aufteilen. Das ist also mal eben das 20-fache an Leistung.

Das beste an PCem ist, dass er mit dem Ziel entwickelt wird, Spiele perfekt zu unterstützen, also einer der hardwareforderndsten Formen von Software, was mich insgesamt sehr begeistert hat. Wenn man den Gerüchten glauben durfte, soll die Voodoo2-Emulation inzwischen so brauchbar sein, dass hardwarebeschleunigte 3D-Spiele aus der Zeit kurz vor der Jahrtausendwende mit Abstrichen problemlos spielbar sein sollen. Dies wollte ich unbedingt selbst testen und so versuchte ich mich einmal an einer kleinen Demo-Installation, die einen halben Tag in Anspruch nahm.

Ich will hier an dieser Stelle bewusst nur einen Erlebnisbericht und kein Tutorial schreiben, weil die Installation leider relativ aufwändig ist, und es schon diverse brauchbare Anleitungen im Internet gibt. Der Aufbau einer lauffähigen Konfiguration in PCem ist nicht sehr intuitiv im Gegensatz zu DOSBox oder VirtualBox, aber die Mühe lohnt sich. So ist PCem nach der Installation leider völlig nutzlos, benötigt er doch eine ganze Reihe an BIOS-Dateien für die ganze Hardware, die man haben möchte. Die Verwendung derselben ist wohl nur so halblegal, die entsprechenden Dateien lassen sich aber an vielen Ecken finden. Hat man diese Hürde überstanden, darf man seinen emulierten Pentium zum ersten Mal einschalten und findet eine nicht bootfähige, unformatierte Festplatte vor. Nach einigen Fehlversuchen gelang es mir schließlich tatsächlich, mit Hilfe mehrerer Bootdisketten und meiner eigenen CD ein taufrisches Windows 98 SE zu installieren, das auch fehlerfrei bootete. Die größte Zeit aber beanspruchte die nervenaufreibende Schnitzeljagd im Internet nach Treibern für die SoundBlaster 16, der Voodoo2-Karte und DirectX 7.0, zudem generische Maus- und CD-ROM-Treiber, die ich ganz klassisch in die CONFIG.SYS und AUTOEXEC.BAT einpflegen durfte. Oh wie lange ich diese beiden Dateien schon nicht mehr gesehen habe. Nostalgie pur!

Das Betriebssystem machte einen stabilen, schnellen und vor allem makellosen Eindruck, im Gegensatz zu so mancher gleichförmiger Installation unter VMware Workstation, die mit Windows 9x oft schon beim Sound überfordert schien. Aber ich wollte mein neues altes System definitiv einer Feuerprobe unterziehen und beschloss daher, einen Klassiker aus meinen alten Tagen zu installieren, den ich wirklich sehr gerne und sehr lange gespielt habe: Need for Speed III: Hot Pursuit.
Die Installation von CD-Image verlief in PCem ausgesprochen gemütlich, und das Spiel startete schließlich (nach Korrektur der Hardwarekonfiguration und Installation noch fehlender Treiber) sogar ohne weitere Schwierigkeiten und plötzlich lief das actiongeladene Introvideo von NFS3 – fast ohne Ruckler. Eigentlich hatte ich erwartet, dass das Spiel mir zunächst via Dialogbox meldete, dass ich doch bitte die CD einlegen solle, so wie das früher (durch den CD-Kopierschutz) bei gebrannten Datenträgern ein generelles Thema war. Aber möglicherweise ist auch das in PCem gar kein Problem mehr.

Nun, was soll ich sagen. Schon kurz darauf drehte ich meine ersten paar Runden in der Corvette über meine Lieblingsstrecke, den Gebirgspass, in gnadenlosen Rangkämpfen gegen Lamborghinis, Ferraris, Aston Martins und anderen Sportwagen, teils auf der Flucht vor der Polizei, teils auch nur gegen die Zeit. Anfangs noch ein wenig wackelig mit etlichen Kollisionen, gewann ich mein altes Fahrgefühl bald wieder zurück und ehe ich mich versah, driftete ich wie vor über 20 Jahren mit Begeisterung in die Kurven, gab Vollgas auf den Geraden, versuchte die perfekten Bremspunkte zu finden, und schlängelte mich zwischen den gegnerischen Boliden hindurch auf dem Weg an die Spitze des Fahrerfeldes. Die Kompatibilität ist wie erwartet einwandfrei, es gibt keine Fehler oder grafische Glitches. Die Performance ist auf meiner Kiste nicht bahnbrechend, aber ausreichend schnell. Für die Standardauflösung des Spiels von 640×480 reicht es allemal, mehr ist nicht zu empfehlen. Die größte Schwierigkeit hierbei wird sein, dass die 3D-Beschleunigung paradoxerweise in Software emuliert wird, und so natürlich keine Vorteile von der Leistungsfähigkeit der physischen Grafikkarte erfährt. Dennoch gibt es spürbare Performanceverbesserungen durch den Einsatz der Voodoo2-Schnittstelle im Gegensatz zum Software-Renderer.

Die Demonstration war für mich ein voller Erfolg, vielleicht nicht komplett repräsentativ, aber in jedem Fall sehr beeindruckend. PCem erlaubt keine Festplatten-Snapshots wie bei Virtualisierungssoftware üblich, aber meine perfekt eingerichtete, unberührte Konfiguration habe ich für die Zukunft weggesichert und werde auf diese künftig regelmäßig zurückgreifen. Auch erwarte ich weitere Verbesserungen durch die jährlich erscheinenden, neueren Versionen von PCem, so dass das Retro-Spielvergnügen immer besser wird und auch die mit ziemlicher Sicherheit existierenden Grenzfälle unterstützt. Mal sehen welches Spiel ich als nächstes installiere. Vielleicht Interstate ’76. Es sollte jedenfalls ein echter Problemfall sein, der heute nur noch sehr schwer lauffähig gemacht werden kann.

Nach anfänglichen Zweifeln vor etlichen Jahren ob wir jemals in der Lage sein würden, die früheren Windows-Spiele (ab circa 1993 bis Anfang der 2000er) jemals lückenlos in spielbarer Form zu bewahren, abseits natürlich vom Weiterbetrieb der echten Legacy-Hardware, bin ich nun überzeugt, dass für Retrogamer wie mich endlich goldene Zeiten anbrechen. Mit DOSBox, PCem, VirtualBox, VMware und diversen anderen Lösungen, die glücklicherweise allesamt nicht nur für Windows sondern auch Linux und mitunter anderen Plattformen verfügbar sind, dürfte die sich stetig verbessernde Kompatibilität endlich flächendeckend ermöglichen, auch hartnäckige Fälle von Spielen perfekt spielbar zu machen und somit vernünftig zu erhalten. Und natürlich muss man sich auch nie wieder Sorgen über eine ewige Abhängigkeit von Windows machen, denn egal ob Spiele für DOS, Windows 95/98 oder XP: Heute läuft endlich (fast) alles überall. Und hey, mit Wine und Proton sind wir sogar schon für die Spiele danach wirklich gut aufgestellt, mit unzähligen Optimierungen und Verbesserungen, die monatlich dazukommen. Wahrlich goldene Zeiten sind das.

Ende der 90er Jahre war es leicht, ein Bullfrog- und Peter Molyneux-Fan zu sein. Die britische Spielefirma kannte ich bereits seit meiner Kindheit von Powermonger und Populous auf dem Atari ST, später spielte ich auch Theme Park und Hi-Octane, und auch in Syndicate Wars investierte ich viel Zeit. Das Jahr 1997 brachte uns gleich zwei Kracher von der Insel: Dungeon Keeper und Theme Hospital. Ersteres räumte für seine innovative Spielidee und grandiose Umsetzung viele Preise ab, letzteres stand dagegen ein wenig in dessen Schatten. Es wurde zwar lobend und wohlmeinend beurteilt, es habe zwar nicht ganz die Klasse des wesentlich bekannteren Freizeitpark-Vorgängers von 1994, aber sei dennoch ein witziges und angenehm zu spielendes, solides Werk, vielleicht ein wenig verbuggt, aber doch insgesamt gut. Und schon nach kurzer Zeit geriet das Spiel in Vergessenheit.

Theme Hospital ist ein Krankenhaus-Aufbauspielchen mit isometrischer 2D-Comic-Grafik, witzigen Fantasiekrankheiten und schrägen Animationen. Wer als Kind eine Playmobil-Arztpraxis betrieben hat, wird Theme Hospital lieben. Zu knuffig sind die vielen kleinen Leute, die durch die Gänge tapsen, ihrer Arbeit nachgehen, sich behandeln lassen, oder die Toilette aufsuchen. Die Grafik ist farbenfroh und nach damaligen künstlerischen Maßstäben wunderbar gepixelt. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich in drei Stufen einstellen, ist aber insgesamt höchstens moderat. Da die Windows 95-Version heute nicht mehr überall besonders gut läuft, und diese bei mir auch unter VirtualBox in einer XP-VM leider extreme Performance-Probleme hatte, musste ich zur DOS-Version (Gepatchte deutsche Version 1.0.0.1) in der Emulation via DOSBox greifen, was problemlos funktioniert hat.

Mein jüngeres, 15-jähriges Ich würde wohl ungläubig gucken, wenn ich ihm erzählte, dass er noch fast 20 Jahre braucht, bis er das Spiel tatsächlich durchspielt. Aber es ist endlich vollbracht. Und so wurde Theme Hospital hiermit zum allerersten Spiel, das ich komplett in DOSBox bis zum Ende gespielt habe. Nachdem ich die Demoversion nach 1997 schon gespielt hatte bis der Arzt kommt, enttäuschte mich die Vollversion, die ich mir nicht mehr als zwei Jahre später besorgte, zunächst maßlos. Der Grund war recht simpel: Die ersten paar Levels sind wunderbar zu spielen, und haben mich genauso sehr mitgerissen wie die Demo. Und dann kamen die Epidemien.

Epidemien sind Zufallsereignisse und im wahrsten Sinne des Wortes die Pest in Theme Hospital. Sie machen mir das Spiel zur Hölle, was mir auch Ende der 90er schon unangenehm aufgefallen ist, weshalb ich es frühzeitig aufgegeben habe. Wer von einer Epidemie heimgesucht wird, kann diese entweder pflichtbewusst freiwillig melden und zahlt pauschal 10.000 Dollar Strafe. Das ist schon nicht leicht zu stemmen, besonders weil Epidemien in den höheren Levels ständig auftreten, gerne auch gleich mehrmals hintereinander, und man dadurch ruckzuck pleite ist und den Level von vorne beginnen darf.

Sinnvoller ist es, die Epidemien zu vertuschen und heimlich zu bekämpfen. Dann muss man eigentlich nur die betroffenen Patienten suchen und händisch mit der Maus markieren. Die Krankenschwestern können dann die markierten Patienten impfen. Schließlich muss man nur noch dafür sorgen, dass die Epidemie-Patienten schnell geheilt werden, bevor das Gesundheitsamt Wind davon bekommt. Dumm nur, dass hier absolut nichts funktioniert: Die Krankenschwestern übersehen minutenlang einzelne markierte Patienten, selbst wenn sie direkt davorstehen, selbst wenn man zehn extra neu angestellte Krankenschwestern direkt neben ihnen abstellt. Im schlimmsten Fall ignorieren sie die Patienten bis zum bitteren Ende.

Und sogar wenn alle Patienten erfolgreich geimpft sind: Ob und wieso eine Epidemie vom Gesundheitsminister entdeckt wird, scheint reiner Zufall zu sein. Beim allerersten Fall zahlte ich astronomische 36.000 Dollar Strafe und war auf einen Schlag ruiniert – Level verloren, alles für die Katz. Ein anderes Mal sind es „nur“ 8000 oder gar 4000 Dollar Strafe, und hin und wieder gewinnt man und bekommt plötzlich 9000 Dollar Entschädigung für eine Epidemie. Oft reicht es, wenn man dieselbe Epidemie via Savegame ein zweites oder drittes Mal spielt, ohne dass man den Eindruck hat, weniger falsch gemacht zu haben, schon ändert sich das Ergebnis extrem. Die Epidemien scheinen komplett fehlerhaft zu sein, und machen das Spiel fast ungenießbar. Denn eigentlich will man bauen und verwalten, und sich nicht ständig davor fürchten müssen, dass die nächste Epidemie mir das Level ruiniert. Dass die Epidemien oftmals schon in der frühesten Spielphase fast ausschließlich Krankheiten betreffen, die man noch nicht einmal behandeln kann, ist nur ein weiteres der unzähligen Probleme des Spiels.

Doch zum Glück gibt es für diesen Bug auch gleich einen Konter-Bug. Wenn man das Spiel sofort speichert, bevor man eine Epidemie „angenommen“ hat, kann man durch geduldiges Neuladen und Epidemiewarnung wegklicken, die Epidemiewarnung irgendwann gänzlich verschwinden lassen. Wenn das passiert, taucht im gesamten restlichen Level keine weitere Epidemie mehr auf, denn der Epidemiestatus scheint dadurch im Nirvana zu hängen. Durch diesen kleinen Kniff wurde das Spiel für mich tatsächlich wieder spielbar. Ein wirtschaftlich rentables Krankenhaus mit einem guten Ruf aufzubauen, ist schließlich schon schwer genug. Und selbst wenn man den Bug nicht triggern kann, kann man durch das Zurückgehen auf ein älteres Savegame die kommende Epidemie oft noch vermeiden.

Auch wenn es grausam klingt: Patienten, deren Gesundheitszustand sich rapide verschlechtert (zu erkennen an dem traurigen Smiley, der sich Schritt für Schritt in einen Totenschädel verwandelt) sofort aus dem Krankenhaus schmeißen, wenn sie nicht offensichtlich kurz vor der Heilung stehen. Das Spiel bestraft Sterbefälle nämlich rigoros. Zum einen ist der Imageschaden pro verlorenem Patienten deutlich spürbar, zum anderen fehlt in der Jahresendabrechnung der großzügige Keine-Sterbefälle-Bonus von 10.000 Dollar, der gerade in höheren Levels über Sieg oder Pleite entscheidet. Des Krankenhauses verwiesene Patienten mindern den guten Ruf dagegen auch in größeren Zahlen kaum. Daher am besten knallhart bleiben und die schwerkranken Patienten konsequent vor die Tür setzen, bevor sie zum Problem werden. Bei längeren Warteschlangen kippen die Menschen garantiert früher oder später reihenweise um, und der Sensenmann freut sich über das gute Geschäft. Später habe ich dann zum Glück begriffen, dass das Spiel von mir erwartet, Räume mehrfach zu bauen. Am Ende ist es keine Seltenheit mehr, dass man fünf, sechs oder noch mehr Allgemeinmediziner gleichzeitig beschäftigt.

Achja, die Erdbeben, das nächste Ärgernis in dem Spiel. Wiederholt kam es vor, dass einwandfreie medizinische Räume, die erst Sekunden zuvor von einem Handwerker repariert worden waren, durch ein folgendes Erdbeben zerstört wurden, obwohl das gar nicht passieren dürfte. Und zerstörte Räume sind dann im Spiel auch noch unbenutzbarer Platz, der sich nicht für alles Geld der Welt renovieren lässt. Oft reicht gefühlt schon ein winziger Kratzer an einem Diagnose- oder Behandlungsgerät und beim nächsten Erdbeben fliegt einem alles um die Ohren. Es nervt wirklich sehr.

Weiter gehts mit den Notfällen: Am Anfang ist man meistens ganz froh, wenn man mit der Pharmatheke, dem Entlüfter, und der Polyklinik wenigstens ein paar einfache Basiskrankheiten heilen kann, um nicht sofort rote Zahlen schreiben zu müssen, und dann kommt ein Notfall rein: Vier Patienten mit außerirdischer DNA. Oder 13 Patienten mit Verstrahlung. Schön für euch, ich kann euch nicht helfen. Aber sobald man endlich alle Krankheiten diagnostizieren und behandeln kann, kommen keine Notfälle mehr rein. So ist Theme Hospital. Genauso albern wie seine Animationen.

Einmal war ein Arzt aus irgendeinem Grund unter einem Billardtisch im Personalraum gefangen. Bei einem angekündigten Notfall mit sechs Patienten sind vier erst gar nicht aufgetaucht. Ich habe die ganze Karte nach ihnen abgesucht. Entsprechend wurde mir der Bonus verwehrt, weil ich nur zwei retten konnte. Und das kam später mehrmals vor. Gleich mehrere Ärzte wollten ums Verrecken ihre endlose Ausbildung zum Berater nicht abschließen. Irgendwann war ich mir sicher, dass ich einen Bug gefunden hatte. Als ich schließlich aus Verzweiflung den Lehrer ausgewechselt habe, sind nur eine Sekunde später auf einen Schlag fast alle Ärzte gleichzeitig zu Beratern aufgestiegen.

Die deutschen Texte in dem Spiel sind leider voller Fehler, numerische Werte werden falsch eingesetzt oder falsch umgerechnet („Sie haben Diagnosegeräte von 100 2.121996e-314rforscht.“, „Melden Sie die Epidemie, müssen Sie eine Strafe von 1852392736 zahlen.“). Einige „Tipps“ sind komplett irreführend und wenig hilfreich („Ihre Empfangsdamen sind total erschöpft. Veranlassen Sie sofort, daß sie eine Pause einlegen.“). Eine meiner Krankenschwestern wollte ihren Behandlungsraum partout nicht mehr verlassen, litt dadurch am Ende unter einem Burnout, und verlangte schließlich eine Gehaltserhöhung nach der anderen. Die Liste der Fehler ließe sich vermutlich noch eine Weile fortsetzen.

Kann ich das Spiel unter den gegebenen Umständen und trotz seiner vielen Problemchen überhaupt noch empfehlen? Aber unbedingt! Theme Hospital mag ein bisschen sperrig sein, es mag verbuggt sein, aber es hat Charme, es hat Spielwitz, es ist spannend, fordernd, es ist nett anzusehen, und der Wuselfaktor ist relativ hoch. Man muss mit seinen Macken umgehen können, dann macht das Aufbauen auch heute noch gehörigen Spaß. Leider krankt die Einzelspieler-Kampagne an einem Problem, das viele vergleichbare Aufbauspiele haben: Es ist furchtbar repetitiv. Im Prinzip baut man 12 Krankenhäuser auf, bis man den Abspann sieht. Von der Rezeption bis zum allerletzten Behandlungsraum muss man jedes Krankenhaus immer wieder von vorne hochziehen und liebevoll einrichten. Und es ist oft frustrierend, wenn man viel wirklich viel Zeit und Mühe in den Aufbau eines Krankenhauses investiert hat, endlich alles perfekt und rund läuft, den Level-Ende-Bildschirm sieht, um dann gleich wieder bei Null anfangen zu müssen. Irgendwann war dann auch bei mir die Luft raus. Da war ich dann doch froh, dass das Spiel nicht 20 oder gar 30 Levels hat.

Auch wenn es mit Two Point Hospital seit kurzem einen offiziellen inoffiziellen 3D-Nachfolger von den Original-Designern gibt, ist das für mich kein Grund, Klassiker wie diesen aus meinem Kopf zu verdrängen, denn ich hatte an Theme Hospital in meiner Jugend eine Menge Freude, und nun habe ich dieses Kapitel für mich mit einem kleinen Sieg abgeschlossen. Außerdem gibts Theme Hospital noch gänzlich ohne Steam-Zwang, und das ist mir heutzutage sehr viel Wert.

Aus aktuellem Anlass möchte ich mich über ein Thema auskotzen, das mich schon ziemlich lange wirklich nervt. Der skandalträchtigste Egoshooter der 90er Jahre – direkt nach Doom – dürfte Duke Nukem 3D gewesen sein, welcher nun (genau wie Doom) jüngst auf Antrag des derzeitigen Rechteinhabers vorzeitig vom berüchtigten Index der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) gestrichen wurde. Für wie sinnlos und ungerecht ich ein solches Verkaufs- und Werbeverbot in Deutschland halte, und wie selbstentlarvend es ist, dass die Damen und Herren von der Prüfstelle sich erst durch einen Aktenkoffer mit Geld dazu überreden lassen, überhaupt eine neuerliche Prüfung des indizierten Produkts zuzulassen (denn tatsächlich wird sonst erst nach völlig absurden 25 Jahren erneut geprüft!), darüber werde ich hier in diesem Artikel nicht diskutieren. Das ist Deutschland. Das ist ein Thema für sich.

Das schlimmste am Jugendschutz in Deutschland war schon immer, dass Erwachsene dadurch „zwangsgeschützt“ werden. Er sollte auf mich nicht zutreffen: In nicht mehr allzu ferner Zukunft werde ich zweimal volljährig, ich habe keine Kinder, und auch keinen Kontakt zu irgendwelchen Kindern oder Jugendlichen. Dennoch behindert mich der Jugendschutz quasi jeden Tag, meistens beim Kauf von Filmen und Spielen. Ich kann ihn nicht einmal ausschalten. Schlimmer noch, der Jugendschutz eröffnet teilweise neue Einnahmequellen für Händler: So verlangt Amazon etwa beim Kauf von USK/FSK18-Artikeln grundsätzlich einen dicken Aufpreis von fünf Euro – man könnte glauben, es sei ein Gefahrenzuschlag wegen des Transports von Gefahrgut. Und natürlich muss ich persönlich mit Personalausweis an die Tür kommen, ich kann es nicht irgendwo abstellen lassen, um es später bequem abzuholen. Es könnte ja ein scheiß Jugendlicher klauen und sich daran seine zarte Seele verbrennen. Wär ja schade drum. Grund genug, solche Artikel woanders zu kaufen, dann spart man sich solche Schikanen.

Aber auch das ist nicht das Thema, denn zumindest kann ich solche Produkte noch mehr oder weniger beschwerlich erwerben. Anders sieht es mit indizierten Spielen bei den international führenden Spieledistributionsplattformen Steam und GOG aus (und mit Sicherheit nicht nur da): Indizierte Spiele gibts da nicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine gewisse Abneigung gegen Steam habe, und dafür ein Wohlwollen für GOG empfinde. Das Steam-DRM ist eine der scheußlichsten Erfindungen der letzten Jahrzehnte im Bereich PC-Spiele, während sich GOG, das sich von Beginn an DRM-Freiheit auf die Fahne geschrieben hat, mit seinem (bisher zum Glück) kompromisslosen Grundsatz bei mir problemlos einschmeicheln konnte. Es gibt zwar nicht unbedingt wenige andere, die wie ich denken, aber im Allgemeinen löst meine Sichtweise natürlich mehr Kopfschütteln als Verständnis aus. Die unkritische „Wir haben doch nichts zu verbergen“-Fraktion eben.

Dennoch ärgert auch GOG mich zuweilen sehr. Schon vor Jahren hielt ich in einem Artikel fest, wie sehr es mich stört, dass GOG falsche, oder zumindest unehrliche Angaben bezüglich der Hardwareanforderungen macht: DOSBox als Emulationsumgebung sollte auf den Store-Seiten gekennzeichnet sein müssen. In meinen Augen ist das ein wichtiges Kaufkriterium. Doch auch der Umgang mit indizierten Spielen ist bei GOG und Steam äußerst schlecht: Mit einer deutschen IP gibt es für dich ganz einfach keine indizierten Spiele. Scheißegal wie alt du bist. Basta. Du kannst sie nicht nur nicht kaufen, sie werden sogar vor dir verheimlicht: Früher bekam man eine 404-Fehlerseite zu sehen, heute wird man einfach ungefragt umgeleitet. Beides ist so dermaßen ätzend und verlogen, dass mir das Essen hochkommt. Der HTTP-Statuscode 404 („Nicht gefunden“) ist für Geolocks ohnehin absolut unpassend, denn erwiesenermaßen existiert die Seite (dafür gäbe es Statuscode 403, oder neuerdings den Statuscode 451 – „Aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar“).

Ganz egal wie die Regionalsperre umgesetzt ist, für eine ehrliche Fehlerseite sind die Kunden den Anbietern nicht wichtig genug. GOG und Steam lügen die Nutzer kackdreist an, behaupten stur, es gäbe das Spiel dort überhaupt nicht. Auch die Suchfunktion der beiden Plattformen unterschlägt Suchergebnisse, tut so, als habe man in der Datenbank nichts Passendes finden können. Das ist etwas, das ich mir als jemand der es besser weiß, ungern gefallen lasse. Immer öfter liest man Beiträge in Foren wie „Ich verstehe gar nicht wieso es heute noch Raubkopien gibt – Es gibt doch heute alles ständig im Sale.“ Tja, vermutlich auch weil die Anbieter uns vorgaukeln, dass sie bestimmte Spiele nicht haben.

Im folgenden eine Liste der Spiele bei GOG, die in Deutschland aktuell gesperrt sind bzw. bis vor kurzem noch waren. Wer sich wundert: Die URLs sind nachweislich alle in Ordnung und über Google auffindbar (GOG + Spielename), aber für Internetnutzer aus Deutschland leider nicht erreichbar. Die Informationen habe ich aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen.

https://www.gog.com/game/aliens_versus_predator_classic_2000
https://www.gog.com/game/blake_stone_aliens_of_gold (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/blood_2_the_chosen_expansion
https://www.gog.com/game/bloodrayne
https://www.gog.com/game/bloodrayne_2
https://www.gog.com/game/brothers_in_arms_hells_highway (neu)
https://www.gog.com/game/cannon_fodder (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/carmageddon_max_damage
https://www.gog.com/game/carmageddon_max_pack
https://www.gog.com/game/carmageddon_2_carpocalypse_now
https://www.gog.com/game/the_chaos_engine (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/commandos_ammo_pack
https://www.gog.com/game/commandos_2_3
https://www.gog.com/game/doom_ii_final_doom (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/dying_light_the_following_enhanced_edition
https://www.gog.com/game/far_cry
https://www.gog.com/game/fear_platinum (neu)
https://www.gog.com/game/fear_2_project_origin_reborn (neu)
https://www.gog.com/game/gun
https://www.gog.com/game/harvester
https://www.gog.com/game/killing_time
https://www.gog.com/game/kingpin_life_of_crime
https://www.gog.com/game/lucius
https://www.gog.com/game/medal_of_honor_allied_assault_war_chest
https://www.gog.com/game/mortal_kombat_123
https://www.gog.com/game/necrovision
https://www.gog.com/game/one_unit_whole_blood
https://www.gog.com/game/painkiller (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/phantasmagoria_2
https://www.gog.com/game/postal_classic_and_uncut
https://www.gog.com/game/postal_2
https://www.gog.com/game/postal_2_complete (gibt es nicht mehr)
https://www.gog.com/game/POSTAL_2_Paradise_Lost
https://www.gog.com/game/quake_ii_quad_damage (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/quake_iii_gold
https://www.gog.com/game/red_faction (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/red_faction_2 (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/redneck_rampage_collection
https://www.gog.com/game/requiem_avenging_angel (neu)
https://www.gog.com/game/return_to_castle_wolfenstein
https://www.gog.com/game/rise_of_the_triad__dark_war
https://www.gog.com/game/rune_classic
https://www.gog.com/game/saints_row_2 (neu)
https://www.gog.com/game/shadow_warrior_complete (wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/sin_gold
https://www.gog.com/game/singularity
https://www.gog.com/game/soldier_of_fortune_platinum_edition
https://www.gog.com/game/soldier_of_fortune_payback
https://www.gog.com/game/soldier_of_fortune_ii_double_helix_gold_edition
https://www.gog.com/game/star_wars_dark_forces
https://www.gog.com/game/the_suffering (neu)
https://www.gog.com/game/the_suffering_ties_that_bind (neu)
https://www.gog.com/game/timeshift
https://www.gog.com/game/total_overdose_a_gunslingers_tale_in_mexico
https://www.gog.com/game/unreal_tournament_2004_ece
https://www.gog.com/game/unreal_tournament_goty
https://www.gog.com/game/wolfenstein_3d_and_spear_of_destiny (wieder verfügbar)

Bei einzelnen dieser Spielen (The Chaos Engine?) muss ich mich ohnehin fragen, welcher Geisteskranke je seine Unterschrift dafür geleistet hat, die Indizierung einzureichen.

Update vom 21.05.2018: Drei neue Spiele wurden von GOG zwischenzeitlich zur Bevormundungsliste hinzugefügt: Carmageddon: Max Damage, Necrovision und Timeshift.

Update vom 13.10.2018: Vier neue Spiele wurden von GOG zwischenzeitlich zur Bevormundungsliste hinzugefügt: Postal 2 Paradise Lost, Soldier of Fortune Platinum Edition, Soldier of Fortune Payback und Soldier of Fortune II Double Helix Gold Edition

Update vom 04.03.2019: Acht neue Spiele wurden von GOG zwischenzeitlich zur Bevormundungsliste hinzugefügt: – Brothers in Arms: Hell`s Highway, Doom 2, F.E.A.R., F.E.A.R. 2, Requiem: Avenging Angel, Saints Row 2, The Suffering, The Suffering: Ties That Bind

Update vom 31.12.2019: Wolfenstein 3D und Spear of Destiny sind inzwischen in Deutschland wieder verfügbar.

Update vom 07.06.2020: Blake Stone, Cannon Fodder, The Chaos Engine, Doom II, Painkiller und Quake 2 sind inzwischen in Deutschland wieder verfügbar. Danke an qwertfisch für das Update!

Um das Thema Superfrog vorerst zu beenden, möchte ich hier noch einen kleinen Nachtrag anbringen. Ein Arbeitskollege hat mich aufgrund meiner kürzlich entfachten Begeisterung für Superfrog HD darauf hingewiesen, dass Superfrog im Blackberry World („Appstore“) für 1,79 EUR angeboten wird. Logisch, dachte ich, der Hersteller wird versuchen, sein neues Remake für möglichst viele Systeme anzubieten. Dann jedoch sah ich die Blackberry-App mit eigenen Augen. Das Spiel sah nicht nach HD aus, und hatte auch kein „HD“ im Namen. Das angegebene Jahr war 1993, und sogar der Original-Sponsor Lucozade wurde noch erwähnt. Das ist doch gar kein Remake, oder doch?

superfrog_blackberryDie Versionsnummer wird mit 1.3.4.16 gelistet. In der Beschreibung steht aber „The original 1993 Amiga game from Team 17„. Ein Klick auf den Hersteller Amiga, Inc. offenbart ein weiteres Puzzlestück: Hier werden Amiga-Demos und Spieleklassiker wie Alien Breed, Xenon 2, Gods, The Chaos Engine, Turrican, Zool, uvm. angeboten, alle für bis zu drei Euro. Das konnten unmöglich Remakes oder Portierungen sein. Das sind die Originale, wahrscheinlich mit einem Emulator gebundlet, da war ich sicher. Eine kurze Recherche bestätigte meine Vermutung: Die Diskfiles kommen mit einem modifizierten UAE (Unix Amiga Emulator) für Blackberry daher. Modifiziert genug, dass man den Emulator dahinter nicht mehr sehen kann.

Auf dem Blackberry-Newsportal Crackberry.com gibt es ein Interview mit Bill McEwen über den Release der neuen Blackberry-Amiga-Apps. Am meisten stört mich an dem Text die sechste Frage: „With so many classics to choose from — Speedball 2, Wings, Elite and more — how do you decide which games to port first?„. Der Text erweckt dein Eindruck als handle es sich um echte Portierungen, was aber sehr unwahrscheinlich ist, denn bei einigen dieser Spielen kann man davon ausgehen, dass der Quellcode nicht mehr so schnell aufzutreiben sein wird, außerdem wäre der Aufwand viel zu groß. Der Fragensteller gibt sich keine Mühe, die technische Seite der Spiele auch nur im geringsten abzuklopfen. Es scheint ihn nicht zu interessieren, wie die Umsetzung gelungen ist. Auch Bill McEwen wird an keiner Stelle konkret. Mich als Softwareentwickler und Amiga-Fan ärgert dieses Versäumnis ein wenig.

Bevor mich nun wieder alle als „Hater“ oder Haarspalter abstempeln: Ich finde die Aktion insgesamt sehr lobenswert. Wer mich kennt, weiß, dass ich alle Bemühungen, alte Spieleklassiker (möglichst in ihrer Urform) wieder aufleben zu lassen, sehr schätze und unterstütze. Daher bin ich prinzipiell auch ein Fan des Spieleportals GOG.com. Aber ähnlich wie Blackberry in diesem Fall bei den Amiga-Spielen, kritisiere ich GOG.com dennoch dafür, dass sie ein Geheimnis um die Technik der Umsetzung machen, und Kritik wird ja wohl noch erlaubt sein.

Nehmen wir als Beispiel eines der besten PC-Spiele überhaupt, nämlich Dungeon Keeper. GOG.com schreibt hier unter anderem: „compatible with: Windows (XP, Vista, 7, 8) and Mac OS X (10.6.8 or newer)“ und weiter: „Minimum system requirements: Windows XP or Windows Vista, 1.8 GHz Processor, 512MB RAM (1 GB recommended), 3D graphics card compatible with DirectX 7 (compatible with DirectX 9 recommended), 2GB HDD, Mouse, Keyboard.[…]“. Dungeon Keeper lief nie unter Mac OS, bei allen Systemen ab Windows XP muss man mit Problemen rechnen, und schon gar nicht setzte das Spiel so eine leistungsfähige Hardware voraus. Warum also diese „falschen“ Angaben?

Nun, der erfahrene GOG.com-Nutzer wird die Antwort schon kennen: Es handelt sich hier um die MS-DOS-Version von Dungeon Keeper, die einfach mit einer vorkonfigurierten Version von DOSBox – also einem DOS-Emulator – gebundlet wird. DOSBox wird jedoch mit keinem Wort erwähnt, und das finde ich schon ein starkes Stück. Wenn man Glück hat, erwähnt es ein Käufer zufällig in den Kommentaren. Eine Installation von DOSBox (mit meiner Original-CD von Dungeon Keeper) kann ich mir auch alleine hinstellen, dazu brauche ich GOG.com nicht. Hätte ich das Spiel nur deshalb gekauft, weil ich auf eine vollständig Windows-7/8-native Version gehofft hätte (die es übrigens wirklich gibt!), dann hätte ich mich sehr geärgert. Das ist meiner Meinung nach knapp an der Grenze zur Täuschung durch Unterschlagung essentieller Informationen. Die System Requirements wären eigentlich genau der richtige Platz gewesen, um das Stichwort „DOSBox“ einmal kurz einzustreuen. Das hätte niemandem geschadet.

Offensichtlich ist Transparenz aber nicht die Maxime des Anbieters. Ein weiterer Grund warum mich das ärgert, ist die Tatsache, dass GOG.com vor zwei Jahren in einem Interview äußerten, dass die alten Spiele von Programmierern hinsichtlich Kompatibilität zu neuen Betriebssystemen optimiert würden: „Programmers get their hands on masters to optimize them to run on Win XP/Vista/7, testers check the builds[…]“. Um ein Spiel mit DOSBox zum Laufen zu bewegen, braucht man keinen Programmierer. Es mag sein, dass die Aussage oft zutrifft, aber wenn dann im Einzelfall doch wieder nur DOSBox zum Einsatz kommt, dann will ich das zumindest in der Beschreibung sehen können, bevor ich kaufe. Wer sich übrigens viele solcher Spiele bei GOG.com kauft, hat am Ende daher auch viele Installationen von DOSBox auf der Festplatte.

Danke für die Amiga-Spiele auf dem Blackberry, aber wenn es keine Portierungen sind, solltet ihr bitteschön auch nicht so tun als wären es welche. Ein Hinweis bezüglich des quelloffenen UAE wäre angebracht, nicht nur für technisch versierte Nutzer. Gleiches gilt für „optimierte“ Spiele auf GOG.com, bei welchen DOSBox beigelegt wird, um den Entwicklern Arbeit zu sparen. Dann bitte wenigstens dazuschreiben, was wirklich im Paket enthalten ist.

Alle Welt freut sich über Duke Nukem Forever, das morgen erscheinen wird. Ich dagegen richte mein Augenmerk wieder einmal auf die Klassiker. Die Quellcodes für Duke Nukem 3D und Shadow Warrior, den wohl bekanntesten Spielen auf Basis der Build-Engine, sind schon seit Jahren frei zugänglich und daher gibt es inzwischen sowohl großartige 1:1-Windows- und Linux-Portierungen der alten DOS-Spiele, als auch weiterentwickelte Versionen mit höheren Auflösungen und detaillierteren Texturen. Für die anderen Build-Engine-Spiele wie etwa Blood oder Redneck Rampage scheinen die Quellcodes dagegen verloren, und so bleibt einem bislang nur DOSBox um sie starten zu können.

Allerdings gibt es jemanden, der einen recht erfolgreichen Versuch unternommen hat, sich der Sache noch anzunehmen und Redneck Rampage von Xatrix Entertainment nativ auf modernen Betriebssystemen spielbar zu machen, ohne gleich einen kompletten Rechner emulieren zu müssen. eRampage ist eine modifizierte Version von eDuke32, die dahingehend verändert wurde, dass sie mit den Spieldaten von Redneck Rampage laufen kann. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Spiele alle mit einer mehr oder weniger veränderten Version der Build-Engine von Ken Silverman laufen. Je größer die Unterschiede, desto schwieriger wird die Modifikation. Glücklicherweise scheinen Redneck Rampage und Duke Nukem 3D untereinander über weite Strecken kompatibel zu sein, was die Korrekturarbeiten reduziert. Da der Quellcode von Redneck Rampage nicht vorliegt, muss man eben solche Tricks anwenden. Streng genommen ist das also eine Version von Duke Nukem 3D, die mit einer Redneck Rampage Total Conversion gestartet wird.

Diesen nicht unbedingt kleinen Unterschied zu einem echten Windows-/Linux-Port erkennt man beim Spielen leider recht häufig. Es gibt einige Grafikfehler zu verdauen, die Spielmechanik ist nicht dieselbe, Gegner verhalten sich teilweise anders, außerdem ist der Spieler so groß wie ein ganzes Stockwert und heißt standardmäßig „Duke“. Viele Leveldaten sind nur mit Modifikationen problemlos spielbar, sonst muss man mit Abstürzen rechnen. Wenn man von den vielen kleinen und größeren Schnitzern absieht, wird man allerdings viel Freude daran haben. Auch die Addons (kurz „Rides Again“ und „Route 66“) lassen sich damit spielen. Ein Vorteil ist die weiterentwickelte Grafikengine, die auch größere Auflösungen erlaubt und insgesamt moderner wirkt.

Den Code von eRampage und die Windows Binaries kann man auf der Webseite des Projekts herunterladen. Das letzte Update ist leider über ein Jahr alt, daher ist nicht ganz klar, ob es überhaupt noch weiterentwickelt wird.