Archiv der Kategorie: Monolog

Wenn es eine Sache gibt, die ich überhaupt nicht machen will, dann ist es, eine Arbeit sinnlos zu wiederholen, die ich bereits vollständig und zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt hatte. Aber eben genau dazu war ich gezwungen, nachdem mein schönes, altmodisches (sprich: Retro-) Design durch ein Softwareupdate ruiniert war. Also alles wieder auf Anfang. Und dafür, dass ich mich letztlich nur mit größtem Widerwillen um die Angelegenheit gekümmert habe, bin ich doch relativ schnell vorangekommen. Gut, es hat ein paar Wochen gedauert, aber das ist ja alles noch verschmerzbar. Ich habe mich schon fast auf Jahre eingestellt.

Ich war doch recht erstaunt, wie simpel das Themeing immer noch ist, obwohl die Software längst sehr komplex und leistungsfähig geworden ist. Die WP-Standardthemes sind alle natürlich in höchstem Maß dynamisch und streng durchstrukturiert, aber es ist alles trotzdem gut lesbar, sogar für Frontend-Bauern und komplette Design-Pfeifen wie mich. Ich habe mir erstmal die ähnlichste Standardtheme ausgewählt, eine eigene „Child-Theme“ davon abgeleitet, und der Rest war jede Menge Grafikbearbeitung und vor allem stundenlanges CSS-Feintuning nach dem Prinzip Trial and Error. Als ich gemerkt habe, wie gut sich die Theme an allen möglichen Stellen anpassen lässt, ging vieles fast wie von selbst.

SuccessDenied.com zweites Design (seit 2011)

Einige Plugins musste ich auf Grund weiterer Fehler komplett ersetzen, hässliche Darstellungsfehler in meinen statischen Seiten musste ich an die neuen Stylesheets anpassen, und das komplette Header-Bild habe ich bei dieser Gelegenheit auch gleich aufwändig „remastered“; größer, breiter, in höherer Auflösung, mit schärferen Kanten und kristallklarer Schrift. Der OXYD-Hintergrund wurde dazu völlig neu entworfen, ebenfalls in besserer Auflösung. Die Menüleiste musste ich vorerst leider etwas schlichter gestalten, der alte, dezente 3D-Effekt fällt raus. Zu sehr reinhängen wollte ich mich am Ende dann doch nicht, zumal der Header schon einige Stunden meiner freien Zeit gefressen hat. Dann bleibt wenigstens noch mehr Optimierungspotenzial für später.

Und jetzt hat SuccessDenied.com endlich wieder einen Stand erreicht, der dem alten Design sogar überraschend nahe kommt. Ich bin sogar fast soweit, zu behaupten, dass mir das neue Design irgendwie besser gefällt, und dass ich froh sein sollte, dass nach dem Update alles kaputt war, denn es war ohnehin nur noch eine Frage der Zeit. Auf jeden Fall ist die neue Theme unter der Haube wesentlich simpler, übersichtlicher und schleppt viel weniger für mich undurchschaubare Code-Altlasten mit sich herum als das alte Konstrukt. Dadurch sinkt die Gefahr, dass so bald wieder was Unschönes passiert. Denn wo nichts ist, kann auch nichts plötzlich veraltet sein und Fehler erzeugen. Aber das heißt natürlich nicht, dass es hier am Design schon nichts mehr herumzubasteln gibt. Viele kleine Ecken und Kanten könnten noch glattgezogen werden. Es bleibt weiterhin ein fließender Prozess.

Ich hoffe diese Gelegenheit wird sich für mich im Rückblick als der dringend nötige Wendepunkt erweisen, an dem meine Aktivität auf dem Blog wieder spürbar steigt, und ich mich wieder um diverse andere Projekte kümmere, die ich wirklich aufs Sträflichste vernachlässigt habe, *hust*. Egal was kommt, dieser Artikel hier dürfte ja schonmal ein Anfang sein, und das ist besser als nichts, schätze ich.

Also: Willkommen auf SuccessDenied.com im Jahr 2019!

Aus aktuellem Anlass ein Kommentar meinerseits zu einem Thema, das zuletzt durch die Medien geisterte und mich leider indirekt persönlich betrifft. Erst vor wenigen Monaten entschloss ich mich, mein Vertrauen einem deutschen E-Mail-Dienstleister zu schenken, der seinen Kunden für einen geringen monatlichen Obolus unter anderem Anonymität, Verschlüsselung, Sicherheit, Werbefreiheit und vor allem Datenschutz versprach: Posteo

Jüngst wurde ausgerechnet Posteo durch eine schwachsinnige und gefährliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nebst Geldstrafe dazu verurteilt, seine eigenen Kunden direkt zu überwachen, sobald deutsche Strafverfolgungsbehörden das verlangen. Die deutsche Unrechtsprechung zwingt also selbst IT-Dienstleister, die sich ganz konkret und vehement gegen jegliche Überwachung positionieren, auf schizophrene Weise zu aktiver Unterstützung dabei, die eigenen Kunden im Hintergrund auszuspionieren, ihre IP-Adressen aufzuzeichnen und alle diese Daten auszuhändigen. Und sie dürfen das alles den betroffenen Kunden noch nicht einmal mitteilen, werden also zusätzlich zur Verschwiegenheit und Heimlichtuerei verpflichtet.

Das sind Kunden wie ich, die Geld für IT-Dienstleistungen bezahlen, und wie versprochen im Gegenzug echte Anonymität und Datenschutz erwarten, dies aber möglicherweise gar nicht bekommen. Sie werden also streng genommen betrogen. Und Posteo kann dann noch nicht einmal etwas dafür, denn sie werden in ihren eigentlichen Absichten von höchster gerichtlicher Stelle sabotiert. Posteo hat juristisch alles getan, um diesen katastrophalen Fall abzuwenden, doch am Ende gewinnt die Überwachungsgeilheit deutscher Behörden, die sogar falsche Verfassungskonformität bescheinigt bekommt von senilen, konservativen Richtern, die die Tragweite ihrer technikfremden, fortschrittsfeindlichen Fehlentscheidungen nicht im Ansatz verstehen. Mit verbissener Konsequenz wird der von der Regierung vor Jahren eingeschlagene Holzweg zur Überwachung der Bürger fortgesetzt und juristisch immer mehr ausgeweitet und weiter legitimiert. Und selbst wer aussteigen will, sich dem Trend widersetzen will, wird von allen Gerichten per existenzbedrohender Geldstrafen wieder auf Linie gezwungen.

Es reicht offenbar nicht, dass alle Internet- und Mobilfunkanbieter als verlängerter Arm des Gesetzes längst zur Mithilfe und Datenübergabe selbst in Bagatellfällen verpflichtet sind, nun werden auch kleinere E-Mail-Anbieter in die Knie gezwungen und zur Obrigkeitshörigkeit verdonnert. Es ist damit de facto per Gesetz unzulässig, einen IT-Dienst anzubieten, der seinen Kunden Anonymität gewährt. Was bedeutet das folglich? Deutsche Unternehmen sind für Kunden daher grundsätzlich nicht vertrauenswürdig; können sie gar nicht sein, wenn sie ihren Kunden niemals garantieren können, dass Behörden nicht jederzeit Zugriff auf ihre Daten erlangen dürfen. Schlimmer noch, ich darf nicht einmal erfahren, wenn meine Daten an irgendjemanden ohne mein Wissen und ohne meine Genehmigung ausgehändigt wurden.

Posteo verdient meinen Respekt dafür, dass sie trotz aller Widrigkeiten versucht haben, sich dagegen zu wehren. Aber diesen Kampf konnten sie nur verlieren, denn hier sitzen längst die stolzen Architekten des Überwachungsstaats am Hebel. Und nun werden sie keine andere Wahl haben, als eine teure technische Vorrichtung zur Protokollierung der Zugriffe und Speicherung der IP-Adressen ihrer Kunden installieren zu müssen, und das einzig zum Zweck der Mithilfe zur Strafverfolgung. Denn falls mal wieder die Polizei anklopft und dumme Fragen stellt, dürfen sie sich in Zukunft nicht mehr auf technische Unmöglichkeit berufen, dürfen sich nicht mehr weigern, jemanden zu überwachen und möglicherweise ans Messer zu liefern. Sie müssen eigenes Kapital aufwenden, um dafür Sorge zu tragen, allen behördlichen Spionageanfragen problemlos nachzukommen.

Aus meiner Sicht eine absolute Schweinerei, dass so etwas hier möglich ist. Ein schändliches Urteil, das nicht hätte gefällt werden dürfen. Anonymität im Netz ist heutzutage sehr selten, wertvoll und in jeder Hinsicht schützenswert. Es ist bereits schwer genug, jemanden zu finden, der sich kompromisslosem Datenschutz verschrieben hat und wirklich im Sinne seiner Kunden handelt. Aber wenn selbst diese zahlenmäßig geringen Bemühungen von Behörden und Gerichten gemeinsam torpediert werden, sterben diese Werte endgültig aus. Für mich bedeutet das, dass ich mich von Posteo mittelfristig leider wieder trennen muss, um mich bei der Konkurrenz im Ausland umzusehen, die vor dem Zugriff deutscher Bürokraten möglicherweise etwas besser geschützt ist.

Zum Jahreswechsel wird es nicht allein das alte Jahr sein, das mich verlässt, auch von einem ziemlich alten Wegbegleiter werde ich mich für immer trennen müssen. Ja, es war eine schöne Zeit. Wir beide haben vieles erlebt. Lange habe ich meinem ersten richtigen und eigentlich bis heute einzigen Instant Messenger die Treue gehalten. Viel länger als die meisten Personen auf meiner Kontaktliste, die zu ihren besten Zeiten weit mehr als 200 Einträge enthielt. Meine letzten Kontakte auf dem sinkenden Schiff haben sich irgendwann zwischen 2014 und 2018 verabschiedet, aber der Löwenanteil ging bereits lange vorher. In den letzten Monaten waren oft nur noch zwei Personen gleichzeitig online. Doch nun scheint es endgültig vorbei zu sein, jedenfalls für mich, und das will schon einiges heißen.

Mein geliebter ICQ-Account ist gestorben, oder genauer gesagt, wurde zwangsweise eingeschläfert. Die Ankündigung ging bereits vorgestern durch diverse Tech-Medienportale: Ein Protokollwechsel wird ab sofort eine Anmeldung mit Fremdclients verhindern. Wer ICQ weiterhin nutzen wollen würde, bräuchte dafür den offiziellen Client. Und wer würde das schon wollen, denn jeder ICQ-Enthusiast weiß, dass der werbeverseuchte offizielle ICQ-Client (nach ICQ Pro 2003b!) völlig unbrauchbar war. Miranda, Trillian, Pidgin, QIP und diverse andere waren die Antwort auf dieses bekannte Problem. Aber das alles war einmal. Nun ist also auch für mich hier Endstation. Ein wenig traurig darüber bin ich schon, denn es ist mehr als bloße Gewohnheit, dass bei mir ICQ immer im Hintergrund lief, auch wenn ich es in den letzten Jahren kaum noch tatsächlich für richtiges Chatten nutzte. Es wird also Zeit für einen kleinen Nachruf.

Meine ICQ-UIN 44683442 erblickte am Samstagmittag, den 24. Juli 1999, um 11:50 Uhr das Licht der Welt, kurz nach meinem 15. Geburtstag. Und witzigerweise habe diese ICQ-Nummer nicht einmal ich selbst angelegt, sondern mein Vater. Der hatte zu jener Zeit diverse E-Mail-Bekanntschaften, die ihn wohl auf das wunderbare Programm Mirabilis ICQ hingewiesen hatten. So installierte er den Messenger auf unserem Familien-PC unter Windows 98, demonstrierte mir die Funktionen und die Kontaktsuche, und sorgte dafür, dass ich ebenfalls einen eigenen Account anmeldete. Was ich damit anfangen sollte, wusste ich zunächst nicht, denn mit so einer leeren Kontaktliste ist das Chatten natürlich nur halb so witzig. Auch mein Vater verlor schon bald wieder das Interesse, aus mehr oder weniger demselben Grund. Erst Ende des Jahres 2000 wurde ich erneut auf ICQ hingewiesen. Meinen eigenen Account hatte ich bis dahin längst vergessen, und so erstellte ich mir kurzerhand einen neuen, diesmal einen mit einer wesentlich größeren Nummer. Diesmal war alles besser: Viele Online-Bekanntschaften, Schulfreunde, Familie, sogar den einen oder anderen Promi konnte ich im Lauf der Zeit „adden“. Meine Kontaktliste füllte sich überraschend schnell, und bald blinkten oft ein halbes Dutzend Chat-Fenster gleichzeitig an meinen fest vereinbarten Online-Abenden (Ja, das Internet war damals noch teuer und langsam!). An guten Tagen sogar noch mehr. Aus meinem Zimmer schallten allerhand merkwürdige Geräusche, darunter das altbekannte Schiffshorn, der verzerrte Happy-Birthday-Gitarrenriff, laute Schreibmaschinentippgeräusche, und stundenlang „Uh Oh!“ Es gab viel zu besprechen.

Wenige Jahre später, wahrscheinlich so 2002 oder 2003, als das DSL-Zeitalter endlich auch bei uns begonnen hatte, erinnerte ich mich beiläufig an die alten ICQ-Accounts meines Vaters und von mir. Eine kurze Suche bestätigte: Ja, die gibts sogar noch. Und ein paar Mausklicks später konnte ich mir über die „Passwort-vergessen“-Funktion beide Accounts zurückholen. Ich wechselte in der Folge auf die alte, achtstellige ICQ-Nummer meines Vaters, denn wie die bereits erwähnten ICQ-Enthusiasten ebenfalls wissen: Kurze ICQ-Nummern sind elitär, und zeigen, dass wir schon ICQ benutzt haben, lange bevor es cool wurde. Das merkte man schon daran, dass man lange Zeit besonders kurze ICQ-Nummern bei Ebay ersteigern konnte. Dass ein Großteil dieser sehr kurzen und gar nicht mal so günstigen ICQ-Nummern von gehackten und geklauten Accounts stammte, konnte ja keiner ahnen.

Mein Miranda-Client kann sich seit heute morgen, Sonntag, den 30. Dezember 2018, nicht mehr anmelden. Aus und vorbei, einfach so, nach 19 1/2 Jahren. Meine ICQ-Nummer ist also immerhin volljährig geworden! Nun, genau genommen wird meine ICQ-Nummer wohl auch ohne meine Beteiligung noch mit Hilfe lebensverlängernder Maßnahmen beim Betreiber klinisch am Leben erhalten, aber der Hirntod ist längst eingetreten, es gibt keine Aussicht auf Genesung. Du wirst mir wirklich fehlen, ICQ. Die Öffentlichkeit hat dich wegen Social-Media-Rotz wie StudiVZ, Wer-kennt-wen und Facebook nach und nach fallengelassen. Dazu kamen ungeschickte Besitzerwechsel deinerseits, und der ruinierte offizielle ICQ-Client, den wirklich niemand mehr haben wollte.

Ach, was haben wir in all den Jahren erlebt, mein ICQ und ich. Zum Beispiel damals, im Februar 2006, in meinen Semesterferien, kurz bevor StudiVZ in Deutschland so richtig abhob, als mich aus heiterem Himmel ein Mädchen aus meiner Stadt angeschrieben hatte. Sie saß gerade im Computerraum ihrer Schule und langweilte sich furchtbar. Sie fragte mich, ob ihr Lehrer denn sehen könne, was sie da so heimlich schreibe. Wir trafen uns, verliebten uns. Im Sommer waren wir dann plötzlich fest zusammen. Nicht besonders lange, aber immerhin. Ich glaube wir haben den größten Teil unserer kurzen Beziehung über ICQ geführt, sogar unseren letzten sinnlosen Streit. Den die Ziege völlig grundlos angefangen hat. Ja, das war schon eine sonderbare Zeit.

Und jetzt? Jetzt gibt es doch längst WhatsApp, werden mir die Leute bereitwillig erklären, das doch heute angeblich soviel besser ist als ICQ je war. Aber die Wahrheit ist, WhatsApp & Co sind allesamt überhaupt kein Ersatz für ICQ. Es gibt nämlich keinen Ersatz für ICQ. Glaubt ihr nicht? Dann schaltet doch mal euer Smartphone aus und installiert euch WhatsApp auf dem Windows-PC, Mac oder unter Linux. Denn mit der Computertastatur chattet es sich sowieso viel leichter und schneller als auf einem Touchscreen. Was hör ich da? Ach das geht gar nicht? WhatsApp kann man nicht standalone an einem PC benutzen? Das ist aber schade. Ach, bei den ganzen anderen tollen Messengern geht das auch nicht? Krass, was für ein immenser technischer Fortschritt, da bin ich echt baff. Ja, das ist ja ganz schön dumm, dass der WhatsApp-Account allein an die Handynummer gebunden ist, auf die nur mein Mobilfunkanbieter Einfluss hat. Es scheint also, als wäre es heutzutage schon zuviel verlangt, einen ganz simplen Client anzubieten, den man auch ohne Mobiltelefon ganz normal am PC benutzen kann. So wie ICQ halt. So wie früher halt. Aber wer will das schon? Ich habe ICQ jahrelang auch am Handy benutzt, und es war völlig ok. Aber das war ja schon zu der Zeit, als die Menschen zu Facebook abgewandert sind.

Danke ICQ, dass du für mich da warst. Danke für die vielen tollen Leute, mit denen ich in all den Jahren in Kontakt gekommen und jahrelang in Kontakt geblieben bin. Danke, dass du mir eine zauberhafte Welt der Instant Messenger eröffnet hast, so wie es danach nie wieder war und wahrscheinlich nie wieder sein wird. Dass deine aktuellen Besitzer dir jetzt offiziell den Gnadenschuss verpassen, indem sie auch die letzten verbliebenen Nutzer aussperren – es ist vielleicht besser so, denn alte Gewohnheiten legt man ungern ab. CU, ICQ!

Eine gesunde Portion Selbstbeweihräucherung ist wohl nötig, nach dem Lern-Martyrium der vergangenen Wochen: Seit Donnerstag bin ich offiziell ein von Oracle zertifizierter professioneller(!) Java-Programmierer – endlich! Die hierzu nötige zweieinhalbstündige, umgerechnet 215 Euro teure Prüfung habe ich mit sagenhaften 91% glorreich bestanden. Zum Bestehen waren 65% richtige Antworten unter den insgesamt 65 Fragen nötig. Seit geschlagenen vier Jahren schon prokrastiniere ich dieses Thema vor mir her, weil ich genau wusste, was für ein Kraftakt das werden würde. Doch nun habe ich Nägel mit objektorientierten Köpfen gemacht. Ab jetzt bin ich nachweislich ein echter Java-Profi.

Wo die Vorgängerzertifizierung zum OCAJP meist noch ganz essentielle Sprachmechanismen, Konstruktoren, Operatoren, primitive Datentypen und Objekte und ihre Relationen zueinander, Vererbungshierarchien uvm. behandelt, besteht der OCPJP schon zum größten Teil daraus, dass man die halbe Java API auswendig kennen muss. Man sollte wissen welche Klassen und Methoden es gibt, in welchen Packages sie liegen, die dazugehörigen Parameterlisten, Rückgabetypen, welche Checked Exceptions diese werfen können, und das alles zu solch umfangreichen Themengebieten wie Collections/Generics, JDBC, Threads/Concurrency, Input-/OutputStreams, File IO/NIO.2, String-Verarbeitung und diverse andere. Außerdem werden einige Basis-Entwurfsmuster, Abstraktion und professionelles Klassendesign mit allen Fallen und Schikanen thematisiert, was alleine schon Stoff für eine ganze Prüfung gewesen wäre.

Bei allem Stolz auf das tolle Ergebnis, kam es für mich doch eher unerwartet, denn die schiere Menge an Themen, die man für die Prüfung vollständig verinnerlicht haben sollte, konnte einen schon sehr leicht erschlagen. Mein Prüfungsvorbereitungsbuch umfasst knapp 800 Seiten, dazu habe ich gleich zwei offizielle Online-Trainings von Oracle mitgemacht. Insgesamt fand ich den Lernaufwand mit grob geschätzt etwa 90 Nettostunden für meine Verhältnisse bereits enorm – und das obwohl laut Buch 200 Stunden empfohlen werden. Die offiziellen Oracle-Trainings grenzen meiner Meinung nach an Betrug, so behandeln sie nur einen Bruchteil des abgefragten Wissens, und selbst das auch nur oberflächlich, und kosten dazu noch unverschämt viel Geld. Hätte ich mich direkt nach dem Online-Training gutgläubig in die Prüfung gesetzt, wäre ich chancenlos durchgefallen.

Das Buch war schon deutlich hilfreicher, aber dazu musste man den fetten Wälzer erst einmal komplett gelesen haben, was mir schwerfiel. Das Werk scheint zwar bekannt und anerkannt zu sein, jedoch ist es – besonders in der zweiten Hälfte – voller Fehler. Offenbar hatte die Autorin keine Lust mehr, oder hat die Themen selbst nur noch so halb verstanden, über die sie schreiben sollte. Jedenfalls sind nicht wenige ihrer Antworten auf ihre eigenen Übungsfragen schlichtweg falsch, die Aufgaben mitunter fahrlässig missverständlich formuliert, oder sie lässt wichtige Fakten aus den Kapiteln einfach raus, um den Leser dann gezielt bei den darauf folgenden Übungsfragen auf die Schnauze fallen zu lassen. Am Ende habe ich mich über das Buch nur noch geärgert. Trotzdem war es allemal eine passable Vorbereitungsgrundlage.

Schließlich habe ich noch vier unabhängige Mock Exams (mit Erklärungen) absolviert, und ich bin sicher, diese haben mein Prüfungsergebnis am stärksten beeinflusst. Zunächst war ich über den sehr hohen Schwierigkeitsgrad entsetzt, und gleich unter den ersten paar Fragen waren Themen, von denen ich bisher noch nie gehört hatte, wo ich eigentlich nur raten konnte. Allerdings bestätigte mir das Ergebnis am Ende doch, dass es zum Bestehen locker reichen sollte. Dadurch lernte ich, was denn so die typischen Fragestellungen sind, und konnte bei meinen falschen Antworten auch gleich sehen, wo der Fehler lag. Die eigentliche Prüfung kam mir schließlich sogar irgendwie einfacher vor als die Mock Exams – was aber auch daran liegen könnte, dass ich alle Aufgabentypen und die häufigsten Fehler schon kannte, und oft wusste, auf welche Details ich besonders achten musste.

Dummerweise habe ich mir ausgerechnet in der Prüfungswoche die für 2018 längst überfällige Herbst-Erkältung eingefangen, so dass ich, statt mich mit einer Wärmflasche ins Bett zu legen, leider mit Halsschmerzen, dröhnendem Schädel, Triefnase und Husten die Java API pauken und dann sogar die Prüfung mit Handicap ablegen musste. Hätte ich die Prüfung denn nicht kurzfristig verschieben können? Nur theoretisch. Leider war das keine praktikable Option, schon da mein Zertifizierungspfad von Oracle nach Ablauf des Jahres nicht mehr angeboten wird. Hätte ich im Dezember keinen Prüfungstermin mehr bekommen, auf Grund welcher Umstände auch immer, dann hätte ich den OCPJP nicht mehr machen können. Dann hätte ich mit dem OCA Java 8 wieder von vorne anfangen müssen. So gesehen habe ich das Zertifikat also quasi in letzter Minute erlangt.

Ich bin sehr froh, dass das Thema hiermit ein erfolgreiches Ende hat, und ich fürchte, ich kann jetzt erst einmal kein Java mehr sehen. Das war einfach zuviel des Guten. Ist ja zum Glück auch bald Weihnachten, Zeit, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen, und vor allem mich auszukurieren. Und so schnell folgt nun keine nächsthöhere Zertifizierung, was auch gut so ist. Obwohl … ich KÖNNTE natürlich irgendwann die Upgrade-Zertifizierung für Java 8 machen. Naja… nein. Lieber nicht.

Auf meiner einsamen, digitalen Reise hin zu mehr Datenschutz und Privatsphäre habe ich in den vergangenen Tagen einen weiteren Meilenstein erreicht. Der letzte, noch fehlende Anstoß war ein Artikel auf einem bekannten IT-Newsportal, in dem von aktuellen Vorgängen bei Yahoo berichtet wurde, demzufolge dort weiterhin E-Mails aller Nutzer von Yahoo-Mail systematisch durchsucht und dadurch gewonnene Erkenntnisse unter anderem für Werbekunden ausgewertet würden. Bei Googlemail bzw. Gmail darf man davon ausgehen, dass es dort genauso gehandhabt wird, auch wenn sie es womöglich nicht öffentlich zugeben. Auch wurde in dem kritischen Beitrag Bezug genommen auf einen etwas weiter zurückliegenden Test vieler bekannter E-Mail-Anbieter, in dem Yahoo-Mail und Gmail sehr schlecht abgeschnitten hatten. Die Testsieger waren verständlicherweise allesamt keine Freemail-Anbieter, sondern Anbieter von 1-Euro-E-Mail-Konten, die im Gegenzug uneingeschränkten Datenschutz, unberührte Privatsphäre, Anonymität, Verschlüsselung, völlige Werbefreiheit, Backups, und noch einiges mehr bieten.

Angefangen hatte das Thema für mich mit den NSA-Enthüllungen anno 2013, nachdem der US-amerikanische, verschlüsselnde E-Mail-Anbieter Lavabit von der US-Regierung aufgefordert wurde, die Schlüssel für den Zugang zu den E-Mails von Edward Snowden herauszugeben. Der Gründer der Firma konnte seinen dadurch kompromittierten E-Mail-Service daraufhin nicht mehr guten Gewissens weiterführen, da der Schutz der Kunden nicht mehr garantiert war. Lavabit wurde praktisch von heute auf morgen geschlossen. Aber inzwischen gibt es auch in Europa einige positive Beispiele von E-Mail-Anbietern, die ihre Nutzer nicht ausspähen und ihre Daten nicht heimlich verwursten, darunter Posteo.de, Mailbox.org und Protonmail. Dass diese Anbieter monatlich eine kleine Aufwandsentschädigung erwarten, kann man natürlich nun als Ausschlusskriterium ansehen, oder als erleichternde Gewissheit, dass man ausnahmsweise mal nicht mit seinen Daten bezahlt. Denn zwar hat sich auch in meinem Kopf über Jahrzehnte hinweg die Vorstellung festgesetzt, dass E-Mails nichts kosten dürfen, aber andererseits sollten wir uns auch endlich von der Vorstellung verabschieden, dass amerikanische Tech-Riesen uns Datenschutz und Privatsphäre schenken würden, denn das werden sie niemals. Daran verdienen sie schließlich nichts.

Umso schwerer wog in meinem Fall die Tatsache, dass ich meine beiden wichtigsten E-Mail-Konten schon seit 15 bzw. 13 Jahren ausgerechnet bei den beiden größten Verlierern besagten Tests von E-Mail-Anbietern hatte: Yahoo und Google. Und diesmal beschloss ich endlich, diese Accounts in den Müll zu werfen. Dafür biss ich in den vermeintlich sauren Apfel und meldete mich bei Posteo an. Für den Preis eines Schokoriegels im Monat bekommt man dort drei sichere E-Mail-Adressen, Kalender- und Adressbuch-Synchronisation, einen umfangreichen Umzugsservice und unbegrenzten „Nachsendeantrag“, mit dem man mehrere Altkonten bei unterschiedlichen Anbietern problemlos nach Posteo übertragen kann, und man so einen gemütlichen, stressfreien Übergang hat. Und natürlich erhalte ich die Gewissheit, dass meine Daten immer mir gehören, und nicht irgendwohin abwandern. Man erhält im Paket Verschlüsselung auf mehreren Ebenen: Transportwegeverschlüsselung (logisch), Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation (optional, lässt sich verschiedentlich konfigurieren), und vollständige Kontenverschlüsselung (optional an- und abschaltbar). Eigentlich kann man sich nicht mehr wünschen.

Und was soll ich sagen: Es war gar nicht so schlimm wie ich dachte, dass es sein würde. Mein neues Konto habe ich jetzt mit gerade mal 20 Euro für mehr als eineinhalb Jahre finanziell abgesichert. Adressbuch, Kalender und E-Mails kann ich jetzt endlich guten Gewissens zwischen Smartphone, Tablet und PC synchronisieren, ohne dass ich Skynet, äh Verzeihung, „Don’t Be evil!“ Google vertrauen muss. Meine Yahoo- und Gmail-Accounts nutze ich nicht mehr, und diese werde ich schrittweise stilllegen bzw löschen. Dafür muss ich allerdings zuvor noch gefühlte 500 Accounts bei allen möglichen Internetdiensten ändern, bei denen die alten Adressen leider noch hinterlegt sind. Angefangen habe ich damit bereits, aber es wird wohl eine Mammutaufgabe werden.

Ich bin froh, dass ich endlich mal aus meiner Komfortzone ausgebrochen bin, um einen neuen Schritt und eine wichtige Veränderung zu wagen. Ein Verbleib bei den bisherigen beiden Anbietern konnte ich inzwischen kaum noch vor mir selbst verantworten. Wenn dieser Beitrag für manche Menschen ganz verdächtig nach Werbung für Posteo riecht, dann stimme ich demjenigen zu, dass man das tatsächlich so auslegen könnte. Aber ich bekomme von Posteo definitiv kein Geld, sondern im Gegenteil, bezahle welches. Ich möchte mit dem Beitrag eigentlich nur andere Menschen dazu animieren, sich selbst Gedanken zu dem Thema zu machen, so wie ich es getan habe. Für mich ist inzwischen klar, dass Yahoo-Mail und Gmail in die Tonne gehören. Es mag vielleicht nicht allen klar sein, aber wir entscheiden in diesem Augenblick durch unsere Internetnutzung, ob wir in den nächsten Jahren ein Zeitalter der Datensouveränität und -kontrolle oder ein Zeitalter des Datendiebstahls und der Datenopfer einläuten. Wir könnten alle unsere Daten natürlich weiterhin an jeden Anbieter verschenken, der sie haben will, der sie dann wiederum weiterverschenkt an seine Kunden. Oder wir entscheiden endlich selbst, wer welche Daten haben darf, was mit unseren Daten passieren darf – und vor allem was NICHT. Aber um das zu erreichen, müssten wir umdenken, und das scheint vielen Menschen heute nicht mehr zu gelingen.