Monolog

Spaß mit Überweisungen

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Diskussion mit der Sprechstundenhilfe einer Arztpraxis im Frühjahr 2017:

Ich: Hallo, ich habe einen Termin um 8:15 Uhr.
Sprechstundenhilfe: Dann brauche ich bitte Ihre Überweisung.
Ich: Eine Überweisung? Das ist ein Folgetermin, ich war letzten Monat schon hier. Ich hab den Termin doch direkt von euch bekommen!
Sprechstundenhilfe: Ja, aber wir brauchen trotzdem eine neue Überweisung.
Ich: Ich hab keine. Soll ich jetzt wieder nachhause gehen oder was?
Sprechstundenhilfe: Bitte bringen Sie einfach nachträglich eine Überweisung vom Hausarzt mit.

Terminvereinbarung mit der Sprechstundenhilfe im November 2017:

Ich: Hallo, ich hätte gerne einen Termin bei Dr. Randomarzt. Hier ist meine Überweisung.
Sprechstundenhilfe: Alles klar, passt es Ihnen in drölf Wochen um 14:30 Uhr?
Ich: Äh, naja … ok.
Sprechstundenhilfe: Hier ist Ihr Termin. Bringen Sie Ihre Überweisung dann bitte wieder mit.

Anschließende Diskussion mit der Sprechstundenhilfe im Januar 2018:

Ich: Hallo, ich habe einen Termin bei Dr. Randomarzt um 14:30 Uhr. Hier ist meine Überweisung.
Sprechstundenhilfe: Tut mir leid, das ist eine Überweisung vom letzten Jahr.
Ich: Ja schon, aber das ist die Überweisung, die ich vom Hausarzt bekommen hab.
Sprechstundenhilfe: Ja, aber wir brauchen trotzdem eine neue Überweisung.
Ich: Das ist genau die Überweisung mit der ich DIESEN Termin vereinbart hab. Die war da noch gültig.
Sprechstundenhilfe: Bitte bringen Sie einfach nachträglich eine neue Überweisung von Ihrem Hausarzt mit.

Im Mai ist mein nächster Termin in eben dieser Arztpraxis. Das bedeutet, ich muss jetzt wieder zu meinem Hausarzt und ihn um zwei Überweisungen zum selben Arzt bitten. Eine für Januar und eine für Mai. Ich sollte ihn gleich fragen, ob er mir vorsorglich einen Stapel Blanko-Überweisungen gibt, wo ich nur noch das aktuelle Datum eintragen muss. Offenbar erscheint es niemandem als bürokratischer Nonsens, dass ich zwischen sämtlichen Facharzt-Terminen immer erst zurück zum Hausarzt dackeln muss – teilweise sogar mehrmals, wenn die Wartezeit auf einen Termin zu groß wird -, obwohl der bei dem Thema schon längst nichts mehr zu melden hat. Der unterschreibt praktisch nur noch.

Witzigerweise kann mich Facharzt X problemlos zu Facharzt Y überweisen, ohne dass ich dafür zum Hausarzt zurück muss. Aber Facharzt X kann mich offenbar nicht zu sich selbst überweisen, also zu einem Folgetermin in dieselbe Praxis.

Success Denied Symbol

Alles Ausreden, kein Plan

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Und da stehe ich nun wieder vor meinem völlig vernachlässigten, verwahrlosten Blog, mit hochrotem Kopf, auf der Suche nach einem Thema, über das ich schreiben müsste. Was beschäftigt mich momentan so? Gute Frage, eigentlich nicht viel, und dann doch wieder viel zu viel. Wie so viele andere Menschen verbringe ich 70% meiner Zeit entweder im Bett, im Auto oder im Büro (also schonmal nicht nutzbare Zeit), und die übrigen 30% müssen dann für mein komplettes eigenes Leben reichen. Wenn man davon noch (Unangenehmes wie) Sport, Haushalt, Besorgungen, Verpflichtungen und andere Termine abzieht, bleiben wir netto noch bei einer wirklich kümmerlichen einstelligen Stundenzahl pro Woche für lustige und spaßige Dinge. Da kommt leider nicht viel rum.

Ja klar, alles Ausreden. In der vergangenen Woche hatte ich einen kurzen Urlaub (unter Mitnahme der Brückentage), den ich für so vieles nutzen hätte können. Und ich hatte ja auch so wahnsinnig viel vor, so große Pläne. Dann hat es aber gerade so gereicht, um mir ein kühles Bier aufzumachen, und plötzlich war schon wieder Montag. Jedenfalls glaube ich, dass es so war. So richtig daran erinnern kann ich mich nicht. So wie man sich meistens nicht an Dinge erinnern kann, die in rasendem Tempo an einem vorbeigerauscht sind. Die Kalenderblätter sind quasi in Lichtgeschwindigkeit zu Boden gesegelt. Heute habe ich, nachdem ich meine erste Stunde des verdienten Feierabends im Stau verbringen durfte, meinen abendlichen Pflichtsport ausfallen lassen, und mich dazu gezwungen, einen kleinen Artikel zu tippern. Damit hier mal wieder was steht.

Stirbt SuccessDenied jetzt endlich? Nein, natürlich nicht. Aber ein Blog muss auch die trüben Zeiten überstehen können, die Zeiten der Flaute, in denen jede noch so winzige Idee hart erarbeitet sein will. Kommende Tage werde ich einen Artikel über ein spannendes Hörspiel schreiben, das ich kürzlich gehört habe. Ja ok, so wirklich toll ist die Idee nicht, aber man muss manchmal leider einfach nehmen was man kriegt. Aber hey, bald ist Weihnachten! Fast drei Wochen Urlaub! Soviel Zeit, die ich wirklich für alle Dinge nutzen kann, die ich schon so lange machen will, da blühe ich garantiert wieder auf. Da kann ich dann auch endlich mal meine ranzige, fehlerhafte WordPress-Theme durch irgendwas Neueres ersetzen.

So, ich bin mal wieder raus, sonst hab ich den ganzen Abend nichts anderes gemacht, als einen Lückenfüller-Artikel zu schreiben, den sowieso keiner liest. Bleibt sauber, und macht mehr Sport solange ihr noch jung seid.

„Verbesserte Benutzererfahrung“

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Oder auch: „Besseres Nutzererlebnis“. Wenn heute irgendwo dieser perfide Ausdruck fällt, ist das nichts anderes als eine blumige Umschreibung für schamlose Datenschnüffelei bzw. unkontrolliertes Sammeln von Nutzerdaten. Egal ob es Microsoft, Google, Apple, Facebook oder ein beliebiger anderer Internetkonzern ist, sie alle durchleuchten uns, übertragen unsere Daten auf ihre Server, leiten sie ungeniert an ihre Werbekunden und an alle möglichen Behörden weiter, und dann bezeichnen sie das öffentlich als wichtige und notwendige Maßnahme für eine „verbesserte Benutzererfahrung“. Wenn mal eine solche Spionage-Funktion dermaßen über die Stränge schlägt, dass negative Berichterstattung in der Presse droht, dann war es nur „ein Programmfehler“, oder eine „versehentlich aktivierte Testfunktion“. Eine versehentlich aktivierte Nutzer-Überwachungs-Testfunktion also. Alles gut, niemand kam zu schaden, sie haben nur zuviele Daten über uns gesammelt. Versehentlich. Kann passieren.

Schlimmer noch: Besagte Konzerne haben ihre Nutzer derart abhängig von sich gemacht und über Jahre konditioniert, so dass die Leute teilweise jene Überwachungspraktiken öffentlich in Foren mit Begeisterung verteidigen. Deutlichste Konsequenz hieraus: Früher mussten Programme noch heimlich Daten sammeln, heute macht kein Entwickler mehr einen Hehl daraus, alle geben es offen zu. Noch besser: Sie geben es nicht nur zu – sie verkaufen es uns als großes Feature. Die verbesserte Benutzererfahrung eben. Wir haben ja nichts zu verbergen. Und „macht doch sowieso jeder, also wieso sollte [Microsoft|Google|Apple|Facebook|…] das nicht auch dürfen?“. Die Leute leiden alle am Stockholm-Syndrom, könnte man meinen. Wer Kritik an der Datenschnüffelei äußert, wird angepampt, belächelt, verspottet. Die Aluhutträger sollen doch endlich die Klappe halten. Solche Spaßbremsen!

Wer ein Smartphone besitzt – egal welches -, darf sowieso keine Kritik äußern: Nur wer im Wald bei den Tieren lebt und sich von Beeren und Nüssen ernährt, darf überhaupt Überwachung kritisieren, sonst ist er natürlich ein Heuchler und muss beleidigt werden. Durch diese Überwachungsverherrlichung bekommen die Schnüffler gewaltigen Auftrieb, und bauen noch mehr solcher Funktionen ein, weil sich niemand dagegen wehrt. Mehr Daten bringen mehr Geld. Die meisten akzeptieren heute, dass ihr Betriebssystem im Hintergrund immer mehr „Telemetrie“-Dienste laufen lässt, die permanent Nutzungsstatistiken aufzeichnen und nachhause übermitteln. Alles für ein besseres Nutzererlebnis.

Die beste Benutzererfahrung

Eine fatale Gleichgültigkeit lässt sich mittlerweile sogar unter Techies beobachten, wenn wieder mal irgendwo ein Datenschnüffelskandal enthüllt, ein gigantischer Datendiebstahl aufgedeckt wird. Dass die PR-Abteilungen für solche Vorfälle schon perfekte Antworten parat haben, ist dann die fehlende andere Hälfte der Miete. Warum soviele Daten überhaupt erhoben und gespeichert werden mussten? Pfff… „500 GB Nutzerdaten geleakt! Irgendwie doof. Was solls, nochmal passiert uns das nicht. Vertraut uns einfach weiterhin, wir sammeln auch nur noch die aller aller notwendigsten Nutzerdaten!

So gut wie kein Mensch weiß, was Windows wirklich an Daten sammelt, und mehr oder weniger heimlich versendet. Nachdem bei Windows 10 zu Beginn der Widerstand gegen die Zwangsüberwachung wohl doch noch unerwartet groß wurde, lenkte man beim Hersteller irgendwann ein, und fügte ein paar homöopathische Software-Schalter hinzu, die den Anwender beruhigen sollen. Das soll dem Nutzer vorgaukeln, er habe die Kontrolle über seine Daten, und er könne „sein“ Betriebssystem davon abhalten, ihn auszuhorchen. Französische Datenschützer haben sich jüngst gegen Microsoft gewehrt, und öffentlich beklagt, dass zuviele Daten gesammelt würden. Microsoft hatte dafür vollstes Verständnis und hat natürlich sofort die Benutzererfahrung verbessert: Windows 10 tut seitdem so als würde es etwas weniger Daten sammeln. Die Franzosen können jetzt wieder ruhig schlafen.

In 20 Jahren gibts keine Personalausweise mehr – die Menschen kommen dann mit lebenslang gültigen, unkündbaren Facebook- und Google-Accounts zur Welt. Offenbar gehöre ich mit meiner argwöhnischen Haltung zur Technik längst zu den Dinosauriern. Klar, kann man mir vorwerfen, ich sei zu paranoid. Man kann mir vorwerfen, dass ich furchtbar übertreibe. Man kann sich selbst immer wieder sagen, dass doch alles nicht so schlimm ist, und dass die nur das beste für uns wollen. Aber ich glaube nicht, dass es so ist. Datenschutz und Datensouveränität sind uncool, Überwachung liegt voll im Trend. Auch die Bundesmerkel und der Terror-Thomas proklamieren heute, dass unsere Daten nicht mehr uns gehören: Datensparsamkeit ist ein Fehler, unsere Wirtschaft braucht ganz dringend unsere Daten um international konkurrenzfähig zu bleiben! Vielleicht sollte ich ganz einfach meine eigene Benutzererfahrung verbessern, mir ein Abhörgerät und eine Kameradrohne beschaffen, und damit Nutzerdaten über das Privatleben aller meiner Nachbarn sammeln. Ach, ich als Privatperson darf sowas gar nicht? Sehr interessant.

Linux – Der Untergang

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Mein Projekt zum Umstieg von Windows 7 auf Linux Mint ist vorgestern offiziell gescheitert. Meine Linux-Installation hat nicht ganz zwei Monate gehalten, und nun ist sie hinüber. ‚Hinüber‘ vom Standpunkt eines durchschnittlichen Windows-Benutzers gesehen. Natürlich könnte ich jetzt noch alle Hebel in Bewegung setzen, stundenlang nachforschen und kryptische Recovery-Befehle ausführen, den Rechner dem einzigen Linux-Experten in meinem Bekanntenkreis zur Analyse übergeben, und am Ende würde es vermutlich irgendwann wieder laufen, aber das war von vornherein nicht die Intention des Experiments. Tja, und was war passiert?

Vorgestern wollte ich ein Unterverzeichnis auf einer meiner NTFS-Festplatten anlegen (und ich schätze das hat bis dahin immer geklappt), doch dann stürzte der Dateimanager plötzlich ab, als ich dem neuen Ordner einen Namen geben wollte und ENTER gedrückt habe. Tja … Linux … so wahnsinnig stabil. Ich entschied mich, es noch einmal zu versuchen, das war bestimmt nur ein Ausrutscher. Auch beim zweiten Mal stürzte der Dateimanager sofort ab, und diesmal verschwanden auch alle Desktopsymbole und tauchten leider nicht mehr auf. Reboot tut gut, so dachte ich, und startete die Kiste ganz naiv neu.

Leider kam Linux nicht mehr hoch und so starrte ich minutenlang auf zwei dunkle Monitore ohne Signal. Nach einem weiteren Reboot meldete sich wenigstens das Bootmenü, aus dem ich eine der wichtigsten Recovery-Funktionen von Linux endlich praktisch nutzen konnte: Ich wählte dort den letzten funktionierenden Linux-Kernel vor dem aktuellen aus und startete diesen: Die Erwartung war groß, die Enttäuschung noch größer. Leider kein Linux, nur schwarze Bildschirme. Ich wählte anschließend den vorletzten Linux-Kernel aus, doch auch dieser startete nicht. Hat sich absolut gelohnt, diese super Funktion.

Schließlich doch noch ein Hoffnungsschimmer: Ich konnte im Wiederherstellungsmodus hochfahren, und nach ein paar sperrigen Menüs erschien auch tatsächlich der Linux-Desktop – ohne Grafikkartentreiber, in niedriger Auflösung, und auch nur auf einem Bildschirm. Aha, es geht also doch, nur nicht wie ich will. Da ich mit dem Wiederherstellungsmodus so nicht viel anfangen konnte, und auch nicht wusste, welche gruseligen Kommandos ich diesmal auf der Konsole eingeben musste („autorepair -pls -kthx“ und „fix my linux immediately“ haben beide nicht funktioniert…), entschied ich mich, wieder im normalen Modus hochzufahren. Doch wie erwartet ging nichts.

Ich krabbelte unter den Tisch, öffnete kurzerhand den Rechner und schloss die Windows-Festplatte an. Windows 7 startete einige Sekunden später genauso wie ich es vor zwei Monaten verlassen hatte. Mein Linux-Schiff ist leider untergegangen, damit hat sich das Thema für mich erledigt. Warum Linux so schnell kaputtging? Keine Ahnung, vielleicht habe ich den einen oder anderen bekackten Befehl aus dem Internet zuviel in die Konsole kopiert, und mir das blöde Betriebssystem so zerschossen ohne es zu wollen. Ist mir inzwischen auch egal. Das Ergebnis des Projekts ist für mich klar: Linux im Desktopbereich fängt hoffnungsvoll und beeindruckend an, zeigt dann nach und nach immer mehr fragwürdige Designentscheidungen, Macken, Probleme und Fehler, bis sich irgendwann die Update-Funktion verabschiedet, und kurz darauf das ganze System nicht mehr startet. Ob es sein kann, dass Linux unschuldig ist, und ich vielleicht einfach nur zu blöd war, damit umzugehen? Jeder darf sich selbst eine Meinung darüber bilden, welche der von mir gemeldeten Probleme allein auf meine Unfähigkeit zurückzuführen sind, und welche nicht. Im Grunde war das herauszufinden genau der Zweck der Übung: Wie weit komme ich als (beinahe) kompletter Linux-Anfänger? Leider nicht sehr weit, und damit ist Linux im Desktopbereich aus meiner Sicht disqualifiziert, denn das war die Anforderung.

Oh, doch, ich habe Windows-Installationen zerschossen. Einige! Windows 95 ging mir desöfteren kaputt, Windows 98 noch öfter. Windows ME war bei mir sofort nach der Installation kaputt, und wurde sofort von mir gemieden. Windows 2000 und XP waren endlich WESENTLICH stabiler, und seitdem sind die Ansprüche gestiegen. Damit war es dann auch nicht mehr so leicht, durch Bedienfehler das System zu ruinieren. Gerade Windows 2000 hat einige meiner übelsten Optimierungsversuche unbeschadet überstanden. Und Windows 7 hat die Wiederherstellungspunkte, die bei mir schon mehrmals funktioniert haben: Windows defekt – Wiederherstellungspunkt geladen – alles wieder gut.

Danke Linux, es waren spannende sieben Wochen mit dir, aber wir passen leider nicht zueinander. Du bist mir zu sehr „high maintenance“, dauernd muss ich mich um DEINE Probleme kümmern, so dass ich immer weniger dazu komme, mich den eigenen Dingen zu widmen. Ich hoffe wir können Freunde bleiben, dann sehe ich dich alle paar Monate mal, wenn auf irgendeinem Rechner Linux läuft. Bei mir zuhause eher nicht mehr. Aber wir sehen mal, wie sich die Dinge in den nächsten zehn Jahren entwickeln, vielleicht bist du bis dahin reifer geworden und endlich beziehungsfähig. Und tschüss.

Linux – Erste Ernüchterung

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Einige Wochen ist Linux Mint inzwischen bei mir im Betrieb, und ich muss zugeben, die erste Euphorie hat sich schnell gelegt, und auch von meinem Optimismus ist heute nicht mehr allzu viel übrig. Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Betriebssystem sind auch begleitet von erster Ernüchterung über die vielen kleinen und mittelgroßen Steinchen, die es mir in den Weg legt. Im großen und ganzen läuft Linux Mint stabil und arbeitet ordentlich, aber ich bin dennoch nicht der Meinung, dass alles Sonnenschein ist. Ich wollte ursprünglich einen Artikel schreiben über positive und auch negative Aspekte des Betriebssystems, die mir bislang aufgefallen sind, aber die negativen Punkte liegen in einer solchen Vielzahl vor, dass ich alleine daraus einen Artikel schreiben kann. Im Folgenden also eine Liste der Störungen, die mir begegnet sind, geordnet von den schwerwiegendsten, über solche mit dem größten Nerv-Faktor, bis hin zu den unbedeutendsten.

Der Knaller zuerst: Die Linux-Updates funktionieren bei mir schon nicht mehr. Nach einem der letzten Updates zeigte mir Mint plötzlich an, dass die Boot-Partition voll ist, und seitdem scheitern sämtliche Updates. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Boot-Partition wohl nur 500 MB groß ist (hat Mint genau so angelegt, ich habe nichts dergleichen konfiguriert!), und Linux hat das Ding jetzt vollgemüllt und gibt den Platz nicht mehr frei. Super! Es ist erbärmlich für ein Consumer-Betriebssystem, dass es nicht „einfach funktioniert“, sondern im Gegenteil durch falsche Standardkonfiguration garantiert schon nach wenigen Updates die Updatefunktion komplett lahmlegt. Das ist dilettantisch. Dann muss ganz offensichtlich jemand dafür sorgen, dass die Standardkonfiguration eine andere ist. Inzwischen habe ich nachgelesen, dass ich Terminal-Befehle eingeben muss, um das Problem zu beseitigen. Keine GUI-Systemtools oder dringend nötige Betriebssystemautomatismen, die mir diese Arbeit abnehmen. Immer nur Terminalbefehle, um doofe Linux-Probleme zu beheben, die ich in anderen Betriebssystemen erst gar nicht hätte.

Einen Befehl zur Systemreinigung habe ich wieder einmal entgegen meiner Intention aus dem Internet ins Terminal kopiert (irgendwas mit „autoremove“ und „purge“), und sogar DER wirft Fehler („No space left on device“) und die Boot-Partition ist davon auch nicht freigeworden. Die üblichen Zeilen aus den Linux-Foren möge man sich hier als Echo in meinem Kopf vorstellen („Das ist so einfach!“, „Das kann wirklich jeder!“, „Einfach nur diesen Befehl hier eingeben und schon…“). Ich muss jetzt also eine Problemlösung im Internet suchen, um die defekte manuelle Systemreinigung zu reparieren, die nur nötig ist, weil es Mint nicht selbst gebacken bekommt seine Daten richtig zu ordnen? Liebe Ubuntu- und Mint-Entwickler, müssen die Nutzer eures Betriebssystems wirklich ein Informatikstudium absolvieren, damit sie es richtig bedienen können? Das kann doch nicht euer Ernst sein. Das sind Dinge, die das OS selbst verwalten können MUSS! Windows KANN das! Ich kann gar nicht soviel kotzen wie mich das jetzt schon nervt.

Beim Starten des Rechners, wenn ich das Kennwort für die Festplattenentschlüsselung eingeben soll, sind die USB-Geräte dummerweise noch gar nicht aktiv, so dass ich die Tastatur nicht verwenden kann. Ich muss dann den Resetknopf betätigen, damit Linux mir das Bootmenü anzeigt. Anschließend erscheint ein alternativer Bildschirmdialog, der ebenfalls das Kennwort für die Entschlüsselung erfragt – und hier ist die Tastatur zum Glück eingeschaltet und erlaubt die Eingabe. Aber jedes Mal bei einem erneuten Start des Systems muss ich wieder den Resetknopf drücken. Offenbar ist das ein altbekanntes Ubuntu-Problem, das in mehreren Jahren nie behoben wurde, obwohl es als kritisch eingestuft ist: https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/plymouth/+bug/1386005

Der Filemanager meldet mir in schöner Regelmäßigkeit, dass es ein Problem mit meinem Thumbnail-Cache (Vorschaubildpuffer) gibt, das angeblich nur mit Root-Rechten beseitigt werden kann. Wieso muss der Nutzer mit solchem Kleinkram belästigt werden, und wieso kann das Betriebssystem den Fehler wieder nicht selbst beheben? Windows hat sich noch nie darüber beklagt, aber Linux muss da natürlich so wehleidig sein. Den Nutzer interessiert der Thumbnail-Cache überhaupt nicht, und er will nicht jedes Mal sein Passwort eingeben müssen, wenn – warum auch immer – mal wieder ein Vorschaubildchen kaputt gegangen ist.

Die Thumbnail-Generierung ist ohnehin der allergrößte Schwachsinn, das hätte man sich doch bitte bei Windows abgucken können. Wenn ich unter Linux ein sehr großes Verzeichnis mit tausenden Bildern öffne und irgendwo in die Mitte scrolle, dann berechnet der Dateimanager die Thumbnails. Alle Thumbnails. Von A bis Z berechnet er Thumbnails – minutenlang – und hört auch nicht mehr damit auf, erst wenn er irgendwann fertig ist. Die Festplatte rödelt sich tot, die CPU dreht hoch, es werden unnötig Ressourcen verschwendet. Und das geilste: Das macht er jedes Mal von vorne, wenn ich das Verzeichnis erneut öffne. Nemo berechnet die ganze Zeit Thumbnails für das ganze Verzeichnis und zeigt diese nach und nach an, während die Ansicht dabei permanent nach unten rutscht. Es ist kaum möglich in dieser Bewegung irgendwelche Dateien anzuklicken, weil alles an dir vorbeiscrollt. Wieso reicht es nicht, einfach nur die Thumbnails zu berechnen, die man aktuell im Fenster sehen kann? Große Verzeichnisse werden so automatisch zur Qual. Ich kann auch nicht so einfach zwischen Symbol-, Listen- oder Kompaktansicht hin- und herschalten, denn das dauert jedes Mal 1-2 Minuten, je nach Ordnergröße.

Meine externen Festplatten wurden beim ersten und zweiten Mal nach der Installation automatisch mit eingehängt, danach plötzlich nicht mehr. Scheint doch sehr willkürlich zu sein. Offenbar hängt Linux Festplatten beim Systemstart nicht immer automatisch ein. Ich musste erst einmal recherchieren, wie man Festplatten „manuell automatisch“ einhängen kann. Wieso muss ich Festplatten überhaupt manuell automatisch einhängen, wenn ich sie doch immer angeschlossen habe? Ach Mensch…

Das Tool zur Analyse der Festplattenbelegung funktioniert bei mir nicht richtig: Ich bekomme angezeigt, dass der größte Teil der Festplatte durch ein Verzeichnis „ecryptfs“ verbraucht wird, und darin sind nur …nunja … kryptische Dateien, die viel Platz brauchen. Wieso bekommt das Analysetool die Dateien nur in verschlüsselter Form zu sehen, wo ich im Dateimanager entschlüsselte Daten sehe?

Ich bin absolut kein Fan dieser unsichtbaren Mouseover-Scrollbalken, die Linux Mint überall forciert, also Scrollbalken die nicht sichtbar sind, erst wenn man den Fensterrand erreicht, werden sie eingeblendet. Das große Problem hierbei ist, dass mehrere Programme (wie z.B. Eclipse) den Bereich für die Scrollbalken dadurch nicht mehr RESERVIEREN, sondern als nutzbare Fensterfläche verwenden. Möchte ich also mit der Maus dort den Cursor hinter das letzte Zeichen einer langen Textzeile setzen, klicke ich unabsichtlich auf den vertikalen Scrollbalken, der dort sofort erscheint, weil der Scrollbalken ÜBER DEN TEXT gelegt wird. Es ist also mit der Maus überhaupt nicht mehr möglich, den Cursor an die richtige Stelle zu setzen, weil der Scrollbalken immer im Weg ist. Wer entwickelt so eine dämliche Scheiße?

Ganz zu schweigen von diesen extraschmalen Fenster-Titelleisten, die sich farblich nicht einmal von der Menüleiste unterscheiden und dadurch größer aussehen als sie sind. Möchte ich das Fenster also kurz an der Titelleiste anklicken um es irgendwohin zu ziehen, klicke ich fast immer erst daneben, nämlich in den Bereich der Menüleiste, weil da viel mehr Fläche zum Anklicken ist. Könnte man die Fenster nicht einfach auch im leeren Bereich der Menüleiste verschiebbar machen?

Gelegentlich, mehrmals täglich, flackern alle möglichen Fenster schwarz, manchmal der Desktophintergrund, manchmal der halbe Bildschirm, manchmal nur kleinste Teilbereiche von geöffneten Fenstern. Alle paar Stunden flackert irgendwas für ein paar Sekunden, und hört dann plötzlich wieder auf. Ich müsste Linux dafür nicht unbedingt die Schuld geben, da es vermutlich ein Treiberproblem ist, aber da ich nunmal eine Nvidia-Grafikkarte von der Stange verwende, und den offiziellen Treiber, und da Windows keine solchen Probleme hat, stört es mich doch sehr. Auch ein neuer Nvidia-Treiber hat nichts geändert. Offenbar ein steinaltes Ubuntu-Problem, und offenbar auch nach Jahren noch nicht behoben: http://askubuntu.com/questions/263996/fixing-the-nvidia-graphics-screen-flicker-issue

Manchmal, wenn ich via DRUCK-Taste bzw. mit ALT-DRUCK einen Screenshot anfertigen will, erkenne ich auf dem Bild mehrere merkwürdige schwarze Streifen, bzw. schwarze schmale Blöcke, mittig und rechts, die (offenbar immer an denselben Stellen) Bereiche des Bildes verdecken. Nicht immer, aber immer öfter.

Bei großen Dateitransfers von bzw. auf USB-Platten, bewegt sich der Mauszeiger plötzlich nur noch ruckartig durchs Bild, scheint immer wieder kurz hängenzubleiben, trotz gleichmäßiger Bewegung der Maus. Auch Tastatureingaben scheinen immer wieder für Bruchteile von Sekunden zu hängen, und auch Fenster bauen sich oft erst mit Verzögerung und erkennbar schrittweise auf. Es scheint mir so, dass Linux Probleme mit der Höherpriorisierung von USB-Eingabegeräten bzw. der CPU-Priorisierung hat, und dem Kopiervorgang alles andere unterordnet. Kein großes Problem, aber ein ziemlich dämliches, unnötiges.

Ich bin nicht besonders begeistert davon, wie unrund und ungeschliffen das Betriebssystem in vielen Kleinigkeiten ist. Vieles wirkt irgendwie ambitioniert, aber dann leider nicht ausreichend gut durchdacht. Im Endeffekt kommt alle paar Tage etwas dazu, was mir die ganze Sache noch ungenießbarer macht, mich noch mehr ärgert. Einiges davon mag daher rühren, dass es „nicht wie Windows ist“, und ich mich eigentlich nur richtig daran gewöhnen müsste, andere Probleme, wie die defekte Updatefunktion, die flackernden Fenster, dass die USB-Geräte beim Hochfahren nicht rechtzeitig eingeschaltet werden, und dass das Betriebssystem bei Kopiervorgängen manchmal grundlos herumruckelt, haben definitiv nichts mit meiner Windows-Sichtweise zu tun.

Ich fürchte an dieser Stelle muss ich meine vorschnelle Empfehlung von Linux als Betriebssystem für Windows-Umsteiger zurückziehen. Linux ist tatsächlich NUR Leuten zu empfehlen, die wirklich großen Spaß daran haben, kryptische Befehle aus Foren in das Terminal zu kopieren und Konfigurationsdateien von Hand anzupassen. Für alle anderen, die nicht basteln wollen, für die das Betriebssystem „einfach nur funktionieren“ soll, sind Windows und macOS die WEITAUS bessere Wahl, auch im Jahr 2017, so schwer es mir fällt, das zu bestätigen. Die Linuxer sind stolz darauf, wenn sie ihre geliebten Befehle ins Terminal tippen dürfen, und darum wird sich an der Usability des Betriebssystems vermutlich auch nie etwas ändern.

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