Durchgespielt: Stardew Valley

0

Vor zwei Jahren erschien ein kleiner, pixeliger Stern am Indie-Spielehimmel: Stardew Valley. Ein erfrischend alternatives Spiel, das Gemütlichkeit und ein Heile-Welt-Gefühl ausstrahlt, weitestgehend gewaltfrei daherkommt (sofern man möchte), und den Spieler einerseits an die Hand nimmt, um ihm eine Rahmenhandlung zu bieten, ihm andererseits völlig freie Hand lässt, da es eigentlich ein Endlosspiel ist. Stardew Valley ist im Kern ein Bauernhof- und Dating-Simulator in 2D-Retro-Optik und basiert auf dem SNES-Spiel „Harvest Moon“ von 1996.

Meine Erinnerungen an Harvest Moon sind leider inzwischen ziemlich verblasst, aber ich weiß noch, dass ich es sehr gerne gespielt habe, wenn auch nicht besonders eifrig oder gar erfolgreich. Mein Alltag bestand darin, den eigenen Hof von Unkraut und Gestein zu befreien, ein paar Felder anzulegen, in einem kleinen Wasserloch zu fischen, und im Dorf die hübsche Kirchenmaus mit kleinen Geschenken zu beeindrucken. Letzteres hat wie erwartet nur mäßig gut funktioniert. Die Musik war eintönig und repetitiv, aber frisst sich dafür umso schneller ins Hirn. Harvest Moon sah aus wie ein zu jener Zeit typisches 2D-JRPG (mit etwas simplerer Tileset-Grafik), und spielte sich auch exakt so – mit dem Unterschied, dass man keine Burgen aufsucht, um Endgegner zu besiegen.

Stardew Valley tritt das Erbe des SNES-Klassikers an und erweitert es liebevoll um viele neue, aber passende Elemente. Der Spieler übernimmt den verwaisten Bauernhof des verstorbenen Großvaters, um der Hektik und betäubenden Einöde der Großstadt zu entkommen. Dafür müssen Steine, Gehölz und Unkraut entfernt, Bäume gefällt und kleine Beete angelegt sowie täglich gegossen werden. Man kann frei nach Belieben zum Angeln gehen, im Dorf einkaufen, Leute kennenlernen, Dorffeste besuchen, kleine Monster in der Mine jagen, im Wald Beeren sammeln, und vieles mehr. Nach kurzer Zeit kommt wahlweise ein Hund oder eine Katze als Haustier dazu. Hühnerställe, Pferdeställe, Kuhställe, eine Mühle, ein Brunnen, ein Silo, mit ausreichenden Resourcen kann der Spieler seinen Bauernhof ständig erweitern. Zentrum des Spiels ist das freundliche Dorf „Pelikan“ im Sternentautal, dessen zahlreiche Einwohner jeweils einen ganz individuellen Lebensrhythmus und Tagesablauf haben. Man kann ihnen dabei zusehen, wie sie zur Arbeit gehen, in der Kneipe abhängen, sich ein Eis kaufen, am See angeln, oder wöchentlich im Aerobic-Kurs ihre müden Knochen wieder in Schwung bringen. Es ist eine lebendige Gemeinschaft mit vielseitigen Charakteren.

Im Spiel kann man mit viel Geduld auch das Herz einer beliebigen (ledigen) Figur aus dem Dorf gewinnen und diese schließlich heiraten. Die allmählichen Fortschritte in einer aufkeimenden romantischen Beziehung honoriert das Spiel mit Cutscenes, in denen der Spieler Entscheidungen fällen muss, die den weiteren Verlauf der Romanze positiv oder negativ beeinflussen. Meine Partnerwahl fiel dabei ganz logisch auf Penny, die junge, belesene Lehrerin. Mit ihr konnte ich auf Anhieb sympathisieren. Penny schämt sich insgeheim dafür, als einzige im Dorf in einem Wohnwagen zu hausen, und das ganz dem Klischee entsprechend mit ihrer alkoholkranken Mutter. Kinder sind ihr immens wichtig, und sie ist eine ruhige Persönlichkeit, die nur davon träumt, irgendwann auf einem eigenen Hof zu leben. Ich musste dieses arme Mädel also einfach aus seinem Elend befreien. Inzwischen sind wir glücklich verheiratet, auch wenn sie mir kaum eine Hilfe ist. Sie kocht selten, obwohl sie kaum was zu tun hat, und auch um die Tiere und Pflanzen kümmert sie sich nicht. Meistens steht sie in der Gegend rum, oft liest sie, hin und wieder geht sie einkaufen. Damit kann ich umgehen.

Zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung habe ich genau 94 Stunden in das Spiel investiert. Die Haupthandlung, die ich nach ungefähr 86 Stunden abgeschlossen habe, dreht sich um das verfallene Gemeindehaus von Pelikan, in dem kleine Naturgeister hausen. Der gnadenlos kapitalistische Marktleiter des Joja-Supermarktes will es aufkaufen und in eine Lagerhalle umfunktionieren. Doch der Spieler kann sich entscheiden, das alte Gemeindehaus Stück für Stück wieder herzurichten, indem er den freundlichen Geistern kleine Artefakte schenkt. Gelingt ihm das, wird er zum Held der Stadt ernannt. Aber auch abseits dieses Rahmens gibt es im Spiel sehr vieles zu entdecken und zu erledigen.

Von dem Spiel war ich lange Zeit sehr gefesselt, zumindest solange man noch ein klares Ziel vor Augen hatte. Nie wusste ich, ob ich heute vielleicht den einen Fisch angeln würde, der mir noch zur Komplettierung eines Zwischenziels fehlte. Eine Lösung habe ich bewusst nie gelesen, da das dem Spiel natürlich die Herausforderung nimmt. Einige Rätsel sind leider noch offen geblieben, andere habe ich schließlich irgendwann lösen können. Störend empfinde ich lediglich die tägliche Routine, die sich irgendwann einstellt. Das Spiel erlaubt es mir beispielsweise, das Füttern der Tiere oder das Gießen der Pflanzen zu automatisieren, nicht jedoch das morgendliche Einsammeln der Eier, das Melken der Kühe, oder das Scheren der Schafe. Rechnet man alle unvermeidbaren täglichen Pflichten zusammen, fehlen einem meist bereits die ersten 6 Stunden jedes ohnehin recht kurzen Spieltages, ehe man zum Einkaufen, Steineklopfen, Angeln etc. kommt. Gerade am Anfang weiß man die seltenen Regentage wirklich zu schätzen, denn dann braucht man sich zumindest nicht um die Pflanzen zu kümmern.

Von der Retrografik bin ich sehr angetan. Es sieht zwar leider nicht alles wie aus einem Guss aus (pixelige 2D-Sprites, aber dann eine hochauflösende Angelschnur, schiefe Pixel bei der Uhr, unterschiedlich große Pixel bei Animationen…), aber der Stil bleibt zumindest für die alten Hasen unter den RPG-Fans weiterhin reizvoll. Stardew Valley triggert bewusst den Sammeltrieb bei den Spielern, indem es Buch über alle Fortschritte und gefundene Artefakte führt, und man regelmäßig neue Lokationen freischalten kann. Blöd ist es, wenn man bestimmte Dinge beispielsweise nur im Herbst bekommen kann, und man dann ein weiteres Jahr warten muss, weil man den Zeitpunkt gerade verpasst hat. Aber Stardew Valley ist wie gesagt eine angenehme Möglichkeit, dem tristen Alltag zu entkommen, um einen anderen Alltag auf dem Bauernhof zu erleben. Wer sich einen solchen Zeitfresser erlauben kann, sollte dem Spiel eine reelle Chance geben.

Stardew Valley ist bei GOG DRM-frei regulär für 13,99 EUR zu haben, findet sich aber regelmäßig deutlich vergünstigt im Sale wieder. Aktuell befindet sich ein Mehrspieler-Coop-Modus in der Betaphase, der wohl in einigen Wochen auch final im Spiel verfügbar sein sollte. Mit Hilfe neuer Fan-Modifikationen lässt sich sogar die Vier-Spieler-Limitierung des Mehrspielermodus aushebeln, so dass beliebig viele Farmer gemeinsam über den Bildschirm wuseln können.

Hardware

Die vollen Festplatten sind zurück

4

Die Situation ist irgendwie absurd: Bei uns im Büro werden die Mitarbeiter mit Firmen-Notebooks abgespeist, die kümmerliche 250 GB Festplattenkapazität mitbringen. Im Jahr 2018! Und dabei sind das sogar recht aktuelle Modelle. Mein letztes privates Notebook habe ich mir vor rund zehn Jahren gekauft, zu einem Spottpreis, und das hatte bereits eine ebenso winzige Festplatte. Kürzlich während der Arbeit ist mir der Festplattenspeicher dann tatsächlich ausgegangen. Das war vielleicht eine Überraschung. Eine äußerst negative. Ich musste ernsthaft meine alten Projektdateien durchforsten auf der Suche nach etwas, was ich am ehesten entbehren könnte, um Platz für Neues zu schaffen. Irgendwelche wehrlosen Daten zu löschen, hat mir Schmerzen bereitet. Ich war felsenfest der Meinung, wir wären endlich dem Zeitalter entwachsen, in dem wir Speicher sparen müssten, und uns die Festplattendimensionen nicht ausreichen würden. Waren wir eigentlich auch!

Tja, und dann kamen die SSDs. Plötzlich werden wieder brandaktuelle Notebooks regulär mit Pipi-Festplatten zwischen 80 und 250 GB verkauft. Und das zu einem Preis, bei dem mir die Augen bluten. Ab in die Steinzeit. Ach, die tollen SSDs sind ja so viel schneller, das rechtfertigt natürlich, dass wir endlich wieder jedes Byte zweimal umdrehen müssen. Zwei Spiele deinstallieren, damit gerade genug Platz für ein neues ist. Das waren lustige Zeiten – jedenfalls so um 1998 rum, also vor 20 Jahren. Heute ist das in jeder Hinsicht peinlich. Da scheiße ich doch auf den Geschwindigkeitsgewinn, wenn DAS der Preis ist. Festplatten sind für mich Daten-Endlager, und was zählt ist das Fassungsvermögen, sonst nichts.

Stimmt schon, der PC startet damit viel schneller. Aber da der PC eh nur morgens einmal startet, während ich mir ohnehin gerade einen Kaffee hole, hält sich der Vorteil für mich hier stark in Grenzen. Was sich für mich aber sehr stark bemerkbar macht, ist die ständig drohende, rote Festplatten-Füllstandsanzeige von Windows, die mir permanent Sorgen macht. Das ist doch wie als würden wir irgendwann mit der ersten Generation von Raytracing-Grafikkarten den Windows-Desktop endlich in fotorealistischer Darstellung rendern können, aber nur in der Auflösung 640×480 – auf unbestimmte Zeit. Mit 256 Farben! Das muss einem die wahnsinnige Bildqualität dann schon wert sein. Dieser Rückschritt ist eben der Fortschritt. Ich will sowas nicht mehr. Hätte man mich gefragt, hätte ich eine interne 2 TB-Festplatte verlangt, also mal eben mit der achtfachen Kapazität, und die wäre noch weitaus günstiger gewesen. Ja, dann dauert das Compilen halt mal ein paar Sekunden länger, dann kann man in der Zeit wenigstens auf die zahlreichen E-Mails antworten, die tagsüber so reinkommen.

Und wie sieht das aktuell eigentlich mit der Preisentwicklung bei den SSDs aus? Gibts bald die bezahlbaren 4 TB SSDs für Jedermann? Die, die schon seit Jahren von den SSD-Fans vollmundig angekündigt werden? Die, die die antiquierte Magnetfestplattentechnik endlich ins Museum schicken werden? Nein, gibts nicht. Wer hätte es gedacht. SSDs bleiben weiterhin klein und teuer. Erst kürzlich habe ich in einem Artikel einen Ausblick auf die SSD-Preislage der kommenden Monate gelesen, nach dem nicht zu erwarten ist, dass der Preis pro GB bei SSDs signifikant fallen wird. Es scheint als würde sich das Thema allmählich einpendeln. Keine Sorge, die SSDs werden permanent größer, aber eben auch linear teurer.

Und die museumsreifen Magnetfestplatten? Wenn man mal vom hohen Preis absieht, sind 12 TB Festplatten bereits käuflich zu erwerben (derzeit bei 37 EUR/TB), die ersten 14 TB-Modelle kommen noch in diesem Jahr, die Technik für 16 TB HDDs steht für 2019 in den Startlöchern. Und wenn die HAMR-Technik mal Marktreife erlangt, werden die Magnetfestplatten sogar in Regionen jenseits der 20 TB vorstoßen. Von bis zu machbaren 100 TB im folgenden Jahrzehnt ist da die Rede. Günstige Festplatten gibt es für knapp 24 EUR/TB, wo man aktuell im Bereich zwischen 3 und 8 TB das beste Geschäft macht. Und das beste daran ist, bei dieser Art Festplatte ist der sinkende Preis quasi garantiert: Jede neue Generation auf dem Markt sorgt für einen Preisrutsch bei den vorangegangenen.

Auch nach aktuellem Stand ist nicht anzunehmen, dass SSDs so bald das alleinige, dominierende Produkt sein werden, sondern beide Formate noch viele Jahre nebeneinander existieren werden. Da können die SSD-Fans noch so sehr schimpfen über die schrottreifen, anfälligen, steinzeitlichen, (weitere Schmähbegriffe bitte hier einfügen) Magnetfestplatten, die eigentlich alle sofort vom Markt genommen und abgewrackt werden müssten. Aber zum Glück sehen das nicht alle so eindimensional.

gez. Einer, der 14 HDDs und 3 SSDs im Einsatz hat

MAGIX Music Maker verseucht Windows

10

In einem Augenblick völliger geistiger Umnachtung begab es sich kürzlich, dass ich mir den vermaledeiten MAGIX Music Maker in einer halbwegs aktuellen Version gekauft habe. Als musikalisch leider nur mäßig begabter Mensch wollte ich zumindest in der Lage sein, mir ganz rudimentär ein paar passable Musikstücke zusammenzuklicken, so dachte ich zumindest, und hielt den Kauf in jenem Moment für eine ganz gute Idee. Diese Idee sollte ich jedenfalls später bereuen, um dem Artikel schon einmal etwas vorwegzugreifen.

Der Music Maker ist eines jener Programme, deren Herstellerfirma offenbar schlechte Erfahrungen mit Raubmordkopierern gemacht hat, denn zur Installation muss man nicht nur einen bescheuerten 38-stelligen Produktschlüssel eingeben, sondern diese Installation auch online beim Hersteller aktivieren. Online-Produktaktivierungen, wird der Veteran unter den Lesern meines Blogs vermutlich bereits wissen, sind etwas, das ich grundsätzlich verabscheue. Ich war bereits ein wenig über dieses kleine, aber störende Detail angenervt, von dem ich vor dem Kauf nichts wusste, da stellte ich auf der Webseite von MAGIX auch gleich fest, wie diese Produktaktivierung aussehen würde: Ein MAGIX-Account wird benötigt – was auch sonst.

Mein Geduldsfaden stand hier bereits merklich unter Spannung, als ich mit knirschenden Zähnen ein paar (falsche) persönliche Daten in die Account-Erstellungs-Maske eingab. Selbstverständlich musste die E-Mail-Adresse gültig sein – was auch sonst. Überprüft wurde das mit einer Bestätigungs-E-Mail. Ich hätte womöglich schnell eine Wegwerf-Adresse anmelden können, aber dafür war ich an diesem Punkt schon zu faul. Ich hoffe, der verfluchte Hersteller freut sich über meine E-Mail-Adresse, die er entweder in Form der gesamten Nutzerdatenbank (versehentlich) durch eine Sicherheitslücke an Hacker verlieren oder ganz legal an alle seine Werbekunden verkaufen kann. Wahrscheinlich wird früher oder später beides passieren.

Als Passwort sollte „fickteuch“ dienen, doch MAGIX war schlauer als ich und forderte die Einhaltung der Passwortrichtlinien ein – selbst für Schrott-Accounts mit falschen Benutzerdaten, die ich nie wieder brauchen würde. Also wählte ich sowas wie „ficktEuchDochInsKnie!!1“. Wenn das Passwort im Klartext in der Datenbank landet, liest es vielleicht irgendwann ein unterbezahlter Administrator und grinst. Naja, was soll ich sagen. Nachdem ich diesen Spießrutenlauf hinter mich gebracht und das Programm schließlich gestartet hatte, war ich dann auch gleich in der richtigen Stimmung: Die Benutzeroberfläche war langsam, sah aus wie eine Flash-Webseite Anfang der 2000er Jahre, und die Anzahl an beigelegten Samples war ein äußerst schlechter Witz. Wenn man sich durch die verschiedenen Melodien geklickt hat, stellte man schnell fest, dass jede Melodie in gefühlt zehn verschiedenen Variationen vorlag, was die Anzahl an unterschiedlichen Netto-Samples nochmal drastisch reduzierte. Der Music Maker wirkte auf mich wie ein Programm, mit dem man EIN ganz spezielles Musikstück als Remix zusammenbauen kann, viel mehr ist nicht drin, dafür klingt das Zeug alles viel zu ähnlich.

Hinzu kommt, dass ich ständig auf irgendwelche (auf den ersten Blick scheinbar vorhandene) Sachen geklickt habe, und plötzlich geht die Store-Seite auf, die mich zum Bezahlen von neuen Kauf-Inhalten auffordert. Music Maker ist also auch noch ein Programm, das mich zu weiteren Einkäufen nötigen soll. Sowas habe ich ja ganz besonders gern. Mit den vielen Ejay-Programmen anno 1999 war ich bereits Besseres gewohnt als von diesem Mist. Und das was damals an Musik hinten herauskam, war auch noch wesentlich brauchbarer. Ich wusste also schon nach gut einer Stunde, dass es ein grandioser Fehlkauf war, den ich mir hätte sparen können.

Das Thema Music Maker hatte ich praktisch schon abgehakt, als ich nach dem Windows-Neustart auf ein relativ großes Werbe-Popup über dem System Tray von Windows stieß. MAGIX war jetzt also der Meinung, es sei völlig ok, mich auch außerhalb des Music Makers zu jeder Tageszeit auf ihre beschissenen Produkte aufmerksam zu machen. Wow, das war wirklich die Höhe – und das Maß definitiv voll. Die Deinstallation dieses Schundprogramms folgte unmittelbar. Ich nahm ganz arglos an, dass ich jetzt meine Ruhe hätte. Hatte ich dann irgendwie auch – etwa drei Wochen lang. Doch heute am späten Nachmittag erschien beim Systemstart erneut ein solches Werbe-Popup in Windows. Obwohl ich den Music Maker längst von meiner Festplatte getilgt hatte. In Gedanken war ich gerade dabei, wutschnaubend irgendetwas kurz und klein zu schlagen. Oh, der Zorn! Wie bitte war DAS denn möglich? Es war mir ein Rätsel.

Der Process Explorer zeigte mir keinen laufenden Prozess an, der mir nach MAGIX aussah. Auch unter den laufenden Windows-Diensten fiel mir nichts Verdächtiges auf. Andererseits war ich für solche Sachen auch kein Experte, so dass ich den Übeltäter leicht hätte übersehen können. Eine leider viel zu lange Internetrecherche ergab, dass das Problem bei der Aufgabenplanung in Windows zu suchen sei. Hier war die Aufgabe „Connect“ eingetragen, die man erst manuell deaktivieren müsste. Und dort war auch der Programmpfad des wider Erwarten NICHT deinstallierten Werbeprogramms angegeben. Der lästige Müllordner hat sich lange gegen meine aggressiven Löschversuche gewehrt, aber schließlich habe ich ihn mit meiner geballten Faust vernichten können, und nun endlich Ruhe vor der widerlichen Scheißwerbung dieses grauenvollen Herstellers.

Wieso muss man es sich als zahlender Kunde einer Software gefallen lassen, dass diese großflächige Produktwerbung des Herstellers so tief ins Betriebssystem einklinkt, dass sie ein Laie praktisch nicht mehr entfernen kann, und – an Dreistigkeit nicht zu überbieten – mit dieser auch noch nach der Deinstallation leben muss? Die Deinstallationsroutine lässt das Werbeprogramm mit voller Absicht auf dem Rechner zurück, während es das eigentliche Programm brav entfernt. Die Deinstallation habe ich NUR auf Grund der Werbung durchgeführt, weil mich die penetranten Einblendungen extrem verärgert haben.

Wäre es Gratis-Software gewesen, hätte ich mir einreden können, dass ich eine so unethische Vorgehensweise als Marketing-Strategie verstehen, und bei Bedarf damit leben kann. Aber die Tatsache, dass ich weder darauf hingewiesen wurde, noch dass ich dafür ein zwar werbeverseuchtes, aber wenigstens kostenloses Produkt erhalten habe, macht es mir unmöglich, so etwas zu akzeptieren. Eine unvorstellbare Frechheit! Das ist Betriebssystemverunreinigung und gehört definitiv verboten. Mein Rechner ist keine Littfasssäule.

Mein Fazit daher: Keine MAGIX-Software mehr. Jemals.

Ein Browser sie zu knechten, Teil 2

0

Was bisher geschah: Ein völlig bedeutungsloser, beliebiger Blogger, der sich die maximale Erfolglosigkeit auf die Fahne geschrieben hat, ist auf der Suche nach einem neuen Browser, über den er sich nicht permanent ärgern muss. Auf seiner abenteuerlichen Reise durch die Welt der Browser quält er sich unnötigerweise jahrelang mit einem großen Sicherheitsrisiko aus dem Hause Microsoft, dessen Namen wir hier aus Gründen nicht nennen wollen. Anschließend ging die Reise über den Underdog Opera zum einst wichtigsten Browsermarkt-Mitbewerber Mozilla Firefox. Doch auch der Firefox nervt inzwischen immer mehr, so dass dringend eine Alternative her muss.

In meiner wie erwartet erfolglosen Exkursion in die quelloffene Linuxwelt ergriff ich, wie zuvor berichtet, auch gleich die Gelegenheit, den Chromium-Browser Vivaldi zu testen. Das Benutzer-Interface gefiel mir eigentlich ganz gut, da es dem von Opera recht ähnelte. Im Endeffekt störte mich aber seine Nähe zum Google-Browser doch zu sehr. Denn die Addons sind weitestgehend dieselben wie die von Chrome, und seine Addons muss man dann auch aus dessen Chrome Web Store installieren, und dort regiert Google mit seiner egozentrischen Willkür. Beispielsweise wollte ich einen Video- und Audio-Downloader installieren, den ich heutzutage als Basisausstattung jedes Browsers betrachte. Solche gibt es (wie auch für andere Browser) dort wie Sand am Meer. Google interessiert es normalerweise nicht, von welchen Webseiten solche Downloader die Mediendateien abgreifen können – sofern es keine Google-Seiten betrifft. Und genau aus diesem Grund gibt es im Chrome Web Store (der dann auch für Vivaldi verbindlich ist) keinen einzigen YouTube-Downloader. Betroffene Addon-Entwickler entschuldigen sich in den Readme-Dateien ihrer Addons, dass sie YouTube explizit herausnehmen mussten, da sie ihr Addon sonst nicht hätten anbieten dürfen.

Nun mag man es Hausrecht nennen, oder einfach Willkür, denn YouTube ist auch nur eines von vielen Videoportalen, und keines der anderen wird von Google geschützt. Und darüber hinaus stört es mich, dass die Einschränkung dann auch für Vivaldi gilt, der ja kein Google-Browser ist, sondern nur ein Browser, der sich von Google die Addons diktieren lässt. Im Endeffekt hätte ich dann auch gleich Chrome nehmen können, aber so wenig Sinn für Datenschutz habe ich dann doch nicht, dass mir so etwas einfallen würde. Also bei welchem Browser bin ich denn jetzt eigentlich gelandet?

Es gibt mindestens zwei etablierte Firefox-Fork-Projekte, die sich für die Erhaltung der Kompatibilität zu Legacy-Addons und für maximale Anpassbarkeit des Browsers einsetzen: Wo Mozilla bereits fleißig auswürfelt, welches tolle Firefox-Feature in der nächsten Version grundlos gestrichen wird, wird in den Forks lieber an der Sicherheit und am Erhalt der größten Stärke von Firefox gearbeitet: Feature-Reichtum und einer bestmöglich anpassbaren Oberfläche. Mozilla eifert Google hinterher, indem es mehr und mehr „Ballast“ abwirft, damit ihr Browser im einstelligen Millisekundenbereich schneller wird, übersieht dabei aber, dass sie sich damit eigentlich selbst überflüssig machen. Sie übersehen, dass dieser Ballast der Grund ist, warum viele eingefleischte Fans heute noch auf Firefox setzen. Die Hausfrauen dieser Welt sind eh längst mit Chrome bzw. Internet Explorer, äh Pardon, Edge auf den Desktops, Tablets und Smartphones versorgt. Die wird man dadurch nicht überzeugen.

Eines dieser Projekte ist der Pale Moon. Sein Motto ist „Your browser, Your Way“. Und das spielt auf das heute immer häufigere Problem mit Software an, egal ob es das Betriebssystem, der Browser oder der Grafikkartentreiber ist. Egal ob du sie gekauft hast, ob sie auf deiner Hardware läuft, ob du sie selbst installiert hast. Die Software macht dich heute zum Zuschauer, zum Beifahrer, du darfst kaum noch etwas entscheiden. Software ist heute oftmals permanent mit der Herstellerfirma verbunden, sendet unkontrolliert Daten dorthin, wird darüber heimlich ferngesteuert, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aktualisiert, und du darfst froh sein, wenn sie dich noch die Farbe der Benutzeroberfläche oder den Installationspfad auswählen lassen. Beispiele dafür gibt es viele. Pale Moon wirft den ganzen Telemetrie- und Datensammeldreck von Mozilla raus, von dem alle so begeistert sind, wirft DRM über Bord (anstelle sinnvoller Features), und eine Reihe zweifelhafter Erweiterungen, für die Mozilla sich insgesamt in der Vergangenheit Kritik eingehandelt hat. Es mag sein, dass Mozilla irgendwann mal ein „Good Guy“ war, ist es aber längst nicht mehr.

Aber ich will jetzt nicht noch weiter vom Thema abkommen. Der Pale Moon Browser ist im Grunde ein Firefox-Ableger, der weiterhin die Sicherheits- und Stabilitätsupdates der neueren Firefox-Versionen bekommt, aber im Gegensatz dazu nicht dessen wichtigste ältere Features entfernt, geschweige denn mal eben die Kompatibilität zu den klassischen Addons verwirft. Klar, der Marktanteil dieses Browsers ist kaum der Rede wert, ist doch seine Zielgruppe ziemlich genau definiert: Open-Source-Freunde und technisch versierte Internetnutzer, denen Datenschutz wichtig genug ist, dass sie Mozillas schmierige Finger nicht mehr auf ihrem Rechner haben wollen, und sich von Mozilla auch nicht mehr vorschreiben lassen wollen, welche Browser-Features für sie relevant sind.

Pale Moon wird seit knapp neun Jahren entwickelt und erhält regelmäßige Updates. Ich bin von dem Browser bisher sehr begeistert, die Stabilität ist so wie ich sie erwarte – und ich kann nicht behaupten, dass ich Pale Moon bisher geschont hätte. Mein ganzes Addon-Paket läuft einwandfrei mit dem Programm, auch eine vierstellige Anzahl an Tabs stemmt er bisher mühelos. Allein, nach mehreren Tagen, wenn ich mal wieder zu viele YouTube-Tabs aktiv habe, verabschiedet er sich hin und wieder. Dann dauert der Neustart aber auch nur eine handvoll Sekunden, und die ganze Ladung an Tabs ist wieder da. Die Performance ist sicherlich messbar geringer als die von Chrome und Firefox, aber subjektiv macht das natürlich schon lange keinen Unterschied mehr. Ein weiteres Beispiel für einen solchen „mozilla-befreiten“ Firefox-Browser ist Waterfox. Welcher der beiden nun besser ist, und worin der Unterschied im Detail besteht, kann ich nicht beurteilen. Mit dem Pale Moon fahre ich im Moment wirklich gut, und ich hoffe, das kann jetzt erst einmal so bleiben. Ist das jetzt der tollste, beste, schnellste, coolste und schlauste Browser der Welt? Nein, ist es wahrscheinlich nicht. Aber es ist ein ehrlicher Browser.

Ein Browser sie zu knechten, Teil 1

0

Da bin ich mal wieder! Nach der dritten Novemberwoche bin ich leider (wie so oft) erkrankt, und erst seit etwa Mitte Februar richtig über den Berg. Inzwischen beginne ich wieder damit, meine alte Motivation – sowohl was die Webseite, als auch die Spieleentwicklung betrifft – wieder zu reanimieren. Letzteres hat in den vergangenen Tagen ganz gut funktioniert (dazu in einem folgenden Artikel mehr). Nun wird es Zeit für einen neuen Blog-Beitrag. In der Vergangenheit habe ich so einige Browser miterlebt und die meisten davon haben mich sogar jahrelang begleitet. Angefangen hat einmal alles mit dem Internet Explorer 3 und dem Netscape Navigator. Später war ich eine viel zu lange Zeit ein echter Internet Explorer 5 und 6 Purist. So lange, bis ich mir mit dem abscheulichen Mistding einen fiesen Trojaner eingefangen habe, der sich als JPG-Datei ausgegeben hat. Der IE hat nur allzu bereitwillig das Script ausgeführt, das sich dahinter verbarg, und dann einen Buffer Overflow im Windows Media Player verursacht. Mein Rechner war mehrere Tage lang Teil eines kleinen Botnetzes. Ab diesem Zeitpunkt war der schädliche Microsoft-Browser für mich verbrannt.

Ich wechselte zu Opera, der zu jener Zeit gerade erst Freeware geworden war. Das Konzept mehrerer gleichzeitig geöffneter Browsertabs faszinierte mich, und inzwischen bin ich ein echter Tab-Poweruser (oder wahlweise auch Tab-Messie). Bookmarks sind sinnlos geworden, wenn man einfach alles immer gleichzeitig geöffnet haben kann. Opera wechselte wiederum nach Jahren seine Entwicklungsstrategie und sattelte auf Chromium um. Diesen Schritt wollte ich nicht mitgehen, zumal ich kein Google-Fan bin. Ich hielt den Wechsel für keine gute Entscheidung, schon da sie das Alleinstellungsmerkmal ihrer grandiosen Browser-Engine damit über den Haufen geworfen haben. Aber auch ich musste zugeben, dass Opera mit sehr vielen gleichzeitig geöffneten Tabs nur begrenzt umgehen konnte. Hänger, Aussetzer und Neustarts waren die Folge. Der alte Opera hatte durchaus einige Performance-Probleme.

Der Firefox wurde vor einigen Jahren der neue Browser meiner Wahl, auch auf Grund der vielen tollen Addons. Nach relativ kurzer Zeit habe ich mir das perfekte Addon-Paket zusammengestellt, das alle meine Anforderungen erfüllt, den Browser bis ins Kleinste an mein Nutzerverhalten angepasst. Es gibt eine Tab-Baumstruktur, Tabgruppen, eine Schnellvorschau der Tabs, Mausgesten zum Navigieren, einen Session-Manager, ein Downloader für Video und Audio, NoScript, Adblocker, und noch ein paar mehr. Ohne diese Addons würde mir das Arbeiten mit dem Browser heute schnell zur Qual werden, was mir immer wieder auffällt, wenn ich mal an einem fremden Rechner sitze. Das Problem mit dem Firefox war anfangs, dass der Neustart bis zu 5 Minuten dauerte, da die Initialisierung einer solchen Vielzahl an Tabs leider nicht sehr effizient funktionierte. Schließlich, nach einem größeren Update, war das dann kein Problem mehr. Endlich werden geöffnete Tabs nicht mehr bei jedem Start vorgeladen, sondern nur noch als Referenz abgelegt, und erst bei Benutzung nachgeladen.

Der neue Firefox Quantum war sofort bei vielen Addon-Entwicklern und Profis unbeliebt, da sämtliche bewährten Addons auf einen Schlag inkompatibel wurden. Alle Addons mussten angepasst werden. Viele Entwickler konnten und wollten diesen Schritt einfach nicht mehr vollziehen. Einige Addons konnten nicht auf Firefox Quantum übertragen werden, da dieser nur noch eine eingeschränkte API lieferte. Mich selbst hätte das Thema kaum gestört, wenn da eine ablehnbare Update-Meldung gewesen wäre wie „Bei einem Update auf Firefox Quantum werden 12 Ihrer Addons unbenutzbar. Wollen Sie wirklich wechseln? JA/NEIN„. Stattdessen begrüßte mich eines morgens plötzlich der Firefox Quantum, der ohne zu fragen praktisch alle meine Addons ganz dreist rausgeworfen und sich auf meinem Rechner breitgemacht hatte wie ein Hausbesetzer. Ich hatte eigentlich lange vorher beschlossen, kein Update zu machen. Dass der Nutzer in seinen Wünschen völlig übergangen wird, gehört mittlerweile ohnehin zur Mozilla-Politik. Da werden auch schonmal heimlich per Ferninstallation irgendwelche gruseligen Werbe-Addons von wichtigen Werbepartnern in den Browser eingeschleust. Bei Mozilla hat sich vor Jahren die feste Überzeugung durchgesetzt, dass man ja viel besser weiß, was der Nutzer wirklich braucht, als der Nutzer selbst. Tab-Gruppen gehörten zum Beispiel nicht dazu. Darum muss man die heutzutage auch mit Addons wieder nachrüsten. Das ist ja so viel besser und sicherer.

Firefox Quantum flog bei mir so schnell wieder runter wie er gekommen war, unter anderem auch, weil er mir keinen Ersatz für so manches Addon anbieten konnte, auf das ich nicht verzichten wollte. Ein Update auf eine schlechtere Version kommt für mich nicht in Frage. Zum Glück habe ich irgendwo im Netz einen Installer für die letzte Prä-Quantum-Version gefunden (obwohl sich Mozilla große Mühe gibt, alte Versionen sofort aus dem gesamten Internet zu tilgen!). Jedenfalls gingen dann auch alle meine lebenswichtigen Addons wieder. Aber ewig auf einer alten, potentiell unsicheren Version von Firefox sitzenzubleiben, konnte ja schließlich keine Lösung sein. Außerdem ist das Vertrauen in Mozilla angesichts vergangener Fehlentscheidungen aus meiner Sicht lädiert. Wer braucht schon Menüs? Und wie lange dauert es wohl, bis das nächste wichtige Feature rausfliegt, oder wieder alle Addons per Dekret für nichtig erklärt werden? Ein anderer Browser musste her. Nur welcher?

Fortsetzung folgt…

nach oben