Beiträge mit tag "Meinolf Schneider

ATARI

Atari ST und Bolo bei den Spieleveteranen

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Im Spieleveteranen-Podcast ist es nur eine halbe Anekdote bzw. eine kurze Randnotiz wert, mir dagegen natürlich ein kleiner Blogbeitrag: Heinrich Lenhardt erwähnt in der neuesten Folge #70 des Podcasts (der diesmal gleichzeitig auch als YouTube-Video zur Verfügung steht) den Atari ST-Klassiker Bolo von Meinolf Schneider. Besprochen wird das ganze im Rahmen der jeweils 30-jährigen Jubiläen des Amiga 1000 und des Atari ST.

Dabei geht Heinrich Lenhardt, der bekanntermaßen zu den erfahrensten deutschen Fachjournalisten für Computerspiele zählt, und der auch um 1990 Spieletests für das von mir geschätzte TOS-Magazin schrieb, quasi in einem Nebensatz darauf ein, dass es jeweils eine eigene Computerspielewelt rund um den Farbmonitor, aber auch um den Monochrommonitor gab. Aus seiner Sicht waren seine armen Kollegen zu belächeln, die sich regelmäßig über neue Spiele für den Monochrommonitor erkundigten, während er sich eigentlich hauptsächlich mit den Farbspielen beschäftigte. Als Beispiel für Monochromspiele nennt er sofort Bolo, das 1987 veröffentlicht wurde, also zu der Zeit als Herr Lenhardt noch für die Happy Computer arbeitete. Leider bleibt es allein bei der Nennung. Dennoch ist Amiga- und Atari-ST-Spielenostalgikern natürlich die gesamte Folge sehr zu empfehlen.

Der besagte Ausschnitt beginnt bei Minute 36:

Die Spieleveteranenrunde setzt sich in dieser Episode aus den Herren Heinrich Lenhardt, Jörg Langer, Winnie Forster, Michael Hengst, sowie dem Stargast Andreas von Lepel zusammen. Letzterer wurde bekannt als Moderator der ZDF-Sendung “X-Base” Anfang/Mitte der 90er Jahre, in der es um Videospiele ging. Von Lepel arbeitet allerdings auch selbst als Spieleentwickler und früher auch als Spielejournalist.

Erwähnenswert ist auch, dass in dieser Episode kurz diskutiert wird, wie man denn am besten Screenshots von sehr alten Spielen macht. Jörg Langer und Heinrich Lenhardt sind sich dabei einig, dass man sowas am einfachsten mit Hilfe von Emulatoren macht, was mich natürlich entsprechend darin bestätigt, dass Emulatoren der beste, der richtige und vor allem ein zu schützender und zu fördernder Weg ist, alte Spiele zu bewahren, denn damit machen sie sich indirekt für Disk-Images und ROM-Dateien stark. Winnie Forster dagegen schwört auf aufwändige und teure Bildschirmfotografien der Monitore an den echten Geräten.

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SPACOLA Eclipse WIP 0.45

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Wo ich gerade schon bei Spielen mit der Grafik noch aus der Zeit der Weimarer Republik bin, spreche ich am besten direkt das nächste passende Thema an: Spiele mit Grafik aus der Steinzeit. Es folgt ein diesmal etwas längerer Artikel über den aktuellen Entwicklungsfortschritt meines Hobby-Dongleware-Remake-Projekts SPACOLA Eclipse. Es gibt viel zu berichten, weil ich in letzter Zeit viel daran gearbeitet habe. Die neueste Work-in-progress-Version vom Juni 2015 führt einige neue Gameplay-Features ein, allerdings auch viele tolle Neuerungen unter der Haube, die das Arbeiten an dem Projekt endlich deutlich interessanter machen, was wohl auch der Grund für meinen unerwarteten Eifer ist.

Mehrspieler-Modus

Ich habe in letzter Zeit die Serialisierbarkeit der meisten Spielobjekte überarbeitet und damit angefangen, den Mehrspieler-Modus zumindest grundsätzlich mit Leben zu füllen. Nachdem man bislang den Server lediglich vorbereiten, und sich als Client nur theoretisch registrieren lassen konnte, startet nun in der neuen Version tatsächlich ein Spiel, sobald die Mindestanzahl der Teilnehmer erreicht ist. Als nächsten Schritt sorgte ich dafür, dass die Spieler-Objekte untereinander ausgetauscht und dargestellt werden können. Die Mitspieler werden sich jetzt zwar auf dem Bildschirm gegenseitig sehen, aber davon abgesehen wird noch nichts synchronisiert, jeder spielt ein völlig eigenständiges Spiel. Mein Ziel war damit bereits erreicht, denn es ging mir vorerst um das Programmgebilde außenrum. Als nächstes wäre eine Lobby nötig, damit man einen Spielmodus und das Level auswählen, sich absprechen, und die Teilnehmerzahl festlegen kann.

Aktives Rendern, höhere Auflösungen, Vollbildmodus

Es war eine kleine und interessante Herausforderung, als ich damals mein eigenes Double-Buffering schrieb für das Zeichnen von 50 Bildern pro Sekunde ins Fenster, aber wenn ich ehrlich bin, war das eine rein autodidaktische Mission und überhaupt nicht nötig. Double-Buffering gehört zur Standardausstattung von Swing. Für meine Verhältnisse war meine Methode lange Zeit absolut ausreichend, aber für höhere Auflösungen leider unbrauchbar langsam. Inzwischen habe ich die 2D-Grafikengine von SPACOLA Eclipse auf aktives Rendern umgestellt, das den ausbremsenden Swing-Overhead umgeht und das Zeichnen des Fensters selbst steuert. Der Unterschied in der Performance ist beeindruckend. Als Bonus habe ich Echtzeit-Skalierung eingebaut, die das Bild stufenlos vergrößert, sogar mit Interpolation. Inzwischen läuft SPACOLA Eclipse in 1280×800 Pixeln, und das absolut ruckelfrei und noch dazu viel responsiver was die Mauseingaben angeht. Ach stimmt, einen exklusiven Vollbildmodus gibt es jetzt auch, den man wahlweise ganz normal mit ALT+Enter oder F8 umschaltet. Die Menüleiste ist mit dem Vollbildmodus noch nicht so ganz einverstanden, aber daran arbeite ich noch.

Farbsprites

Die ersten Vorbereitungen für den Farbmodus sind endlich getroffen. Meinen ganzen alten Monochrom-only-Code habe ich durch pseudomonochrome Grafikobjekte ersetzt, die zur Farbdarstellung in der Lage sind. Ein erster Test mit ins Spiel eingebauten Farbsprites verlief erfolgreich, der Rest ist also nur noch eine Sache von wochenlanger Kolorierung in Fleißarbeit und Search & Replace. Angefangen habe ich damit bereits teilweise. Außerdem gelang es mir, die ersten Farbsprites, die von Meinolf Amekudzi im Jahr 1993 für eine nie in Entwicklung gegangene SPACOLA-Farbversion angefertigt wurden, endlich richtig auszulesen. Die Grafiken sehen wirklich sehr spannend aus. Es müsste mir also möglich sein, diese Designs bald zu komplettieren, und einen Farbmodus ins Remake einzubauen.

Neue Gegner-KI

Die alte provisorische Gegner-KI ist bald Geschichte. Bislang war das Flugverhalten der Dummy-Gegner doch sehr merkwürdig, da sie im Weltraum Haken schlagen konnten und auch nur endlos dem Spieler folgten. Längst gelang es mir, das Flugverhalten deutlich realistischer zu machen. So müssen die Gegner jetzt genau wie der Spieler genügend Gegenschub liefern, damit sie ihre Richtung anpassen können. Endlich driften die kleinen Piratenschiffe halbwegs glaubwürdig über das Pixelbild, verfehlen auch mal das Ziel, und müssen dann ständig wieder den Kurs korrigieren. Darüber hinaus machen die Piraten zum ersten Mal das, was sie eigentlich sollten: Sie knöpfen dem Spieler seine Waren ab oder suchen freischwebende Waren, und fliegen damit zur feindlichen Station, um sie unter Gelächter dort abzugeben. Das klappt wirklich erstaunlich gut, ist nur leider noch nicht so ganz am Original dran. Und wenn die Gegner mal gut gelaunt sind, dann fliegen sie schiffbrüchigen Kameraden hinterher und retten diese.

Rettungskapseln, neue Powerups

Es gibt im Original Gegnerschiffe, die bei ihrem Abschuss mehrere Rettungskapseln freigeben. Diese öffnen sich dann wiederum in ausreichendem Abstand zum Spieler von selbst und geben die üblichen hilferufenden kleinen Männchen frei. Die Rettungskapseln sind jetzt auch im Remake enthalten. Bei den Powerups sind immerhin eineinhalb dazu gekommen: Der Molekularduplikator, der soweit ich es erkennen kann in genau einem von 64 Levels vorkommt, funktioniert jetzt perfekt. Beim Raketen-Powerup habe ich immerhin das Einladen mal fertiggestellt. Das Abfeuern derselben fehlt noch.

Der Quellcode umfasst jetzt mehr als 24.000 Zeilen und wurde von mir in den vergangenen Wochen ausgiebig gepflegt und verbessert. Einige verschluckte Exceptions beim Soundplayer habe ich so aufgespürt, was sich vermutlich auch auf die Performance ausgewirkt hat. Das Logging habe ich deutlich erweitert und auch hier einige Fehler behoben, die mir vorher nie aufgefallen waren. Insgesamt ist das Projekt spürbar aufgeräumter und ausgereifter geworden, so dass die faulen Phasen hoffentlich der Vergangenheit angehören dürften. Inzwischen ergibt selbst ein richtiges Optionsmenü Sinn, in dem man Grafikmodus und Audiotreiber und diverse andere Technikaspekte einstellen könnte. Das nächste große Thema ist ein funktionierender Kampagnenmodus mit wechselnden Levelkonfigurationen. Das Ding habe ich jetzt lange genug vor mir hergeschoben.

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SPACOLA Eclipse WIP 0.42

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Bevor hier tatsächlich noch Schimmel ansetzt, belästige ich die werte Leserschaft lieber nochmal mit den aktuellsten Vorgängen in Bezug auf die Webseite und SPACOLA Eclipse. Hierzu habe ich mir eine kleine Liste bereitgelegt, die ich jetzt in einem mehr oder weniger kurzen Artikel abfrühstücken möchte. Am liebsten hätte ich die Gelegenheit genutzt, meine Meinung zur kürzlich angekündigten st-computer-Ausgabe kundzutun, doch wie es scheint, bekommen die Käufer die Februar-Ausgabe frühestens Mitte März, daher wird das wohl noch etwas dauern.

Stattdessen habe ich die Aufmerksamkeit für mein kleines Dongleware-Museum in kreative Energie umgewandelt und einige Einträge hinzugefügt bzw. erweitert. Hinzugekommen ist das wenig bekannte Spiel “The Dragon’s Power”, das von Dongleware 1994 vertrieben wurde, von welchem ich erst vor wenigen Monaten erfuhr. Ebenfalls ist mir entgangen, dass ich doch tatsächlich eines der Schneider’schen TOS-Gimmicks vergessen habe: Das Accessory “Blackhole”, das den Papierkorb in ein schwarzes Loch verwandelt. Es war eigentlich nur eine Beilage zum TOS-Gimmick “Trashy”. Die Beschreibungen der Gimmicks habe ich zusätzlich erweitert und mir auch die Quelltexte der kleinen Programme abgespeichert. Einen Teil der Codes kann ich vielleicht in das Remake-Projekt einbringen.

Besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle übrigens einer Leserin des Blogs aussprechen, die mir aus heiterem Himmel ihr OXYD-Buch (guterhalten), und das passende Spiel auf CD per Post geschickt hat. Das war eine äußerst schöne Überraschung. Eine kleine Aufwandsentschädigung habe ich ihr dafür natürlich zukommen lassen. Meine Dongleware-Büchersammlung wurde auch durch einen weiteren SPACOLA Sternenatlas vergrößert, den ich für nicht einmal vier Euro bestellen konnte. Der Einband ist leider ein wenig beschmiert, und auch kleine Eselsohren waren wie erwartet drin, aber ich denke ich kann mich nicht beklagen. Damit habe ich nun also vier SPACOLA-Codebücher in meinem Besitz. Einem weiteren Leser und fleißigen Bolo-Spieler ist es zu verdanken, dass ich bei nächster Gelegenheit eine kleine Levelgalerie für Bolo (1995) und Dia-Bolo einweihen kann. Diese ist zwar nicht ganz vollständig, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Der nächste Urlaub ist insoweit schon verplant.

Was gibts über SPACOLA Eclipse zu sagen? Der Fortschritt ist unverändert langsam, aber beständig. Der Zähler steht jetzt bei 20.000 Java-Codezeilen. Jeden Tag bemühe ich mich um ein oder zwei Änderungen, ein paar Fehler zu beheben, ein paar Grafikdateien zu korrigieren, etc. Die Februar-Version steht ganz im Geiste der Originaltreue und Platzersparnis. Ich habe herausgefunden, dass das PNG-Dateiformat sogar 1-Bit-Farbtiefe kennt (echt monochrom!) und habe sämtliche 700+ Grafikdateien einzeln umgewandelt und neu gespeichert. Am Ende hatte ich 64 Kilobyte von 415 gespart. 15% unnötige Daten entfernt, also wenn das nichts ist. Außerdem ist es mir gelungen, mit einem Hexeditor und viel Geduld in mühsamer Kleinstarbeit den SPACOLA-Rentenbescheid aus einem Memory-Dump des ST-Spiels zu extrahieren, und zusätzlich (endlich byte-genau) fast alle SDD-Sounddateien, also exakt so wie sie vor der “Kopierschutz-Kompression” aussahen. Anschließend habe ich die Soundbibliothek meines Remakes so erweitert, dass sie die Original-8-Bit-PCM-Dateien importieren und verwenden kann. Damit wäre ich wieder einen kleinen Schritt näher am Atari-Vorbild.

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Nachdem ich mich also im Februar weitestgehend nur um die Technik unter der Haube gekümmert habe, ist diesen Monat wieder mal das Gameplay dran. Die letzten Tage gelang es mir, alle 14 Minenfeld-Konstellationen aus den Levels des Originals zu analysieren und in meinem Code umzusetzen. Nun steht dem geplanten Parser für die Levelkonfiguration der ST-Version nicht mehr viel im Wege. Das Level-“Skript” habe ich inzwischen zu etwa 80% entschlüsselt, nur einige wenige Parameter, die etwa das Standardverhalten der Gegner ändern, oder Häufigkeitsmodifikatoren sind mir leider nicht ganz klar. In meinem Analyseprozess ist mir übrigens aufgefallen, dass die Entwickler in ihrer Levelkonfiguration eindeutig einen Fehler gemacht haben: In Level 14 müssten laut Skript sämtliche Sektoren mit Minenfeldern ausgestattet sein, doch da taucht kein einziges auf. Das Problem ist, dass sich dort im Skript jemand vertippt hat, so dass gar keine Minenfelder erzeugt werden. Im Debugger konnte ich bereits nachstellen, dass sich das Level deutlich ändert, wenn man den Tippfehler im Speicher korrigiert. Wenn ich nicht von dem Spiel besessen wäre, wäre das wahrscheinlich nie jemandem aufgefallen.

Jetzt stehe ich vor einer merkwürdigen Entscheidung: Tippfehler im Remake korrigieren und das Level so nachstellen, wie die Entwickler es sich eigentlich gedacht hatten – oder Tippfehler beibehalten, und das Level so nachstellen, wie es das Originalspiel auch wirklich dargestellt hat? Vor einem ähnlichen Problem stand vor einigen Jahren der Entwickler des Dungeon-Keeper-Remakes “KeeperFX”, der bei seiner Reverse-Engineering-Odyssee herausgefunden hat, dass die Bullfrog-Programmierer einen ganz blöden Fehler im Zusammenhang mit dem “Machtwort”-Zauberspruch nie richtig beheben konnten. In der Folge war der Zauberspruch viel schwächer als er eigentlich sein müsste. Nachdem er den Fehler nun also gefunden und im Remake behoben hatte, und der Zauberspruch plötzlich genau die Wirkung zeigte, wie es von Anfang an gedacht war, war das Balancing im Spiel leider total im Arsch. Logisch: Das Spiel war immer nur mit dem “verkrüppelten” Zauberspruch getestet und feingeschliffen worden. Tatsächlich gibt es im Remake nun die Möglichkeit, den Fehler für die Originalkampagne wieder zu “aktivieren”, um das bekannte Spielbalancing nicht zu verändern. Vielleicht sollte ich das Problem auch via Optionsmenü lösen, und so dem Spieler die Entscheidung überlassen.

ATARI

Bolo und Bolo Werkstatt für Atari ST

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Ein großes Dankeschön an Gerry, meinem geschätzten Mit-Atarianer und Thalion-Veteranen, der mich gerade noch rechtzeitig auf eine auslaufende Ebay-Auktion aufmerksam gemacht hat. Eine solche Rarität findet man wahrscheinlich nur alle paar Jahre mal, daher musste ich sofort zugreifen. Zu Anfang hoffte ich noch, dass ich schon für 6 Euro den Zuschlag bekäme, aber da habe ich nicht mit den anderen Nostalgikern gerechnet, wegen der ich etwas tiefer in die Tasche greifen musste. Am Ende gelang mir der große Coup mit knapp unter 40 Euro. Ja, viel Geld für alten Kram. Wenig Geld für einen echten Fan. Aber wovon spreche ich überhaupt? Ach, es geht eigentlich nur um den ultimativen Atari ST Public Domain Klassiker: Bolo

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Eine meiner aller-aller-aller-ersten Spieleerfahrungen hängt mit dem Breakout-Klon “Bolo” von 1987 zusammen. Damals war ich wohl gerade so in der Lage, die Maus zu bewegen ohne dass sie vom Tisch fiel, und die Gefahr bestand bei diesem Spiel durchaus. Bolo – das etwas andere Ball(er)spiel – dürfte man eigentlich kaum Klon nennen, weil es das Original-Spielkonzept um so wahnsinnig viele Elemente erweitert, dass es die Idee auf ein völlig anderes Niveau hebt. Ich kann nicht betonen, wieviele unglaublich spannende (und auch frustrierende) Stunden ich damit erleben durfte. Dieses Spiel hat mich schon sehr früh geprägt, meine Ansprüche und Erwartungen an die Spielewelt entscheidend beeinflusst. Selbstredend hat sich seitdem viel getan, aber ich erwarte auch heute noch, dass eine große Portion Spielwitz eingebracht und viel Liebe zum Detail bei der Entwicklung von Spielen an den Tag gelegt wird, genau so wie das Meinolf Schneider vor etwa 27 Jahren getan hat, als er Bolo im Jahr 1986 zunächst für den auf dem 68000er von Motorola basierenden (wenig bekannten) Gepard Computer entwickelte, und dann für den damals brandneuen Atari ST veröffentlichte.

Die größte Besonderheit von Bolo war die beeindruckende Vielzahl an verschiedensten Steinen, die sehr geniale Physiksimulation, die den Spieler am Schläger den Widerstand beim Anschlagen beinahe spüren ließ, das Gewicht des (unterschiedlich großen) Balles, die dynamische Schwerkraft, die Menge an Levels und die wundervollsten grafischen Effekte, wenn es z.B. explosive Steine in alle Richtungen zerfetzt. Mir fallen nicht genug Superlative ein, um dieses Spiel ausreichend zu würdigen. Über den als Megaghost bezeichneten Antagonisten kann ich leider nicht das Geringste erzählen, denn Bolo war mir leider zu schwer. Wenn man 50 Levels am Stück erfolgreich durchgespielt hat, soll er wohl erscheinen. Einmal hatte ich knapp 20 Levels geschafft. Die klobige Atarimaus, deren Kugel ständig im Gehäuse hängenblieb, hat mir die Schwerstarbeit im Kampf gegen die Schwerkraft kaum abnehmen können.

Als Meinolf Schneider noch für das Label der Application Systems Heidelberg entwickelte, nannte er sich Dr. Mausklick, so wie das auch den Rückseiten der Plastikhüllen zu entnehmen ist. Ich bin begeistert wie gut erhalten die beiden Schachteln sind, sogar der Sticker wurde noch nicht verwendet, und das DIN A2-Poster mit den Levelbildern wurde offenbar auch noch nicht aufgehängt. In der zweiten Schachtel steckt die “Bolo Werkstatt”, also der Leveleditor, einschließlich gedruckter Kurzanleitung. Die Hülle ist dabei exakt dieselbe wie beim Spiel, mit einem zusätzlichen aufgeklebten “Werkstatt”-Schriftzug. Und als wäre das nicht schon toll genug, sind selbst die Preisetiketten noch auf der Packung, die beide Produkte mit 69,00 DM auszeichnen. Dieser fantastische Neuzugang geht direkt in meine virtuelle Vitrine.

Ich nehme mir mal die Freiheit, hier ein kleines Gameplay-Video von YouTube einzufügen, um das Spiel zu demonstrieren. Man sollte allerdings einschränkend dazu erwähnen, dass der Spieler hier nicht allzu talentiert ist. Außerdem zeigt das Video nur äußerst wenig von der Vielfalt, die die Levels bieten können.

YouTube Preview Image

Für das grenzenlose Glück fehlt mir jetzt eigentlich nur noch ein originalverpacktes Esprit für den Atari ST, also dem Vorgänger von OXYD. Falls jemand zufällig darüber stolpert, oder sein eigenes Exemplar für einen guten Preis verkaufen möchte – bitte nicht zögern, E-Mail an mich. Im Idealfall ist noch alles so in der Verpackung wie es verkauft wurde, aber ich nehme auch weniger guterhaltene Spiele. Ich bin mal gespannt, was sich in den kommenden Monaten und Jahren noch so an Gelegenheiten ergeben wird. Vielleicht komme ich ja wirklich noch dazu, einen kleinen Dongleware-Schrein aufzustellen.

Musik

SuccessDenied sucht den Superstar

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Kommen wir nun zu etwas völlig anderem. Heute versuche ich mich als Dieter Bohlen und beleidige irgendwelche wildfremden Leute mit niveaulosen Schmähungen, wie man sie sonst nur auf Hauptschulpausenhöfen zu hören bekommt. Der Titel der Artikels sagt eigentlich fast schon alles. Und das was er nicht sagt, will ich in aller Kürze erklären: Die nächste WIP-Version des Atari ST Remakes SPACOLA ECLIPSE wird (vorerst probeweise) zusätzlich zur Original-Titelmusik von Jürgen Piscol auch noch während des Gameplays Musik bieten, damit es im Pixel-Weltall nicht ganz so still ist. Ja, die neueste Enigma-Version hat mich zu dieser Entscheidung bewegt. In den Originalen von Dongleware gab es aus Gründen der Performance keine digitale Musik während des Spiels zu hören – die 8 MHz des ST reichten gerade so für die Animationen und die Soundeffekte, und schon damals musste Meinolf Schneider programmiertechnisch tief in die Trickkiste greifen, damit bei der begrenzten Hardwareleistung alles flüssig lief. Bei der heutigen Rechenpower ist das keine Herausforderung mehr, da kann man problemlos aus dem Vollen schöpfen und muss sich noch nicht einmal um saubere Programmierung und Optimierungen kümmern.

Ich bin gerade dabei, zu testen, ob Ingame-Musik bei meinem Remake sinnvoll ist und ob ich es dabei belassen werde, wenn es gut zusammenpasst. Offen ist dabei noch sehr vieles, zum Beispiel welche Art von Musik in diesem Fall am besten passt. Daher hier der (zeitlich unbegrenzte) Aufruf: Falls sich jemand unter der halbwegs musikalischen Leserschaft meines Blogs dazu berufen fühlt, dann würde ich mich freuen, wenn er/sie völlig unverbindlich ein wenig basteln und mir kleine Musikstücke oder Soundschnipsel zusenden könnte. Ich bin für alles dankbar. Aber auch diejenigen, die musikalisch nicht so begabt oder aktiv sind, können helfen, indem sie Vorschläge machen. Mit viel Resonanz rechne ich nicht, aber wer weiß schon was sich ergibt.

In meiner Vorstellung passt als Hintergrundmusik eine eher instrumental-meditativ-unaufdringliche, eingängige (monotone), repetitive, also betont wenig melodiöse, rhythmische, elektronische Musik, aber vielleicht lasse ich mich ja durch meine persönliche Präferenz zu sehr beeinflussen. Vielleicht passt wilde Gitarrenmusik oder Hiphop ja doch besser, aber irgendwie bezweifle ich das. Ich denke da zum Beispiel an die musikalischen Klangwelten von Klaus Schulze, Jean Michel Jarre, und Vangelis. Oder gleich was “Chippiges” mit 8-Bit-Charme? Es muss ja gar keine qualitativ besonders hochwertige oder filigrane Komposition sein, denn schon mit recht wenig kann man viel erreichen, wenn es die richtige Stimmung vermittelt. Es sollte eben irgendwie zu dem futuristischen Weltraum-Ambiente passen, vielleicht sogar angelehnt an den Stil der Titelmusik. Ob es etwas Hektischeres oder was Ruhigeres sein sollte, da bin ich mir auch nicht sicher. Vor allem aber sollte es in seinem Gesamtwirken zurückhaltend sein, sich dem Gameplay und den Soundeffekten unterordnen, und das möglichst “seamless”: Also wenn die Musik in Schleife abgespielt wird, wäre es schön, wenn das zumindest nicht unangenehm auffiele. Die ideale Hintergrundmusik müsste so um die 6-7 Minuten lang sein. Länger wird selten jemand in einem Level verbringen. Sinnvoll ist es wohl außerdem, dass es mehrere Songs gibt, die abwechselnd oder je nach Level verwendet werden, und die in Summe gut zueinander passen.

Wenn es funktioniert, und es tatsächlich Einsendungen gibt, dann kann ich die Wahl auch gerne per Voting den Blogbesuchern überlassen. Der Lohn wäre am Ende also die Verwendung DEINER Musik im (hoffentlich irgendwann) fertigen Remake. Nicht mehr und nicht weniger. Geld kann ich keines bieten, weil das Spiel voraussichtlich nichts kosten wird. Und selbst wenn es keine (brauchbaren) Einsendungen gibt, und davon gehe ich aus, dann schaue ich mich einfach selbst mal im Bereich der freien CC-Musik um, und bitte einen fähigen Komponisten höflichst um die Verwendungserlaubnis für seine Werke. Auch hier bin ich offen für Empfehlungen.

Einsendungen am besten per E-Mail an v.hoehnelgmail.com. Kommentare, Vorschläge und Fragen dürfen auch gerne direkt an diesen Artikel angehängt werden. Die ersten Ergebnisse präsentiere ich euch im nächsten WIP-Preview-Video zur Version 0.23 in wenigen Wochen.

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