Film & TV

Television

Retro-Ausflug mit Captain Future

2

captainfuture1Erneut geht ein kleines Fernsehserienerlebnis in meinem Leben zuende, das mir einen kurzen abschließenden Kommentar wert ist. Dieses Mal wollte ich eine Serie aus meiner Kindheit wiederaufleben lassen. Von der japanischen Anime-Serie Captain Future sah ich als Kind nur vereinzelt ein paar Episoden, so dass mir nur sehr blasse Erinnerungen verblieben waren. Wieso also nicht einmal einen detaillierten Blick auf das Gesamtwerk werfen? Nunja, jetzt weiß ich warum. Manche Kindheitsgeschichten sollte man besser dort lassen wo sie hergekommen sind.

Die Zeichentrickserie entstand im Jahr 1978, und fällt damit in eine prominente Kinoära in Sachen Science-Fiction: Star Wars war gerade in den Kinos, an Star Trek: The Motion Picture wurde noch gearbeitet. Nicht mehr ganz aktuell war John Carpenters Dark Star, dafür folgten außerdem der Weltraumschocker Alien und Disneys Das Schwarze Loch. Kurzum, Sci-Fi war bei uns ziemlich angesagt. Vielleicht war das der Auslöser, wieso diese Serie entstand, und wieso das ZDF Captain Future nach Deutschland holen wollte. Einerseits könnte man dem öffentlich-rechtlichen Sender ausnahmsweise mal dankbar sein, andererseits müsste man das ZDF und das Synchronstudio verurteilen, dafür dass es wieder nur für die grotesk falsche Gleichung Zeichentrick = Kinderserie gereicht hat. So wurde aus dem japanischen Original alles herausgeschnitten, was für Kinder irgendwie ungeeignet erscheinen mochte. Die Serie wurde damit ziemlich entwertet.

Als Kind hatte ich wesentlich mehr Freude an der Serie, das muss ich zugeben. Heute fallen mir die vielen Schwächen, die sinnlosen Albernheiten und unlogischen Stellen zu deutlich auf. Schon bei H. G. Wells Time Machine fragte ich mich, wie wahrscheinlich es sein mochte, dass man in 700.000 Jahren in der Zukunft noch Menschen findet, geschweige denn welche, die noch irgendeine unserer Sprachen sprechen. Captain Future treibt diese Idee völlig auf die Spitze: Er reist mal eben 5 Milliarden Jahre in die Vergangenheit, oder 2 Milliarden Jahre in die Zukunft. Und dort hält er ein Schwätzchen mit den menschlichen Einwohnern irgendwelcher Planeten. Ja sicher. Ganz absurd wird es, wenn Captain Future mit Wissenschaftlern darüber diskutiert, ob ein bestimmtes Vorhaben in angemessener Zeit machbar sein wird: “Das dauert doch bestimmt 120.000 Lichtjahre!” – “Nein, das dauert sicher keine 120.000 Lichtjahre!” (sinngemäß). Das Synchronstudio scheint sehr viele Lichtjahre gebraucht zu haben, um einen Astronomie-Grundkurs zu besuchen.

captainfuture2Tatsächlich um Lichtjahre voraus war der tolle Synthi-Soundtrack von Schlagermusiker und ehemaligem GEMA-Jemanden-Abzocken-Aufsichtsrat Christian Bruhn. Wir hatten wirklich großes Glück, dass wir nicht das japanische Original-Intro aufgedrückt bekamen, denn dessen generischer schwermütiger Singsang passte überhaupt nicht zum Thema. Im Gegensatz zur etwas altbackenen Serie ist der deutsche Soundtrack absolut zeitlos. Phil Fuldner erkannte das Potenzial 1998, als er das fetzige Kampfthema der Serie zu dem Elektrohit “The Final” verarbeitete.

Kampf ist übrigens das richtige Stichwort: Häufig kam es in der Serie vor, dass die Future-Mannschaft in einen Kampf verwickelt wird, und als die Kampfmusik gerade einsetzt, liegt der Feind plötzlich tot am Boden. Otto (der Gummi-Androide) kommentiert das Geschehene schließlich so, als habe soeben ein epischer Kampf um Leben und Tod stattgefunden. Bravo! Zugabe! Und wenn es das nicht ist, dann landet Captain Future zum Ende einer Episode auf einem fremden Planeten. Abspann. Die nächste Episode beginnt zu meiner Überraschung damit, dass der Erzähler rückblickend berichtet, wie die Future-Mannschaft von Eingeborenen gefangen wurde, und sie mit dem Häuptling über ihre Freiheit verhandeln mussten etc. Nichts von dem hatte man gesehen. Der Verantwortliche für den Schnitt war hoffentlich stolz auf den Murks, den er da verbrochen hat.

Nein, es ist nicht, dass die Serie schlecht wäre. Ich habe nur festgestellt, dass ich meine Kindheitserinnerungen besser nicht nochmal hätte auffrischen sollen. Zu groß ist die Verärgerung über die vielen Fehler und den miesen Schnitt. Captain Future hat wirklich seine netten Momente, auch wenn der Zeichenstil hin und wieder spürbar schwächelt. Tatsächlich bin ich nur froh, dass ich Captain Future endlich zu den Akten legen, und mich um eine bessere Serie kümmern kann. Ich dachte wirklich, dass mir heute noch alles gefällt, was mir bereits in meiner Kindheit oder Jugend gefiel. Aber dieses Beispiel hat mich davon überzeugt, dass es Ausnahmen gibt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass mich schon damals andere TV-Serien mehr interessiert haben.

Television

Schon mit Ein- und Ausschalten versucht?

6

itcrowd1Es gibt nur wenige Pflichtfernsehserien für Menschen wie mich, die mit Begeisterung im IT-Bereich arbeiten. Eine davon ist “The IT Crowd”, habe ich mir sagen lassen. Die Serie wurde mir bereits 2008 im Original empfohlen, allerdings hatte ich damals zugegebenermaßen nur sehr wenig Ambitionen, mich in die hölzerne Welt der unterschiedlichen britischen Dialekte einzuhören. Im Jahr 2014 entschloss ich mich, der Serie zumindest in der deutschen Synchrofassung doch noch eine Chance zu geben. Originaltonnazis werden mich für diesen Satz nun auf dem Scheiterhaufen brennen sehen wollen, und auch im Freundeskreis wurde mir bereits versichert, dass ich mit dem deutschen Ton mindestens die Hälfte verpasse. Mindestens!

Diese Behauptung halte ich zwar für reichlich übertrieben, auch wenn ich ganz sicher bin, dass einige Gags in die Hose gehen müssen (daran lässt sich nichts ändern), aber zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass sogar ich einige Folgen im O-Ton gesehen habe. Überrascht stellte ich fest, dass es tatsächlich nur wenige vernuschelte Stellen gab, die ich auch nach mehrmaligem Zurückspulen und Lautstärke Erhöhen absolut nicht verstehen konnte. Klar, Untertitel hätten die Sache vereinfacht, aber wenn ich wirklich Untertitel brauche, schaue ich doch lieber gleich mit deutschem Ton. Aber das soll ja nun kein Artikel über Synchros werden, denn meine Meinung hierzu habe ich in älteren Artikeln bereits klargestellt. Hören und hören lassen.

The IT Crowd ist mit seinen 24+1 Episoden eine ungewohnt kurze Britcom über drei Mitarbeiter in der IT-Abteilung im Keller der großen Firma Reynholm Industries. Roy und Moss sind die beiden frustrierten Tastaturakrobaten, die mit ihrem unfreiwillig nerdigen Image unterschiedlich gut umgehen können. Moss ist ein leicht gynophobes Computergenie, ein talentierter Tüftler und Programmierer. Roy dagegen versucht Arbeit zu vermeiden und sucht durchaus die Nähe zu Frauen, vor allem die der hübschen Mitarbeiterinnen im 5. oder 7. Stock. Die Hauptaufgabe des Duos ist der IT-Support, also der mit Abstand undankbarste Job von allen: Tagein, tagaus müssen sie genervten Userinnen und Usern erklären, wie sie ihren abgestürzten Computer wieder in Betrieb nehmen können (“Hallo, IT. Haben Sie es schon mit Ein- und Ausschalten versucht?”). Als Verbindungsglied zur “Außenwelt” bekommen sie vom Firmenchef die neue IT-Abteilungsleiterin Jen vor die Nase gesetzt, die sich zu deren Entsetzen als kompletter DAU erweist. Jen ist eine ehrgeizige Relationship-Managerin, die die Leitung der IT-Abteilung lediglich als Karrieresprungbrett betrachtet. Spannungen sind so vorprogrammiert.

itcrowd2Weitere erwähnenswerte Personen sind der klischeehafte aber freundliche Firmenchef Mr. Reynholm, der ungefähr zur Hälfte abgelöst wird durch seinen sexuell überdrehten Sohn Douglas, der ab da die Geschicke der Firma lenkt. Im dunklen Serverraum der IT-Abteilung haust der freundliche aber notorisch unglückliche Firmen-Goth und “Cradle of Filth”-Fan Richmond, der alleine durch sein Auftreten die Stimmung aller seiner Mitmenschen auf den Boden zieht, und daher die meiste Zeit in seinem kleinen Raum bleiben muss. Mit seiner wirklich überschaubaren Menge an Charakteren ist The IT Crowd ein schöner Kontrast zu Firefly. Den größten Wiedererkennungswert für die Serie wird Moss mit seinem einzigartigen Dreiviertel-Afro haben. Da verwundert es auch nicht, dass man für einen geplanten aber verworfenen US-Ableger der Serie alle Schauspieler ausgewechselt hat – bis auf Richard Ayoade.

Wie schon bei Seinfeld Jahre zuvor, fiel es mir auch bei The IT Crowd zu Beginn nicht ganz leicht, das irrsinnig hohe IMDb-Rating nachzuvollziehen. Im Gegensatz zu The Big Bang Theory sind die Gags hier weniger eng getaktet, was an sich selbstverständlich kein Nachteil ist. Wie erwartet zündet die Serie nach ein paar Episoden schließlich doch noch, sobald man sich an den Humor gewöhnt hat. Allerdings würde es mich ich ein wenig wundern, wenn sich sehr viele Nicht-Nerds für diese Serie begeistern können, denn sie macht auf mich doch einen recht speziellen Eindruck. Gerade The Big Bang Theory zeichnet sich beispielsweise dadurch aus, dass es sehr massenverträglich geschrieben ist, um den Durchschnittszuschauer einzuwickeln.

Filme

Film-Kurzreview: “Nachtzug nach Lissabon”

0

Kitschige Reise zur Selbsterkenntnis

nachtzugnachlissabonDer alleinstehende Gymnasiallehrer Raimund Gregorius (Jeremy Irons) lebt seit Jahren in dem traurigen Bewusstsein, dass er ein langweiliger Mensch ist, bis er auf dem Weg zu einer Unterrichtsstunde eine junge Frau davor bewahrt, von einer Brücke zu springen. Bevor er mehr über sie erfahren kann, läuft sie davon. In ihrer Manteltasche findet er ein geheimnisvolles portugiesisches Buch und eine Fahrkarte nach Lissabon. Kurzerhand entschließt er sich zu einer Reise. Aus dem Buch erfährt er die tragische Geschichte des Mediziners Amadeu, der in den 1970er Jahren, zur Zeit der autoritären Diktatur in Portugal für den Widerstand arbeitete. Raimund besucht in Lissabon Pater Bartolomeu (Christopher Lee), Amadeus Schwester Adriana (Charlotte Rampling) und seinen ehemaligen besten Freund Jorge (Bruno Ganz), mit deren Hilfe er der Entstehung des äußerst seltenen Buches auf den Grund gehen will. Während er versucht, die letzten offenen Fragen in der dunklen Vergangenheit von Amadeu und seinen Freunden aufzuklären, muss er sich gleichzeitig entscheiden, wo sein Platz im Leben sein soll. Dabei will ihm die Optikerin Mariana (Martina Gedeck) helfen.

Der starkino-erprobte dänische Filmemacher Bille August führte bei der Bestsellerverfilmung “Nachtzug nach Lissabon” von 2013 Regie. In dem Film nach dem gleichnamigen Roman von Pascal Mercier findet ein einsamer Lehrer in den geschriebenen Worten des portugiesischen Arztes Amadeu die nötige Kraft, um die Ketten seines betäubenden langweiligen Alltags, dem er sich vor langer Zeit ergeben hat, zu sprengen. Auf seiner erkenntnisreichen Reise durch das Leben des verstorbenen Verfassers hilft er bei der Aufarbeitung einer längst vergessenen Geschichte über Politik, Freundschaft, Liebe und Eifersucht, und findet dabei endlich den Weg zu sich selbst. Eine zufällige Begegnung auf einer Brücke veranlasst Raimund, die Zügel seines eigenen Schicksals selbst in die Hand zu nehmen, und wieder zu leben, statt nur gelebt zu werden.

Die schlechte Nachricht vorweg: “Nachtzug nach Lissabon” trieft geradezu vor Kitsch, und das Motiv der Hauptfigur scheint besonders am Anfang mindestens so undurchsichtig wie unlogisch. Nicht jeden werden die tiefsinnigen Buchzitate, die gelegentlich in den Film eingestreut werden, in philosophische Ekstase versetzen, vielleicht sogar eher abschrecken. Trotz allem sollte man unbedingt einmal versuchen, durch den entsetzlich rührseligen, alles romantisierenden Schleier des Films zu blicken, denn dahinter verbirgt sich ein bewegendes Drama vor einem historischen Hintergrund.

Ohne Frage wurden Jeremy Irons, Christopher Lee und Bruno Ganz auch wegen ihrer Bekanntheit gecastet, aber womöglich schadet diese Besetzung dem Film mehr als sie nützt: Jeremy Irons ist Hauptdarsteller in einer Geschichte, in der er über weite Strecken keine direkte Rolle spielt, und Christopher Lee und Bruno Ganz haben nur wenige Szenen, die von ihrer Erfahrung profitieren könnten. So lenken die berühmten Gesichter eher von der Handlung ab, anstatt ihr den nötigen Kontrast zu verleihen.

Fazit: Mit “Nachtzug nach Lissabon” wurde ein betont melancholischer Film über eine fiktive Begebenheit in einem historischen Kontext im politisch vielleicht problematischsten Kapitel Portugals geschaffen, über den steinigen Weg zur Selbsterkenntnis, ein Film, der sich in seiner erzwungenen, mitunter künstlichen Emotionalität und seiner konfusen Logik leider zu stark gehen lässt. Im Kern aber ist es ein bewegender, wenig alltäglicher Film, der vor allem Hobbyphilosophen und Herbstromantiker ansprechen könnte.

Television

Glühwürmchen mit kurzer Lampenlebensdauer

4

firefly1Der Nachteil, wenn man sich eine Serie mit nur wenigen Staffeln vornimmt: Man ist unverschämt schnell durch. Firefly ist da ein besonders schwerer Fall mit seinen 14 Episoden, die zwischen 2002 und 2003 gedreht wurden. Ich habe mir diese eine kümmerliche halbe Staffel wirklich streng rationiert, aber länger als vier Wochen haben die Vorräte leider nicht gehalten. Nun muss ich mir wieder eine neue Serie suchen, am besten eine mit zehn Staffeln, besser 20. Achtung, Spoiler voraus!

Nachdem ich Joss Whedons Buffy bis zum Ende mitverfolgt habe, hatte ich keine Zweifel daran, dass mir Firefly (deutscher Untertitel: “Der Aufbruch der Serenity”) gefallen würde. Der Kult, der im Internet um die frühzeitig abgesetzte Serie nachträglich entstand, ist ein Paradebeispiel dafür, dass Qualität ungleich Einschaltquote ist, und dass die zentralen Senderinteressen nicht etwa hochwertige Fernsehproduktionen sind, sondern allein Maximierung des Gewinns, egal womit oder wodurch. Ein Prinzip, das bei uns in Deutschland preisverdächtige TV-Perlen wie “Bauer sucht Frau”, “Die Supernanny” und “Deutschland sucht den Superstar” hervorgebracht hat. Millionen Fliegen können sich nicht irren.

Aber zurück zum Thema. Kern der Geschichte ist ein – in einer weit entfernten Zukunft – völlig veraltetes Raumschiff der sogenannten Firefly-Klasse (die Serenity) mit einer Schmugglerbande als Besatzung, die gemeinsam versucht mit riskanten und nicht ganz legalen Jobs über die Runden zu kommen. Die eigentliche Crew, angeführt von dem Kriegsveteranen Malcolm “Mal” Reynolds, der taffen Soldatin Zoë, dem Piloten Wash, dem skrupellosen Söldner Jayne, und der knuffigen Schiffsmechanikerin Kaylee, wird ergänzt durch einige Dauergäste auf dem Schiff: der schüchterne Arzt Simon, seine durchgeknallte Schwester River, der geheimnisvolle Geistliche Shepherd, sowie die angesehene Companion Inara. Für eine so kurze Serie sind das tatsächlich nicht wenige Charaktere.

Dass Joss Whedon mit den einzelnen Figuren ursprünglich Großes vorhatte, lässt sich schnell erahnen. Bei der Romanze zwischen Kaylee und dem Doktor findet keiner von beiden das Gaspedal, bei der Romanze zwischen Mal und Inara bekommen sie noch nicht einmal den Zündschlüssel gedreht. Dass Shepherd vielleicht weit mehr als nur ein Shepherd ist, wird ständig angedeutet. Und dann ist da noch das entflohene Versuchskaninchen River, das von den Drehbuchautoren absichtlich als hilfloses verwirrtes Küken dargestellt wird, damit die Zuschauer im Laufe der kommenden Staffeln dann umso überraschter sind, wenn sie plötzlich zur unbesiegbaren Kampfmaschine wird. Doch es kam leider alles anders, und die Fans bekamen noch nicht einmal ein Staffelfinale. Als kleinen Trost gab es zwei Jahre später, im Jahr 2005, den Kinofilm “Serenity – Flucht in neue Welten”, der die Serie ein bisschen abschließen sollte. Neben den angesprochenen Themen klärt der Film außerdem auf, wer die blutrünstigen Reaver sind und warum sie sind wie sie sind.

firefly2Angesichts der vor allem heutzutage exotischen Genrekombination Sci-Fi mit Western ist das sehr hohe IMDb-Rating von derzeit 9,1 umso verwunderlicher, aber absolut gerechtfertigt. Firefly hatte ein solches Potenzial, und es ist wirklich schade, dass man dieses erst nach seiner Absetzung entdeckt hat. Vor allem von dem ausdrucksstarken Serienstar Nathan Fillion, den ich bereits als Bösewicht aus Buffy und aus “Two Guys and a Girl” kenne, würde ich gerne mehr Hauptrollen sehen. Manches Mal stelle ich ihn mir fast als eine Art Captain(!) Jack Sparrow auf der Serenity vor, nur nicht ganz so exzentrisch. Könnte natürlich auch an der Synchronstimme von Johnny Depp liegen.

Da ich der Serie mit einer oberflächlichen Analyse der Handlung und seiner Symboliken ohnehin nicht gerecht werden könnte, spare ich mir an dieser Stelle den Schmerz und spreche stattdessen eine uneingeschränkte Empfehlung aus. Firefly ist kurz, verdammt kurz, aber wirklich gut. Offenbar ist Joss Whedon sogar daran interessiert, sich die Rechte an Firefly irgendwie zurückzukaufen und (möglicherweise mit Hilfe von Crowdfunding) eine Fortsetzung der Serie zu produzieren. Darauf kann ich eigentlich nur hoffen, ähnlich wie beim geplanten Spielfilm zu Veronica Mars. Und überhaupt, wenn Chris Roberts für ein vages Weltraumspiel bei Kickstarter über 34 Millionen Dollar zusammenbekommt (und daher schon gar nicht mehr weiß, was er sonst noch alles an Erweiterungen ankündigen soll) dann wird Whedon wohl eine Kultserie wie Firefly wiederauferstehen lassen können – und das wahrscheinlich noch für einen Bruchteil des Star Citizen Budgets.

Filme

Film-Kurzreview: “Seelen”

3

Nehmt euch ein Zimmer

seelenDie Menschheit hat ein Problem: Außerirdische übernehmen nach und nach die Körper aller Menschen, und auf die letzten Überlebenden wird – unter der Leitung der “Sucherin” (Diane Kruger) – systematisch Jagd gemacht. Eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern, zu der auch die junge Melanie (Saoirse Ronan) und ihr Freund Jared (Max Irons) gehören, will sich die Erde zurückerobern. Bei dem Versuch ihren kleinen Bruder vor einer Patrouille zu schützen, wird Melanie geschnappt und ihr Körper von einem außerirdischen Wesen, dem “Wanderer”, beseelt. Mit seiner Hilfe sollen ihre Gedanken ausgehorcht und so das Versteck der letzten Menschen gefunden werden, doch Melanie, jetzt Gefangene in ihrem eigenen Kopf, gelingt es, den Wanderer zur Flucht zu überreden. In Gestalt von Melanie wird der Wanderer im Versteck ihres Onkels Jeb (William Hurt) misstrauisch empfangen. Weil viele den Verlust von Melanie bedauern, bauen sie eine Freundschaft zu “Wanda”, wie sie nun genannt wird, auf. Jared fühlt sich betrogen als Wanda und der verwegene Ian (Jake Abel) schließlich Gefühle füreinander entwickeln. Doch das sind Nebensächlichkeiten als die Sucherin das Versteck aufspürt.

Die Idee, dass uns Außerirdische besuchen und in Gestalt unserer Mitmenschen auf der Erde wandeln, ist in Kreisen der Filmemacher so neu freilich nicht. In dem Kult-Horrorstreifen “Die Körperfresser kommen” wird die Thematik als prominentes Beispiel fantastisch in Szene gesetzt. Der Regisseur Andrew Niccol versucht sich mit der Verfilmung des von der Vampirschmachtreihe “Twilight” bekannten Bestsellerautorin Stephenie Meyer geschriebenen “Seelen” an einer cineastischen Vermischung besagten Horrorszenarios mit der irrationalen, hormongesteuerten Welt der Teenagerliebe – also genau dasselbe (Erfolgs-)Konzept wie schon bei Twilight. Anstatt dem Vampirfilm-Genre ein ums andere Mal mit Begeisterung die spitzen Zähne abzufeilen, wird hier zur Abwechslung Liebe zwischen Menschen und Außerirdischen propagiert.

Elementarer Baustein der Handlung ist Melanies Schizophrenie, die eine gewisse Vielschichtigkeit und einen nervenaufreibenden Machtkampf der beiden Identitäten andeutet, sich aber schon nach kurzer Zeit darauf beschränkt, in welchen Jungen Melanie bzw. Wanda nun eigentlich verliebt sein darf. Ihr innerer Widerstand gegen den Eindringling resultiert zwar in einer Vielzahl an durchaus interessanten Mono-/Dialogen, doch in vielen Szenen gehen mir ihre durchdringenden Zwischenrufe aus dem Off, die über ein “Lass das!” oder “Hör auf damit!” selten hinausgehen, eher auf die Nerven. Immerhin begibt sich der Film in philosophische Tiefsinnigkeit über die destruktive Natur des Menschen und – angesichts der Tatsache, dass es um die Spaltung bzw. Verbindung von Körper und Geist geht – die Frage, was denn eine Person grundsätzlich ausmacht. Dies gelingt ausgesprochen gut.

Für die jungen Hauptcharaktere aus dem Film scheint es nur wenig Romantischeres als eine Alien-Invasion auf der Erde zu geben, denn anders kann man sich kaum erklären, wieso Melanie/Wanda ständig dabei ist, mit den Herren der Schöpfung herumzuknutschen. Das sind wohl die Stellen, an denen man sich kurz selbst daran erinnern müsste, dass “Seelen” auch ein Liebesfilm ist, denn er kann das mit seinem Setting recht gut kaschieren, selbst wenn das nicht seine Absicht ist. Die sterile emotionslose Gesellschaft der menschgewordenen Außerirdischen entführt schnell die Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Saoirse Ronan, bekannt unter anderem aus Peter Jacksons Drama “In meinem Himmel” und dem Thriller “Hanna”, blüht in der Rolle der roboterhaften Wanda verständlicherweise nicht immer auf, dafür besteht andererseits auch keine Gefahr, dass sie die Figur überspielt. Ihre durchaus sehenswerte Leistung muss sich hier mit einem William Hurt und einer Diane Kruger vergleichen lassen, die viel von ihrem Handwerk verstehen und das auch so rüberbringen, was nur zum Vorteil von “Seelen” ist. Der Soundtrack von Antonio Pinto gehört nicht zu seinen besten, übertrifft aber noch bei weitem die Klasse, die für einen solchen Film nötig ist.

Fazit: Nicht überall wo Stephenie Meyer draufsteht, sind auch Vampire drin: “Seelen” ist eine gutgemachte, einigermaßen glaubwürdige, wenn auch reichlich pubertäre Genre-Mixtur nach bewährtem Rezept. Der Schwenk von bekanntem Fantasy-Terrain hin zu typischer Science-Fiction ist kein Reinfall und auch keine Offenbarung, aber es ist schön zu sehen, dass man sich gelegentlich auch noch Experimente zutraut.

Filme

35 legale Filme von netzkino.de

0

netzkino.de Vor einigen Monaten schon berichtete ich über ein kostenloses bzw. werbefinanziertes legales deutsches Filmstreaming-Portal, dessen Jugendschutz-Restriktionen im besten Fall peinlich sind. In dümmlichstem “CNetz”-Gutmenschentum werden dort Filme, die keine Jugendfreigabe haben, erst ab 23 Uhr gestreamt, und nur bis 6 Uhr morgens. Für die einen ist es “nur” Entmündigung erwachsener Bundesbürger, allein damit Jugendliche (die um diese Zeit ohnehin ins Bett gehören) nicht noch versehentlich einen Horrorfilm anklicken, für die anderen ist es Internetkrebs, der früher oder später Metastasen erzeugt und wahrscheinlich im Endstadium sowas wie Ladenöffnungszeiten im Internet hervorbringt. Aber andererseits schaut man einem geschenkten Gaul bekanntermaßen nicht ins Maul.

Im folgenden nun eine Liste von 35 Filmen, die ich in den letzten paar Monaten legal auf netzkino.de komplett angesehen habe, chronologisch aufsteigend sortiert. Manche davon sind wirklich gut, andere sind ziemlicher Schund. Insgesamt habe ich schon so halbwegs darauf geachtet, die ganz schlimmen Gurkenfilme zu vermeiden, und stattdessen weitestgehend (mit Ausnahmen) die filmischen Rosinen herauszupicken. Also nur falls sich nun jemand fragt, was die dort denn noch so alles anbieten. Um das mal in Kennzahlen auszudrücken: IMDb-Ratings von unter 4.0 findet man da sehr häufig. Was tut man nicht alles, um sein filmisches Wissen zu erweitern.

  1. Clockwise – In letzter Sekunde (1986)
  2. Five Corners – Pinguine in der Bronx (1987)
  3. City of Sex (1988)
  4. Dead Ringers – Die Unzertrennlichen (1988)
  5. Time to kill (1989)
  6. Wings of Freedom (1989)
  7. The Bloody Cottage in the Forest (1991)
  8. No Surrender – Schrei nach Gerechtigkeit (1992)
  9. Unter Haien in Hollywood (1994)
  10. Amy Foster – Im Meer der Gefühle (1997)
  11. Der Musterschüler (1998)
  12. Future Sport (1998)
  13. Lieber gestern als nie (1998)
  14. Permanent Midnight – Voll auf Droge (1998)
  15. Animal Farm (1999)
  16. Ich liebe Dick (1999)
  17. The Runner (1999)
  18. Animal Factory (Rache eines Verurteilten) (2000)
  19. Ordinary Decent Criminal (2000)
  20. The 6th Day (2000)
  21. Love Bites (2001)
  22. Waking up in Reno (2002)
  23. Kids in den Strassen New Yorks (2006)
  24. Noise (2007)
  25. 3 und raus! (2008)
  26. Edison & Leo (2008)
  27. Pontypool (2008)
  28. Strictly Sexual – Endlich Sex!!! (2008)
  29. A fork in the road (2009)
  30. Jack im Reich der Riesen (2010)
  31. Absentia (2011)
  32. Michael (2011)
  33. Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte (2011)
  34. We need to talk about Kevin (2011)
  35. Gedemütigt in Ketten – Nackt und hilflos (2012)
Television

Zu den riesigen Nebenwirkungen

2

scrubs1Erinnert sich noch wer an “Biing!” und “Theme Hospital”? Beides leider nicht besonders bekannte Krankenhaussimulationen, aber beide gehen das eigentlich sehr ernste Thema Krankheit bzw. Krankenhaus auf eine sehr humoristische Weise an. Während es in Bullfrogs Aufbauspiel, wie der Name schon sagt, um den Aufbau, also die räumliche Komponente ging, war Biing! eine reinrassige Wirtschaftssimulation, in der man sich hauptsächlich mit den Finanzen beschäftigte – und mit den heißen Krankenschwestern.

Aber ich wollte ja gar nicht schon wieder auf irgendwelche Spieleklassiker zu sprechen kommen. Trapper John M.D., Grey’s Anatomy, Dr. House, General Hospital, Doogie Howser M.D., St. Elsewhere, Emergency Room – die Liste der Krankenhaus- bzw. Arztserien ist heute nicht mehr allzu kurz. Auch in der von mir vor drei Jahren besprochenen Serie “Becker” mit Ted Danson in der Hauptrolle geht es um einen verbitterten Allgemeinmediziner und seine kleine Arztpraxis. Doch wahrscheinlich in keiner dieser Serien ist die Spanne zwischen Albernheit und Ernst so groß wie in Scrubs – Die Anfänger.

Warum ich mir nun ausgerechnet jene Serie anschauen wollte, ich weiß es nicht mehr. Tatsächlich war ich eigentlich nie über die Maßen begeistert, wenn mal eine Episode auf Pro7 lief. Aber bekanntlich lässt sich leicht lästern, wenn man die einzelnen Folgen ohne Gesamtzusammenhang und ohne Charakterentwicklung nebenher anschaut. Als mir Scrubs dann schließlich zum drölften Mal empfohlen wurde, da nahm ich das Angebot einfach an. Zum einen kann ich mich hinterher wieder einer Sci-Fi-Serie widmen, da mein “Ausflug” hiermit vorerst beendet ist, zum anderen sind Serien doch immer besser, wenn man von Anfang an dabei ist.

Scrubs umfasst neun Staffeln, von denen man die ersten acht Staffeln als die Hauptserie betrachten kann, da sie im fiktiven Sacred Heart Hospital spielen und alle Hauptfiguren permanent dabei sind. Die neunte Staffel hat viele Charaktere eingebüßt und spielt an einem Universitätskrankenhaus, das auf dem Grundstück des abgerissenen Serienkrankenhauses errichtet wurde, wenn ich das richtig verstanden habe. Zudem gibt es eine zwölf Episoden umfassende Webserie namens Scrubs: Interns, die parallel zur achten Staffel spielt.

scrubs2Die drei Hauptcharaktere sind John “J.D.” Dorian und sein bester Freund Chris Turk, sowie Elliot Reid, die gemeinsam ihr Medizinstudium abgeschlossen haben und als Assistenzärzte in besagtem Krankenhaus ihre Medizinerkarriere beginnen. Unterstützt (oder behindert) werden sie dabei von der Krankenschwester Carla Espinosa, Chefarzt Dr. Kelso und dem soziopathischen Stationsarzt Dr. Cox. Bereits früh in der Serie zeichnen sich die viel zu offensichtlichen Charakterpairings J.D.-Elliot und Turk-Carla ab. Während letztere quasi die ganze Serie hindurch zusammen sind, entwickeln J.D. und Elliot eine ermüdende On-Off-Beziehung, die schwer nachvollziehbar ist, da J.D. sich in jeder Hinsicht als beziehungsunfähig erweist, weil er nur haben will, was er im Moment nicht haben kann.

Einen besonderen Bezug scheint Scrubs zur Sitcom “Friends” zu haben, was mir aufgefallen ist, weil mit Matthew Perry und Courteney Cox in jeweils unterschiedlichen Episoden zwei Friends-Stars eine Gastrolle hatten. Außerdem wurde in einer Folge erklärt, dass im Krankenhaus ein Dr. Ross und eine Dr. Rachel arbeiten. Andererseits gibt es mit Courteney Cox und Jordan (der Freundin von Dr. Cox) auch einen Bezug zur Serie “Cougar Town”. Über einen Auftritt von Michael J. Fox als Dr. Kevin Casey habe ich mich sehr gefreut.

Der namenlose Hausmeister von Scrubs entzückt auf seine verschrobene und rücksichtslose Art viele Fans der Serie. Auch ich fand ihn zu Anfang ganz witzig, fand aber ebenso, dass er sich über die acht Staffeln irgendwann als Running Gag stark abnutzt. Überhaupt finde ich, dass der Humor der Serie mit der Zeit langweilig wird. Die größte Besonderheit macht meines Erachtens aber aus, wie gut die Serie die Balance zwischen albernem Witz und Dramatik bei Todesfällen hält. Tatsächlich gibt es da eine denkwürdige Episode, in der einem hoffnungslosen Patienten die Angst vor dem Tod genommen werden soll, und worin sachlich erklärt wird, wie das Sterben im Allgemeinen abläuft. Es ist beeindruckend zu sehen, wie souverän Scrubs mit so einem schwierigen Thema umgehen kann.

Filme

Film-Kurzreview: “Die Legende von Pinocchio”

0

Nette Kinderbuchverfilmung mit unheimlicher Puppe

legendevonpinocchioAls dem einsamen Puppenschnitzer Gepetto (Martin Landau) im Wald scheinbar zufällig ein Holzklotz vor die Füße fällt, beschließt er, daraus eine neue Holzpuppe zu schnitzen. Pinocchio (Jonathan Taylor Thomas), wie er die liebevoll gefertigte Marionette tauft, wird kurz darauf lebendig, und stellt das Leben des überraschten Gepetto gehörig auf den Kopf. Angetrieben von seiner schrecklichen Neugier und dem Wunsch, ein richtiger Junge zu werden, bringt Pinocchio seinen Vater in haarsträubende Situationen, und schließlich sogar vor die Anklagebank. Um einer langen Gefängnisstrafe zu entgehen, überlässt Gepetto dem windigen Geschäftsmann Lorenzini (Udo Kier) seine einzigartige Holzpuppe, der mit Hilfe dieser neuen Attraktion das große Geld machen will. Gepettos Jugendliebe Leona (Geneviève Bujold) kann ihn davon überzeugen, gemeinsam nach Pinocchio zu suchen. Dieser treibt sich inzwischen in einem merkwürdigen Vergnügungspark herum…

Steve Barron führte bei dieser Realverfilmung von 1996 Regie. Das Kinderbuch des italienischen Schriftstellers Carlo Collodi erlangte erst mit Hilfe des zweiten abendfüllenden Zeichentrick-Kinofilms der Walt Disney Pictures breite internationale Berühmtheit. Schon mindestens drei Generationen dürfte Pinocchio bekannt sein als verzauberte Marionette, die keine Fäden hat und die lieber ein richtiger Junge als ein Holzspielzeug wäre. Und dafür, dass seine Nase länger wird, wenn er lügt. Barrons Inszenierung orientiert sich stärker an der übersichtlicheren, etwas friedlicheren Disney-Fassung als am Buch. Um einen schwachen Versuch von Romantik in den Film einzubringen, wurde die Figur der Leona entworfen. Gepetto, der sich unbedingt einen Sohn wünscht, und Leona nehmen somit gemeinsam die Elternrolle für Pinocchio ein.

Jim Hensons Name gilt in der Branche üblicherweise als Gütesiegel für hochwertige Puppeneffekte, doch muss man Pinocchio vielleicht einfach als Ausnahme von der Regel betrachten: Das einzig Überzeugende an ihm ist die Mimik, allerdings wirkt das auf Erwachsene weniger süß als mehr unheimlich. Pinocchios betont menschliche Erscheinung leidet ein wenig am “Uncanny Valley”-Effekt. Sein Aussehen und seine Bewegungen wirken nicht künstlich genug für die Augsburger Puppenkiste, und nicht menschlich genug für ein Kind. Die Kombination aus Stop-Motion-, Bluebox- und animatronischen Effekten wirkt nicht billig, aber andererseits auch nicht allzu beeindruckend. Computergrafik wurde hauptsächlich für die animierte Grille Pepe verwendet. Jene Szenen entsprechen zwar irgendwo dem Stand der Technik von 1996, wirken aber dennoch sehr aufgesetzt und entbehrlich, schon da Pinocchio mit der Grille nicht richtig interagiert.

Schauspielveteran Martin Landau holt wahrscheinlich das Bestmögliche aus seiner Rolle heraus, und so sind Gepetto und Lorenzini die beiden stärksten Charaktere des Films. In die Rolle des letzteren schlüpft der bekannte B-Movie-Kultdarsteller Udo Kier, der mit seiner exzentrischen undurchsichtigen Ausstrahlung eigentlich dafür prädestiniert ist, als Bösewicht gecastet zu werden. Seine beiden Handlanger, ähnlich wie im Buch als Fuchs und Katze dargestellt, werden gespielt von Hollywood-Hampelmann Rob Schneider und Bebe Neuwirth, und bringen der Besetzung entsprechend eine eher alberne Komponente in den Film ein. Geneviève Bujold hat nur einige wenige Szenen, die kaum der Rede wert sind. Musikalisch bekommt der Film mit Stevie Wonder und Brian May etwas prominente Unterstützung. Leider kommen die Songs, ebenso wie der Score von Rachel Portman im Film sehr wenig zur Geltung.

Fazit: Steve Barrons Pinocchio ist ein fast rücksichtsloser Frechdachs, den man womöglich eine Spur kindgerechter hätte gestalten sollen. Einige Schwächen und Logikschnitzer muss man dem Drehbuch ebenso verzeihen, wie etwa die Szene, in der Pinocchio vom Wal verschluckt wird, und seinen Ziehvater absurderweise genau in diesem Wal vermutet. Bleibt nur zu sagen, dass “Die Legende von Pinocchio” vielleicht nicht gar so zauberhaft wie sein Disney-Pendant ist, aber allemal ein netter, leicht verdaulicher Kinderfilm, der ohne viel Spannung auskommt.

Filme

Film-Kurzreview: “Rubinrot”

0

Zwei Edelsteine auf Zeitreise

rubinrot altSchulstress, Pickel oder Liebeskummer sind für die rebellische Gwendolyn (Maria Ehrich) eigentlich das kleinste Problem. In ihrer sonderbaren Familie dreht sich alles nur um ihre bornierte Cousine Charlotte (Laura Berlin). Während sämtliche Familienmitglieder schon sehr gespannt darauf warten, dass sich ein vererbter Gendefekt bei Charlotte endlich in Form einer Zeitreise bemerkbar macht, stellt Gwendolyn entsetzt fest, dass eigentlich sie die Trägerin dieses Gens ist, und findet sich prompt im London des frühen 20. Jahrhunderts wieder. Soweit alles ganz normal. Gezwungenermaßen als Ersatz für ihre Cousine wird die völlig unvorbereitete Gwen von einer zwielichtigen Zeitreise-Sekte für eine geheime Mission rekrutiert. Gemeinsam mit dem gutaussehenden Gideon (Jannis Niewöhner) soll sie – der Rubin – dabei helfen, das Blut von zwölf Zeitreisenden in einer Zeitmaschine zu sammeln, um eine Prophezeiung zu erfüllen. Allerdings scheint das mit der Prophezeiung nicht jeder für eine gute Idee zu halten…

“Rubinrot” ist eine diesjährig veröffentlichte deutsche Filmproduktion von Felix Fuchssteiner, eine Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen Jugendroman von Kerstin Gier. Zeitreisen stellen das zentrale Thema der Geschichte dar, daneben wie erwartet Liebe und das Erwachsenwerden mitten in London. Gwendolyn ist in dem Film die Auserwählte, die nicht auserwählt werden wollte, und so wird sie in ein Abenteuer geschickt, das sie initial weder versteht noch unterstützt. Das Problem mit dem Zeitreise-Hintergrund der Handlung ist, dass dieser viel Potenzial bietet, wie es schon von einigen berühmten Filmwerken wirklich gut auf die Leinwand gebracht werden konnte, was dann auch eine unbewusste (vielleicht ungerechte) Erwartungshaltung erzeugt. Tatsächlich werden Zeitreisen hier unspektakulär und unproblematisch dargestellt. Dass eine Zeitreise in die Vergangenheit etwa Auswirkungen auf die Gegenwart haben könnte, wird zwar erwähnt, aber es wird leider versäumt, dies überhaupt in irgendeiner Szene zu demonstrieren. Eine Zeitreise ist hier einfach eine Reise an einen eigentlich unzugänglichen Ort.

Etablierte und überzeugende deutsche Filmschauspieler wie Josefine Preuß, Gottfried John und Veronica Ferres bilden einen angenehmen Kontrast zu den Nachwuchstalenten, und zu der für das deutsche Kino gewohnt mäßigen Schauspielqualität. Der Film ist bemüht, sich auf alltagssprachlichem, jugendlichem Niveau zu bewegen, bringt aber vereinzelt merkwürdige Dialoge hervor, die zu den Charakteren nicht so recht passen wollen. So wie die etwas unglaubwürdigen Textzeilen von Gwens Schulfreundin Leslie, die sich in ihrer Darstellung gerade noch mit GZSZ messen kann. Jannis Niewöhners Darbietung des abenteuerlustigen Zeitreisepartners Gideon kann sich dagegen sehen lassen. Die historischen Kostüme und Sets wirken sehr authentisch. Auch sind die Kampfszenen von Gideon einigermaßen gut choreographiert. Als tolle Idee nahm ich die Begegnung von Gwen mit ihrem längst verstorbenen Großvater zur Kenntnis, der ihr zu Lebzeiten bei einer ihrer Zeitreisen noch begegnet ist, er also als einziger früher über ihren genetischen Umstand Bescheid wusste. Leider ist diese Szene so kurz, dass sie kaum ihre Wirkung entfalten kann.

Ohne sich zuvor mit der Thematik der literarischen Vorlage oder ihres Umfangs vertraut zu machen, ist spätestens nach der Hälfte der Spieldauer klar, dass es auf eine mehrteilige Filmreihe hinausläuft. Längst zuviele Charaktere, zuviele angedeutete Verschwörungen, und bei weitem zuviele Geheimnisse und unentdeckte übernatürliche Fähigkeiten werden in die Handlung eingeführt. So ist es dann auch keine Überraschung, dass “Rubinrot” sich zum Finale hin gar nicht bemüht, Licht ins Dunkel zu bringen, sondern den Zuschauer mit einem halbgaren Ende und zum Abspann mit jeder Menge offener Fragen sitzen lässt.

Fazit: Der Film reißt eine ganze Reihe mehr oder weniger okkulter Bereiche im Zusammenhang mit einem uralten Geheimbund an, darunter Geister, Telekinese, Gedankenlesen, Magie und Zeitreisen. Diese Fülle an klassischen Fantasy- und Science-Fiction-Elementen wirkt dick aufgetragen und unterstreicht in diesem Fall: Weniger ist manchmal mehr. So scheint “Rubinrot” ein bisschen wie eine verquere Mischung einer zeitreisenden Harry Potterin und Twilight ohne Vampiren und Werwölfen zu sein. Dennoch funktioniert der Film als Liebesgeschichte mit klischeeträchtigem Finale, das versucht zwei Streithähne in Turteltauben zu verwandeln, sogar ganz gut.

Television

Mars Investigations gegen den Rest der Welt

0

veronicamars1Kristen Bell hat am selben Tag Geburtstag wie ich, nur eben feiert sie schon vier Jahre länger. Ganz nebenbei ist sie auch unter Garantie die schönste nerdige Frau der Welt, was sie nicht zuletzt in dem Film “Fanboys” unter Beweis stellen konnte. Aber das war gar nicht der Grund, wieso ich mir kürzlich die drei Staffeln der schon etwas älteren Teenager-Detektivserie Veronica Mars angesehen habe. Eigentlich wurde mir die Serie wegen ihrer raffinierten Handlung und den spannenden Rätseln empfohlen. Dass die gleichnamige Figur in der Serie dann auch noch ein echter Hingucker ist, das macht die Sache natürlich noch viel angenehmer.

Die Serie wurde von 2004 bis 2007 produziert und leider nach drei Staffeln wegen schlechter Quoten viel zu früh abgesetzt. Jede Staffel stellt dabei einen abgeschlossenen Handlungsrahmen für einen besonders großen Kriminalfall dar, in jeder Episode geht es außerdem um einen kleineren Fall, der meist innerhalb der Episode aufgeklärt wird. Dass es sich um eine Detektivserie handelt, in der es vorwiegend um Teenager geht (obwohl die Darsteller ganz offensichtlich allesamt Mittzwanziger sind), sollte beim geneigten Zuschauer allerdings besser nicht den Eindruck enstehen lassen, dass es hier ausschließlich um unschuldigen Kinderkram geht. Oftmals geht es gerade Richtung Ende einer Staffel wenig zimperlich zu.

Veronica Mars ist Schülerin an der Neptune High und Tochter des Privatdetektivs und ehemaligen Sheriff Keith Mars. In ihrer Freizeit greift sie ihrem Vater in seiner Kanzlei “Mars Investigations” ein wenig unter die Arme und ermittelt in den “harmloseren” Fällen, die sich nicht selten als doch nicht so harmlos herausstellen. Beide sind in der Stadt wenig beliebt, da Keith Mars in seiner Zeit als Sheriff einige angesehene und wohlhabende Leute des Mordes verdächtigt hat. In der Folge musste er seinen Schreibtisch räumen und seine Brötchen künftig auf andere Weise verdienen. Dass Veronicas Mutter sich bereits früh aus dem Staub gemacht hat, macht das Leben für die talentierte Nachwuchsdetektivin nicht leichter. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es in Neptune offenbar eine tiefe soziale Kluft zwischen den reichen Kids und den anderen gibt. Veronica gehört zwar zu den anderen, schert sich aber eigentlich nicht um solche Kleinigkeiten, weswegen sie auch von beiden Gruppen nicht sonderlich viel Sympathie bekommt.

In der ersten Staffel geht es um den Mord an Veronicas bester Freundin Lilly Kane – und gleichzeitig Schwester ihres Ex-Freundes Duncan. Der Mord wurde zwar aufgeklärt und der Mörder hinter Schloss und Riegel gebracht, jedoch findet Veronica einige Ungereimtheiten. Sie schafft es, ihren Vater, der wegen dieses Falls seinen Job und sein Ansehen verlor, zu überzeugen, sich die alten Akten noch einmal anzusehen.

In der zweiten Staffel stürzt ein Bus mit einigen Schülern von einer Klippe ins Meer. Fast alle Insassen sterben bei dem Unfall. Der Busfahrer litt angeblich unter Depressionen und wollte so seinem Leben ein Ende machen. Die Familie des verstorbenen Busfahrers wird seither terrorisiert. Da der unfähige Sheriff Don Lamb lieber Fälle zu den Akten legt als die Wahrheit zu suchen, wird Veronica gebeten, sich den mysteriösen Unfall genauer anzuschauen.

veronicamars2Staffel drei hebt sich von seiner Struktur ein wenig von den vorhergehenden Staffeln ab. Primär geht es darum, dass Veronica – jetzt Studentin am College – den Fall eines Serienvergewaltigers am Campus untersucht. Darüber hinaus beobachtet Keith Mars die Machenschaften der kriminellen Fitzpatrick-Familie. Nach einem unglücklichen Vorfall wird Keith Mars kurzerhand wieder zum Sheriff ernannt, und als Veronica bei ihrer eigenen Detektivarbeit an den richtigen Stellen herumschnüffelt, muss er schließlich gegen seine eigene Tochter ermitteln.

Veronica Mars bekommt in manchen Episoden einen leichten Touch von Columbo oder Miss Marple, zumindest scheint es so, als ließe man sich davon inspirieren. Veronica ist regelmäßig in der Situation, die Ahnungslose zu mimen, die Schusselige zu spielen, in Tränen auszubrechen um jemandes Herz zu erweichen, um dann schließlich knallhart und kalkuliert vor allen Leuten die Bombe platzen zu lassen, und den Tathergang in sämtlichen Einzelheiten zu rekonstruieren – zur Verblüffung der überführten Täter. Dass sie praktisch von aller Welt mehr oder weniger gehasst oder verachtet wird, zwingt sie dazu, sich einen harten emotionalen Panzer und eine gewisse Verschrobenheit bzw. einen bissigen Zynismus zu entwickeln, mit dem sie die Leute zusätzlich aus der Reserve lockt.

Als die Serie nach der dritten Staffel abgesetzt wurde, unternahmen die Verantwortlichen noch einige Versuche, den Sender umzustimmen, sogar eine viertelstündige Pseudo-Vorschau auf die 4. Staffel wurde gedreht, in der Veronica endlich ihr Praktikum beim FBI aufnimmt und bei den “großen Jungs” mitmischt. Potenzial gab es wirklich viel, aber Verständnis auf der anderen Seite leider wenig. Zum Revival kam es nicht mehr. Immerhin scheint es dank Kristen Bell und Kickstarter im kommenden Jahr einen Spielfilm zu geben, den ich mir definitiv ansehen werde.

nach oben