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Es ist ein absolut denkwürdiger Moment für Science-Fiction-Fans. Heute ist einer dieser Momente, die verloren sein werden in der Zeit, so wie Tränen im Regen. Heute ist Der Blade Runner-Tag, der 20. November 2019. Im Film „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahr 1982, mit Harrison Ford, Rutger Hauer und Sean Young, wird der Polizist Rick Deckard auf die Jagd nach vier gefährlichen, künstlichen Menschen geschickt, die er allesamt in den Ruhestand schicken soll. Nur 37 Jahre nach Entstehung des Films hat uns dessen fiktive Zukunft endlich eingeholt. Das Original spricht zwar nur vom November 2019, doch im Nachfolger „Blade Runner 2049“ wird das Datum der ersten Begegnung von Deckard mit der Replikantin Rachael bei der Tyrell Corporation präzisiert. Es ist also der heutige Mittwoch. Blade Runner ist JETZT.

Links „Blade Runner“ (1982), rechts „Blade Runner 2049“ (2017)

Im stets verregneten, düsteren Los Angeles des Novembers 2019 gibt es Schwebewagen, gewaltige Hightech-Pyramiden, feuerspeiende Schornsteine, und animierte Reklame-Displays so hoch wie Wolkenkratzer. Vielleicht war die Zukunftsvision des Films etwas zu optimistisch, aber das lässt uns an seiner Qualität nicht zweifeln. Blade Runner basiert auf dem Buch „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968. Wer dem Film vorhalten möchte, dass er etwas aus der Zeit gefallen sei, der sollte mit dem Buch gar nicht erst anfangen. Ridley Scott hat aus dem ursprünglichen Text rausgeholt, was irgendwie sinnvoll erschien und daraus etwas Beispielloses geschaffen.

Nicht einfach nur als Film, vielmehr als episches, preisgekröntes Meisterwerk der Filmgeschichte, bietet Blade Runner in meinen Augen Vollendung in Bild und Ton, mit einer Atmosphäre, die dichter kaum sein könnte. Der außergewöhnliche Film setzte atmosphärisch, visuell, stilistisch, tricktechnisch und sogar musikalisch vielleicht nicht unbedingt neue Maßstäbe, aber in jedem Fall mindestens neue Akzente. Allein die ersten Minuten der Einleitung werden Zweifler von der Qualität überzeugen. Der Regisseur und Special-Effects-Guru Douglas Trumbull hat für Ridley Scott seinerzeit eine lebende, atmende, finster-dystopische Stadt erschaffen, dunkel wie die Nacht und gleichzeitig hell erleuchtet, die zu den atemberaubenden, verträumten Synthesizer-Klängen von Vangelis die Zuschauer beinahe zur Ehrfurcht verleitet und sich ins Gedächtnis einbrennt. Blade Runner wurde zum Cyberpunk-Vorbild für viele modernere Werke, unter anderem „Ghost In The Shell“, „Das Fünfte Element“ und „Matrix“.

In Blade Runner klebt der Schmutz und der Müll auf den regenüberfluteten Straßen, die Strahlung hat weite Teile der Erde unbewohnbar gemacht, die meisten Tiere sind ausgestorben, die Armut ist allgegenwärtig und steht den zerlumpten Menschen ins Gesicht geschrieben. Wer es sich leisten konnte, hat die Erde in Richtung der reicheren Kolonien längst verlassen. Als starker Kontrast befinden wir uns trotz des Elends in einer Gesellschaft der Hochtechnologie. Videotelefone stehen an jeder Ecke, futuristische Autos fliegen kreuz und quer über der Stadt, Laser-Scanner sind quasi Standardausstattung in jedem noch so heruntergekommenen Laden. Die Tyrell Corporation ist durch die Herstellung von Replikanten (künstliche Menschen; Androiden im Buch) zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt geworden. Replikanten werden als unfreie Arbeiter in den Kolonien eingesetzt und sind auf der Erde verboten. Die dunkle Welt von Blade Runner ist wunderschön und abgrundtief hässlich zugleich.

Zugegeben, als Kind verkannte ich die immense Qualität des Films, so wie Blade Runner auch vom Publikum und von den Kritikern zunächst weitgehend unterschätzt wurde. Heute gilt er unter Cineasten unbestritten als Kultfilm. Seit Jahren schmückt ein Nachdruck des Kinoplakats mein Wohnzimmer. Der Film wirft einige spannende philosophische Fragen auf, zum Beispiel, was das Menschsein eigentlich ausmacht, ob künstlich erschaffene Menschen versklavt werden dürfen, und was passiert, wenn etwas menschlicher als der Mensch ist. Doch darauf einzugehen, überlasse ich lieber den Experten, denn dafür bin ich sicher nicht qualifiziert genug. Meine Wertschätzung gilt insbesondere dem großartigen Soundtrack und dem „Neo-Noir“ Stil des Films und seiner Bedeutung für Hollywood.

Los Angeles, heute

Leider wird dieser besondere Tag überschattet vom kürzlichen Tod des brillanten niederländischen Charakterdarstellers Rutger Hauer, der den Replikanten Roy Batty im Film als eine seiner ersten und insgesamt bekanntesten Filmrollen spielte. Hauer verstarb bereits am 19. Juli 2019 und kann diesen Moment bedauerlicherweise nicht mehr mit uns erleben. Als kleine Anekdote hier der gern erwähnte Hinweis, dass er selbst die ikonische, finale „Tears in Rain“-Monologzeile komplett improvisiert hat. Ruhe in Frieden.

Wahrscheinlich hat mich die bedrückende aber gleichzeitig packende Cyberpunk-Stimmung im Los Angeles des Films nachhaltig in meinen Erwartungen geprägt, so dass mich ähnliche Projekte wie magisch anziehen. Eines dieser Projekte, das ich in diesem Beitrag unmöglich unerwähnt lassen kann, ist das Spiel „Cyberpunk 2077“ von CD Projekt Red, das im April 2020 erscheinen wird. Alle Einzelheiten des überwältigend ambitionierten Spiels zu beschreiben, wäre im Grunde eine komplette Artikelreihe wert, daher hier nur soviel: Näher an eine frei spielbare Rollenspiel-Version von Blade Runner werden Fans vielleicht niemals kommen. Man möge mir diesen kurzen Exkurs verzeihen.

Ich hoffe, ihr anderen Fans genießt den Blade Runner-Tag mindestens ebenso wie ich. Ich habe dieses historische Datum bereits in Vorbereitung zu diesem Artikel zum Anlass genommen, die literarische Vorlage erstmals, sowie die beiden Filme nochmals konzentriert zu betrachten. Und wer Blade Runner bisher noch gar nicht kannte, der möge an dieser Stelle bitte meiner Empfehlung folgen. Ein solches Versäumnis muss korrigiert werden; zumindest bei denjenigen, die Filme nicht einfach nur konsumieren, sondern sie gänzlich erfahren. Ich habe in dem Film jedenfalls Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet…

Mein Fernsehseriengeschmack beispielhaft in einem kurzen, völlig typischen Dialog ausgedrückt, so wie ich ihn in den letzten Wochen mehrfach führte:

Jemand: „Was guckst du denn aktuell so an Serien?
Ich: „Ich schaue zur Zeit noch Kampfstern Galactica.
Jemand: „Achja, cool, Battlestar Galactica! Die Serie ist super! Bei welcher Staffel bist du grad?
Ich: „Nein, nicht die! Kampfstern Galactica! Das Original. Aus den 70ern.
Jemand: „Oh…
Ich: „War mir klar, dass du das nicht kennst.

Vor kurzem habe ich in einem Video (versehentlich) jemandem zugehört, der mir erklären wollte, wie die Filmemacher in den 50er Jahren beispielsweise noch sehr primitive Tricktechnik nutzen mussten, und daher auch nicht in der Lage waren, gute Filme zu produzieren. Und nur weil das Publikum damals noch nichts anderes gewohnt war, wurden alle diese schlechten Filme als gut empfunden. Richtig, heute wissen wir es besser. Und genau aus diesem Grund gibt es überhaupt keine guten Filme aus den 50ern. Oder aus den 60ern. Oder aus den 80ern.

Eigentlich gibt es gute Filme erst seit Matrix Reloaded, Catwoman, Hulk und Green Lantern, denn davor waren die Computereffekte noch zu schlecht. Ok, ernsthaft, das lächerliche Video habe ich kurz darauf lachend weggeklickt, den Rest der peinlichen, ignoranten Argumentation habe ich mir gar nicht erst angehört. Traurigerweise kenne ich tatsächlich einige solcher Personen verschiedenster Altersgruppen, die wirklich der Meinung sind, alles aus den 80ern (und logischerweise davor) sei Trash. Unabhängig von der Produktionsqualität oder der filmischen Qualität, unabhängig von der Handlung oder von der schauspielerischen Leistung. Es ist alt, es ist Trash. Einfach Trash. Umgekehrt sagen sie dann natürlich, wenn der Film brauchbares CGI hat, dann gehen sie in jedem Fall ins Kino. Jeder weitere billige Star Wars-Ableger, jeder x-beliebige Superhelden-Film, die drölfte Remake/Sequel-Vergewaltigung eines Klassikers – egal, sie sitzen immer rechtzeitig wie auf Befehl mit Popcorn im Kino. Unkritisch, anspruchslos, debil grinsend, glücklich über ihre geliebten CGI-Effekte. Mit solchen Leuten kann man gar nicht diskutieren. Will ich auch nicht.

Ich mag Kampfstern Galactica mit seinem 70er Jahre Sci-Fi-Charme. Für andere ist es nichts als Trash. Besonders wo es längst eine Remake-Serie gibt, fragen sich viele Netflix-Amazon-Spotify-Opfer als allererstes, wieso man sich da freiwillig noch das primitive Original anschauen wollen würde. Jede Existenzberechtigung wird da der älteren Serie sofort abgesprochen. Ich bin ein Fan von Originalen. Ich mochte die Serie schon als Kind, als mein Vater sie im Fernsehen verfolgte, und ich dann manchmal ebenfalls gebannt zusah. Ich mochte damals besonders Muffit, den kleinen Roboterhund von Boxey, und ich wollte damals selbst einen solchen als Haustier. Wer natürlich auf moderne Computereffekte großen Wert legt, wird mit der TV-Serie von 1978 nicht glücklich, das ist mir klar. Aber das Äußere ist nicht das, was zählt. Jedenfalls nicht nur.

Ich mochte auch die coolen Zylonen, die damals wirklich einschüchternd waren, obwohl sie aus heutiger Sicht in den meisten Episoden nur Kanonenfutter waren, so wie die imperialen Sturmtruppler aus „Krieg der Sterne“ (Ja, zu meiner Zeit hieß das in echt noch so!). Aber mit ihrer voll verchromten Roboterrüstung sind sie natürlich viel stylischer. Ich mochte es, die spannenden Abenteuer von Apollo, Starbuck und Boomer zu verfolgen, und den weisen Worten von Ben Cartwright, äh, Commander Adama zu lauschen. Wenn sie in ihren kolonialen Vipers mit dem Turbo durch das weite Weltall schossen, war ich hin und weg. Und es ist mir nicht peinlich, zuzugeben, dass die Serie für mich heute nicht viel von ihrer alten Faszination verloren hat. Klar, es sieht alt aus, aber das tue ich heute auch. Das macht mich nicht schlechter, warum sollte es bei einem schöpferischen Werk anders sein?

Da ich damals sicherlich nicht alle Folgen gesehen habe, wollte ich erneut ein altes Kapitel meiner Kindheit abschließen, indem ich nun die komplette Serie auf Blu-ray konsumierte. Enthalten waren in der Box die (leider sehr wenigen) Episoden der eigentlichen Serie, sowie die noch deutlich weniger Episoden umfassende Nachfolgeserie „Galactica 1980“, von der ich bis dahin überhaupt nichts wusste. Allerdings muss ich zugeben, dass letztere wirklich nicht besonders gut ist. Selbst die Super-8-Fassungen der Kinofilme waren auf den Scheiben enthalten, die ich mir ebenfalls gönnen durfte. Ich bin froh, dieses Relikt seiner Zeit nun endlich vollständig zu kennen. Einige kleinere Aspekte fallen einem erst mit deutlichem zeitlichen Abstand und mit wesentlich mehr Film-Erfahrung auf, so zum Beispiel, dass der kleine Boxey von Noah Hathaway gespielt wird, also Atreyu aus „Die unendliche Geschichte“. Außerdem, dass der Vater von Starbuck von einem gealterten Fred Astaire gespielt wurde. Auch Lloyd Bridges‘ Darstellung des draufgängerischen Commander Cain mit der deutschen Stimme von Darth Vader ist für Fans von Hot Shots! definitiv ein Genuss.

Kampfstern Galactica ist eine Serie von Serienschöpfer Glen A. Larson, mit dem Soundtrack von Stu Phillips. Fans der 80er kennen dieses Erfolgs-Duo noch von einer anderen, noch bekannteren Serie. Die Idee für Knight Rider wurde in Kampfstern Galactica bereits ganz offensichtlich angelegt: So gibt es eine Episode, in der Starbuck in einer umgebauten Viper mit einer KI-Autopilotin namens CORA fliegt. Die intelligente weibliche Computerstimme, die ganz stilecht mit einem Audio-Spektrometer visualisiert wird, kann automatisch in die Flugmanöver eingreifen, und ist darauf programmiert, einen freundschaftlichen, kooperativen Umgang mit dem Piloten zu pflegen. Ganz so wie KITT, aber im Gegensatz zu diesem schießt CORA ein wenig übers Ziel hinaus, nervt Starbuck mit allzu emotionalen Episoden und gibt ihm sogar Kosenamen. Aber die Gemeinsamkeiten hören da noch lange nicht auf, denn das rote Lauflicht in den Augen der Zylonen erkennt man natürlich sofort als das exakt gleiche rote Scanner-Lauflicht an der Front des schwarzen Trans Am. Und selbst der Augenglüh-Soundeffekt, den die Zylonen machen, ist praktisch derselbe. Daneben teilen beide Serien sich viele Stock-Soundeffekte wie die von Explosionen und Raketenstarts, die man immer wieder hört.

Wem kann ich die Serie empfehlen? Naja, wen bei „Raumschiff Enterprise“ (TOS) aus den 60ern sofort das blanke Entsetzen erfasst, und wer die Ur-Trilogie von Star Wars nur in der allerneuesten, digital hochgepimpten und kaputtgepatchten (Disney-)Neuauflage kennt, der wird Kampfstern Galactica nicht einmal mit der Kneifzange anfassen wollen. Im Gegensatz dazu, wer Raumpatrouille Orion kennt, und wer 2001: Odyssee im Weltraum gesehen hat, der wird sicherlich auch diese Serie hier sehr vergnüglich finden. Man wird mit jeder Menge 70er Jahre Ambiente, Schlaghosen, Fönfrisuren und Discomusik belohnt.

Ein Mann und sein Ergometer kämpfen gegen die Herrschaft der Maschinen. Naja, jedenfalls beobachten wir ihn auf der Mattscheibe. Die eigentlich gar nicht matt ist, sondern glänzt. Stundenlanges Strampeln zwecks Kalorienverbrennung über einen Zeitraum von mehreren Monaten war nötig, doch nun ist meine Fernsehserien-Checkliste um einen Eintrag länger geworden: Die Actionserie „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“ ist für mich beendet; nach den einzigen beiden Staffeln, die diese Serie überhaupt zu bieten hat, da sie seinerzeit nach ihrer Laufzeit von 2007 bis 2009 vorzeitig vom Sender abgesetzt wurde, und daher mit einem Cliffhanger endet, der offiziell nie aufgelöst wurde. Wie eben so oft bei TV-Serien.

Wieder einmal handelt es sich um eine Serie, von der ich viel gehört hatte, und die mir von mehreren Personen ans Herz gelegt wurde, weshalb ich mich nach all den Jahren nun verspätet ins Vergnügen stürzte. Sarah Connor Chronicles spielt zeitlich wenige Jahre nach den Ereignissen von Terminator 2: Sowohl der T-1000 als auch der T-800 sind vernichtet, und auch die Entstehung von Skynet ist abgewendet worden. Der Tag der Abrechnung im Jahr 1997 fällt glücklicherweise aus. Aber Sarah Connor ist mit ihrem Sohn John seit Jahren auf der Flucht, da sie wegen Mordes an dem Cyberdyne-Programmierer Miles Dyson gesucht wird. Ihre schlimmsten Befürchtungen, dass das Unheil nämlich gar nicht aufgehalten, sondern nur verzögert wurde, bewahrheiten sich leider, als John plötzlich in der Schule von einem „Triple-8“ (Terminator Modell T-888) angegriffen wird. Zum Glück taucht aber sofort Hilfe auf: Johns hübsche Klassenkameradin Cameron (offensichtlich benannt nach Terminator-Schöpfer James Cameron) gibt sich rechtzeitig als der nächste Beschützer-Terminator zu erkennen, rettet John das Leben und bekämpft den bösen Blechmann.

Cameron hat für diesen Ernstfall bereits vorgesorgt und aktiviert eine versteckte Zeitmaschine, mit der sie Sarah und John ins Jahr 2007 schleust. Doch unvorhergesehenerweise gelingt es dem Triple-8, ihnen dorthin zu folgen, und so wird die mörderische Hatz fortgesetzt. Schon kurz darauf bekommt das Trio großkalibrige Unterstützung aus der Zukunft von dem Soldaten Derek Reese, dem Bruder des 1984 getöteten Kyle Reese, dem Vater von John. Gemeinsam versucht man, den Maschinen zu entkommen, und gleichzeitig erneut die Geburtsstunde von Skynet zu verhindern, denn die Gruppe erfährt bald, dass ein hochentwickeltes Schachprogramm mit fortgeschrittener künstlicher Intelligenz höchstwahrscheinlich der Anfang vom Ende der menschlichen Zivilisation sein wird.

Die Prämisse der Serie klingt erst einmal gar nicht schlecht und hatte mit Sicherheit viel Potenzial. Leider ist es für TSCC fatal, dass im Verlauf der beiden Staffeln ein Fass nach dem anderen aufgemacht wird, und dann wird leider für keines davon eine Auflösung präsentiert. Stattdessen wird am Ende von Staffel 2 in einem großen Cliffhanger-Finale zu allem Überfluss auch noch eine völlig neue Zeitlinie aufgemacht. Schließlich hängen sämtliche Handlungsstränge irgendwo in der Luft, und der Zuschauer stellt enttäuscht fest, dass Sarah, John, Cameron und Derek in diesen zwei kümmerlichen Staffeln praktisch kaum vom Fleck gekommen sind. Was war denn nun mit dem bösen Schachcomputer? Und was war mit dem mysteriösen Flüssigmetall-Terminator? Wozu sehen wir Episode um Episode „John Henry“ dabei zu, wie er lernt und über Menschen philosophiert? Wer war die „echte“ Cameron in der Zukunft? Was war mit den UFOs? Hat Sarah Connor denn nun Krebs oder nicht? Wohin flieht Dereks Soldaten-Freundin vom Widerstand? Die Liste der unbeantworteten Fragen ist fast endlos. Es ist mehr als deutlich, dass die Autoren das alles in die späteren Staffeln mitnehmen wollten.

Fans von Cameron-Darstellerin Summer Glau kennen diese Situation zufälligerweise bereits von ihrer anderen Kultserie, „Firefly“, bei der die Katastrophe sogar noch schlimmer war: Kaum mehr als ein Dutzend Episoden in einer einzelnen Staffel gab es zu bewundern, dann war sofort Sendeschluss. Dem Zuschauer wurde ein großes Serienuniversum schmackhaft gemacht, viele spannende Charaktere und Ideen etabliert, und gerade dann wenn man endlich richtig drin ist … fertig. Das ist eben der Nachteil bei Serien, die einen Handlungsbogen gleich über mehrere Staffeln hinweg spannen wollen, und dann vom produzierenden Sender viel zu früh den Stecker gezogen bekommen. Ich habe viele andere Serien gesehen, die auf Grund schlechter Quoten vor ihrer Zeit abgesetzt wurden, deren Handlung aber meist stets im Verlauf einer Episode, größtenfalls in einer Staffel komplett abgeschlossen wird. Solche Serien sind dadurch fast immun gegen spontane Planänderungen und lassen die Zuschauer immerhin nicht mit einem leeren Gefühl zurück. Und genau das gleiche Problem hatte ich zuletzt bei „Stargate: Universe“.

Aber ich will nicht alles schlechtreden. Ich kann vielleicht nicht behaupten, ein Fan der Serie geworden zu sein, aber ein bisschen von dem, was ich freudig erwartet hatte, bekam ich dann auch: Ein paar spannende Kämpfe Terminator vs. Terminator, nicht ganz so krachend wie mit Arnold Schwarzenegger, aber allemal gut genug. Lena Headey ist auch ein ganz annehmbarer Ersatz für Linda Hamilton, und Summer Glau verzückt wie erwartet in der Rolle der emotional hölzernen, sozial unbeholfenen Terminator-Teenagerin mit übermenschlicher Körperkraft. Die Effekte sind zugegebenermaßen eher bescheiden, aber dafür kann man sich auf die vielen Dialoge konzentrieren, in denen Sarah ihren Sohn irgendwie immer wieder zur Vorsicht und Wachsamkeit mahnt und John sich um Cameron sorgt. Die Spannungen zwischen den einzelnen Charakteren sind schon eine Menge Stoff für Unterhaltung in TSCC. Dennoch muss ich gestehen, dass ich die allgemeine Faszination selbst als Terminator-Fan nicht so recht nachvollziehen konnte.

Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass Edward Furlong bereits auf der Kinoleinwand einen frühjugendlichen John Connor gezeigt hat, der sich als Ausgestoßener, als schwer erziehbares Anarcho-Pflegekind weitestgehend von der Gesellschaft abgekapselt hat, der auf Konformität scheißt, der Bankautomaten knackt, Autos klaut und mit Waffen Umgang hat. Und jetzt steht John Connor an der Schwelle zum Erwachsensein und hat für meine Verhältnisse zuviele unbedeutende Teenager-Probleme. Er achtet auf sein Haarstyling, pflegt sein gefaketes unnahbares Bad Boy Image, sorgt sich um das Wohl seiner Mitschüler und verliebt sich in aufdringliche Highschool-Mädchen. Selbst seine Mutter, die es besser weiß, hat ihre Schwierigkeiten damit, ihm einzutrichtern, dass er kein normaler Teenager ist, sondern ein Soldat in einem Krieg gegen die Maschinen, der unentbehrlich dabei ist, das Ende der Menschheit aufzuhalten. Mein Eindruck ist, John war über diesen Punkt am Ende von Terminator 2 längst hinaus.

Was bleibt ist eine Actionserie, in die man nicht zuviel Zeit investieren muss, die die Terminator-Geschichte ein wenig weitererzählt, aber insgesamt keinen besonders großen bleibenden Eindruck hinterlässt. Für eine Wiederholung reicht es bei mir jedenfalls nicht. Die epische Titelmusik aus den ersten beiden Terminator-Filmen ist jedem Fan sofort präsent, wenn er nur daran denkt. Hier funktioniert der eher schwermütige Soundtrack oder das trockene Intro leider bei weitem nicht so gut, so dass man die Details schnell wieder vergisst. Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb man das Intro nach ein paar Folgen einfach unter den Tisch fallen gelassen hat. Und ob die kurze Geschichte um die Sarah Connor Chronicles bald überhaupt noch zum Kanon gehört, wird sich zeigen, wenn demnächst Camerons nächstes echtes Terminator-Kapitel (Terminator: Dark Fate) in die Kinos kommt. Von dem ist nämlich bekannt, dass es alle Filme nach T2 ignoriert. Und das ist wahrscheinlich gut so.

Ein weiterer Eintrag, den ich meiner kurzen, aber jährlich wachsenden Liste abgeschlossener Fernsehserien hinzufügen darf. Nach der Gefängnisausbruchs-Serie Prison Break stand mir diesmal der Sinn nach gelebtem Superheldentum gegen übermenschliche Bösewichte in Form der amerikanisch-kanadischen TV-Serie „Smallville„. Da diese sagenhafte zehn ganzjährige Staffeln mit Episoden in voller Länge umfasst, die zwischen 2001 und 2011 gedreht wurden, hatte ich die vorangegangene Serie bereits auf Grund der inzwischen vergangenen Zeit längst vergessen. Smallville war immer etwas gewesen, das ich in den Augenwinkeln beobachtet, aber doch fast gänzlich ignoriert hatte. Bis heute. Es ergab sich eine Gelegenheit, und ich griff zu. Und damit begann meine lange Reise durch die Welt von Smallville.

Smallville erzählt die Geschichte des jungen Clark Kent, der zu Beginn noch auf der Kent-Farm lebt, zur Highschool geht, mit seiner kleinen Clique abhängt, und heimlich für die Schulschönheit Lana Lang schwärmt. Und dann sind da noch Clarks geheime Kräfte. Es wird für die meisten eine große Überraschung sein, aber Clark Kent kann Autos und Traktoren mühelos anheben, rennt in Lichtgeschwindigkeit durch die Gegend, er kann Feuerbälle aus den Augen verschießen, hat einen Röntgenblick, und hört selbst leiseste Geräusche meilenweit. Ja, Clark Kent ist fast sowas wie Superman. Fast. Clark ist nicht der beliebteste Schüler an der Schule, aber auch kein Außenseiter, und trotzdem wird er gleich in der ersten Folge von unangenehmen Mitschülern als Vogelscheuche an einem Kreuz auf einem Maisfeld aufgehängt.

Damit Superclark seinen Mitmenschen nicht allzu sehr überlegen ist, haben sich die Autoren etwas ganz besonderes überlegt: Überall in Smallville liegt seit dem großen Meteoritenschauer (mit dem auch Clark auf die Erde kam) Kryptonit herum, und jeder Landbewohner hat sich damit in irgendeiner Form eingedeckt. Dass das grüne, leuchtende Gestein Clark schwächt, bekommt zwar trotzdem niemand so recht mit, aber es reicht, um ihn beinahe in jeder Folge in dumme Situationen zu bringen. Und natürlich macht das Kryptonit nicht nur Clark schwächer, sondern seine Widersacher auch gleichzeitig stärker. Während der junge Clark also versucht, seinen Alltag zu meistern und seiner Angebeteten näherzukommen, muss er Episode für Episode das Dorf vom Schmutz befreien, nämlich bösartige Dorfbewohner, die durch das Kryptonit etwa zu Insektenmenschen geworden sind, feuerspeiende Sportlehrer, Formwandler, eisige Gestalten, Hyptoniseure, und Körpertausch-Episoden (jede Menge!), und vieles mehr. In Smallville gehen wirklich am laufenden Band seltsame Dinge vor.

Seine menschlichen Eltern Martha und Jonathan Kent helfen Clark dabei, sein Geheimnis zu bewahren, während der Teenager sich den Kopf darüber zerbricht, welche Rolle er unter den Menschen spielt. Ist er einer von ihnen? Ist er ihr Gott? Soll er allen Menschen helfen oder jeden einzelnen seinem Schicksal überlassen? Wird er eines Tages ein gnädiger oder ein tyrannischer Herrscher sein? Clark weiß, dass es für ihn keine Grenzen gibt, doch seine Eltern ermutigen ihn dabei, sich selbst Grenzen zu setzen, die er nie überschreiten darf. Seine anfängliche Freundschaft zu dem superreichen Lex Luthor, der noch zwischen Gut und Böse schwankt und seine Nase gerne in fremde Angelegenheiten steckt, sowie die aufflammende Romanze mit Lana Lang, die ihn auf Abstand hält, weil sie spürt, dass er etwas verheimlicht, machen Clark das Leben reichlich schwer. Seine Kräfte sind eben nicht einfach nur ein Geschenk, sondern oft eine große Bürde.

Und außerdem stehen da noch die großen Themen Selbstfindung und Identitätskrise im Raum. Dass Clark kein Mensch ist, ist ihm natürlich schon früh bewusst, aber wer ist er wirklich? Die Antwort besucht ihn in Form der Stimme seines leiblichen Vaters. Durch ihn erfährt er die Wahrheit über seine ursprüngliche Herkunft: Clark heißt eigentlich Kal-El und stammt vom Planeten Krypton. Und offenbar wurde er auserwählt, um die Menschheit zu versklaven. Oder so. Zwischendurch fängt Clark dann auch noch als Reporter beim Daily Planet in Metropolis an, und er lernt all die anderen gefühlten 100 Superhelden kennen, die ihm bald mit Rat und Tat mehr oder weniger hilfreich zur Seite stehen. Und was wäre eine Superman-Serie ohne seine markanten, übermenschlichen Gegner, allen voran General Zod, Brainiac, Doomsday, Darkseid, Silver Banshee, Winslow Schott, und der böse Clark Kent aus dem Paralleluniversum. Die Liste ist beinahe endlos. Auch wenn es schwerfällt, zu glauben, dass Clark Kent alle diese Feinde bereits vor seiner eigentlichen „Karriere“ als Superman kennengelernt und besiegt haben soll.

Der Clou an Smallville ist, dass es den Figuren in zehn Staffeln zwar gelingt, alle möglichen Umschreibungen für den Mann aus Stahl zu formulieren, aber nie wird er direkt als Superman betitelt, denn der ist er nicht. Clark Kent muss erst zu Superman werden. Bei Lana Lang dachte ich zunächst, es handle sich um eine alternative, jüngere Version von Lois Lane, schon wegen des ähnlichen, alliterativen Namens. Aber die richtige Lois tritt tatsächlich später noch in der Serie auf.

Film- und Fernsehfans wie ich finden besondere Freude daran, dass mehr oder weniger das komplette Who-is-Who der Superman-Live-Action-Auftritte vertreten ist. So haben Christopher Reeve und Margot Kidder wiederkehrende Gastauftritte, außerdem Dean Cain und Teri Hatcher. Solche kurzen Momente, die vermutlich nicht allzu viele Zuschauer verstehen werden, versüßen einem Fan nicht unerheblich das Serienvergnügen. Smallville hat mir insgesamt sehr viel Freude bereitet, wenn auch gerade am Anfang – und darunter leiden meines Erachtens nicht wenige Serien – alles noch sehr ungeschliffen und monoton ist. In jeder Folge irgendein anderer Kryptonit-Mutant (oder „Meteoriten-Freak“, wie sie in Smallville genannt werden), und Clark muss wieder einmal Smallville und vor allem Lana retten. Erst später beginnt die Serie aufzublühen mit ihren vielen etablierten Charakteren, und Clark beginnt endlich seine Rolle in der Welt zu verstehen und zu akzeptieren. Er wächst an seinen Erfolgen und an seinen Verlusten. Smallville mag nun keine grandiose Serie sein, aber meine Zeit habe ich schon schlechter investiert. Superman-Fans werden in jedem Fall auf ihre Kosten kommen.

Was macht man, wenn der eigene Bruder unschuldig im Todestrakt sitzt und auf seine baldige Hinrichtung wartet? Genau, man überfällt eine Bank! Und herzlich willkommen bei Prison Break! Nun, zugegeben, die Pilotfolge habe ich hierbei ein wenig komprimiert. Die US-amerikanische Gefängnis-Serie, die von 2005 bis 2009 (oder länger) über vier (oder mehr) Staffeln produziert wurde, habe ich inzwischen vollständig (oder auch nicht) auf Blu-ray beinahe täglich nach Feierabend auf meinem Ergometer gebannt verfolgt, nur unterbrochen durch eine fast sechsmonatige Krankheitsphase. Die Box enthält die regulären vier Staffeln und den abschließenden TV-Film „The Final Break“. Mittlerweile wurde (laut Wikipedia) längst eine fünfte Staffel produziert, und eine sechste ist in Planung. Aber diese klammere ich hier vorerst aus.

Der blitzgescheite, gutaussehende Bauingenieur Michael Scofield (Babyface Wentworth Miller) überfällt natürlich nicht grundlos eine Bank, nachdem er trotz schwieriger Kindheit eigentlich ein tadelloses Leben geführt hat. Er hat diesen Überfall von langer Hand geplant, und sogar seine sofortige Verhaftung an Ort und Stelle. Kurzerhand wird er für den Raub verurteilt und in die Haftanstalt Fox River gebracht, wo er seine mehrjährige Haftstrafe verbüßen soll. Es ist natürlich kein Zufall, dass just dort auch sein älterer Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) einsitzt, der seit kurzem auf seine Hinrichtung wartet. Diesem wurde der Mord am Bruder der Vize-Präsidentin angehängt, aber er weiß nicht einmal genau von wem und warum. Michael hat einen grandiosen, ausgeklügelten, aber sehr riskanten Fluchtplan, den er in Form seines neuen Ganzkörpertattoos ins Gefängnis mitbringt. Er muss mit Lincoln schnellstmöglich aus Fox River ausbrechen, um ihm das Leben zu retten.

Natürlich spielt nicht die gesamte Serie im Gefängnis. Das ist soweit nur die Prämisse der ersten Staffel, und – !Achtung Spoiler! – schon bald ist man einer großen Verschwörung auf der Spur. Es stellt sich heraus, Lincoln ist nicht nur unschuldig an dem Mord, für den er verurteilt wurde, nein, der Mord ist eigentlich auch gar nicht passiert, denn das angebliche Opfer lebt noch. Das Problem ist nur, das auch beweisen zu können. Prison Break lebt von den vielen zwielichtigen Figuren, die Michael und Lincoln im Gefängnis nacheinander (nicht immer ganz freiwillig) ins Boot holen müssen, damit der Ausbruch auch über die Bühne gehen kann, darunter Mafiosi, Mörder, Vergewaltiger, Räuber und Kleinkriminelle.

So wie die Serie und ihre Charaktere sich entwickeln, so werden auch die völlig unerwarteten Wendungen immer aberwitziger. Kleine Kostprobe: Bald taucht Michaels und Lincolns längst verschollen geglaubter Vater wieder auf. Und der hat auch noch die ganze Zeit für die „Company“ gearbeitet, also die mafiöse Geheimorganisation, die Lincoln auf den elektrischen Stuhl bringen will. Gegen Ende steht dann sogar die eigentlich vor Jahrzehnten verstorbene Mutter auf der Matte – und die ist quasi der Kopf der Company. Als wäre das noch nicht genug, offenbart sie den beiden Hauptcharakteren wiederum schonungslos, dass sie eigentlich gar keine Brüder sind. Die Lindenstraße ist ein Scheiß dagegen! Ich habe nur noch darauf gewartet, zu erfahren, dass Michaels Mutter eigentlich nicht seine Mutter, sondern sein Vater ist. Oder Manuel Neuer.

Ja, ich habe nun vieles aus der Serie verraten. Das ist meine Art zu betonen, dass die Autoren es mit den Twists doch ein wenig zu gut gemeint haben, nur damit es durchgehend spannend bleibt. Im großen und ganzen fand ich die Serie wirklich angenehm, aber doch leicht übertrieben. Auch die Tatsache, dass Michael aus einem Gefängnis ausbrechen kann, kann ich mir in der ersten Staffel noch sehr gut vorstellen, da er sich akribisch vorbereitet hat und beim Bau des Gebäudekomplexes beteiligt war. Aber dass ihm das später quasi unvorbereitet, unter hohem Zeitdruck, aus einem beliebigen anderen Gefängnis jederzeit wieder gelingen wird, wage ich doch stark zu bezweifeln. Manchmal erinnerte mich die Serie an eine Art „Ocean’s Eleven“, wenn Michael Scofield und sein durch und durch unsympathisches Ex-Knacki-Team wieder irgendwo aus- oder einbrechen sollten.

Prison Break ist (wie zu erwarten war) stark testosteronhaltig, und insgesamt recht sehenswert, auch wenn es spätestens in der vierten Staffel doch deutlich an Glaubwürdigkeit verliert und auch das Niveau nicht mehr richtig halten kann. Sehr gefallen hat mir daran, dass es nicht einfach nur gut und böse gibt, sondern das ganze Spektrum abgedeckt ist. Insbesondere, da man als Zuschauer der Serie die Welt sowieso verkehrt herum sieht: Die Hauptfiguren sind allesamt flüchtige Gefängnisinsassen und die Behörden sind der Feind. Manchmal wechseln eigentlich „gute“ Charaktere zu den Bösen, und hin und wieder kommt einer von den Bösen auch zur Erkenntnis, dass er sich ändern muss. Nun darf ich nach einem Dreivierteljahr auch diese Fernsehserie vorerst als abgeschlossen betrachten und mich einer neuen zuwenden.