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Eigentlich erlaubt meine momentane Situation es mir kaum, öffentlich über meinen streng geheimen und extrem riskanten Auftrag zu sprechen, denn meine Tarnung könnte zu leicht auffliegen. Mein persönlicher Kampf gegen Let’s Plays nimmt nun eine völlig neue Dimension an. Da es mir durch meine feindseligen Trollbeiträge und Hasspredigten bisher noch nicht in nennenswertem Umfang gelungen ist, diesen korrupten Sumpf, der sich Let’s-Play-Szene schimpft, frühzeitig trockenzulegen, so dass diese widerlichen Subjekte, die auf YouTube zu unverdientem und unbegreiflich großem Ruhm gekommen sind, weiterhin ungestraft schlechte Gameplay-Videos mit langweiligem Kommentar posten können.

Meine neue Taktik ist es nun, den Feind von innen heraus zu bekämpfen, die gesamte womöglich gewaltbereite Let’s-Play-Szene heimlich zu infiltrieren und brisante Informationen über etwaige Gruppierungen und geplante Aktionen zu stehlen. „Halte deine Freunde nahe bei dir, aber deine Feinde noch näher„, so lautet ein eigentlich nur peripher passendes, aber mir im Moment als einziges einfallendes Sprichwort, dessen Sinnhaftigkeit ich nicht zu hinterfragen wage. Meine hochinvestigativen Erfahrungsberichte, die ich unter Einsatz meines eigenen wertvollen Lebens gewinnen muss, werde ich hier mit den Lesern dieses hochwertigen Weltverschwörungs-Blogs teilen.

Mit Hilfe des befreundeten Let’s Players Karurosu Sensei ließ ich mich kürzlich als V-Mann unter dem Pseudonym „Propagandalf“ in das Milieu einschleusen. So sind seit neuestem ein unbekannter Let’s Player und ein unbekannter Blogger gemeinsam mit einigen als „Honeypots“ bezeichneten Let’s-Play-Attrappen auf YouTube zu finden, in deren Verlauf sie möglichst unverdächtig das Gameplay eines beliebigen Zombie-Survival-Shooters für den PC beschreiben. Der bisher nur im Early Access verfügbare Minecraft-/DayZ-Hybrid „7 Days to Die“ erschien uns als geeignete Gelegenheit, uns in der Szene einen Namen zu machen, damit die großen Fische möglichst bald anbeißen. Aber unsere Tarnung galt es zunächst mit äußerst unkonventionellen Methoden zu perfektionieren.

Um nicht bei den falschen Leuten negativ aufzufallen, bauten wir absichtlich einige offensichtliche Fehler in die Videos ein, denn als blutige Let’s-Play-Anfänger, die wir ja vorgeben zu sein, müssen wir unsere Rolle natürlich absolut glaubwürdig spielen. So ist dann z.B. meine Stimme in den Videos vom Lautstärkepegel her etwas übersteuert, außerdem ist der Gamma-Wert falsch eingestellt, so dass man die dunklen Stellen im Video nicht mehr richtig erkennen kann, die unerträglich niedrige Bitrate macht den Rest. Noch dazu übten wir monatelang unseren Text, probten belangloses und scheinbar spontanes Geschwätz, schlechte Wortwitze und peinliches Gelächter in den dümmsten Situationen. Es ist verblüffend, wie realistisch das Ergebnis schließlich geworden ist. Ich erkannte mich selbst nicht mehr.

Exemplarisch hänge ich eines dieser für den Auftrag mühsam produzierten „Let’s Play Together Videos“ an, die alle im Channel des Kollegen gepostet werden. Im Idealfall verbreitet sich dadurch schnell die Nachricht auf den Straßen, dass zwei neue Let’s Player in der Stadt sind, die für Angebote aller Art stets offen sind. Vielleicht schnappt schon bald die Mausefalle zu. Hier auch einen Dank an Karurosu Sensei für die Unterstützung und den Aufwand bei der Produktion der Videos.

[youtube width=“620″ height=“400″]https://www.youtube.com/watch?v=SDbUuc0-_vg[/youtube]

Die bisher veröffentlichten Let’s Plays in dieser Reihe:

7 Days To Die – Erstes Spiel mit der Alpha 7.9 #01 – Let’s play together 7DTD
7 Days To Die – Ab in die Eiswelt…öh? Alpha 7.9 #02 – Let’s play together 7DTD
7 Days To Die – Barren. Eisenbarren! #03 – Let’s play together 7DTD
7 Days To Die – Home. Sweet Home! #04 – Let’s play together 7DTD

left4dead2Steam hat seinen Nutzern über die Feiertage ein verlockendes Angebot gemacht: Für ein paar wenige Stunden konnte man sich die Vollversion von Left 4 Dead 2 kostenlos einverleiben, man musste nur rechtzeitig auf den richtigen Knopf im Shop klicken, dann wurde es kommentarlos zur eigenen Bibliothek hinzugefügt. Da ich erst kurz vor Schluss von dieser Aktion erfuhr, war ich doch sehr unter Zeitdruck, so dass ich auf kürzestem Weg nach dem Spiel suchte und die Gelegenheit nutzte. Ein einfacher Mausklick und das Spiel war da. Wunderbar.

Nun wurde mir direkt im Anschluss klar, was ich Idiot damit eigentlich Schreckliches getan hatte: Ich hatte mir in meiner Naivität mit meiner deutschen IP die deutsche Müllversion von Left 4 Dead 2 in meine Steam-Bibliothek geholt, die komplett zensierte, in der die Zombies nicht bluten und sich sofort in Luft auflösen. Diese tragische Wendung in meiner spannenden Festtagsgeschichte finde ich äußerst beängstigend. Deutsche Jugendschmutzgesetze und Steam sind schon ein fantastisches Team. Left 4 Dead 2 geschenkt, gerne, aber doch bitte nicht diese beschnittene Nachgeburt deutscher Steinzeit-Bürokratie!

Hat jemand von den zufällig anwesenden Steam-Experten eine Idee, wie man diesen unbrauchbaren Datenrotz, diese ekelerregende Arschkarte wieder in ein echtes, spielbares Spiel verwandeln kann? Kann man diese deutsche Schrottfassung irgendwie gegen die großartige Originalversion umtauschen? Und wenn ich mich dazu auf den Kopf stellen muss, ich will das richtige Spiel und nicht diesen armseligen Versuch!

Sollte es tatsächlich keine simple Möglichkeit geben, sich eine Erwachsenen-Version zu besorgen, dann bleibt mir ja gar nichts anderes als eine steamfreie Installation vom Gratishändler meines Vertrauens herunterzuladen. Ich meine, hey, ich BESITZE Left 4 Dead 2 seit vier Tagen faktisch LEGAL, aber muss ich mir dann wirklich eine äh … „Sicherheitskopie“ im Internet suchen, damit ich das Spiel uneingeschränkt nutzen kann? Wäre das nicht völlig absurd?

Im Folgenden nun wieder die obligatorischen Schimpftiraden über Steam von mir. Dieser Absatz ist praktisch mein „Alibi“, falls mich jemand verdächtigt, nun begeisterter Steam-Nutzer zu sein: Ja, scheiß Aktions-Zeitlimit, scheiß künstliche Verknappung, scheiß DRM. Es ist ja wirklich nicht so als hätte Steam nur noch wenige Exemplare vorrätig gehabt. Das ist reine PR- und Kundenbindungsmaßnahme. Außerdem ist so eine Nur-für-ganz-kurze-Zeit-Gratis-Aktion doch eigentlich eine Frechheit den Leuten gegenüber, die sich das Spiel vielleicht noch kurz zuvor für teuer Geld gekauft haben. Und natürlich für die Leute, die während der Aktion gerade verreist waren und jetzt in die Röhre schauen. Aber da müssten wir natürlich wieder anfangen über den Sinn und Unsinn von Sonderangeboten zu diskutieren. Vielleicht lasse ich das doch besser sein. Wo zur Hölle ist mein Inhalator? Alles gut, mir gehts schon wieder besser.