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Aus aktuellem Anlass möchte ich mich über ein Thema auskotzen, das mich schon ziemlich lange wirklich nervt. Der skandalträchtigste Egoshooter der 90er Jahre – direkt nach Doom – dürfte Duke Nukem 3D gewesen sein, welcher nun (genau wie Doom) jüngst auf Antrag des derzeitigen Rechteinhabers vorzeitig vom berüchtigten Index der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) gestrichen wurde. Für wie sinnlos und ungerecht ich ein solches Verkaufs- und Werbeverbot in Deutschland halte, und wie selbstentlarvend es ist, dass die Damen und Herren von der Prüfstelle sich erst durch einen Aktenkoffer mit Geld dazu überreden lassen, überhaupt eine neuerliche Prüfung des indizierten Produkts zuzulassen (denn tatsächlich wird sonst erst nach völlig absurden 25 Jahren erneut geprüft!), darüber werde ich hier in diesem Artikel nicht diskutieren. Das ist Deutschland. Das ist ein Thema für sich.

Das schlimmste am Jugendschutz in Deutschland war schon immer, dass Erwachsene dadurch „zwangsgeschützt“ werden. Er sollte auf mich nicht zutreffen: In nicht mehr allzu ferner Zukunft werde ich zweimal volljährig, ich habe keine Kinder, und auch keinen Kontakt zu irgendwelchen Kindern oder Jugendlichen. Dennoch behindert mich der Jugendschutz quasi jeden Tag, meistens beim Kauf von Filmen und Spielen. Ich kann ihn nicht einmal ausschalten. Schlimmer noch, der Jugendschutz eröffnet teilweise neue Einnahmequellen für Händler: So verlangt Amazon etwa beim Kauf von USK/FSK18-Artikeln grundsätzlich einen dicken Aufpreis von fünf Euro – man könnte glauben, es sei ein Gefahrenzuschlag wegen des Transports von Gefahrgut. Und natürlich muss ich persönlich mit Personalausweis an die Tür kommen, ich kann es nicht irgendwo abstellen lassen, um es später bequem abzuholen. Es könnte ja ein scheiß Jugendlicher klauen und sich daran seine zarte Seele verbrennen. Wär ja schade drum. Grund genug, solche Artikel woanders zu kaufen, dann spart man sich solche Schikanen.

Aber auch das ist nicht das Thema, denn zumindest kann ich solche Produkte noch mehr oder weniger beschwerlich erwerben. Anders sieht es mit indizierten Spielen bei den international führenden Spieledistributionsplattformen Steam und GOG aus (und mit Sicherheit nicht nur da): Indizierte Spiele gibts da nicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine gewisse Abneigung gegen Steam habe, und dafür ein Wohlwollen für GOG empfinde. Das Steam-DRM ist eine der scheußlichsten Erfindungen der letzten Jahrzehnte im Bereich PC-Spiele, während sich GOG, das sich von Beginn an DRM-Freiheit auf die Fahne geschrieben hat, mit seinem (bisher zum Glück) kompromisslosen Grundsatz bei mir problemlos einschmeicheln konnte. Es gibt zwar nicht unbedingt wenige andere, die wie ich denken, aber im Allgemeinen löst meine Sichtweise natürlich mehr Kopfschütteln als Verständnis aus. Die unkritische „Wir haben doch nichts zu verbergen“-Fraktion eben.

Dennoch ärgert auch GOG mich zuweilen sehr. Schon vor Jahren hielt ich in einem Artikel fest, wie sehr es mich stört, dass GOG falsche, oder zumindest unehrliche Angaben bezüglich der Hardwareanforderungen macht: DOSBox als Emulationsumgebung sollte auf den Store-Seiten gekennzeichnet sein müssen. In meinen Augen ist das ein wichtiges Kaufkriterium. Doch auch der Umgang mit indizierten Spielen ist bei GOG und Steam äußerst schlecht: Mit einer deutschen IP gibt es für dich ganz einfach keine indizierten Spiele. Scheißegal wie alt du bist. Basta. Du kannst sie nicht nur nicht kaufen, sie werden sogar vor dir verheimlicht: Früher bekam man eine 404-Fehlerseite zu sehen, heute wird man einfach ungefragt umgeleitet. Beides ist so dermaßen ätzend und verlogen, dass mir das Essen hochkommt. Der HTTP-Statuscode 404 („Nicht gefunden“) ist für Geolocks ohnehin absolut unpassend, denn erwiesenermaßen existiert die Seite (dafür gäbe es Statuscode 403, oder neuerdings den Statuscode 451 – „Aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar“).

Ganz egal wie die Regionalsperre umgesetzt ist, für eine ehrliche Fehlerseite sind die Kunden den Anbietern nicht wichtig genug. GOG und Steam lügen die Nutzer kackdreist an, behaupten stur, es gäbe das Spiel dort überhaupt nicht. Auch die Suchfunktion der beiden Plattformen unterschlägt Suchergebnisse, tut so, als habe man in der Datenbank nichts Passendes finden können. Das ist etwas, das ich mir als jemand der es besser weiß, ungern gefallen lasse. Immer öfter liest man Beiträge in Foren wie „Ich verstehe gar nicht wieso es heute noch Raubkopien gibt – Es gibt doch heute alles ständig im Sale.“ Tja, vermutlich auch weil die Anbieter uns vorgaukeln, dass sie bestimmte Spiele nicht haben.

Im folgenden eine Liste der Spiele bei GOG, die in Deutschland aktuell gesperrt sind bzw. bis vor kurzem noch waren. Wer sich wundert: Die URLs sind nachweislich alle in Ordnung und über Google auffindbar (GOG + Spielename), aber für Internetnutzer aus Deutschland leider nicht erreichbar. Die Informationen habe ich aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen.

https://www.gog.com/game/aliens_versus_predator_classic_2000
https://www.gog.com/game/blake_stone_aliens_of_gold
https://www.gog.com/game/blood_2_the_chosen_expansion
https://www.gog.com/game/bloodrayne
https://www.gog.com/game/bloodrayne_2
https://www.gog.com/game/brothers_in_arms_hells_highway (neu)
https://www.gog.com/game/cannon_fodder
https://www.gog.com/game/carmageddon_max_damage
https://www.gog.com/game/carmageddon_max_pack
https://www.gog.com/game/carmageddon_2_carpocalypse_now
https://www.gog.com/game/the_chaos_engine
https://www.gog.com/game/commandos_ammo_pack
https://www.gog.com/game/commandos_2_3
https://www.gog.com/game/doom_ii_final_doom (neu)
https://www.gog.com/game/dying_light_the_following_enhanced_edition
https://www.gog.com/game/far_cry
https://www.gog.com/game/fear_platinum (neu)
https://www.gog.com/game/fear_2_project_origin_reborn (neu)
https://www.gog.com/game/gun
https://www.gog.com/game/harvester
https://www.gog.com/game/killing_time
https://www.gog.com/game/kingpin_life_of_crime
https://www.gog.com/game/lucius
https://www.gog.com/game/medal_of_honor_allied_assault_war_chest
https://www.gog.com/game/mortal_kombat_123
https://www.gog.com/game/necrovision
https://www.gog.com/game/one_unit_whole_blood
https://www.gog.com/game/painkiller
https://www.gog.com/game/phantasmagoria_2
https://www.gog.com/game/postal_classic_and_uncut
https://www.gog.com/game/postal_2
https://www.gog.com/game/postal_2_complete (gibt es nicht mehr)
https://www.gog.com/game/POSTAL_2_Paradise_Lost
https://www.gog.com/game/quake_ii_quad_damage
https://www.gog.com/game/quake_iii_gold
https://www.gog.com/game/red_faction (seit kurzem wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/red_faction_2 (seit kurzem wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/redneck_rampage_collection
https://www.gog.com/game/requiem_avenging_angel (neu)
https://www.gog.com/game/return_to_castle_wolfenstein
https://www.gog.com/game/rise_of_the_triad__dark_war
https://www.gog.com/game/rune_classic
https://www.gog.com/game/saints_row_2 (neu)
https://www.gog.com/game/shadow_warrior_complete (seit kurzem wieder verfügbar)
https://www.gog.com/game/sin_gold
https://www.gog.com/game/singularity
https://www.gog.com/game/soldier_of_fortune_platinum_edition
https://www.gog.com/game/soldier_of_fortune_payback
https://www.gog.com/game/soldier_of_fortune_ii_double_helix_gold_edition
https://www.gog.com/game/star_wars_dark_forces
https://www.gog.com/game/the_suffering (neu)
https://www.gog.com/game/the_suffering_ties_that_bind (neu)
https://www.gog.com/game/timeshift
https://www.gog.com/game/total_overdose_a_gunslingers_tale_in_mexico
https://www.gog.com/game/unreal_tournament_2004_ece
https://www.gog.com/game/unreal_tournament_goty
https://www.gog.com/game/wolfenstein_3d_and_spear_of_destiny

Bei einzelnen dieser Spielen (The Chaos Engine?) muss ich mich ohnehin fragen, welcher Geisteskranke je seine Unterschrift dafür geleistet hat, die Indizierung einzureichen.

Update vom 21.05.2018: Drei neue Spiele wurden von GOG zwischenzeitlich zur Bevormundungsliste hinzugefügt: Carmageddon: Max Damage, Necrovision und Timeshift.

Update vom 13.10.2018: Vier neue Spiele wurden von GOG zwischenzeitlich zur Bevormundungsliste hinzugefügt: Postal 2 Paradise Lost, Soldier of Fortune Platinum Edition, Soldier of Fortune Payback und Soldier of Fortune II Double Helix Gold Edition

Update vom 04.03.2019: Acht neue Spiele wurden von GOG zwischenzeitlich zur Bevormundungsliste hinzugefügt: – Brothers in Arms: Hell`s Highway, Doom 2, F.E.A.R., F.E.A.R. 2, Requiem: Avenging Angel, Saints Row 2, The Suffering, The Suffering: Ties That Bind

Morgen erscheint die Doom 3 BFG Edition für den PC (und für diverse Konsolen). Diese bringt die Kultteile Doom und Doom 2 mit, außerdem eine angepasste Version von Doom 3 inklusive Addon „Resurrection of Evil“ und einem zusätzlichen Missionspaket „The Lost Missions“. Man hat an alles gedacht. Ich finde es super, dass id Software sich diese Mühe macht und den Fans ein solches Wahnsinns-Komplettpaket anbietet. Ich hatte mir ernsthaft überlegt, nochmal zuzugreifen. Doom ist eine Topmarke von id, Doom 3 war 2004 ein tolles Spiel mit unglaublich gruseliger Atmosphäre.

Ich liebe düstere Horrorshooter, ich kann mich nur selten überwinden, mich meiner Angst zu stellen. Doom 3 habe ich mehrfach angefangen, manchmal bin ich auch recht weit gekommen, aber konnte nie bis zum Ende durchhalten. Bis heute steht es auf meiner Liste der Spiele, die ich unbedingt mal durchspielen muss. Sogar im Moment denke ich darüber nach, es doch mal wieder zu versuchen. Wie es der Zufall will, erscheint nun mit der BFG Edition eine modifizierte Version im Handel. Über das Wörtchen „modifiziert“ müssen wir allerdings mal ein bisschen reden. Zumindest gerade soviel, dass es mir einen kleinen Kommentar wert ist. Ich habe die BFG Edition bisher weder bestellt noch gespielt, daher ist alles Folgende teilweise spekulativ. Einem Artikel von Ende August entnehme ich folgende Details:

  • Die Taschenlampe ist nun fest montiert, man muss sich nicht mehr zwischen Waffe und Taschenlampe entscheiden.
  • Das Spiel erschien den Entwicklern zu dunkel, daher haben sie es heller gemacht.
  • Es gibt in den Levels mehr Munition, mehr Medikits und mehr Panzerungen.
  • Die Gegner „Lost Souls“ wurden entschärft.
  • Gegner fallen dem Spieler seltener in den Rücken.
  • Das Spiel wird insgesamt „zugänglicher“ gestaltet.

In einem Wort: Casualisierung. Eines meiner Lieblingsthemen im Moment, und deutlicher als je zuvor. Das Spiel wird also faktisch heller und dadurch weniger gruselig. Es gibt mehr Munition und mehr Medikits, die Gegner verhalten sich freundlicher, das Spiel wird also leichter. „Zugänglicher“ ist ein anderes Wort für allgemeinverträglicher, also im Prinzip „für die ganze Familie“.

8 Jahre ist der letzte Doom-Teil bereits alt. Die Gefahr, dass jüngere Spieler die Doom-Reihe nicht kennen ist daher schon wieder relativ groß. Damit Doom 4 an den Gamer-Frischlingen nicht komplett vorbeigeht, muss diese Zielgruppe erst an die Marke herangeführt werden. Was eignet sich dafür mehr als eine Kuschelversion von Doom 3? Erstens wird somit wieder Geld in die leeren Kassen von id Software gespült, die sich noch von dem Rage-Flop erholen müssen, zum anderen kann man die aktuelle Marktsituation schon einmal für Doom 4 ausloten und bereits getroffene Designentscheidungen überdenken. Irgendwelche Schlipsträger haben dort also beschlossen, dass Doom 3 und 4 auch der Generation „Call of Duty“ und „Let’s Play“ schmackhaft gemacht werden müssen. Schade.

Obwohl ich es schwer hoffe, bezweifle ich ernsthaft, dass die Änderungen optional sind. Im Idealfall könnte man also im Optionsmenü zwischen den Modi „Original“ und „Casual“ wählen. DAS wäre eine Entscheidung im Sinne der Fans gewesen. Das ständige Wechseln zwischen Waffe und Taschenlampe im Original war nervig, jawohl, und man hat sich dabei ständig wehrlos gefühlt, weil man ohne Taschenlampe im Dunkeln stand, aber genau das war doch der große Gruselfaktor, genau das hat den Reiz des Spiels ausgemacht! Dass das Spiel furchtbar dunkel ist und dass die Gegner plötzlich von hinten angreifen, wenn man überhaupt nicht damit rechnet, das war doch einer der Gags von Doom 3. Es MUSS dunkel sein. Man MUSS Angst haben. Es MUSS schwierig sein. Eine Version von Doom 3 zu veröffentlichen, die weniger gruselig ist, ist wie einen Rennwagen zu bauen, der nur 160 km/h fährt, weil das den Leuten sonst zu schnell wäre. Irgendjemand hat ganz und gar nicht begriffen, was Doom 3 eigentlich ist.

id Software begründet die Entscheidung über die jetzt dauerhaft eingeschaltete Taschenlampe damit, dass das beim Original kein Feature sondern eine technische Einschränkung war. Ich meine das ist Marketing-Geblubber. Welche technische Einschränkung soll das bitte im Jahr 2004 gewesen sein? Wieso nicht einfach im ganzen Spiel alle Lichter einschalten, dann bräuchte man die Taschenlampe nicht mehr? Wieso nicht gleich Autohealing, weil es gerade so modern ist, dann bräuchte man auch die Medikits nicht mehr? Casualisierung ist das. Wer das Spiel vorher zu gruselig fand, kauft es jetzt vielleicht. Wer es zu schwer fand, kauft es jetzt vielleicht. Gewinnmaximierung durch eine breiter gefasste Zielgruppe ist das. Es geht nicht um die Fans, es geht um die schwarzen Zahlen am Ende des Geschäftsjahres.

Wenn ich den Kommentaren im Netz so glauben darf, sehen das viele Doom-Fans ganz ähnlich wie ich. Ich bin skeptisch was die BFG Edition angeht. Ich kaufe sie mir vorerst nicht. Vielleicht liege ich ja falsch und die Änderungen machen das Remake besser als das Original. Aber was heißt schon besser? In dem Fall vielleicht „weniger zugänglich“.

Gewalt in Computerspielen. Wie oft mussten wir uns diese Diskussion nun schon gefallen lassen? Seit Jahrzehnten läuft es immer darauf hinaus, dass die Medien die Spiele verteufeln, weil sie wohl unschuldige Jugendliche in hirnlose Amokläufer verwandeln, und die erbosten Spieler werfen den Journalisten dafür einseitige, hetzerische und tatsachenverdrehende Berichterstattung vor. Dass die Autoren solcher Artikel gegen gewalthaltige Spiele immer die totalen Laien sind, scheint keine Aussagekraft zu besitzen. Wer lässt sich nicht gerne von einem Ahnungslosen erzählen was gut und was böse ist?

Im Jahr 2011 werden diese Themen leider immer noch besprochen, weil Politiker eben sture Holzköpfe sind, die nichts davon verstehen, aber trotzdem irgendwas entscheiden wollen. Nur die Grenzen sind etwas verschoben worden. Das Pixelblut aus Doom wirkt nicht länger jugendgefährdend, daher wurde dieses kürzlich vom Index der BPjM gestrichen – nach fast 18 Jahren. Dagegen scheint das höher aufgelöste Pixelblut aus Left 4 Dead 2 sehr jugendgefährdend zu sein. Man mag von dieser Art der Bevormundung halten was man will, ich halte von der BPjM nach wie vor überhaupt nichts. Ein Spiel ist ein Spiel. Die Realität ist etwas völlig anderes. Was mir heute fast egal sein kann, das hat mich 1997 allerdings noch sehr geärgert, weil ich damals erst 13 Jahre alt war.

In besagtem Jahr kam das sehr umstrittene (Action-)Rennspiel Carmageddon auf den Markt, das Eltern, Lehrer und Jugendschützer in Angst und Schrecken versetzte. Das Spielziel bestand nicht etwa allein darin, als Erster die Ziellinie zu überqueren (was auch möglich ist), sondern die Fahrzeuge der Konkurrenz mit gezielten Frontalzusammenstößen allesamt zu Blechschrott zu verarbeiten und dabei jede Menge hilflose Fußgänger plattzumachen. Richtig gelesen: In diesem Spiel kann man Passanten und sogar Tiere überfahren. Entsprechend nahmen auch fast keine Rennwagen am Renngeschehen teil, sondern Abschleppwagen, Bagger, gepanzerte Monstertrucks, und mit Klingen bestückte Killerboliden. Für das europäische Festland wurden die Fußgänger allerdings weitestgehend durch Zombies (grünes Blut) und in Deutschland durch Roboter (schwarzes Öl) ersetzt, um die Moralhüter zu beschwichtigen. Passend zum brutalen Stil des Spiels gab es mit dem Industrial-Metal-Soundtrack von Fear Factory ordentlich was auf die Ohren. Jedes Rennen war ein blutiges Gemetzel – und ein riesiger Spaß. Nachdem ich die Demoversion wochen- und monatelang gespielt hatte, habe ich mir die Vollversion bestellt und auch bekommen. Der BPjS wollte ich damit den gestreckten Mittelfinger zeigen.

Die Idee für das Spiel lieferte der Film „Death Race 2000“ (in Deutschland „Frankensteins Todesrennen“) von 1975 (mit David Carradine und Sylvester Stallone), von dem es inzwischen schon Remakes gibt. Das Auto des Spielers (der Red Eagle bzw. Yellow Hawk) wurde übrigens beinahe 1:1 aus dem Film übernommen. Ein Addon namens Carmageddon Splat Pack lieferte neue Fahrzeuge und Strecken. Später erschien für den PC noch der Nachfolger Carmageddon II: Carpocalypse Now, der mich aber wegen seiner unverschämt knappen Zeitlimits und der teils wirklich hässlichen Grafik (Low-Poly-Fußgänger, duh!) eher enttäuscht hat. Wenig später kam dann noch Carmageddon TDR 2000, das von einer anderen Firma entwickelt wurde. Das war sozusagen das Spiel, das Carmageddon II hätte werden können, aber irgendwie war da auch schon die Luft raus. Das Original blieb einfach unerreicht.

Nun hat mein Bruder mich kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass man bei Stainless Games (die Entwickler des Originals) die Rechte an Carmageddon zurückgekauft hat, und an einem brandneuen Teil arbeitet. Carmageddon Reincarnation soll das Spiel heißen und sich wieder auf seine Wurzeln besinnen. Dabei werden etliche bekannte Figuren, wie Val Hella und Screwie Lewie wieder dabei sein. Auf ein neues aufregenderes – und vor allem noch blutigeres – Carmageddon-Spiel mit moderner Grafik freue ich mich sehr. Ich hoffe die Entwickler versauen es nicht mit irgendeinem schlechten Konsolenport oder einem Apple-Exklusivtitel (wie die Idioten von Remedy Games). Auf der Homepage der Spielereihe gibt es weitere Infos, ein Dev-Blog und Concept-Art. Man kann dort auch nachlesen, was die Entwickler von TDR 2000 halten.

Als kleine Randnotiz sei hier erwähnt, dass es mit „OpenC1“ ein auf XNA basierendes Open-Source-Remake des Original-Carmageddon gibt. Das Projekt ist schon recht weit fortgeschritten und die Idee dahinter finde ich gut. Leider ist es ein Ein-Mann-Projekt und liegt derzeit auf Eis, schon allein wegen der geplanten Neuauflage.

Als wenig spektakulären Fun-Fact kann ich außerdem hinzufügen, dass mindestens eines der Samples (ein Frauenschrei) aus dem Ur-Carmageddon dem Film „Evil Dead II“ (dt.: Tanz der Teufel II) entnommen wurde.

Nur ein paar Wochen ist es her, als der neueste Titel aus dem Hause id Software, „Rage„, veröffentlicht wurde. Nun zeigt man sich dort großzügig: John Carmack, Mitgründer und Chefentwickler von id Software veröffentlichte gestern den Quellcode zum First-Person-Shooter „Doom 3„, den er zwischen 2000 und 2004 entwickelte. Nachdem es zuvor Befürchtungen gab, ein Teil des Algorithmus zur Schattenberechnung könne Patentrechtsklagen nach sich ziehen, setzte er sich kurzerhand noch einmal an sein betagtes Kultwerk und schrieb einen Workaround, der die als „Carmack’s Reverse“ bekannte Berechnungsweise ersetzt. Laut ihm seien nur eine Handvoll Zeilen bearbeitet worden.

Den Quellcode des in C++ geschriebenen Gruselshooters kann man auf der extra angelegten GitHub-Seite herunterladen. Das Paket ist 9,1 MB groß und umfasst – bis auf besagten Depth-Fail-Algorithmus – den gesamten Quellcode, der nötig ist, um eine ausführbare Datei zu erhalten. Spieldateien sind logischerweise nicht enthalten, da Doom 3 auch weiterhin nicht Freeware ist. Entpackt wiegen die Quelldateien ungefähr 35 MB. Für das Kompilieren wird Microsoft Visual Studio 2010 empfohlen. Das DirectX SDK ist zwingend erforderlich.

Carmack, der leider seit einigen Jahren Mitglied der Apple-Sekte … äh, Verzeihung, bekennender Apple-Sympathisant ist, hat sich mit Wolfenstein 3D, Doom und Quake einen Namen als inoffizieller Vater der First-Person-Shooter gemacht, obwohl er auch für sehr bekannte 2D-Jump’n’Run-Spiele wie Commander Keen verantwortlich ist. Das Spezialgebiet des genialen Spieleentwicklerveteranen sind Game-Engines – die meisten seiner Werke reizten die vorhandene Technik in jeder Hinsicht aus. Man schreibt ihm sogar zu, mitverantwortlich für die Verbreitung von Grafikbeschleunigerkarten Mitte bis Ende der 90er Jahre gewesen zu sein.

Persönlich halte ich die Veröffentlichung des Quellcodes von Doom 3 für einen ganz großen Gewinn, da die Technik hinter dem Spiel sich auch heute noch sehen lassen kann. Erwartungsgemäß werden sich fleißige und talentierte Programmierer finden, die sich den Quellcode vornehmen und ihn verbessern oder auf dessen Basis neue Spiele entwickeln. Carmack macht das einzig richtige in meinen Augen: Anstatt seine Arbeit vergammeln zu lassen, gibt er sie frei und macht sie für andere nutzbar. Wenn doch nur alle so denken würden.