Beiträge mit tag "Nostalgie

C.O.P.S. auf DVD

0

An und für sich ist es ja überhaupt keine Neuigkeit – nur eben für mich. Letzte Woche hatte ich wieder mal einen wahnsinnig intensiven Flashback, als ich entdeckte, dass es die Cartoon-Serie „C.O.P.S.“ auf DVD zu kaufen gibt. „ENDLICH!!!„, dachte ich mir, bis ich feststellte, dass es diese DVDs seit 2006 gibt. Erscheint mir unbegreiflich, dass ich davon tatsächlich nichts mitbekommen habe, dabei habe ich praktisch nur darauf gewartet und sogar zwischendurch öfter mal danach gesucht. Vielleicht ist das ja aber auch wirklich schon fünf Jahre her.

Die meisten werden die Serie gar nicht kennen, da sie in Deutschland kaum zu sehen war. Sie lief ganz zu Anfang der 90er Jahre auf RTLplus, am Sonntagvormittag irgendwann vor oder nach den Hero Turtles. Da bin ich mir eben nicht mehr ganz sicher. Ich weiß nur noch, dass da eben den halben Tag nur Zeichentrickserien liefen und das war damals genau meine Zeit. Danach lief die Serie soweit ich weiß fast gar nicht mehr im deutschen Fernsehen, vielleicht noch ein einziges weiteres Mal. Finde ich wahnsinnig schade, denn bei dem Mist, den man den Kindern heutzutage im Fernsehen andreht, da erscheinen mir die Serien meiner Kindheit beinahe wie Bildungsfernsehen.

Anderen ist die Serie vielleicht unter dem Namen „CyberCOPS“ bekannt, da sie später umbenannt werden musste. Ich werde jetzt keine Inhaltsangabe liefern, da ich die Serie leider auch nicht mehr so genau kenne (siehe unten: 20 Jahre her und so…). Aber ich weiß noch, dass in jeder Folge eine futuristische Polizeitruppe irgendeinen Fall gelöst hat und am Ende die Akte geschlossen wurde und ein dicker Stempel mit der Aufschrift „Case closed“ draufgehauen wurde. Bulletproof ist der Anführer der Polizisten und der Big Boss ist der Oberbösewicht. Die anderen Charaktere sind aber fast noch interessanter. Wer mehr wissen will, sollte vielleicht mal kurz das C.O.P.S. Wiki durchstöbern. Produziert wurden die 22 Folgen 65 Folgen von 1988 bis 1989. Wer mit der Serie nicht aufgewachsen ist, wird damit aber heute eher wenig anfangen können.

Ich freue mich wahnsinnig über diese Entdeckung und denke schon darüber nach, mir die DVDs zu bestellen. Allerdings hätte ich auch nichts gegen eine deutsche Tonspur einzuwenden, die es aber scheinbar noch nicht gibt. Das hätte in den letzten fünf Jahren echt mal passieren können.

Nachtrag vom 15.07.2013: Scheinbar ist diese DVD im Handel wieder eine ziemliche Mogelpackung. Enthalten sind 22 beliebige Episoden von den insgesamt 65 produzierten, und die wahrscheinlich noch nicht einmal in der richtigen Reihenfolge. Das alleine wäre ja nicht so schlimm, aber es gibt dort auch nirgends den Hinweis, dass die DVDs in irgendeiner Weise unvollständig sind. Warum produziert man denn bitteschön nicht einfach eine DVD-Kollektion mit ALLEN Episoden, statt diesen lieblos hingeworfenen Knochen?

Schneller erwachsen als man denkt

0

Heute vor 20 Jahren bin ich also eingeschult worden. Beim Blick auf den Kalender vor ein paar Tagen ist es mir aufgefallen. 20 verdammte Jahre ist das schon her. Wenn man zu lange darüber nachdenkt, kann einem der Gedanke schon ein wenig Angst einjagen. Ich weiß leider nicht mehr, ob es wirklich der erste Schultag nach den Sommerferien war – vermutlich war es erst ein paar Tage später – aber am Morgen des 26. August 1991 begann in Baden-Württemberg mein erstes Schuljahr.

Schon meine Einschulung war recht sonderbar. Ich war wohl das einzige Kind, das sich nicht auf die Schule gefreut hat. Vielleicht war ich der Einzige, der begriffen hatte, dass die gemütliche Zeit des Rumgammelns und der Vormittagszeichentrickserien vorbei war, und dass man nun für eine sehr sehr lange Zeit jeden Tag in aller Frühe aufstehen und zum Unterricht antreten musste. Nicht einmal die mit Süßigkeiten gefüllte Schultüte konnte mich über diese grausame Vorstellung hinwegtrösten. Vielleicht hätte es geholfen, wenn ich so unbekümmert gewesen wäre wie meine Mitschüler.

Auch wenn das erste Schuljahr vorwiegend aus Malen mit Wachsmalstiften und Wasserfarben, Buchstaben ausmalen, Bilder ausschneiden und in Hefte einkleben, und Basteln bestand, so waren es vor allem die Mathestunden, die mir jeden Schultag versaut haben. Einmal als ich wohl zu lange aus dem Fenster gestarrt hatte, hat die Lehrerin mich zum Lösen einer Rechenaufgabe aufgefordert. Irgendwas mit Tannenbäumen, wahrscheinlich sowas wie 5 minus 3. Meine Antwort war: „Wieso? Ich hab mich doch nicht gemeldet!„. Im Anschluss bekam ich eine der schlimmsten Standpauken der kommenden Jahre. So lernt man schnell wie das im Leben läuft. Immerhin hatten wir mit dem Habakuk ein lustiges Maskottchen und ich fand schnell Freunde.

Lesen und Schreiben konnten mir meine Eltern beibringen, lange bevor ich in die Schule kam, daher war ich auf dem Gebiet stark unterfordert, was die Lehrerin als mangelndes Interesse am Unterricht interpretierte und so ins Zeugnis einfließen ließ. Nach der Schule hab ich mit Mühe und Not meine Hausaufgaben bewältigt und danach GFA-BASIC-Programme auf dem Atari ST geschrieben oder etwas gespielt. Im Hintergrund lief Bim Bam Bino auf Tele 5, mit den Schlümpfen und anderen Zeichentrickserien. Jeden Dienstag habe ich mir vor der Schule das YPS-Heft gekauft, und donnerstags das Micky-Maus-Heft. Im Rückblick war es eine sehr spannende Zeit gewesen. Würde mir jemand eine Zeitmaschine schenken, ich würde als erstes zurück ins Jahr 1991 reisen.

Wenn ich mich recht erinnere, wurde kurz vor meiner Einschulung der Samstagsunterricht bei uns abgeschafft. Ich erinnere mich noch verschwommen an einen Zettel, den meine Eltern ausfüllen sollten, wobei es darum ging, ob Samstagsunterricht allgemein befürwortet oder abgelehnt würde. Wie es davor aussah, kann ich leider nicht beurteilen. Da ich vor kurzem einen kleinen Artikel darüber verfasst habe, würde ich gerne beiläufig erwähnen, dass exakt am Wochenende vor meiner Einschulung der junge Deutsche Michael Schumacher sein erstes Formel 1-Rennen bestritt. Am 25. August 1991 beim Großen Preis von Belgien konnte er sein Talent immerhin zum ersten Mal unter Beweis stellen, als er für einen anderen Fahrer einspringen sollte und sich direkt für Platz 7 qualifizierte. Wenige Meter nach dem Start blieb sein Jordan leider stehen. Bereits im nächsten Rennen war er aber regulärer Stammfahrer bei Benetton Ford und konnte seine steile Karriere beginnen.

Das Rennen in Belgien gewann die Formel 1-Legende Ayrton Senna, gefolgt von Gerhard Berger und Nelson Piquet. Aber ich will jetzt nicht schon wieder anfangen zu beklagen, dass früher alles besser war. Habe ich schon erwähnt, dass ich mit einer Zeitmaschine sofort ins Jahr 1991 reisen würde? Ja? Na egal. Raider heißt jetzt Twix. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

ATARI

25 Jahre STSpeech

8

Kein Softwaresprachsynthesizer wurde musikalisch so oft verwurstet wie STSpeech. Alex Christensen machte den typischen Sound der Software mit seinem U96-Hit „Das Boot“ 1992 weltberühmt, die deutsche 90er-Jahre Technoformation Das Modul nutzte ihn gleich mehrfach, und auch heute noch kommt er hin und wieder zum Einsatz, jüngst im Spencer & Hill -Track „Young Love“ von 2010. Aber selbstverständlich bedienen sich vor allem ST-Chiptune-Produktionen der Szene (siehe Dubmood) gerne daran. Inzwischen ist das 28 KByte kleine Atari ST-Programm 25 Jahre alt geworden.

Entwickelt wurde STSpeech im Jahr 1986 von den beiden britischen Programmierern Andy D. Beveridge und Martin N. Day. Beide haben sich seit Mitte der 80er Jahre auch eine zeitlang an der Spieleprogrammierung versucht, z.B. mit „Don’t Buy This“ von 1985 oder mit „Cybercon III“ von 1991. Bereits 1988 haben sie jedoch ihre eigene Firma SN Systems gegründet, wo sie sich mit der Entwicklung von Dev-Tools für Spielesoftware befassen, heute speziell für Sony.

STSpeech konnte man als Standalone-Programm starten und einfach Text eingeben, den die Software Zeile für Zeile über die Lautsprecher zum Besten gab. Mit einer entsprechenden Modifikation konnte man die Software allerdings auch mit vorgegebenen Parametern starten oder einfach direkt eine Textdatei einlesen lassen, die STSpeech dann vorlesen sollte. Dadurch war es möglich, es in eigene Softwareprojekte einzubinden. So gab es z.B. das PD-Textadventure „Das Schloß“ von Detlef Pleiß, welches STSpeech-Sprachausgabe für Soundeffekte und für Gesprochenes, wie Zaubersprüche einsetzte. Daneben gab es noch das Farbspiel Fuzzball von Methodic Solutions aus dem Jahr 1987 und ein Programm von Budgie UK (glaube ich), das versuchte die Sprachausgabe lippensynchron mit der (gruseligen) Animation eines Gesichtes zu verbinden.

STSpeech braucht keine Anleitung, dennoch ist es hilfreich zu wissen, dass das Programm zwei Modi hat. Einen English Text Mode und einen Phoneme Mode. Im English Text Mode gibt man einfach englischen (oder spaßeshalber deutschen) Text ein und STSpeech übersetzt dies in seine spezielle Lautschrift und spricht die Eingabe aus. Im Phoneme Mode kann man die Lautschrift direkt eingeben und dabei zusätzlich die Tonhöhe vorgeben und so die Aussprache bestimmter Worte korrigieren. Den Modus wechselt man durch Eingabe des Punkt-Zeichens.

Außer der Version 2.0 gibt es offenbar keine andere, jedenfalls ist mir nie eine über den Weg gelaufen, wenn man von unterschiedlichen Begrüßungstexten im Header absieht. Vor ein paar Jahren hat der Synthesizer-Experte und Programmierer Stefan Stenzel eine Win32-Portierung entwickelt. Wie er beschreibt, habe er den Sound des Programms beim Portieren auch gleich weicher und professioneller machen wollen. Im direkten Vergleich klingt es meiner Meinung nach aber eher zahnlos und es hat leider nicht mehr den ursprünglichen unvergleichlichen Charakter. Außerdem wurde der Phoneme Mode wohl leider verworfen. Darauf basierend gibt es neuerdings sogar eine Version für den Nintendo DS (DSSpeech Speech Synthesizer v1.5).

Jeder der STSpeech heute hört, dem wird selbstverständlich auffallen, dass es kein besonders realistisch klingender oder außerordentlich guter Sprachsynthesizer ist, jedoch hat der künstlich roboterhafte typische Sound gerade in der Technomusik großen Anklang gefunden. Ich habe vor mehr als 20 Jahren mit STSpeech auf Englisch Zählen gelernt und die Aussprache vieler englischer Wörter ausprobiert (auch wenn STSpeech mit der Aussprache oft daneben liegt). Wie man an den Portierungen für moderne Systeme außerdem sehen kann, gibt es auch heute noch Fans, die sich mit dem Kultprogramm beschäftigen und es für die Nachwelt erhalten wollen.

Leider geht mein Verständnis von Sprachsynthese nicht weit genug, um mehr ins Detail zu gehen. Jedoch habe ich ein interessantes Dokument finden können, das sich ein klein wenig genauer mit der Technik hinter STSpeech beschäftigt: The Microwave Speech Robot

Ein zeitgenössischer Artikel zu STSpeech: „ST-Speech nennt sich ein ca. 25Kb langes Programm, mit dessen Unterstützung der User auf einfachste Weise Sprache aus seinem Atari ST hervorzaubern kann. Das Prinzip ist eigentlich recht einfach, doch auch genauso genial: Die einzelnen Phoneme werden aneinander gehängt (z.B. Tohrstehn = Torsten), und der Computer gibt diese Töne dann mit Hilfe des Soundchips aus. Bei der Eingabe muss natürlich darauf geachtet werden, dass nach jedem Selbstlaut ein „H“ eingegeben wird, denn sonst weiß der Computer nicht, was gemeint ist. Da das Programm aus den Vereinigten Staaten stammt, wurde als ganz besonderer Clou ein English-Text-Mode integriert. In diesem brauchen Sie einfach nur die englischen Worte eingeben (z.B. This is my Computer), und der ST spricht diese sogleich verständlich aus. Natürlich ist nicht zu überhören, dass die Sprache mittels Computer ausgegeben wird. Doch weil dieses über den Soundchip geschieht, kostet es kaum Arbeitsspeicher. Eine bessere Qualität erreicht man zwar, wenn die Worte digitalisiert werden, doch diese Methode kostet mindestens zehnman soviel Speicher, wie die bei ST-Speech genutzte!“

Bekannte Musikstücke mit STSpeech-Samples:

Das Modul – Computerliebe (Dee-Lay Remix)
Das Modul – Joystick
U96 – Das Boot
U96 – I Wanna Be A Kennedy
U96 – Boot II
Spencer & Hill – Young Love (Radio Edit)
Snap – The Ex-Terminator
Nexus Project – Funky Drummer
The Scientist – Spiral Symphony
The Prodigy – Mindfields (Paza Rahm ReMix)
Obsidia – Electronik
Falco – Cyberlove
General Base – Base Of Love
General Base – Base Of Love Rebased
Casseopaya – Overdose
Yves Deruyter – Feel Free (Original Mix)
Yves Deruyter – Feel Free (Sean Dexter Remix)
P.W.M. – Are You Ready To Move

Über Hinweise bezüglich toter Links oder weiterer passender Songs und anderen Informationen bin ich selbstverständlich dankbar.

Dietrich Raisins Maziacs

0

Im Jahre 1982 entwickelte Don Priestley ein kleines witziges Labyrinthspiel für den Sinclair ZX81: Mazogs. Als wackerer Held musste man sich durch einen Irrgarten voller Riesenspinnen (den Mazogs) kämpfen um eine Schatztruhe zu finden. Das Spiel ist gewonnen, sobald man mit der Truhe das Labyrinth verlässt. Hilfreich sind dabei Schwerter, Nahrung und Gefangene im Labyrinth, die einem den Weg weisen können, wenn man sie befreit. Wird der Spieler von den zahlreichen Mazogs getötet, ist das Spiel selbstredend verloren.

Bereits ein Jahr später entwickelte Don Priestley das Remake Maziacs für den ZX Spectrum, das die besseren technischen Möglichkeiten des Homecomputers ausnutzte und eine bessere (höher aufgelöste) farbige Grafik bot. 1987 hat der (höchstwahrscheinlich deutsche) Programmierer Dietrich Raisin eine eigene Version von Maziacs in der Programmiersprache Omikron-BASIC geschrieben, dem damals schnellsten BASIC-Interpreter für den Atari ST. Seine Version hatte eine schöne comicähnliche Grafik, die das Spiel sogar noch witziger machte, allerdings immer noch keinen Ton. Außerdem hat er seine Version als Public Domain freigegeben.

Maziacs war eines der Spiele, mit denen ich als Kind unzählige Stunden verbrachte. Da das Spiel in Form des Quellcodes vorlag, erzeugte ich sogar zahlreiche eigene Maziacs-Modifikationen, die das Spiel schwerer machten oder die Sprites austauschten, damit der Spieler als Spinne spielen konnte. Kürzlich habe ich diesen Schatz auf einem Backup meiner alten 20 MB Atari ST-Festplatte wiederentdeckt. Ein Glück, dass ich wirklich alles aufhebe. So kann ich nun in einem Youtube-Video das Gameplay dieses echt tollen Spiels präsentieren.

Nebenbei kam mir die Idee, den Quellcode vielleicht einfach mal für eine moderne Programmiersprache zu portieren, wobei das Spiel selbst eine 1:1-Umsetzung sein sollte. Nach kurzer Überlegung dachte ich mir, dass das doch eine wunderbare Gelegenheit wäre, mich in HTML5/Javascript-Programmierung zu üben. Während ich dies hier schreibe, habe ich bereits damit begonnen, wichtige Teil des Quellcodes zu analysieren, so z.B. den Algorithmus zur Erstellung eines Labyrinths oder den Pathfinding-Algorithmus.

Fremden Quellcode zu lesen ist oft eine schwierige Sache, noch dazu wenn er in einem BASIC-Dialekt geschrieben ist, den man selbst nie verwendet hat und dessen Spezifikationen man auch nicht mehr nachlesen kann, aber ich habe erstaunlich schnell Fortschritte gemacht. Sobald ich die Algorithmen verstanden und das Grundgerüst in Javascript geschrieben habe, geht der Rest fast von alleine. Mal schauen ob was daraus wird.

ATARI

TOS-Gimmicks von Meinolf Schneider

6

Als die 90er noch verdammt jung waren (und ich eigentlich auch), da entstand gerade das TOS-Magazin für den Atari ST. Jeden Monat sollte es erscheinen, mit beiliegender Diskette, mit Demos der aktuellsten Programme und Spiele. Am Kiosk lag das Heftchen für schlappe 14,90 DM bereit. Zu dieser Zeit war „Cadaver“ von den Bitmap Brothers gerade brandneu und eines dieser Beilage-Demos. Den ersten paar Ausgaben des Magazins steuerte Meinolf Schneider sechs Gimmicks – also Spaßprogramme – bei, die er eigens dafür programmierte, während er gleichzeitig an OXYD arbeitete. Für jede Ausgabe schrieb er einen kleinen (Modula 2-)Programmierkurs, worin er beschrieb, wie er das entsprechende Gimmick realisierte. Daneben gab es oft sogar den kompletten Quellcode zu bewundern. Mit einem kleinen Rückblick auf seine witzigen TOS-Gimmicks möchte ich hier einem wichtigen Teil meines Lebens ein Denkmal setzen: Der Teil der dafür verantwortlich ist, was ich heute mache.

1. Physical – Schwerkraft für den Mauszeiger
„Physical“ war ein kleines Programm, das den Mauszeiger den Gesetzen der Schwerkraft unterwarf. Einmal gestartet, zog es den Zeiger an den unteren Bildschirmrand und es kostete einige Kraft, ihn wieder nach oben zu ziehen. Insider kannten diesen Effekt aus einigen OXYD-Levels, wo die Kugel sich ebenfalls der Schwerkraft beugte. Mit bestimmten Tasten konnte der Benutzer bei diesem Gimmick außerdem die Schwerkraft etwas modifizieren oder z.B. Schwerelosigkeit simulieren.

2. Django war hier!
Hiermit verlieh Meinolf Schneider dem gelangweilten ST-User wenigstens für einige Augenblicke eine kleine Portion Action. Wer dieses Programm startete, musste den Mauszeiger nur für einige Minuten ruhen lassen. Die nächste Mausbewegung konnte dann allerdings tödlich sein: Der Bildschirm wurde urplötzlich von Django beschossen und krachte dann effektvoll zu Boden. Bei aufgedrehten Boxen garantiert ein Adrenalin-Schock.

3. Fly-Ex – Der Fliegenkiller
Mit diesem kleinen Programm verwandelte sich der Mauszeiger bei einem Rechtsklick in eine Fliegenklatsche. Der passende Störenfried ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Mit einem nervenden Surren setzten sich Fliegen auf den Bildschirm und knabberten diesen an. Jede plattgemachte Fliege wurde am oberen Bildschirmrand mitgezählt.

4. Magic – Zauberhafter Desktop
Ein eher bescheidenes Gimmick, das dem Mauszeiger einen gewissen magischen Glanz verpasste, der den Mauszeiger verfolgte. Bei jeder Bewegung der Maus gab es glänzende Sterne zu sehen. Derselbe Effekt wurde im Intro des Macintosh-Emulators „Aladin“ verwendet.

5. Trashy – Der Kobold im Mülleimer
Meines Erachtens das witzigste Gimmick von allen. Der TOS-Papierkorb wurde zum Spielplatz eines verrückten kleinen Kobolds, der entweder durch Klopfen auf sich aufmerksam machte, lachend aus der Tonne blickte oder mit dem ganzen Papierkorb über den Desktop hüpfte. Kaum zu glauben, wieviele Stunden ich mit so einem simplen Accessory Spaß hatte.

6. Snow – TOS-Winterlandschaft für Atarianer
Zuletzt nochmal ein relativ aufwändiges Gimmick, das den gesamten Desktop in den tiefsten Winter verfrachtete. Unser geliebter ST schien plötzlich einzuschneien. Glücklicherweise gab uns Herr Schneider gleich das passende Utensil mit: ein Eiskratzer, mit dem der Desktop mühsam freigekratzt werden musste. Tatsächlich hab ich das Programm damals so lange laufen lassen, bis der Desktop bis oben hin mit Schnee voll war.

Das TOS-Magazin wurde leider schon im Spätsommer 1993 wieder eingestellt. Damals wurde der Atari ST (bzw. seine Nachfolger Atari TT und Atari Falcon) gerade vom Markt gedrängt, während der Amiga noch eisern gegen den immer stärker werdenden PC kämpfte. Klingt wie aus einem spaßigen Film, war aber eigentlich eine traurige Sache.

Ich schätze, ich werde in Zukunft noch weitere Artikel zu dem Thema schreiben.

nach oben