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Film-Kurzreview: “Seelen”

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Nehmt euch ein Zimmer

seelenDie Menschheit hat ein Problem: Außerirdische übernehmen nach und nach die Körper aller Menschen, und auf die letzten Überlebenden wird – unter der Leitung der “Sucherin” (Diane Kruger) – systematisch Jagd gemacht. Eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern, zu der auch die junge Melanie (Saoirse Ronan) und ihr Freund Jared (Max Irons) gehören, will sich die Erde zurückerobern. Bei dem Versuch ihren kleinen Bruder vor einer Patrouille zu schützen, wird Melanie geschnappt und ihr Körper von einem außerirdischen Wesen, dem “Wanderer”, beseelt. Mit seiner Hilfe sollen ihre Gedanken ausgehorcht und so das Versteck der letzten Menschen gefunden werden, doch Melanie, jetzt Gefangene in ihrem eigenen Kopf, gelingt es, den Wanderer zur Flucht zu überreden. In Gestalt von Melanie wird der Wanderer im Versteck ihres Onkels Jeb (William Hurt) misstrauisch empfangen. Weil viele den Verlust von Melanie bedauern, bauen sie eine Freundschaft zu “Wanda”, wie sie nun genannt wird, auf. Jared fühlt sich betrogen als Wanda und der verwegene Ian (Jake Abel) schließlich Gefühle füreinander entwickeln. Doch das sind Nebensächlichkeiten als die Sucherin das Versteck aufspürt.

Die Idee, dass uns Außerirdische besuchen und in Gestalt unserer Mitmenschen auf der Erde wandeln, ist in Kreisen der Filmemacher so neu freilich nicht. In dem Kult-Horrorstreifen “Die Körperfresser kommen” wird die Thematik als prominentes Beispiel fantastisch in Szene gesetzt. Der Regisseur Andrew Niccol versucht sich mit der Verfilmung des von der Vampirschmachtreihe “Twilight” bekannten Bestsellerautorin Stephenie Meyer geschriebenen “Seelen” an einer cineastischen Vermischung besagten Horrorszenarios mit der irrationalen, hormongesteuerten Welt der Teenagerliebe – also genau dasselbe (Erfolgs-)Konzept wie schon bei Twilight. Anstatt dem Vampirfilm-Genre ein ums andere Mal mit Begeisterung die spitzen Zähne abzufeilen, wird hier zur Abwechslung Liebe zwischen Menschen und Außerirdischen propagiert.

Elementarer Baustein der Handlung ist Melanies Schizophrenie, die eine gewisse Vielschichtigkeit und einen nervenaufreibenden Machtkampf der beiden Identitäten andeutet, sich aber schon nach kurzer Zeit darauf beschränkt, in welchen Jungen Melanie bzw. Wanda nun eigentlich verliebt sein darf. Ihr innerer Widerstand gegen den Eindringling resultiert zwar in einer Vielzahl an durchaus interessanten Mono-/Dialogen, doch in vielen Szenen gehen mir ihre durchdringenden Zwischenrufe aus dem Off, die über ein “Lass das!” oder “Hör auf damit!” selten hinausgehen, eher auf die Nerven. Immerhin begibt sich der Film in philosophische Tiefsinnigkeit über die destruktive Natur des Menschen und – angesichts der Tatsache, dass es um die Spaltung bzw. Verbindung von Körper und Geist geht – die Frage, was denn eine Person grundsätzlich ausmacht. Dies gelingt ausgesprochen gut.

Für die jungen Hauptcharaktere aus dem Film scheint es nur wenig Romantischeres als eine Alien-Invasion auf der Erde zu geben, denn anders kann man sich kaum erklären, wieso Melanie/Wanda ständig dabei ist, mit den Herren der Schöpfung herumzuknutschen. Das sind wohl die Stellen, an denen man sich kurz selbst daran erinnern müsste, dass “Seelen” auch ein Liebesfilm ist, denn er kann das mit seinem Setting recht gut kaschieren, selbst wenn das nicht seine Absicht ist. Die sterile emotionslose Gesellschaft der menschgewordenen Außerirdischen entführt schnell die Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Saoirse Ronan, bekannt unter anderem aus Peter Jacksons Drama “In meinem Himmel” und dem Thriller “Hanna”, blüht in der Rolle der roboterhaften Wanda verständlicherweise nicht immer auf, dafür besteht andererseits auch keine Gefahr, dass sie die Figur überspielt. Ihre durchaus sehenswerte Leistung muss sich hier mit einem William Hurt und einer Diane Kruger vergleichen lassen, die viel von ihrem Handwerk verstehen und das auch so rüberbringen, was nur zum Vorteil von “Seelen” ist. Der Soundtrack von Antonio Pinto gehört nicht zu seinen besten, übertrifft aber noch bei weitem die Klasse, die für einen solchen Film nötig ist.

Fazit: Nicht überall wo Stephenie Meyer draufsteht, sind auch Vampire drin: “Seelen” ist eine gutgemachte, einigermaßen glaubwürdige, wenn auch reichlich pubertäre Genre-Mixtur nach bewährtem Rezept. Der Schwenk von bekanntem Fantasy-Terrain hin zu typischer Science-Fiction ist kein Reinfall und auch keine Offenbarung, aber es ist schön zu sehen, dass man sich gelegentlich auch noch Experimente zutraut.

Amiga

Amiga-Spiele als Blackberry-Apps

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Um das Thema Superfrog vorerst zu beenden, möchte ich hier noch einen kleinen Nachtrag anbringen. Ein Arbeitskollege hat mich aufgrund meiner kürzlich entfachten Begeisterung für Superfrog HD darauf hingewiesen, dass Superfrog im Blackberry World (“Appstore”) für 1,79 EUR angeboten wird. Logisch, dachte ich, der Hersteller wird versuchen, sein neues Remake für möglichst viele Systeme anzubieten. Dann jedoch sah ich die Blackberry-App mit eigenen Augen. Das Spiel sah nicht nach HD aus, und hatte auch kein “HD” im Namen. Das angegebene Jahr war 1993, und sogar der Original-Sponsor Lucozade wurde noch erwähnt. Das ist doch gar kein Remake, oder doch?

superfrog_blackberryDie Versionsnummer wird mit 1.3.4.16 gelistet. In der Beschreibung steht aber “The original 1993 Amiga game from Team 17“. Ein Klick auf den Hersteller Amiga, Inc. offenbart ein weiteres Puzzlestück: Hier werden Amiga-Demos und Spieleklassiker wie Alien Breed, Xenon 2, Gods, The Chaos Engine, Turrican, Zool, uvm. angeboten, alle für bis zu drei Euro. Das konnten unmöglich Remakes oder Portierungen sein. Das sind die Originale, wahrscheinlich mit einem Emulator gebundlet, da war ich sicher. Eine kurze Recherche bestätigte meine Vermutung: Die Diskfiles kommen mit einem modifizierten UAE (Unix Amiga Emulator) für Blackberry daher. Modifiziert genug, dass man den Emulator dahinter nicht mehr sehen kann.

Auf dem Blackberry-Newsportal Crackberry.com gibt es ein Interview mit Bill McEwen über den Release der neuen Blackberry-Amiga-Apps. Am meisten stört mich an dem Text die sechste Frage: “With so many classics to choose from — Speedball 2, Wings, Elite and more — how do you decide which games to port first?“. Der Text erweckt dein Eindruck als handle es sich um echte Portierungen, was aber sehr unwahrscheinlich ist, denn bei einigen dieser Spielen kann man davon ausgehen, dass der Quellcode nicht mehr so schnell aufzutreiben sein wird, außerdem wäre der Aufwand viel zu groß. Der Fragensteller gibt sich keine Mühe, die technische Seite der Spiele auch nur im geringsten abzuklopfen. Es scheint ihn nicht zu interessieren, wie die Umsetzung gelungen ist. Auch Bill McEwen wird an keiner Stelle konkret. Mich als Softwareentwickler und Amiga-Fan ärgert dieses Versäumnis ein wenig.

Bevor mich nun wieder alle als “Hater” oder Haarspalter abstempeln: Ich finde die Aktion insgesamt sehr lobenswert. Wer mich kennt, weiß, dass ich alle Bemühungen, alte Spieleklassiker (möglichst in ihrer Urform) wieder aufleben zu lassen, sehr schätze und unterstütze. Daher bin ich prinzipiell auch ein Fan des Spieleportals GOG.com. Aber ähnlich wie Blackberry in diesem Fall bei den Amiga-Spielen, kritisiere ich GOG.com dennoch dafür, dass sie ein Geheimnis um die Technik der Umsetzung machen, und Kritik wird ja wohl noch erlaubt sein.

Nehmen wir als Beispiel eines der besten PC-Spiele überhaupt, nämlich Dungeon Keeper. GOG.com schreibt hier unter anderem: “compatible with: Windows (XP, Vista, 7, 8) and Mac OS X (10.6.8 or newer)” und weiter: “Minimum system requirements: Windows XP or Windows Vista, 1.8 GHz Processor, 512MB RAM (1 GB recommended), 3D graphics card compatible with DirectX 7 (compatible with DirectX 9 recommended), 2GB HDD, Mouse, Keyboard.[…]”. Dungeon Keeper lief nie unter Mac OS, bei allen Systemen ab Windows XP muss man mit Problemen rechnen, und schon gar nicht setzte das Spiel so eine leistungsfähige Hardware voraus. Warum also diese “falschen” Angaben?

Nun, der erfahrene GOG.com-Nutzer wird die Antwort schon kennen: Es handelt sich hier um die MS-DOS-Version von Dungeon Keeper, die einfach mit einer vorkonfigurierten Version von DOSBox – also einem DOS-Emulator – gebundlet wird. DOSBox wird jedoch mit keinem Wort erwähnt, und das finde ich schon ein starkes Stück. Wenn man Glück hat, erwähnt es ein Käufer zufällig in den Kommentaren. Eine Installation von DOSBox (mit meiner Original-CD von Dungeon Keeper) kann ich mir auch alleine hinstellen, dazu brauche ich GOG.com nicht. Hätte ich das Spiel nur deshalb gekauft, weil ich auf eine vollständig Windows-7/8-native Version gehofft hätte (die es übrigens wirklich gibt!), dann hätte ich mich sehr geärgert. Das ist meiner Meinung nach knapp an der Grenze zur Täuschung durch Unterschlagung essentieller Informationen. Die System Requirements wären eigentlich genau der richtige Platz gewesen, um das Stichwort “DOSBox” einmal kurz einzustreuen. Das hätte niemandem geschadet.

Offensichtlich ist Transparenz aber nicht die Maxime des Anbieters. Ein weiterer Grund warum mich das ärgert, ist die Tatsache, dass GOG.com vor zwei Jahren in einem Interview äußerten, dass die alten Spiele von Programmierern hinsichtlich Kompatibilität zu neuen Betriebssystemen optimiert würden: “Programmers get their hands on masters to optimize them to run on Win XP/Vista/7, testers check the builds[…]”. Um ein Spiel mit DOSBox zum Laufen zu bewegen, braucht man keinen Programmierer. Es mag sein, dass die Aussage oft zutrifft, aber wenn dann im Einzelfall doch wieder nur DOSBox zum Einsatz kommt, dann will ich das zumindest in der Beschreibung sehen können, bevor ich kaufe. Wer sich übrigens viele solcher Spiele bei GOG.com kauft, hat am Ende daher auch viele Installationen von DOSBox auf der Festplatte.

Danke für die Amiga-Spiele auf dem Blackberry, aber wenn es keine Portierungen sind, solltet ihr bitteschön auch nicht so tun als wären es welche. Ein Hinweis bezüglich des quelloffenen UAE wäre angebracht, nicht nur für technisch versierte Nutzer. Gleiches gilt für “optimierte” Spiele auf GOG.com, bei welchen DOSBox beigelegt wird, um den Entwicklern Arbeit zu sparen. Dann bitte wenigstens dazuschreiben, was wirklich im Paket enthalten ist.

twitterdead

Mein Auto hat ‘nen Vogel

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Liebe Gemeinde, einen fröhlichen Nikolaustag wünsche ich euch! Man möge mir den Artikel über den Erwerb meines ersten eigenen Fahrzeugs verzeihen, nachdem ich jahrelang, nein jahrzehntelang, von der Deutschen Bahn terrorisiert worden bin. Man möge auch darüber hinwegsehen, dass ich über die erste Beule, die mir jemand reingefahren hat, und über den ersten Diebstahl einen kleinen Beitrag schreiben wollte. Als ich heute Mittag irritiert und ungläubig vor meinem Auto stand, da überlegte ich erneut, ob das denn nicht ein paar Textzeilen in meinem öffentlichen Onlinetagebuch wert sein sollte. Wen es nicht interessiert und wer einen empfindlichen Magen hat, bitte weglesen.

Es war gegen 13 Uhr als ich auf dem fast vollbesetzten Parkplatz mein Auto aufsuchte. Schon von weitem erkannte ich, dass da irgendetwas nicht ganz stimmen konnte. Ein Blick aus der Nähe schlug mir dann schon ganz gut auf den Magen. Das Bild, das sich mir auf dem Autodach bot, das war nicht so besonders appetitlich.

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Das Bild soll die Ironie des Ganzen ein wenig betonen. Nachdem das Auto besonders in den letzten Wochen so dermaßen schmutzig geworden war, dass man vom Anfassen schwarze Finger bekam und am Heck die vielen Fingerabdrücke erkennen konnte, wollte ich einmal eine günstige Waschanlage ausprobieren. Die erste Autowäsche in fast einem Jahr, weil ich mich immer davor gedrückt habe. Gestern Abend um 21 Uhr bei stürmischem Wetter war es dann endlich soweit. Ein paar Euro auf den Tisch gelegt, eine Viertelstunde lang den rotierenden Bürsten zugesehen, und der Lack strahlte wieder wie neu. Blitzblank! Geiles Gefühl.

Nur 16 Stunden später habe ich mein blutverschmiertes Autodach von totem Vogel befreit, von großzügig verteilten Vogelgedärmen und mehreren Federn, und anschließend alles mühsam von Hand saubergewischt. Das hat länger gedauert als das ganze gestrige Waschprogramm der Autowaschanlage. Das Vieh sah aus als sei es explodiert, und hat seine klumpige Blutspur bis zum Kofferraumdeckel gezogen. Fragt mich nicht wie das passiert ist, und wieso es von 150 Autos wieder ausgerechnet meines sein musste. Dem Schaden nach zu urteilen, müsste es eigentlich morgens während der Fahrt passiert sein, aber ich habe nichts bemerkt. Auch beim Aussteigen ist mir nichts aufgefallen. Und wenn es während der Fahrt passiert wäre, dürfte der Vogel doch nicht so locker auf dem Dach liegengeblieben sein, denke ich. Jedenfalls hat sich die Autowäsche ja irre gelohnt für mich, dachte ich so bei mir während ich am Wischen und Fluchen war.

Für einen Augenblick gab ich mich sogar kühnen Verschwörungstheorien hin, jemand habe mir wohl einen toten Vogel aufs Autodach gelegt. Vollkommen plausibel. Nicht. Das unglückliche Tier wird sicher nicht einfach gegen einen Baum geflogen und dann aufs Dach gefallen sein. Gab zum Glück keine Beule. Ich bin es ja fast gewohnt, dass die verdammten Mistvögel mir regelmäßig großflächig auf die Motorhaube kacken, aber dass sie sich neuerdings auch zum Sterben auf meinem Auto niederlassen, das ist etwas zuviel des Guten.

Da wir schon beim Thema Auto sind. Die Tankdeckelentriegelung funktioniert nicht mehr richtig. Kennt sich jemand zufällig damit aus? Schon seit Monaten zickt der Tankdeckel immer ein bisschen rum, und geht erst nach mehrmaligem Betätigen der Fernbedienung auf. Aber als ich gestern Abend fast fünf Minuten lang verzweifelt versuchte den Tankdeckel zu öffnen, und unter den Augen der anderen Tankstellenbesucher wie ein Bekloppter auf der Fernbedienung herumdrückte, da kam ich mir doch extrem blöd vor. Ich war froh, dass es dann irgendwann doch klappte, sonst hätte ich unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen. Gibt bei solchen Autos scheinbar keine Notentriegelung. Klingt nach dem nächsten Besuch in der Werkstatt – und nach weiteren ungeplanten finanziellen Ausgaben.

Update vom 07.12.: Bild entschärft.

Filme

35 legale Filme von netzkino.de

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netzkino.deVor einigen Monaten schon berichtete ich über ein kostenloses bzw. werbefinanziertes legales deutsches Filmstreaming-Portal, dessen Jugendschutz-Restriktionen im besten Fall peinlich sind. In dümmlichstem “CNetz”-Gutmenschentum werden dort Filme, die keine Jugendfreigabe haben, erst ab 23 Uhr gestreamt, und nur bis 6 Uhr morgens. Für die einen ist es “nur” Entmündigung erwachsener Bundesbürger, allein damit Jugendliche (die um diese Zeit ohnehin ins Bett gehören) nicht noch versehentlich einen Horrorfilm anklicken, für die anderen ist es Internetkrebs, der früher oder später Metastasen erzeugt und wahrscheinlich im Endstadium sowas wie Ladenöffnungszeiten im Internet hervorbringt. Aber andererseits schaut man einem geschenkten Gaul bekanntermaßen nicht ins Maul.

Im folgenden nun eine Liste von 35 Filmen, die ich in den letzten paar Monaten legal auf netzkino.de komplett angesehen habe, chronologisch aufsteigend sortiert. Manche davon sind wirklich gut, andere sind ziemlicher Schund. Insgesamt habe ich schon so halbwegs darauf geachtet, die ganz schlimmen Gurkenfilme zu vermeiden, und stattdessen weitestgehend (mit Ausnahmen) die filmischen Rosinen herauszupicken. Also nur falls sich nun jemand fragt, was die dort denn noch so alles anbieten. Um das mal in Kennzahlen auszudrücken: IMDb-Ratings von unter 4.0 findet man da sehr häufig. Was tut man nicht alles, um sein filmisches Wissen zu erweitern.

  1. Clockwise – In letzter Sekunde (1986)
  2. Five Corners – Pinguine in der Bronx (1987)
  3. City of Sex (1988)
  4. Dead Ringers – Die Unzertrennlichen (1988)
  5. Time to kill (1989)
  6. Wings of Freedom (1989)
  7. The Bloody Cottage in the Forest (1991)
  8. No Surrender – Schrei nach Gerechtigkeit (1992)
  9. Unter Haien in Hollywood (1994)
  10. Amy Foster – Im Meer der Gefühle (1997)
  11. Der Musterschüler (1998)
  12. Future Sport (1998)
  13. Lieber gestern als nie (1998)
  14. Permanent Midnight – Voll auf Droge (1998)
  15. Animal Farm (1999)
  16. Ich liebe Dick (1999)
  17. The Runner (1999)
  18. Animal Factory (Rache eines Verurteilten) (2000)
  19. Ordinary Decent Criminal (2000)
  20. The 6th Day (2000)
  21. Love Bites (2001)
  22. Waking up in Reno (2002)
  23. Kids in den Strassen New Yorks (2006)
  24. Noise (2007)
  25. 3 und raus! (2008)
  26. Edison & Leo (2008)
  27. Pontypool (2008)
  28. Strictly Sexual – Endlich Sex!!! (2008)
  29. A fork in the road (2009)
  30. Jack im Reich der Riesen (2010)
  31. Absentia (2011)
  32. Michael (2011)
  33. Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte (2011)
  34. We need to talk about Kevin (2011)
  35. Gedemütigt in Ketten – Nackt und hilflos (2012)
Spiel

Durchgespielt: Superfrog HD

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Irgendwann Mitte der 90er Jahre bekam ich die Gelegenheit, die idyllischen Amiga-Gefilde zu verlassen, und mich in der schnelllebigen, bluescreenverseuchten Windows-Welt des PC zu versuchen. Nur ein paar Jahre später, ungefähr 1998, startete ich den ersten Amiga-Emulator auf dem PC, da ich immer öfter sentimental wurde, wenn ich an die Zeit mit Kickstart, Workbench und AmigaDOS dachte. Als ich dann schließlich auf einer kleinen Internetseite mit dem Namen “AmigaRat’s Page” tatsächlich die vier Disketten-Images von Superfrog – einem meiner absoluten Amiga-Lieblingsspiele – zum Downloaden vorfand, war ich überglücklich und gleichzeitig wahnsinnig gespannt. Das waren die Zeiten, als man noch mit jedem einzelnen Download mitfieberte, denn wenn die Verbindung (aus verschiedensten und relativ häufigen Gründen) abbrach, musste man die Übertragung von vorne beginnen. Mit meiner 14.400-Baud-Leitung zu CompuServe hatte ich die Dateien gefühlte 2 Stunden später auf der Festplatte. Als der kleine grüne Frosch schließlich auf dem 15″-Monitor meines PC herumhüpfte, da saß ich in Gedanken wieder mit dem knallroten klackernden Joystick vor dem Amiga.

durchgespielt_superfroghd1Wir schreiben das Jahr 2013. Exakt 20 Jahre nach Veröffentlichung von Superfrog erscheint das Remake in HD. Es kam wie es kommen musste: Als großer Fan des Originals konnte ich nicht widerstehen und so habe ich kürzlich Superfrog HD durchgespielt. Insgesamt sechs Stunden Spielzeit kann man aufwenden, wenn man alles sehen möchte. Ein kurzweiliger aber auch herausfordernder Spaß für Fans klassischer 2D-Jump’n’Run-Kost. Wie ich schon im Vorfeld betonte, haben TickTock Games und Team17 in Zusammenarbeit ein derart großartiges Remake geschaffen, dass ich das in Worte kaum auszudrücken vermag. Obwohl es viele kleine Änderungen gibt, bleibt das Spiel dennoch irgendwie genau dasselbe. Keine Verschlimmbesserungen, keine Stilbrüche, und für die Fans gibt es die unberührten Original-Levels und den Original-Soundtrack. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll mit meiner Lobhudelei.

Die neue Levelkampagne behält das Thema des Originals bei. Die jeweils vierteiligen Abschnitte werden nicht mehr kontinuierlich länger, sondern haben alle dieselbe Größe. Der Schwierigkeitsgrad ist ausgesprochen leicht bis höchstens moderat. Da Superfrog schon damals ein wenig von Segas Sonic The Hedgehog inspiriert gewesen zu sein schien, hat man die Levels hier konsequenterweise etwas beschleunigt, so dass man mehr rennen kann. Es erscheint fast wie ein glücklicher Zufall, dass Team17-Komponist Allister Brimble seinen Superfrog-Soundtrack erst neulich komplett modernisiert hat, doch leider fand diese Neufassung keinen Einzug in das Remake. Die neue Hintergrundmusik ist unbeeindruckend und eher langweilig, erinnert stellenweise aber an das Vorbild. Die Levelcodes sind ja sowas von gestern und mussten einem Levelauswahl-Bildschirm weichen. Die Slotmaschine am Ende jedes Levels durfte bleiben, denn sie dient dazu, die Original-Levels freizuschalten. Grafisch ist Superfrog HD fantastisch und genau so wie ich mir das gewünscht hätte: Alles sieht aus wie man es gewohnt ist, noch dazu hochauflösend, extra flüssig, und mit sehr viel Liebe zum Detail. Alle Spielelemente und auch die Steuerung verhalten sich wie im Original.

durchgespielt_superfroghd2Die neuen Levels bilden komplette Abschnitte der Original-Levels perfekt nach und erweitern diese sehr glaubhaft, so dass man immer mit einem starken Déjà-vu-Erlebnis durch die Welt rennt und springt. Man fühlt sich hier derart heimisch, dass sogar die unsichtbaren Münzspender genau dort sind, wo man sie erwarten würde, ohne die Levels vorher gekannt zu haben. Die Hexe als Endboss tritt nun nach jeder Welt kurz auf und nicht mehr allein am Ende des Spiels. Bereits das Originalspiel war, was einsammelbare Schätze anging, gerade in den Pyramidenlevels, äußerst großzügig, doch die neue Kampagne überschüttet den Spieler nur so mit Münzen, Früchten und Powerups. Bestimmt zehnmal soviel Krempel liegt in der Welt herum. Ein kleiner Schwachpunkt sind die Soundeffekte. Leider fehlen unter anderem die witzigen Geräusche die Superfrog macht, wenn er in eine Stachelfalle gehüpft ist, oder wenn er einen Geheimgang entdeckt hat. Die neuen Sounds haben diesen Charme einfach nicht mehr. Außerdem hat man aus nachvollziehbaren Gründen die witzig gemeinte Schleichwerbung für die britische Getränkemarke Lucozade leider aus dem Spiel genommen und durch unbeschriftete Flaschen ersetzt.

Wer eine Herausforderung sucht, spielt die Original-Levels, denn die sind schwerer als im Amiga-Superfrog. Das merkt man spätestens in Level 2-3 und 2-4. Hier sind die Zeitlimits derart bissig, dass ich wirklich etliche Male von vorne beginnen musste. Ein abgelaufener Timer bedeutet Gameover – egal wieviele Extraleben man noch hat. Entweder ist den Entwicklern nicht aufgefallen, dass die Lucozade-Fläschchen normalerweise auch 2 Minuten zum Timer dazuzählen, oder sie wollten die Fans ein wenig unter Spannung setzen. Interessanterweise hat man dann ab Welt 3 wieder mehr als genug Zeit um die Levels abzuschließen. Die Weltraumwelt, besonders Level 6-4 haut dem Spieler dann alles um die Ohren was das Spiel hergibt: Der Timer ist sehr knapp gehalten, man beginnt mit lächerlichen 2 Extraleben, die unverzichtbaren Münzen sind weit verstreut, von überall her ballert es. Um es kurz zu halten: In diesem Level gibt es fast keinen Spielraum für Fehler. Ungefähr nach dem hundertmilliontausendsten Mal ist es mir mit viel Glück gelungen, wahrscheinlich kurz bevor ich noch aus Wut und Anspannung das Joypad zerdrückt hätte.

superfroghd2Das “Project F”-Bonuslevel, in Anlehnung an den Team17-Knaller “Project X”, wurde nicht ins Remake eingebaut – eigentlich schade. Theoretisch müsste man also sagen, dass das Remake nicht vollständig ist. Spud ist natürlich wieder dabei, den Superfrog auf Gegner schleudern kann. Mit der Tastatur ist mit Spud allerdings so schlecht zu zielen, dass man es besser gleich lässt oder doch ein Joypad zur Hand nimmt. Dafür kann Spud im Gegensatz zum Original jetzt jeden Gegnertyp umhauen, was den Nutzen erhöht. Auch die Flügel sind im Remake deutlich sinnvoller. Man kann damit sehr viel präziser und vorsichtiger durch die Levels navigieren. Das ist gerade angesichts der unglaublich zahlreichen Stachelfallen wirklich nötig. Ohne Flügel ist man oft ein bisschen aufgeschmissen. Die Animationen zum Beginn und zum Abschluss jeder Welt sind 1:1 übernommen worden, was ich sehr begrüße. Die Cartoon-Einleitung des Amiga-Künstlers Eric W. Schwartz wurde graphisch etwas umgestaltet. Auch das Titelbild ist modernisiert worden.

Ich bin zwar nicht mehr neun Jahre alt, aber Superfrog HD macht trotzdem Spaß, auch wenn das Setting heute ein bisschen alberner wirkt als früher. Wieso können nicht alle Spiele-Remakes so gut sein wie dieses? Wieso muss man die Fans mit zweifelhaften Design-Entscheidungen vergrätzen, die nicht zum Original-Spielgefühl passen, statt dem Spieler mit einem Optionsmenü einfach die Wahl zu lassen? Team17 gibt den Spielern “ihr” Superfrog wieder – und noch mehr. Danke Team17, ihr seid toll! Ihr hattet mich schon nach dem “Quak”.

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