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Oxyd magnum! und Futuredelic

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Dongleware! Mein kleines aber feines Museum ist inzwischen um zwei weitere Ausstellungsstücke erweitert worden. In regelmäßigen Abständen grase ich Ebay nach diversen Schnäppchen ab, falls jemand zufällig Atari-Bücher bzw. Dongleware-Produkte zum Spottpreis verticken möchte. Da muss ich sofort zur Stelle sein, sowas würde ich nämlich ungern verpassen, sind diese Dinge doch heutzutage recht selten geworden. Manche scheinen das mit dem Seltenheitswert aber doch etwas zu ernst genommen zu haben, so kann ich immer noch Angebote für ein 95 Euro teures SPACOLA-Buch mit welligem Papier und ein – Achtung, jetzt kommt’s – Per.Oxyd-Buch für 498 Euro finden, und das trotz fehlender Seiten. Na hoffentlich bekommt der Verkäufer das Ding zu dem Preis nicht irgendwann los.

oxydmagnum futuredelic smallZurück zu meinen neuesten Anschaffungen: Es handelt sich um die Oxyd magnum! Box von 1993 und, was eigentlich noch viel interessanter und deutlich seltener ist: Die Techno-Compilation Futuredelic vom Mai 1994. Moment, Techno? Eine Musik-CD? Was hat das mit Dongleware zu tun? Tja, meine Damen und Herren. Der Dongleware-Verlag war, wie der Name vielleicht vermuten lässt, ein Verlag, und verlegt werden kann vieles wenn es Geld einbringt. Allerdings war Futuredelic meines Wissens der einzige Exkurs von Dongleware im Musikbereich, die wahrscheinlich einzige Audio-CD auf der Welt mit dem OXYD-Logo drauf. Die CD hatte nämlich ebenfalls einen Daten-Track mit spielbaren Demoversionen von Tubular Worlds und OXYD General Edition für Atari ST, IBM-PC und Mac. Aber es hatten wohl nur die wenigsten ein teures CD-ROM-Laufwerk für den Atari ST.

Die Musik-CD wurde von Obsession Records produziert und enthält Trance und Techno von deutschen Künstlern wie Christian Vogel, Affie Yusuf, Purple Plejade, Roland Casper und Christopher Just. Lauter Leute von denen ich keinen einzigen kenne, obwohl ich mich durchaus schon recht lange für elektronische Musik begeistern kann. Tatsächlich kann ich mir so einige Songs von der CD ganz gut anhören, während mir andere wiederum doch zu experimentell sind. Die CD wurde zwar in Deutschland produziert, ich musste sie aber aus Taiwan bestellen, so selten ist die scheinbar schon. Kennt jemand eine gute CD-Rip-Software, die Lesefehler sauber korrigieren kann? Irgendwie habe ich lauter eklige Hüpfer in meinen FLAC-Dateien, weil die CD wohl nicht mehr die jüngste ist.

Die Oxyd magnum! Box ist natürlich auch ein sehr wertvoller Neuzugang für meine Sammlung. Original mit Handbuch, 3,5″-Floppy, und sogar die niedliche schwarze Oxyd-Murmel war dabei. Das ist ein sehr passendes Gimmick für so ein Spiel. Habe mich sehr gefreut als ich etwas im Paket herumrollen gehört habe, denn ich wusste sofort was das ist. Der Verkäufer hat nicht zuviel versprochen, auch wenn der Karton leider relativ sichtbar eingedellt ist, aber das ist in 20 Jahren wohl kaum vermeidbar im Alltagsgebrauch. Beide Artikel wurden wie immer in allen möglichen Posen auf den Scanner gelegt, damit meinem Archiv digitaler Schätze nichts entgeht. Demnächst werde ich also die Seite meines Spielemuseums entsprechend aktualisieren können. Es gibt noch viel zu tun.

Filme

Film-Kurzreview: “Der ewige Gärtner”

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Ein Gärtner gegen menschliches Unkraut in Afrika

derewigegaertner2Die Chemie stimmt auf Anhieb, als der britische Diplomat Justin Quayle (Ralph Fiennes) die Aktivistin Tessa (Rachel Weisz) kennenlernt und heiratet. Tessa begleitet ihn auf seiner Reise nach Afrika, wo sie den einheimischen Menschen an der Seite von Dr. Arnold Bluhm (Hubert Koundé) helfen will. Justin sucht Trost in seinem Hobby – der Gärtnerei – nachdem er Hinweise darauf erhält, dass “Mama Tessa”, wie seine inzwischen schwangere Frau von den Afrikanern genannt wird, eine Affäre hat. Ihr ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit führt sie auf die Spur geheimer Medikamententests mit Todesfolge an Menschen, und so schreibt sie einen Brief an den britischen Diplomaten Pellegrin (Bill Nighy). Sie plant, den Skandal um den Pharmakonzern KDH öffentlich zu machen, der ein Milliardengeschäft mit dem gefährlichen Tuberkulose-Heilmittel Dypraxa erwartet. Mehrfach ignoriert sie sämtliche Warnungen, sich besser nicht gegen die Interessen des mächtigen Konzerns zu stellen, bis sie eines Tages ermordet aufgefunden wird. Als Justin, der bis dahin keine Vorstellung von der investigativen Tätigkeit seiner Frau hatte, die mysteriösen Umstände ihres Todes aufklären will, erhält er dieselben Warnungen.

Man sollte nicht den Fehler machen, zu glauben, nur weil Pharmaunternehmen Heilmittel bzw. Medikamente erforschen und herstellen, wollten sie gleichzeitig auch Gesundheit, Seelenheil und Weltfrieden für alle, denn an Epidemien verdient dieser Industriezweig ein Vermögen. Sie sind keine wohltätigen Institutionen, sondern berechnend und in höchstem Maß profitorientiert. Das Drama “Der ewige Gärtner” von Regisseur Fernando Meirelles aus dem Jahr 2005, nach einer Romanvorlage aus der Feder von John le Carré, macht den Zuschauer darauf nur zu deutlich aufmerksam, während es die Geschichte zweier sich liebender Menschen erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der bürgerlich-konformistische Bürokrat Justin und die engagierte vorlaute Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Tessa.

Der Autor geht mit seiner Kritik noch weiter: Schon in Industrienationen wiegt ein Menschenleben nicht besonders schwer, wenn demgegenüber ein gigantisches finanzielles Investment steht. In den armen Ländern Afrikas bedeutet das erst recht, schon für kleine Summen eine unliebsame Person für immer zum Schweigen bringen zu können. Korruption, Bestechung, Erpressung, das alles ist laut le Carré in solchen Kreisen an der Tagesordnung. Während Justin mit seiner Trauer um seine geliebte Ehefrau Tessa schwer zu kämpfen hat, muss er außerdem erfahren, dass das mit den Menschenrechten nicht so genau genommen wird, wenn es um viel Geld geht. Wo er zuvor nicht mit unangenehmen Dingen in Berührung kommen wollte, und sich lieber um seine Pflanzen als um die Probleme seiner Frau kümmern wollte, da reißt ihr überraschender Tod ihn aus seiner kleinen Welt. Von ihr hat er gelernt, dass jede gute Tat einen Unterschied macht. Offenbar umso mehr, je gefährlicher sie ist.

Eine wichtige Komponente für ein glaubwürdiges Filmerlebnis über einen fremden Kontinent sind einige schöne Impressionen von Städten und ländlichen Gebieten Afrikas, und musikalische Kostproben afrikanischer Kultur. Man wird nicht permanent mit Bildern erschlagen, sondern erhält genau die richtige Dosis, um in die Stimmung einzutauchen. Auf der anderen Seite hinterlassen die wenigen Szenen, die in Berlin spielen, im Gedächtnis des Zuschauers ein sehr ungemütliches und fragwürdiges Nachbild typisch deutscher Kultur: Man sieht glatzköpfige Fußballprolls rücksichtslos auf der Straße bolzen, und im Fernsehen trällern zufällig Marianne und Michael etwas von den schlimmsten Ausdünstungen deutscher Volksmusik. Meiner Meinung nach ein vermeidbarer Fehlgriff, über den man aber hinwegsehen kann.

Fazit: Schauspielerisch ist “Der ewige Gärtner” mit Ralph Fiennes und Rachel Weisz sehr stabil besetzt, dafür schwächelt die Handlung stellenweise zum Finale hin, z.B. wenn wichtige Schlüsselfiguren rund um die Verschwörung wie am Fließband in Rekordzeit abgearbeitet werden, ohne dem Zuschauer die Zeit zu geben, die Zusammenhänge richtig nachzuvollziehen. Das beinahe Weltbild erschütternde Drama um die gefährlichen menschenverachtenden Machenschaften eines skrupellosen Pharmakonzerns, die auch noch von höchsten Stellen in der Regierung vertuscht werden, erzeugt dennoch eine dichte Atmosphäre, die durch die Romanze schön abgerundet wird. Wer seine Liebesgeschichten ungern inmitten von Verschwörungen und Auftragsmorden genießen möchte, darf aber gerne wegschalten.

Kinderspielzeug

Ein kurzer Blick auf Windows 8

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Kürzlich saß ich mit einem Kollegen zusammen, der mir stolz sein neues Windows-8-betriebenes Notebook zeigen wollte. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich dieses (für mich relativ uninteressante) Betriebssystem von Microsoft noch nie zu sehen bekommen. Aber ich dachte da so bei mir: Der Kollege versteht nicht viel von PCs, Windows 8 dürfte genau das richtige für ihn sein, weil es ja so benutzerfreundlich ist, und überhaupt.

windows8Der Desktop sieht ja sogar ganz schick aus, und die Sounds gefallen mir auch, aber Metro mit seinen schmucklosen Kacheln wirkt doch sehr rustikal, so wie ich das auch von Screenshots kannte. Ich ließ den Kollegen einfach mal machen, was ihm scheinbar anfangs auch ganz gut gelang, während ich stumm die Oberfläche betrachtete.

Wir wollten im Internet diverse Angebote suchen, und damit es nicht gar so still beim Surfen würde, suchte er auf seiner externen Festplatte ein paar Musikdateien, wovon er eine mit einem beherzten Doppelklick aus dem Explorer startete. Es öffnete sich der Windows Media Player im Vollbildmodus, mit irgendeiner unglaublich lahmen Visualisierung, die ein bisschen aussah wie ein Bildschirmschoner aus den 80ern. Da war ich doch schon Spannenderes von Microsoft gewohnt. Wie dem auch sei, so interessant war die Oberfläche des Media Player nun wirklich nicht, dass wir den auf einem Breitbild-Display unbedingt im Vollbild hätten sehen wollen. So hetzte und klickte der Kollege relativ hilflos mit der Maus auf dem Bildschirm herum, fegte quer durch alle Bildschirmecken, auf der abenteuerlichen Suche nach dem Desktop. Nach einigen erfolglosen Versuchen kommentierte er das Geschehen bereits mit den ersten abfälligen Kommentaren über Windows 8. Ich gab mir Mühe nicht zu lachen.

Besonders viel helfen konnte ich ihm da schon nicht, da ich Windows 8 nicht nutze, aber immerhin entdeckte ich irgendwann in einer Ecke eine Verknüpfung zum Startmenü, und von dort gelangte man über eine Kachel wieder auf den Desktop. Ein Glück: Die Musik dudelte im Hintergrund weiter. Schnell wollte der Kollege mir noch ein paar Fotos zeigen, die er gespeichert hatte. Also via Desktop dorthin navigiert und das erste Foto im Ordner mit einem Doppelklick geöffnet. Das Foto öffnete sich wie erwartet im Vollbild. Wird jetzt etwa doch noch alles gut?

Witzig wurde es erst, als der Kollege mir die anderen Fotos aus dem Ordner zeigen wollte. Er suchte also mit der Maus nach irgendwelchen Pfeilen für die Ordnernavigation Links und Rechts, um durch die Bilder zu schalten. Einen Pfeil fanden wir, allerdings nur für Links, keinen für Rechts. Ein Klick darauf bestätigte die Vermutung, dass der Pfeil eine andere Bedeutung hat. Ich empfahl ihm, doch mal die Pfeiltasten auf der Tastatur zu probieren, weil das bei vielen Programmen funktioniert. Es bewegte sich leider nichts. So fuchtelte er also wieder mit der Maus in allen möglichen Ecken nach einer Diashow-Funktion oder etwas ähnlichem, aber wir fanden nichts. Also zurück zu den Kacheln, und von dort zurück zum Desktop, das nächste Foto mit einem Doppelklick ausgewählt. Dann wieder raus, zurück auf den Desktop, nächstes Foto. Schon beim vierten Mal war uns das eindeutig zu blöd. Mein nächster Tipp war es, doch einfach mal alle Fotos in dem Ordner zu markieren und auf die Selektion mit der rechten Maustaste zu klicken: Da musste es doch eine Diashow-Funktion im Kontextmenü geben, oder?

Fehlanzeige. Bevor wir uns sinnlos weiter mit Windows 8 herumärgerten, schlossen wir seine externe Festplatte an seine alte Kiste mit Windows XP an, dort ging das alles ganz mühelos. Erstaunlich wie Windows 8 beim Thema Intuitivität – wo es doch soviel Wert darauf legt – auf ganzer Linie versagt. Ein Betriebssystem für Rentner, Kinder und DAUs, und dennoch gelang es uns nicht, vernünftig damit zu arbeiten.

Ich bin nach diesem furchtbaren ersten Eindruck froh, dass ich mir Windows 8 nicht aufgehalst habe. Das ist wirklich nichts für mich, dafür ist mir der klassische Desktop und das Startmenü zu wichtig. Für Tablets mag das ja die Offenbarung sein, aber doch nicht am Desktop-PC oder am Notebook.

Java

Java-Kram: Nächstmöglicher Zeitpunkt zu fester Uhrzeit

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Willkommen zu meinem nächsten Beitrag direkt aus meinem Fundus merkwürdiger Java-Lösungen für nicht ganz so alltägliche Programmierprobleme. Normalerweise würde ich meine kreativen Fehltritte sicher NIE veröffentlichen, aber dieses Mal mache ich noch eine Ausnahme, da ich glaube, es könnte den einen oder anderen auf die richtige Spur bringen, wenn er nicht weiter weiß.

Kürzlich war ich dabei, einen kleinen Indexer für dies und das zu schreiben, der einmal am Tag zu einer bestimmten Tageszeit Datensätze aus einer Datenbank zieht. Wofür genau spielt hier natürlich keine Rolle. Jedenfalls wollte ich dafür einen TimerTask verwenden, und der wird beispielsweise mit einem Delay (Verzögerung in Millisekunden bis zum ersten Start), und einem Intervall (Verzögerung in Millisekunden für alle darauffolgenden Starts) gefüttert. Randbedingung war, dass der Indexer einmal am Tag um dieselbe Uhrzeit läuft. Diese Uhrzeit soll man hinterlegen können. Den TimerTask-Kram habe ich weggelassen, und den eigentlichen Indexer-Code auch, um das Beispiel möglichst auf das Essentielle zu reduzieren.

Mein Problem war nämlich, dass ich auf Anhieb nicht wusste, wie ich herausfinden könnte, wann der nächstmögliche Zeitpunkt für eine festgelegte Uhrzeit ist, also ob beispielsweise 14:30 Uhr noch am selben Tag ist, oder erst am darauffolgenden Tag. Wieviele Millisekunden muss ich als Verzögerung des initialen Starts angeben, damit der Indexer zur nächsten Gelegenheit um eine bestimmte Uhrzeit losläuft?

Nach einer Weile habe ich mir die obige Lösung für mein simples Problem auserdacht. Die Methode timeToNextIndexTask() gibt einen int-Array zurück, der die Zeit in Stunden und Minuten beinhaltet. Das lässt sich ohne Schwierigkeiten in Millisekunden umrechnen.

Aber wie das so ist, fällt einem schon kurze Zeit später auf, wie sinnlos man sich den Kopf darüber zerbrochen hat, und dass diese Lösung zwar funktioniert, aber eigentlich viel zu aufwändig und der Code ziemlich wackelig ist. Meine Frage lässt sich mit zwei GregorianCalendar-Objekten sehr einfach beantworten:

Kurzgesagt, man legt einen GregorianCalender für den aktuellen Zeitpunkt an, und verstellt einfach die Uhrzeit, behält das Datum jedoch bei. Nun muss man lediglich mit Hilfe der Methode after() bzw. before() vergleichen, ob das verstellte Calendar-Objekt in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegt. Falls es in der Vergangenheit liegt, muss man einen Tag dazuzählen, und schon hat man seinen gewünschten Zeitpunkt.

Spiel

Durchgespielt: Back to the Future: The Game

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backtothefuturegame1Komplettlösung? Für das was ich spiele, brauche ich keine… Komplettlösung. Jedenfalls nicht als Erwachsener – im Jahr 2013. Aber vielleicht hätte mein jüngeres Ich als Kleinkind von vielleicht zwei Jahren geringfügige Schwierigkeiten mit diesem Spiel gehabt. Doch um das herauszufinden, bräuchte ich schon so etwas wie eine Zeitmaschine.

Zugegeben, ich war 1986 noch sehr viel jünger als die Akteure in Back to the Future: The Game, das damit etwa ein Jahr nach Ende der äußerst bekannten Filmtrilogie Zurück in die Zukunft von Robert Zemeckis und Bob Gale spielt. Aber dennoch zähle ich mich zu den größten Fans dieses (und das sage ich ohne jegliche Übertreibung) Meisterwerks der Filmgeschichte. Wer beim Thema Zeitreisen nicht zuerst an Marty McFly und Doc Brown denkt, der muss wohl die vergangenen 28 Jahre auf dem Mond gelebt und auch noch den Fernseher vergessen haben, denn der fliegende DeLorean mit dem Fluxkompensator ist Oscar-Preisträger, Popkultur und damit praktisch Allgemeinbildung.

Die auf Adventures spezialisierte Spieleentwicklerfirma Telltale Games hat zwei Dinge vollbracht: Sie hat den längst totgeglaubten Point & Click Adventures, die Ende der 90er Jahre ganz plötzlich aus den Spieleregalen verschwanden, zu einem längst überfälligen, verdienten Revival verholfen, und sie hat ein wirklich gutes Spiel zu Back to the Future entwickelt. Die jüngeren Spieler, die sich unter einem Point & Click Adventure schon nichts mehr vorstellen können, sollen doch bitte an dieser Stelle kurz nach “The Secret of Monkey Island” oder “Day of the Tentacle” googlen.

Wie bereits eingangs beschrieben ist das telltale’sche Back to the Future ein eher leichtes Spiel. Sehr leicht. In der Tat ist dieses Spiel sogar SO leicht, dass ich jede beliebige Episode mit verbundenen Augen und Gehörschutz spielen könnte, völlig ziel- und hilflos mit der Maus herumklickend, und wenn dann noch jemand immer rechtzeitig die Episode für mich wechseln würde, wäre ich ruckzuck durch, ohne es zu merken. Nun gut, vielleicht übertreibe ich jetzt doch etwas. Vielleicht bin ich einfach noch abgehärtet durch die “klassischen” Adventures, die einen gern mal wahnsinnig machten, bis man ein Rätsel löste – oder den Tipps & Tricks -Teil einer Spielezeitschrift bemühte. Sogar hier macht es Telltale dem ungeduldigen Spieler der “Generation ADHS und SMS” extrem leicht: Die Komplettlösung wurde gleich ins Spiel eingebaut und ist immer nur einen Klick entfernt, wenn man mal nicht auf Anhieb weiterkommt. Fehlt eigentlich nur noch, dass der Computer das Spiel für mich auf Wunsch weiterspielt, wenn ich mich gerade von den anspruchsvollen Rätseln erholen muss.

backtothefuturegame2So, genug über den lächerlichen Schwierigkeitsgrad gelästert. Betrachten wir das Spiel doch einfach mal als computeranimierten Zeichentrickfilm mit einem Hauch von Interaktivität. Denn darüber hinaus bin ich ganz und gar im Hill Valley der 1930er Jahre versunken. Die Zeitreise-Adventure-Reihe besteht aus insgesamt fünf Episoden (“It’s About Time”, “Get Tannen”, “Citizen Brown”, “Double Visions und “Outatime”), die allesamt in einem Rutsch in selten mehr als zwei Stunden durchgespielt werden können. So kommt man auf etwa zehn bis zwölf Stunden Gesamtspielzeit, also mehr als die drei Filme auf die Waage bringen.

Die erste Episode verschlägt den Spieler in der Rolle des Marty McFly ins Jahr 1931, wo er Doc Emmett Brown aus dem Gefängnis befreien soll. Um das zu bewerkstelligen, muss er sich mit dem Emmett Brown von 1931 – damals noch Teenager – anfreunden und ihn um Hilfe bitten. Allerdings setzen Marty und Emmett mit dieser Befreiungsaktion katastrophale Ereignisse in Gang, die das Hill Valley von 1986 komplett umkrempeln. Nun muss der Schaden irgendwie behoben werden, die ursprüngliche Zeitlinie wiederhergestellt werden. Im weiteren Verlauf der Handlung landet man auch noch im Jahr 1876, so ähnlich wie man das schon aus dem dritten Filmteil kennt.

Die Cartoongrafik ist schick, wobei die Charaktere und ihre Mimik recht gut aussehen, die Umgebung leider weniger. Das Gameplay ist genau so, wie man das von Adventures erwartet: Benutze Hamster mit Mikrowelle, benutze Benzin mit Kettensäge, benutze Saloonschild mit Plumpsklo. Selbstverständlich gibt es keine Verben mehr, es gibt nur noch Anklicken, ergo “Benutzen”, egal ob das eine Person ist, eine Tür, oder ein anderes Objekt: Marty macht immer genau das richtige. Das Absuchen des Bildschirms nach anklickbaren Dingen ist gleich geblieben. Das Spiel wechselt dabei gelegentlich zwischen actionreichen und ruhigen Sequenzen. In Actionszenen muss man entweder den einzigen klickbaren Gegenstand finden, oder man muss mehrere klickbare Objekte in der richtigen Reihenfolge benutzen, um die Handlung voranzutreiben.

backtothefuturegame3Der Soundtrack des Spiels ist über jeden Zweifel erhaben, denn es handelt sich um die Original-Filmmusik von Alan Silvestri und Huey Lewis. Die Soundeffekte sind ebenfalls allesamt authentisch. Christopher Lloyd und Claudia Wells sind als einzige Originalsprecher für ihre eigenen Figuren Doc Brown und Jennifer an Bord. Michael J. Fox spricht (vermutlich aus gesundheitlichen Gründen) nicht Marty McFly, aber immerhin einige Sätze für eine andere Person im Spiel. Von den bekannten deutschen Sprechern ist keiner dabei, aber die deutsche Sprachversion ist aus anderen Gründen schon nicht zu empfehlen: Es fehlen einzelne Sprachsamples, die Übersetzung ist teilweise inkonsequent, zusammenhanglos, und liegt manchmal schwer daneben (Rohr an der Wand -> “Pfeife”).

Ein kurzweiliger Spaß mit relativ geringem Wiederspielwert. Als Fan kommt man natürlich voll auf seine Kosten: Traditionell landet ein Tannen in einem Misthaufen, daneben bekommt man es mit einer Reihe weiterer Tannens, McFlys, und besonders mit Edna Strickland zu tun. Technisch musste ich einige Grafikprobleme beklagen, die sich vereinzelt in Zwischensequenzen zum Ende hin bemerkbar machten. Das Bild flackerte, ruckelte und schließlich hing sich das Spiel ganz auf. Starkes Reduzieren der Auflösung und Detailstufe schien kurzfristig zu helfen. Außerdem wurden längere Sprachsamples manchmal zu früh abgeschnitten, so dass man nie auf Untertitel verzichten konnte. Alles in allem ein sehr gelungenes “Wrap up” der Filmreihe.

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