Vince

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Ein Mann kann etwas verändern.

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Beiträge von Vince

Ein Browser sie zu knechten, Teil 2

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Was bisher geschah: Ein völlig bedeutungsloser, beliebiger Blogger, der sich die maximale Erfolglosigkeit auf die Fahne geschrieben hat, ist auf der Suche nach einem neuen Browser, über den er sich nicht permanent ärgern muss. Auf seiner abenteuerlichen Reise durch die Welt der Browser quält er sich unnötigerweise jahrelang mit einem großen Sicherheitsrisiko aus dem Hause Microsoft, dessen Namen wir hier aus Gründen nicht nennen wollen. Anschließend ging die Reise über den Underdog Opera zum einst wichtigsten Browsermarkt-Mitbewerber Mozilla Firefox. Doch auch der Firefox nervt inzwischen immer mehr, so dass dringend eine Alternative her muss.

In meiner wie erwartet erfolglosen Exkursion in die quelloffene Linuxwelt ergriff ich, wie zuvor berichtet, auch gleich die Gelegenheit, den Chromium-Browser Vivaldi zu testen. Das Benutzer-Interface gefiel mir eigentlich ganz gut, da es dem von Opera recht ähnelte. Im Endeffekt störte mich aber seine Nähe zum Google-Browser doch zu sehr. Denn die Addons sind weitestgehend dieselben wie die von Chrome, und seine Addons muss man dann auch aus dessen Chrome Web Store installieren, und dort regiert Google mit seiner egozentrischen Willkür. Beispielsweise wollte ich einen Video- und Audio-Downloader installieren, den ich heutzutage als Basisausstattung jedes Browsers betrachte. Solche gibt es (wie auch für andere Browser) dort wie Sand am Meer. Google interessiert es normalerweise nicht, von welchen Webseiten solche Downloader die Mediendateien abgreifen können – sofern es keine Google-Seiten betrifft. Und genau aus diesem Grund gibt es im Chrome Web Store (der dann auch für Vivaldi verbindlich ist) keinen einzigen YouTube-Downloader. Betroffene Addon-Entwickler entschuldigen sich in den Readme-Dateien ihrer Addons, dass sie YouTube explizit herausnehmen mussten, da sie ihr Addon sonst nicht hätten anbieten dürfen.

Nun mag man es Hausrecht nennen, oder einfach Willkür, denn YouTube ist auch nur eines von vielen Videoportalen, und keines der anderen wird von Google geschützt. Und darüber hinaus stört es mich, dass die Einschränkung dann auch für Vivaldi gilt, der ja kein Google-Browser ist, sondern nur ein Browser, der sich von Google die Addons diktieren lässt. Im Endeffekt hätte ich dann auch gleich Chrome nehmen können, aber so wenig Sinn für Datenschutz habe ich dann doch nicht, dass mir so etwas einfallen würde. Also bei welchem Browser bin ich denn jetzt eigentlich gelandet?

Es gibt mindestens zwei etablierte Firefox-Fork-Projekte, die sich für die Erhaltung der Kompatibilität zu Legacy-Addons und für maximale Anpassbarkeit des Browsers einsetzen: Wo Mozilla bereits fleißig auswürfelt, welches tolle Firefox-Feature in der nächsten Version grundlos gestrichen wird, wird in den Forks lieber an der Sicherheit und am Erhalt der größten Stärke von Firefox gearbeitet: Feature-Reichtum und einer bestmöglich anpassbaren Oberfläche. Mozilla eifert Google hinterher, indem es mehr und mehr „Ballast“ abwirft, damit ihr Browser im einstelligen Millisekundenbereich schneller wird, übersieht dabei aber, dass sie sich damit eigentlich selbst überflüssig machen. Sie übersehen, dass dieser Ballast der Grund ist, warum viele eingefleischte Fans heute noch auf Firefox setzen. Die Hausfrauen dieser Welt sind eh längst mit Chrome bzw. Internet Explorer, äh Pardon, Edge auf den Desktops, Tablets und Smartphones versorgt. Die wird man dadurch nicht überzeugen.

Eines dieser Projekte ist der Pale Moon. Sein Motto ist „Your browser, Your Way“. Und das spielt auf das heute immer häufigere Problem mit Software an, egal ob es das Betriebssystem, der Browser oder der Grafikkartentreiber ist. Egal ob du sie gekauft hast, ob sie auf deiner Hardware läuft, ob du sie selbst installiert hast. Die Software macht dich heute zum Zuschauer, zum Beifahrer, du darfst kaum noch etwas entscheiden. Software ist heute oftmals permanent mit der Herstellerfirma verbunden, sendet unkontrolliert Daten dorthin, wird darüber heimlich ferngesteuert, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aktualisiert, und du darfst froh sein, wenn sie dich noch die Farbe der Benutzeroberfläche oder den Installationspfad auswählen lassen. Beispiele dafür gibt es viele. Pale Moon wirft den ganzen Telemetrie- und Datensammeldreck von Mozilla raus, von dem alle so begeistert sind, wirft DRM über Bord (anstelle sinnvoller Features), und eine Reihe zweifelhafter Erweiterungen, für die Mozilla sich insgesamt in der Vergangenheit Kritik eingehandelt hat. Es mag sein, dass Mozilla irgendwann mal ein „Good Guy“ war, ist es aber längst nicht mehr.

Aber ich will jetzt nicht noch weiter vom Thema abkommen. Der Pale Moon Browser ist im Grunde ein Firefox-Ableger, der weiterhin die Sicherheits- und Stabilitätsupdates der neueren Firefox-Versionen bekommt, aber im Gegensatz dazu nicht dessen wichtigste ältere Features entfernt, geschweige denn mal eben die Kompatibilität zu den klassischen Addons verwirft. Klar, der Marktanteil dieses Browsers ist kaum der Rede wert, ist doch seine Zielgruppe ziemlich genau definiert: Open-Source-Freunde und technisch versierte Internetnutzer, denen Datenschutz wichtig genug ist, dass sie Mozillas schmierige Finger nicht mehr auf ihrem Rechner haben wollen, und sich von Mozilla auch nicht mehr vorschreiben lassen wollen, welche Browser-Features für sie relevant sind.

Pale Moon wird seit knapp neun Jahren entwickelt und erhält regelmäßige Updates. Ich bin von dem Browser bisher sehr begeistert, die Stabilität ist so wie ich sie erwarte – und ich kann nicht behaupten, dass ich Pale Moon bisher geschont hätte. Mein ganzes Addon-Paket läuft einwandfrei mit dem Programm, auch eine vierstellige Anzahl an Tabs stemmt er bisher mühelos. Allein, nach mehreren Tagen, wenn ich mal wieder zu viele YouTube-Tabs aktiv habe, verabschiedet er sich hin und wieder. Dann dauert der Neustart aber auch nur eine handvoll Sekunden, und die ganze Ladung an Tabs ist wieder da. Die Performance ist sicherlich messbar geringer als die von Chrome und Firefox, aber subjektiv macht das natürlich schon lange keinen Unterschied mehr. Ein weiteres Beispiel für einen solchen „mozilla-befreiten“ Firefox-Browser ist Waterfox. Welcher der beiden nun besser ist, und worin der Unterschied im Detail besteht, kann ich nicht beurteilen. Mit dem Pale Moon fahre ich im Moment wirklich gut, und ich hoffe, das kann jetzt erst einmal so bleiben. Ist das jetzt der tollste, beste, schnellste, coolste und schlauste Browser der Welt? Nein, ist es wahrscheinlich nicht. Aber es ist ein ehrlicher Browser.

Ein Browser sie zu knechten, Teil 1

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Da bin ich mal wieder! Nach der dritten Novemberwoche bin ich leider (wie so oft) erkrankt, und erst seit etwa Mitte Februar richtig über den Berg. Inzwischen beginne ich wieder damit, meine alte Motivation – sowohl was die Webseite, als auch die Spieleentwicklung betrifft – wieder zu reanimieren. Letzteres hat in den vergangenen Tagen ganz gut funktioniert (dazu in einem folgenden Artikel mehr). Nun wird es Zeit für einen neuen Blog-Beitrag. In der Vergangenheit habe ich so einige Browser miterlebt und die meisten davon haben mich sogar jahrelang begleitet. Angefangen hat einmal alles mit dem Internet Explorer 3 und dem Netscape Navigator. Später war ich eine viel zu lange Zeit ein echter Internet Explorer 5 und 6 Purist. So lange, bis ich mir mit dem abscheulichen Mistding einen fiesen Trojaner eingefangen habe, der sich als JPG-Datei ausgegeben hat. Der IE hat nur allzu bereitwillig das Script ausgeführt, das sich dahinter verbarg, und dann einen Buffer Overflow im Windows Media Player verursacht. Mein Rechner war mehrere Tage lang Teil eines kleinen Botnetzes. Ab diesem Zeitpunkt war der schädliche Microsoft-Browser für mich verbrannt.

Ich wechselte zu Opera, der zu jener Zeit gerade erst Freeware geworden war. Das Konzept mehrerer gleichzeitig geöffneter Browsertabs faszinierte mich, und inzwischen bin ich ein echter Tab-Poweruser (oder wahlweise auch Tab-Messie). Bookmarks sind sinnlos geworden, wenn man einfach alles immer gleichzeitig geöffnet haben kann. Opera wechselte wiederum nach Jahren seine Entwicklungsstrategie und sattelte auf Chromium um. Diesen Schritt wollte ich nicht mitgehen, zumal ich kein Google-Fan bin. Ich hielt den Wechsel für keine gute Entscheidung, schon da sie das Alleinstellungsmerkmal ihrer grandiosen Browser-Engine damit über den Haufen geworfen haben. Aber auch ich musste zugeben, dass Opera mit sehr vielen gleichzeitig geöffneten Tabs nur begrenzt umgehen konnte. Hänger, Aussetzer und Neustarts waren die Folge. Der alte Opera hatte durchaus einige Performance-Probleme.

Der Firefox wurde vor einigen Jahren der neue Browser meiner Wahl, auch auf Grund der vielen tollen Addons. Nach relativ kurzer Zeit habe ich mir das perfekte Addon-Paket zusammengestellt, das alle meine Anforderungen erfüllt, den Browser bis ins Kleinste an mein Nutzerverhalten angepasst. Es gibt eine Tab-Baumstruktur, Tabgruppen, eine Schnellvorschau der Tabs, Mausgesten zum Navigieren, einen Session-Manager, ein Downloader für Video und Audio, NoScript, Adblocker, und noch ein paar mehr. Ohne diese Addons würde mir das Arbeiten mit dem Browser heute schnell zur Qual werden, was mir immer wieder auffällt, wenn ich mal an einem fremden Rechner sitze. Das Problem mit dem Firefox war anfangs, dass der Neustart bis zu 5 Minuten dauerte, da die Initialisierung einer solchen Vielzahl an Tabs leider nicht sehr effizient funktionierte. Schließlich, nach einem größeren Update, war das dann kein Problem mehr. Endlich werden geöffnete Tabs nicht mehr bei jedem Start vorgeladen, sondern nur noch als Referenz abgelegt, und erst bei Benutzung nachgeladen.

Der neue Firefox Quantum war sofort bei vielen Addon-Entwicklern und Profis unbeliebt, da sämtliche bewährten Addons auf einen Schlag inkompatibel wurden. Alle Addons mussten angepasst werden. Viele Entwickler konnten und wollten diesen Schritt einfach nicht mehr vollziehen. Einige Addons konnten nicht auf Firefox Quantum übertragen werden, da dieser nur noch eine eingeschränkte API lieferte. Mich selbst hätte das Thema kaum gestört, wenn da eine ablehnbare Update-Meldung gewesen wäre wie „Bei einem Update auf Firefox Quantum werden 12 Ihrer Addons unbenutzbar. Wollen Sie wirklich wechseln? JA/NEIN„. Stattdessen begrüßte mich eines morgens plötzlich der Firefox Quantum, der ohne zu fragen praktisch alle meine Addons ganz dreist rausgeworfen und sich auf meinem Rechner breitgemacht hatte wie ein Hausbesetzer. Ich hatte eigentlich lange vorher beschlossen, kein Update zu machen. Dass der Nutzer in seinen Wünschen völlig übergangen wird, gehört mittlerweile ohnehin zur Mozilla-Politik. Da werden auch schonmal heimlich per Ferninstallation irgendwelche gruseligen Werbe-Addons von wichtigen Werbepartnern in den Browser eingeschleust. Bei Mozilla hat sich vor Jahren die feste Überzeugung durchgesetzt, dass man ja viel besser weiß, was der Nutzer wirklich braucht, als der Nutzer selbst. Tab-Gruppen gehörten zum Beispiel nicht dazu. Darum muss man die heutzutage auch mit Addons wieder nachrüsten. Das ist ja so viel besser und sicherer.

Firefox Quantum flog bei mir so schnell wieder runter wie er gekommen war, unter anderem auch, weil er mir keinen Ersatz für so manches Addon anbieten konnte, auf das ich nicht verzichten wollte. Ein Update auf eine schlechtere Version kommt für mich nicht in Frage. Zum Glück habe ich irgendwo im Netz einen Installer für die letzte Prä-Quantum-Version gefunden (obwohl sich Mozilla große Mühe gibt, alte Versionen sofort aus dem gesamten Internet zu tilgen!). Jedenfalls gingen dann auch alle meine lebenswichtigen Addons wieder. Aber ewig auf einer alten, potentiell unsicheren Version von Firefox sitzenzubleiben, konnte ja schließlich keine Lösung sein. Außerdem ist das Vertrauen in Mozilla angesichts vergangener Fehlentscheidungen aus meiner Sicht lädiert. Wer braucht schon Menüs? Und wie lange dauert es wohl, bis das nächste wichtige Feature rausfliegt, oder wieder alle Addons per Dekret für nichtig erklärt werden? Ein anderer Browser musste her. Nur welcher?

Fortsetzung folgt…

Spaß mit Überweisungen

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Diskussion mit der Sprechstundenhilfe einer Arztpraxis im Frühjahr 2017:

Ich: Hallo, ich habe einen Termin um 8:15 Uhr.
Sprechstundenhilfe: Dann brauche ich bitte Ihre Überweisung.
Ich: Eine Überweisung? Das ist ein Folgetermin, ich war letzten Monat schon hier. Ich hab den Termin doch direkt von euch bekommen!
Sprechstundenhilfe: Ja, aber wir brauchen trotzdem eine neue Überweisung.
Ich: Ich hab keine. Soll ich jetzt wieder nachhause gehen oder was?
Sprechstundenhilfe: Bitte bringen Sie einfach nachträglich eine Überweisung vom Hausarzt mit.

Terminvereinbarung mit der Sprechstundenhilfe im November 2017:

Ich: Hallo, ich hätte gerne einen Termin bei Dr. Randomarzt. Hier ist meine Überweisung.
Sprechstundenhilfe: Alles klar, passt es Ihnen in drölf Wochen um 14:30 Uhr?
Ich: Äh, naja … ok.
Sprechstundenhilfe: Hier ist Ihr Termin. Bringen Sie Ihre Überweisung dann bitte wieder mit.

Anschließende Diskussion mit der Sprechstundenhilfe im Januar 2018:

Ich: Hallo, ich habe einen Termin bei Dr. Randomarzt um 14:30 Uhr. Hier ist meine Überweisung.
Sprechstundenhilfe: Tut mir leid, das ist eine Überweisung vom letzten Jahr.
Ich: Ja schon, aber das ist die Überweisung, die ich vom Hausarzt bekommen hab.
Sprechstundenhilfe: Ja, aber wir brauchen trotzdem eine neue Überweisung.
Ich: Das ist genau die Überweisung mit der ich DIESEN Termin vereinbart hab. Die war da noch gültig.
Sprechstundenhilfe: Bitte bringen Sie einfach nachträglich eine neue Überweisung von Ihrem Hausarzt mit.

Im Mai ist mein nächster Termin in eben dieser Arztpraxis. Das bedeutet, ich muss jetzt wieder zu meinem Hausarzt und ihn um zwei Überweisungen zum selben Arzt bitten. Eine für Januar und eine für Mai. Ich sollte ihn gleich fragen, ob er mir vorsorglich einen Stapel Blanko-Überweisungen gibt, wo ich nur noch das aktuelle Datum eintragen muss. Offenbar erscheint es niemandem als bürokratischer Nonsens, dass ich zwischen sämtlichen Facharzt-Terminen immer erst zurück zum Hausarzt dackeln muss – teilweise sogar mehrmals, wenn die Wartezeit auf einen Termin zu groß wird -, obwohl der bei dem Thema schon längst nichts mehr zu melden hat. Der unterschreibt praktisch nur noch.

Witzigerweise kann mich Facharzt X problemlos zu Facharzt Y überweisen, ohne dass ich dafür zum Hausarzt zurück muss. Aber Facharzt X kann mich offenbar nicht zu sich selbst überweisen, also zu einem Folgetermin in dieselbe Praxis.

Success Denied Symbol

Alles Ausreden, kein Plan

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Und da stehe ich nun wieder vor meinem völlig vernachlässigten, verwahrlosten Blog, mit hochrotem Kopf, auf der Suche nach einem Thema, über das ich schreiben müsste. Was beschäftigt mich momentan so? Gute Frage, eigentlich nicht viel, und dann doch wieder viel zu viel. Wie so viele andere Menschen verbringe ich 70% meiner Zeit entweder im Bett, im Auto oder im Büro (also schonmal nicht nutzbare Zeit), und die übrigen 30% müssen dann für mein komplettes eigenes Leben reichen. Wenn man davon noch (Unangenehmes wie) Sport, Haushalt, Besorgungen, Verpflichtungen und andere Termine abzieht, bleiben wir netto noch bei einer wirklich kümmerlichen einstelligen Stundenzahl pro Woche für lustige und spaßige Dinge. Da kommt leider nicht viel rum.

Ja klar, alles Ausreden. In der vergangenen Woche hatte ich einen kurzen Urlaub (unter Mitnahme der Brückentage), den ich für so vieles nutzen hätte können. Und ich hatte ja auch so wahnsinnig viel vor, so große Pläne. Dann hat es aber gerade so gereicht, um mir ein kühles Bier aufzumachen, und plötzlich war schon wieder Montag. Jedenfalls glaube ich, dass es so war. So richtig daran erinnern kann ich mich nicht. So wie man sich meistens nicht an Dinge erinnern kann, die in rasendem Tempo an einem vorbeigerauscht sind. Die Kalenderblätter sind quasi in Lichtgeschwindigkeit zu Boden gesegelt. Heute habe ich, nachdem ich meine erste Stunde des verdienten Feierabends im Stau verbringen durfte, meinen abendlichen Pflichtsport ausfallen lassen, und mich dazu gezwungen, einen kleinen Artikel zu tippern. Damit hier mal wieder was steht.

Stirbt SuccessDenied jetzt endlich? Nein, natürlich nicht. Aber ein Blog muss auch die trüben Zeiten überstehen können, die Zeiten der Flaute, in denen jede noch so winzige Idee hart erarbeitet sein will. Kommende Tage werde ich einen Artikel über ein spannendes Hörspiel schreiben, das ich kürzlich gehört habe. Ja ok, so wirklich toll ist die Idee nicht, aber man muss manchmal leider einfach nehmen was man kriegt. Aber hey, bald ist Weihnachten! Fast drei Wochen Urlaub! Soviel Zeit, die ich wirklich für alle Dinge nutzen kann, die ich schon so lange machen will, da blühe ich garantiert wieder auf. Da kann ich dann auch endlich mal meine ranzige, fehlerhafte WordPress-Theme durch irgendwas Neueres ersetzen.

So, ich bin mal wieder raus, sonst hab ich den ganzen Abend nichts anderes gemacht, als einen Lückenfüller-Artikel zu schreiben, den sowieso keiner liest. Bleibt sauber, und macht mehr Sport solange ihr noch jung seid.

Come in and find out

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Was macht man, wenn der eigene Bruder unschuldig im Todestrakt sitzt und auf seine baldige Hinrichtung wartet? Genau, man überfällt eine Bank! Und herzlich willkommen bei Prison Break! Nun, zugegeben, die Pilotfolge habe ich hierbei ein wenig komprimiert. Die US-amerikanische Gefängnis-Serie, die von 2005 bis 2009 (oder länger) über vier (oder mehr) Staffeln produziert wurde, habe ich inzwischen vollständig (oder auch nicht) auf Blu-ray beinahe täglich nach Feierabend auf meinem Ergometer gebannt verfolgt, nur unterbrochen durch eine fast sechsmonatige Krankheitsphase. Die Box enthält die regulären vier Staffeln und den abschließenden TV-Film „The Final Break“. Mittlerweile wurde (laut Wikipedia) längst eine fünfte Staffel produziert, und eine sechste ist in Planung. Aber diese klammere ich hier vorerst aus.

Der blitzgescheite, gutaussehende Bauingenieur Michael Scofield (Babyface Wentworth Miller) überfällt natürlich nicht grundlos eine Bank, nachdem er trotz schwieriger Kindheit eigentlich ein tadelloses Leben geführt hat. Er hat diesen Überfall von langer Hand geplant, und sogar seine sofortige Verhaftung an Ort und Stelle. Kurzerhand wird er für den Raub verurteilt und in die Haftanstalt Fox River gebracht, wo er seine mehrjährige Haftstrafe verbüßen soll. Es ist natürlich kein Zufall, dass just dort auch sein älterer Bruder Lincoln Burrows (Dominic Purcell) einsitzt, der seit kurzem auf seine Hinrichtung wartet. Diesem wurde der Mord am Bruder der Vize-Präsidentin angehängt, aber er weiß nicht einmal genau von wem und warum. Michael hat einen grandiosen, ausgeklügelten, aber sehr riskanten Fluchtplan, den er in Form seines neuen Ganzkörpertattoos ins Gefängnis mitbringt. Er muss mit Lincoln schnellstmöglich aus Fox River ausbrechen, um ihm das Leben zu retten.

Natürlich spielt nicht die gesamte Serie im Gefängnis. Das ist soweit nur die Prämisse der ersten Staffel, und – !Achtung Spoiler! – schon bald ist man einer großen Verschwörung auf der Spur. Es stellt sich heraus, Lincoln ist nicht nur unschuldig an dem Mord, für den er verurteilt wurde, nein, der Mord ist eigentlich auch gar nicht passiert, denn das angebliche Opfer lebt noch. Das Problem ist nur, das auch beweisen zu können. Prison Break lebt von den vielen zwielichtigen Figuren, die Michael und Lincoln im Gefängnis nacheinander (nicht immer ganz freiwillig) ins Boot holen müssen, damit der Ausbruch auch über die Bühne gehen kann, darunter Mafiosi, Mörder, Vergewaltiger, Räuber und Kleinkriminelle.

So wie die Serie und ihre Charaktere sich entwickeln, so werden auch die völlig unerwarteten Wendungen immer aberwitziger. Kleine Kostprobe: Bald taucht Michaels und Lincolns längst verschollen geglaubter Vater wieder auf. Und der hat auch noch die ganze Zeit für die „Company“ gearbeitet, also die mafiöse Geheimorganisation, die Lincoln auf den elektrischen Stuhl bringen will. Gegen Ende steht dann sogar die eigentlich vor Jahrzehnten verstorbene Mutter auf der Matte – und die ist quasi der Kopf der Company. Als wäre das noch nicht genug, offenbart sie den beiden Hauptcharakteren wiederum schonungslos, dass sie eigentlich gar keine Brüder sind. Die Lindenstraße ist ein Scheiß dagegen! Ich habe nur noch darauf gewartet, zu erfahren, dass Michaels Mutter eigentlich nicht seine Mutter, sondern sein Vater ist. Oder Manuel Neuer.

Ja, ich habe nun vieles aus der Serie verraten. Das ist meine Art zu betonen, dass die Autoren es mit den Twists doch ein wenig zu gut gemeint haben, nur damit es durchgehend spannend bleibt. Im großen und ganzen fand ich die Serie wirklich angenehm, aber doch leicht übertrieben. Auch die Tatsache, dass Michael aus einem Gefängnis ausbrechen kann, kann ich mir in der ersten Staffel noch sehr gut vorstellen, da er sich akribisch vorbereitet hat und beim Bau des Gebäudekomplexes beteiligt war. Aber dass ihm das später quasi unvorbereitet, unter hohem Zeitdruck, aus einem beliebigen anderen Gefängnis jederzeit wieder gelingen wird, wage ich doch stark zu bezweifeln. Manchmal erinnerte mich die Serie an eine Art „Ocean’s Eleven“, wenn Michael Scofield und sein durch und durch unsympathisches Ex-Knacki-Team wieder irgendwo aus- oder einbrechen sollten.

Prison Break ist (wie zu erwarten war) stark testosteronhaltig, und insgesamt recht sehenswert, auch wenn es spätestens in der vierten Staffel doch deutlich an Glaubwürdigkeit verliert und auch das Niveau nicht mehr richtig halten kann. Sehr gefallen hat mir daran, dass es nicht einfach nur gut und böse gibt, sondern das ganze Spektrum abgedeckt ist. Insbesondere, da man als Zuschauer der Serie die Welt sowieso verkehrt herum sieht: Die Hauptfiguren sind allesamt flüchtige Gefängnisinsassen und die Behörden sind der Feind. Manchmal wechseln eigentlich „gute“ Charaktere zu den Bösen, und hin und wieder kommt einer von den Bösen auch zur Erkenntnis, dass er sich ändern muss. Nun darf ich nach einem Dreivierteljahr auch diese Fernsehserie vorerst als abgeschlossen betrachten und mich einer neuen zuwenden.

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