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Ab in die Tonne mit Yahoo-Mail und Gmail

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Auf meiner einsamen, digitalen Reise hin zu mehr Datenschutz und Privatsphäre habe ich in den vergangenen Tagen einen weiteren Meilenstein erreicht. Der letzte, noch fehlende Anstoß war ein Artikel auf einem bekannten IT-Newsportal, in dem von aktuellen Vorgängen bei Yahoo berichtet wurde, demzufolge dort weiterhin E-Mails aller Nutzer von Yahoo-Mail systematisch durchsucht und dadurch gewonnene Erkenntnisse unter anderem für Werbekunden ausgewertet würden. Bei Googlemail bzw. Gmail darf man davon ausgehen, dass es dort genauso gehandhabt wird, auch wenn sie es womöglich nicht öffentlich zugeben. Auch wurde in dem kritischen Beitrag Bezug genommen auf einen etwas weiter zurückliegenden Test vieler bekannter E-Mail-Anbieter, in dem Yahoo-Mail und Gmail sehr schlecht abgeschnitten hatten. Die Testsieger waren verständlicherweise allesamt keine Freemail-Anbieter, sondern Anbieter von 1-Euro-E-Mail-Konten, die im Gegenzug uneingeschränkten Datenschutz, unberührte Privatsphäre, Anonymität, Verschlüsselung, völlige Werbefreiheit, Backups, und noch einiges mehr bieten.

Angefangen hatte das Thema für mich mit den NSA-Enthüllungen anno 2013, nachdem der US-amerikanische, verschlüsselnde E-Mail-Anbieter Lavabit von der US-Regierung aufgefordert wurde, die Schlüssel für den Zugang zu den E-Mails von Edward Snowden herauszugeben. Der Gründer der Firma konnte seinen dadurch kompromittierten E-Mail-Service daraufhin nicht mehr guten Gewissens weiterführen, da der Schutz der Kunden nicht mehr garantiert war. Lavabit wurde praktisch von heute auf morgen geschlossen. Aber inzwischen gibt es auch in Europa einige positive Beispiele von E-Mail-Anbietern, die ihre Nutzer nicht ausspähen und ihre Daten nicht heimlich verwursten, darunter Posteo.de, Mailbox.org und Protonmail. Dass diese Anbieter monatlich eine kleine Aufwandsentschädigung erwarten, kann man natürlich nun als Ausschlusskriterium ansehen, oder als erleichternde Gewissheit, dass man ausnahmsweise mal nicht mit seinen Daten bezahlt. Denn zwar hat sich auch in meinem Kopf über Jahrzehnte hinweg die Vorstellung festgesetzt, dass E-Mails nichts kosten dürfen, aber andererseits sollten wir uns auch endlich von der Vorstellung verabschieden, dass amerikanische Tech-Riesen uns Datenschutz und Privatsphäre schenken würden, denn das werden sie niemals. Daran verdienen sie schließlich nichts.

Umso schwerer wog in meinem Fall die Tatsache, dass ich meine beiden wichtigsten E-Mail-Konten schon seit 15 bzw. 13 Jahren ausgerechnet bei den beiden größten Verlierern besagten Tests von E-Mail-Anbietern hatte: Yahoo und Google. Und diesmal beschloss ich endlich, diese Accounts in den Müll zu werfen. Dafür biss ich in den vermeintlich sauren Apfel und meldete mich bei Posteo an. Für den Preis eines Schokoriegels im Monat bekommt man dort drei sichere E-Mail-Adressen, Kalender- und Adressbuch-Synchronisation, einen umfangreichen Umzugsservice und unbegrenzten „Nachsendeantrag“, mit dem man mehrere Altkonten bei unterschiedlichen Anbietern problemlos nach Posteo übertragen kann, und man so einen gemütlichen, stressfreien Übergang hat. Und natürlich erhalte ich die Gewissheit, dass meine Daten immer mir gehören, und nicht irgendwohin abwandern. Man erhält im Paket Verschlüsselung auf mehreren Ebenen: Transportwegeverschlüsselung (logisch), Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation (optional, lässt sich verschiedentlich konfigurieren), und vollständige Kontenverschlüsselung (optional an- und abschaltbar). Eigentlich kann man sich nicht mehr wünschen.

Und was soll ich sagen: Es war gar nicht so schlimm wie ich dachte, dass es sein würde. Mein neues Konto habe ich jetzt mit gerade mal 20 Euro für mehr als eineinhalb Jahre finanziell abgesichert. Adressbuch, Kalender und E-Mails kann ich jetzt endlich guten Gewissens zwischen Smartphone, Tablet und PC synchronisieren, ohne dass ich Skynet, äh Verzeihung, „Don’t Be evil!“ Google vertrauen muss. Meine Yahoo- und Gmail-Accounts nutze ich nicht mehr, und diese werde ich schrittweise stilllegen bzw löschen. Dafür muss ich allerdings zuvor noch gefühlte 500 Accounts bei allen möglichen Internetdiensten ändern, bei denen die alten Adressen leider noch hinterlegt sind. Angefangen habe ich damit bereits, aber es wird wohl eine Mammutaufgabe werden.

Ich bin froh, dass ich endlich mal aus meiner Komfortzone ausgebrochen bin, um einen neuen Schritt und eine wichtige Veränderung zu wagen. Ein Verbleib bei den bisherigen beiden Anbietern konnte ich inzwischen kaum noch vor mir selbst verantworten. Wenn dieser Beitrag für manche Menschen ganz verdächtig nach Werbung für Posteo riecht, dann stimme ich demjenigen zu, dass man das tatsächlich so auslegen könnte. Aber ich bekomme von Posteo definitiv kein Geld, sondern im Gegenteil, bezahle welches. Ich möchte mit dem Beitrag eigentlich nur andere Menschen dazu animieren, sich selbst Gedanken zu dem Thema zu machen, so wie ich es getan habe. Für mich ist inzwischen klar, dass Yahoo-Mail und Gmail in die Tonne gehören. Es mag vielleicht nicht allen klar sein, aber wir entscheiden in diesem Augenblick durch unsere Internetnutzung, ob wir in den nächsten Jahren ein Zeitalter der Datensouveränität und -kontrolle oder ein Zeitalter des Datendiebstahls und der Datenopfer einläuten. Wir könnten alle unsere Daten natürlich weiterhin an jeden Anbieter verschenken, der sie haben will, der sie dann wiederum weiterverschenkt an seine Kunden. Oder wir entscheiden endlich selbst, wer welche Daten haben darf, was mit unseren Daten passieren darf – und vor allem was NICHT. Aber um das zu erreichen, müssten wir umdenken, und das scheint vielen Menschen heute nicht mehr zu gelingen.

Ein Browser sie zu knechten, Teil 2

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Was bisher geschah: Ein völlig bedeutungsloser, beliebiger Blogger, der sich die maximale Erfolglosigkeit auf die Fahne geschrieben hat, ist auf der Suche nach einem neuen Browser, über den er sich nicht permanent ärgern muss. Auf seiner abenteuerlichen Reise durch die Welt der Browser quält er sich unnötigerweise jahrelang mit einem großen Sicherheitsrisiko aus dem Hause Microsoft, dessen Namen wir hier aus Gründen nicht nennen wollen. Anschließend ging die Reise über den Underdog Opera zum einst wichtigsten Browsermarkt-Mitbewerber Mozilla Firefox. Doch auch der Firefox nervt inzwischen immer mehr, so dass dringend eine Alternative her muss.

In meiner wie erwartet erfolglosen Exkursion in die quelloffene Linuxwelt ergriff ich, wie zuvor berichtet, auch gleich die Gelegenheit, den Chromium-Browser Vivaldi zu testen. Das Benutzer-Interface gefiel mir eigentlich ganz gut, da es dem von Opera recht ähnelte. Im Endeffekt störte mich aber seine Nähe zum Google-Browser doch zu sehr. Denn die Addons sind weitestgehend dieselben wie die von Chrome, und seine Addons muss man dann auch aus dessen Chrome Web Store installieren, und dort regiert Google mit seiner egozentrischen Willkür. Beispielsweise wollte ich einen Video- und Audio-Downloader installieren, den ich heutzutage als Basisausstattung jedes Browsers betrachte. Solche gibt es (wie auch für andere Browser) dort wie Sand am Meer. Google interessiert es normalerweise nicht, von welchen Webseiten solche Downloader die Mediendateien abgreifen können – sofern es keine Google-Seiten betrifft. Und genau aus diesem Grund gibt es im Chrome Web Store (der dann auch für Vivaldi verbindlich ist) keinen einzigen YouTube-Downloader. Betroffene Addon-Entwickler entschuldigen sich in den Readme-Dateien ihrer Addons, dass sie YouTube explizit herausnehmen mussten, da sie ihr Addon sonst nicht hätten anbieten dürfen.

Nun mag man es Hausrecht nennen, oder einfach Willkür, denn YouTube ist auch nur eines von vielen Videoportalen, und keines der anderen wird von Google geschützt. Und darüber hinaus stört es mich, dass die Einschränkung dann auch für Vivaldi gilt, der ja kein Google-Browser ist, sondern nur ein Browser, der sich von Google die Addons diktieren lässt. Im Endeffekt hätte ich dann auch gleich Chrome nehmen können, aber so wenig Sinn für Datenschutz habe ich dann doch nicht, dass mir so etwas einfallen würde. Also bei welchem Browser bin ich denn jetzt eigentlich gelandet?

Es gibt mindestens zwei etablierte Firefox-Fork-Projekte, die sich für die Erhaltung der Kompatibilität zu Legacy-Addons und für maximale Anpassbarkeit des Browsers einsetzen: Wo Mozilla bereits fleißig auswürfelt, welches tolle Firefox-Feature in der nächsten Version grundlos gestrichen wird, wird in den Forks lieber an der Sicherheit und am Erhalt der größten Stärke von Firefox gearbeitet: Feature-Reichtum und einer bestmöglich anpassbaren Oberfläche. Mozilla eifert Google hinterher, indem es mehr und mehr „Ballast“ abwirft, damit ihr Browser im einstelligen Millisekundenbereich schneller wird, übersieht dabei aber, dass sie sich damit eigentlich selbst überflüssig machen. Sie übersehen, dass dieser Ballast der Grund ist, warum viele eingefleischte Fans heute noch auf Firefox setzen. Die Hausfrauen dieser Welt sind eh längst mit Chrome bzw. Internet Explorer, äh Pardon, Edge auf den Desktops, Tablets und Smartphones versorgt. Die wird man dadurch nicht überzeugen.

Eines dieser Projekte ist der Pale Moon. Sein Motto ist „Your browser, Your Way“. Und das spielt auf das heute immer häufigere Problem mit Software an, egal ob es das Betriebssystem, der Browser oder der Grafikkartentreiber ist. Egal ob du sie gekauft hast, ob sie auf deiner Hardware läuft, ob du sie selbst installiert hast. Die Software macht dich heute zum Zuschauer, zum Beifahrer, du darfst kaum noch etwas entscheiden. Software ist heute oftmals permanent mit der Herstellerfirma verbunden, sendet unkontrolliert Daten dorthin, wird darüber heimlich ferngesteuert, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aktualisiert, und du darfst froh sein, wenn sie dich noch die Farbe der Benutzeroberfläche oder den Installationspfad auswählen lassen. Beispiele dafür gibt es viele. Pale Moon wirft den ganzen Telemetrie- und Datensammeldreck von Mozilla raus, von dem alle so begeistert sind, wirft DRM über Bord (anstelle sinnvoller Features), und eine Reihe zweifelhafter Erweiterungen, für die Mozilla sich insgesamt in der Vergangenheit Kritik eingehandelt hat. Es mag sein, dass Mozilla irgendwann mal ein „Good Guy“ war, ist es aber längst nicht mehr.

Aber ich will jetzt nicht noch weiter vom Thema abkommen. Der Pale Moon Browser ist im Grunde ein Firefox-Ableger, der weiterhin die Sicherheits- und Stabilitätsupdates der neueren Firefox-Versionen bekommt, aber im Gegensatz dazu nicht dessen wichtigste ältere Features entfernt, geschweige denn mal eben die Kompatibilität zu den klassischen Addons verwirft. Klar, der Marktanteil dieses Browsers ist kaum der Rede wert, ist doch seine Zielgruppe ziemlich genau definiert: Open-Source-Freunde und technisch versierte Internetnutzer, denen Datenschutz wichtig genug ist, dass sie Mozillas schmierige Finger nicht mehr auf ihrem Rechner haben wollen, und sich von Mozilla auch nicht mehr vorschreiben lassen wollen, welche Browser-Features für sie relevant sind.

Pale Moon wird seit knapp neun Jahren entwickelt und erhält regelmäßige Updates. Ich bin von dem Browser bisher sehr begeistert, die Stabilität ist so wie ich sie erwarte – und ich kann nicht behaupten, dass ich Pale Moon bisher geschont hätte. Mein ganzes Addon-Paket läuft einwandfrei mit dem Programm, auch eine vierstellige Anzahl an Tabs stemmt er bisher mühelos. Allein, nach mehreren Tagen, wenn ich mal wieder zu viele YouTube-Tabs aktiv habe, verabschiedet er sich hin und wieder. Dann dauert der Neustart aber auch nur eine handvoll Sekunden, und die ganze Ladung an Tabs ist wieder da. Die Performance ist sicherlich messbar geringer als die von Chrome und Firefox, aber subjektiv macht das natürlich schon lange keinen Unterschied mehr. Ein weiteres Beispiel für einen solchen „mozilla-befreiten“ Firefox-Browser ist Waterfox. Welcher der beiden nun besser ist, und worin der Unterschied im Detail besteht, kann ich nicht beurteilen. Mit dem Pale Moon fahre ich im Moment wirklich gut, und ich hoffe, das kann jetzt erst einmal so bleiben. Ist das jetzt der tollste, beste, schnellste, coolste und schlauste Browser der Welt? Nein, ist es wahrscheinlich nicht. Aber es ist ein ehrlicher Browser.

„Verbesserte Benutzererfahrung“

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Oder auch: „Besseres Nutzererlebnis“. Wenn heute irgendwo dieser perfide Ausdruck fällt, ist das nichts anderes als eine blumige Umschreibung für schamlose Datenschnüffelei bzw. unkontrolliertes Sammeln von Nutzerdaten. Egal ob es Microsoft, Google, Apple, Facebook oder ein beliebiger anderer Internetkonzern ist, sie alle durchleuchten uns, übertragen unsere Daten auf ihre Server, leiten sie ungeniert an ihre Werbekunden und an alle möglichen Behörden weiter, und dann bezeichnen sie das öffentlich als wichtige und notwendige Maßnahme für eine „verbesserte Benutzererfahrung“. Wenn mal eine solche Spionage-Funktion dermaßen über die Stränge schlägt, dass negative Berichterstattung in der Presse droht, dann war es nur „ein Programmfehler“, oder eine „versehentlich aktivierte Testfunktion“. Eine versehentlich aktivierte Nutzer-Überwachungs-Testfunktion also. Alles gut, niemand kam zu schaden, sie haben nur zuviele Daten über uns gesammelt. Versehentlich. Kann passieren.

Schlimmer noch: Besagte Konzerne haben ihre Nutzer derart abhängig von sich gemacht und über Jahre konditioniert, so dass die Leute teilweise jene Überwachungspraktiken öffentlich in Foren mit Begeisterung verteidigen. Deutlichste Konsequenz hieraus: Früher mussten Programme noch heimlich Daten sammeln, heute macht kein Entwickler mehr einen Hehl daraus, alle geben es offen zu. Noch besser: Sie geben es nicht nur zu – sie verkaufen es uns als großes Feature. Die verbesserte Benutzererfahrung eben. Wir haben ja nichts zu verbergen. Und „macht doch sowieso jeder, also wieso sollte [Microsoft|Google|Apple|Facebook|…] das nicht auch dürfen?“. Die Leute leiden alle am Stockholm-Syndrom, könnte man meinen. Wer Kritik an der Datenschnüffelei äußert, wird angepampt, belächelt, verspottet. Die Aluhutträger sollen doch endlich die Klappe halten. Solche Spaßbremsen!

Wer ein Smartphone besitzt – egal welches -, darf sowieso keine Kritik äußern: Nur wer im Wald bei den Tieren lebt und sich von Beeren und Nüssen ernährt, darf überhaupt Überwachung kritisieren, sonst ist er natürlich ein Heuchler und muss beleidigt werden. Durch diese Überwachungsverherrlichung bekommen die Schnüffler gewaltigen Auftrieb, und bauen noch mehr solcher Funktionen ein, weil sich niemand dagegen wehrt. Mehr Daten bringen mehr Geld. Die meisten akzeptieren heute, dass ihr Betriebssystem im Hintergrund immer mehr „Telemetrie“-Dienste laufen lässt, die permanent Nutzungsstatistiken aufzeichnen und nachhause übermitteln. Alles für ein besseres Nutzererlebnis.

Die beste Benutzererfahrung

Eine fatale Gleichgültigkeit lässt sich mittlerweile sogar unter Techies beobachten, wenn wieder mal irgendwo ein Datenschnüffelskandal enthüllt, ein gigantischer Datendiebstahl aufgedeckt wird. Dass die PR-Abteilungen für solche Vorfälle schon perfekte Antworten parat haben, ist dann die fehlende andere Hälfte der Miete. Warum soviele Daten überhaupt erhoben und gespeichert werden mussten? Pfff… „500 GB Nutzerdaten geleakt! Irgendwie doof. Was solls, nochmal passiert uns das nicht. Vertraut uns einfach weiterhin, wir sammeln auch nur noch die aller aller notwendigsten Nutzerdaten!

So gut wie kein Mensch weiß, was Windows wirklich an Daten sammelt, und mehr oder weniger heimlich versendet. Nachdem bei Windows 10 zu Beginn der Widerstand gegen die Zwangsüberwachung wohl doch noch unerwartet groß wurde, lenkte man beim Hersteller irgendwann ein, und fügte ein paar homöopathische Software-Schalter hinzu, die den Anwender beruhigen sollen. Das soll dem Nutzer vorgaukeln, er habe die Kontrolle über seine Daten, und er könne „sein“ Betriebssystem davon abhalten, ihn auszuhorchen. Französische Datenschützer haben sich jüngst gegen Microsoft gewehrt, und öffentlich beklagt, dass zuviele Daten gesammelt würden. Microsoft hatte dafür vollstes Verständnis und hat natürlich sofort die Benutzererfahrung verbessert: Windows 10 tut seitdem so als würde es etwas weniger Daten sammeln. Die Franzosen können jetzt wieder ruhig schlafen.

In 20 Jahren gibts keine Personalausweise mehr – die Menschen kommen dann mit lebenslang gültigen, unkündbaren Facebook- und Google-Accounts zur Welt. Offenbar gehöre ich mit meiner argwöhnischen Haltung zur Technik längst zu den Dinosauriern. Klar, kann man mir vorwerfen, ich sei zu paranoid. Man kann mir vorwerfen, dass ich furchtbar übertreibe. Man kann sich selbst immer wieder sagen, dass doch alles nicht so schlimm ist, und dass die nur das beste für uns wollen. Aber ich glaube nicht, dass es so ist. Datenschutz und Datensouveränität sind uncool, Überwachung liegt voll im Trend. Auch die Bundesmerkel und der Terror-Thomas proklamieren heute, dass unsere Daten nicht mehr uns gehören: Datensparsamkeit ist ein Fehler, unsere Wirtschaft braucht ganz dringend unsere Daten um international konkurrenzfähig zu bleiben! Vielleicht sollte ich ganz einfach meine eigene Benutzererfahrung verbessern, mir ein Abhörgerät und eine Kameradrohne beschaffen, und damit Nutzerdaten über das Privatleben aller meiner Nachbarn sammeln. Ach, ich als Privatperson darf sowas gar nicht? Sehr interessant.

Schuld ist immer die Suchmaschine

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Wieder mal ein klarer Fall von „Das Internet kann man leider nicht verklagen, also verklagen wir einfach Google“: Gestohlene Nacktbilder von Stars: Promi-Anwalt droht Google mit 100-Millionen-Dollar-Klage. Der obligatorische Disclaimer: Ich bin KEIN Fan von Google, und der Diebstahl und die Veröffentlichung der Nacktbilder der betroffenen Personen sind sicherlich sehr schlimm. Aber DAS nervt.

Wieso wird eigentlich nicht Apple verklagt, also der blöde Verein, aus dessen hochsicherem Cloudspeicher die Fotos entwendet wurden? Wieso werden nicht die vielen Webseitenbetreiber verklagt, die die Nacktbilder hosten? Wieso werden die Datendiebe nicht verklagt, die ja eigentlich für die ganze Debatte verantwortlich sind? Was kann jetzt bitte Google dafür, dass, erstens, keine der prominenten iPhone-Besitzerinnen intelligent genug war, davon abzusehen, sich ein hippes iPhone zu kaufen und äußerst private Dinge wie die eigenen Nacktfotos in die iCloud (also im Prinzip ins Internet) hochzuladen – ein Ort, auf den unter anderem Apple, alle möglichen Geheimdienste und sicherlich eine ganze Menge andere Leute Zugriff haben, zweitens, Apple nicht in der Lage war, die Accounts gegen fremden Zugriff ausreichend abzusichern und/oder entsprechend sichere Passwörter/Authentifizierungsmethoden unbedingt vorauszusetzen, und drittens, so viele Menschen im Internet aus irgendeinem Grund glauben, es wäre absolut in Ordnung, die gestohlenen Fotos überall hochzuladen?

Antwort: Google kann überhaupt nichts dafür. Aber klar, Google ist natürlich ein leichteres Ziel, denn sie sind bekanntlich für ALLES verantwortlich, was irgendwo im Netz steht. Und wenn irgendwo im Netz etwas steht, das irgendjemandem auf der Welt nicht gefällt, dann muss Google dagegen was machen. Und zwar sofort, sonst gibt es 100 Millionen Dollar Strafe, weil Google ist ja schuld. Würde man etwa Apple die Schuld geben wollen, müsste man sich ja selbst eingestehen, dass man einen Fehler gemacht hat und seinem überteuerten Smartphone und dem Konzern mit dem angebissenen Obst lieber doch nicht alles anvertraut hätte.

Es kommt wirklich selten vor, dass ich das Gefühl habe, Google würde Unrecht geschehen, aber solche Nachrichten lassen mich manchmal ein wenig verzweifeln, sogar als Google-Kritiker. Es gibt wirklich wesentlich reifere und deutlich weniger naive Arten, auf einen Nacktfoto-Leak zu reagieren, als eine Suchmaschine zu verklagen, stellvertretend für die vielen Webseiten, die illegalerweise die Fotos veröffentlichen, und die zu belangen wohl doch zu mühsam wäre. Es ist die technische Aufgabe von Suchmaschinen, Inhalte zu finden, nach denen man sucht. Seit Google die ersten (zahlreichen) juristischen Rückschläge hinnehmen musste, wird immer öfter und von allen Seiten verlangt, Inhalte NICHT zu finden, was absolut nie im Sinne des Erfinders war. Zensur ist mittlerweile zum Trend geworden, und längst kein Schreckgespenst mehr, so dass die Leute absurderweise beginnen, Zensur für sich einzufordern. Ich hatte zuvor noch Hoffnung, dass „löschen statt sperren“ als Motto längst verstanden wurde.

Jennifer Lawrence, Model Kate Upton, Sängerin Rihanna und Starlet Kim Kardashian“ gehören zu den Klägern. Meiner Meinung nach allesamt keine wichtigen Persönlichkeiten, sondern weitestgehend talentfreie Damen, die verdammt viel Geld bekommen, dafür dass sie ihr hübsches Gesicht in die Kamera halten. Filme mit „Jlaw“ mochte ich ohnehin noch nie, und jetzt habe ich sogar einen Grund, ihre Filme grundsätzlich zu meiden. Google für die eigenen Fehler verantwortlich zu machen, ist hoffentlich kein Lösungsansatz, der sich etablieren wird.

Mehr Privatsphäre Schritt für Schritt

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Seit Monaten plane ich einen ausführlichen Artikel darüber, wie gespannt ich auf die Veröffentlichung der finalen Version der Oculus Rift bin. Nie zuvor war eine Virtual-Reality-Brille derart ausgereift und die Illusion so glaubwürdig wie bei diesem Gerät. Dazu trägt auch die immer realistischer werdende Grafik der 3D-Engines bei, die an manchen Stellen bereits einen Hauch von Fotorealismus zu haben scheint. Mit der Oculus Rift wäre es zum ersten Mal möglich gewesen, ein völlig neues Spielgefühl zu erfahren, das Gefühl zu haben, in eine andere Welt einzutauchen. Zum ersten Mal könnte man glatt enttäuscht sein, wenn man die Brille schließlich wieder absetzen muss, und sich in seinem Wohnzimmer wiederfindet. Was könnten Half Life 2, Crysis oder Amnesia für ein Erlebnis mit solch einem Instrument sein. Ich wagte kaum, es mir auszumalen. Meine Vorfreude war riesengroß.

Nun könnte ich darüber schreiben, wie riesengroß meine Enttäuschung darüber ist, dass Oculus VR sich ausgerechnet von Facebook hat kaufen lassen. Sony, Microsoft, Nvidia, AMD, Google, Valve, Samsung, meinetwegen Amazon oder Apple, alles wäre mir lieber gewesen als Facebook. Wieso nur Facebook? Es ist zum Heulen. Die Facebook VR-Brille werde ich mir ganz sicher nicht kaufen. Ich setze inzwischen große Hoffnungen in eines der zahlreichen Konkurrenzprodukte, die sicher zeitnah erscheinen werden. Vielleicht veröffentlicht Valve ja doch noch seinen Prototypen, der ja offenbar nicht so schlecht gewesen sein kann. Ansonsten bleibt zum Beispiel Sony, sofern sie nicht exklusiv für die PS4 entwickeln. Oculus ist für mich nun gestorben, bevor sie überhaupt geboren waren.

Oder vielleicht sollte ich darüber schreiben, wieso ich mir die Diablo 3 Erweiterung „Reaper of Souls“ nicht kaufe. Das Hauptspiel Diablo 3 fand ich zunächst sehr teuer. Aber für den Inhalt, den es mitgebracht hat, konnte ich mit dem Preis gerade noch leben. Das Addon aber ist für den Gegenwert, den man erhält, absoluter Wucher: Ein einzelner neuer Spielakt und eine lausige neue Charakterklasse. Und ich kenne trotzdem einige, die Blizzard debil grinsend ihr Geld hinterhergeworfen haben. Die hätten auch ihre Großmutter für eine neue Charakterklasse verkauft. Wieso auch nicht. Ich schätze ich bin einer von denjenigen, die Diablo 3 sogar ziemlich viel gespielt haben (mein fünfter Charakter ist inzwischen auf dem Weg zu Level 60), aber mir ist das Addon das viele Geld einfach nicht wert. Wenn es allerdings mal für einen Fünfer in der Softwarepyramide zu haben sein sollte, dann greife ich vielleicht zu. Vorher sicher nicht.

Aber nein, eigentlich wollte ich über etwas Positives schreiben. Ich habe mich für eine Fortsetzung meiner kleinen Artikelreihe über mehr Privatsphäre entschieden. Wer absolute Privatsphäre will, müsste wohl als Einsiedler in einer Höhle in den Bergen leben, aber man kann zumindest versuchen einen Kompromiss zu finden, und es den Datensammlern immerhin etwas schwerer machen. Google zum Beispiel ist bekanntlich der letzte Endgegner in Sachen Datensammelei, also mal von der NSA als staatliche Institution abgesehen. Wer sich traut, hinter die Kulissen seines Google-Accounts zu blicken, und seine Suchanfragen-Chronik kurz überfliegt, der könnte schnell blass werden. Sogar die Bilder, die wir irgendwann über die Google-Bildersuche gefunden und einmal angeklickt haben, werden dort gespeichert. Und selbstverständlich ist das gerade die Spitze des Eisbergs. Was Google insgeheim an Verknüpfungen unter diesen Datenmengen durchführt, davon bekommen wir nur wenig mit. Ich schätze wir haben nicht die geringste Vorstellung.

startpageVor Wochen hat mir ein Kollege mit ausgeprägtem Bewusstsein für Privatsphäre im Netz die Metasuchmaschine startpage.com empfohlen. Diese macht nichts anderes als deine Suchanfragen an Google weiterzureichen, allerdings so, dass Google diese nicht mehr mit deinem Google-Konto verknüpfen kann. Startpage anonymisiert die Internetsuche endlich wieder, so wie das eigentlich sein sollte. Einziger Wermutstropfen: Die Bildersuche von startpage ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Google selbst liefert deutlich bessere Ergebnis. Doch längst habe ich Startpage zur Standardsuchmaschine in meinem Browser gemacht, und ich kann mich bislang nicht beschweren.

Wer sich nicht unbedingt auf Google als Suchmaschine beschränken möchte, kann stattdessen auf Ixquick zurückgreifen, welches im Gegensatz zu Startpage seine Daten aus mehreren anderen Suchmaschinen bezieht, aber ebenfalls völlig anonym. Das mag nun zwar nicht der ultimative Befreiungsschlag aus der Abhängigkeit der großen Datenschnüffler sein, aber es ist wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung: Anonymisierung. Bleibt zu hoffen, dass der neue Suchmaschinendienstleister nicht selbst ein heimlicher Datensammler ist, aber so ein winziges Grundmaß an Vertrauen muss man am Ende doch mitbringen, sonst bleibt wohl nur die Höhle in den Bergen.

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