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Ab in die Tonne mit Yahoo-Mail und Gmail

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Auf meiner einsamen, digitalen Reise hin zu mehr Datenschutz und Privatsphäre habe ich in den vergangenen Tagen einen weiteren Meilenstein erreicht. Der letzte, noch fehlende Anstoß war ein Artikel auf einem bekannten IT-Newsportal, in dem von aktuellen Vorgängen bei Yahoo berichtet wurde, demzufolge dort weiterhin E-Mails aller Nutzer von Yahoo-Mail systematisch durchsucht und dadurch gewonnene Erkenntnisse unter anderem für Werbekunden ausgewertet würden. Bei Googlemail bzw. Gmail darf man davon ausgehen, dass es dort genauso gehandhabt wird, auch wenn sie es womöglich nicht öffentlich zugeben. Auch wurde in dem kritischen Beitrag Bezug genommen auf einen etwas weiter zurückliegenden Test vieler bekannter E-Mail-Anbieter, in dem Yahoo-Mail und Gmail sehr schlecht abgeschnitten hatten. Die Testsieger waren verständlicherweise allesamt keine Freemail-Anbieter, sondern Anbieter von 1-Euro-E-Mail-Konten, die im Gegenzug uneingeschränkten Datenschutz, unberührte Privatsphäre, Anonymität, Verschlüsselung, völlige Werbefreiheit, Backups, und noch einiges mehr bieten.

Angefangen hatte das Thema für mich mit den NSA-Enthüllungen anno 2013, nachdem der US-amerikanische, verschlüsselnde E-Mail-Anbieter Lavabit von der US-Regierung aufgefordert wurde, die Schlüssel für den Zugang zu den E-Mails von Edward Snowden herauszugeben. Der Gründer der Firma konnte seinen dadurch kompromittierten E-Mail-Service daraufhin nicht mehr guten Gewissens weiterführen, da der Schutz der Kunden nicht mehr garantiert war. Lavabit wurde praktisch von heute auf morgen geschlossen. Aber inzwischen gibt es auch in Europa einige positive Beispiele von E-Mail-Anbietern, die ihre Nutzer nicht ausspähen und ihre Daten nicht heimlich verwursten, darunter Posteo.de, Mailbox.org und Protonmail. Dass diese Anbieter monatlich eine kleine Aufwandsentschädigung erwarten, kann man natürlich nun als Ausschlusskriterium ansehen, oder als erleichternde Gewissheit, dass man ausnahmsweise mal nicht mit seinen Daten bezahlt. Denn zwar hat sich auch in meinem Kopf über Jahrzehnte hinweg die Vorstellung festgesetzt, dass E-Mails nichts kosten dürfen, aber andererseits sollten wir uns auch endlich von der Vorstellung verabschieden, dass amerikanische Tech-Riesen uns Datenschutz und Privatsphäre schenken würden, denn das werden sie niemals. Daran verdienen sie schließlich nichts.

Umso schwerer wog in meinem Fall die Tatsache, dass ich meine beiden wichtigsten E-Mail-Konten schon seit 15 bzw. 13 Jahren ausgerechnet bei den beiden größten Verlierern besagten Tests von E-Mail-Anbietern hatte: Yahoo und Google. Und diesmal beschloss ich endlich, diese Accounts in den Müll zu werfen. Dafür biss ich in den vermeintlich sauren Apfel und meldete mich bei Posteo an. Für den Preis eines Schokoriegels im Monat bekommt man dort drei sichere E-Mail-Adressen, Kalender- und Adressbuch-Synchronisation, einen umfangreichen Umzugsservice und unbegrenzten „Nachsendeantrag“, mit dem man mehrere Altkonten bei unterschiedlichen Anbietern problemlos nach Posteo übertragen kann, und man so einen gemütlichen, stressfreien Übergang hat. Und natürlich erhalte ich die Gewissheit, dass meine Daten immer mir gehören, und nicht irgendwohin abwandern. Man erhält im Paket Verschlüsselung auf mehreren Ebenen: Transportwegeverschlüsselung (logisch), Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation (optional, lässt sich verschiedentlich konfigurieren), und vollständige Kontenverschlüsselung (optional an- und abschaltbar). Eigentlich kann man sich nicht mehr wünschen.

Und was soll ich sagen: Es war gar nicht so schlimm wie ich dachte, dass es sein würde. Mein neues Konto habe ich jetzt mit gerade mal 20 Euro für mehr als eineinhalb Jahre finanziell abgesichert. Adressbuch, Kalender und E-Mails kann ich jetzt endlich guten Gewissens zwischen Smartphone, Tablet und PC synchronisieren, ohne dass ich Skynet, äh Verzeihung, „Don’t Be evil!“ Google vertrauen muss. Meine Yahoo- und Gmail-Accounts nutze ich nicht mehr, und diese werde ich schrittweise stilllegen bzw löschen. Dafür muss ich allerdings zuvor noch gefühlte 500 Accounts bei allen möglichen Internetdiensten ändern, bei denen die alten Adressen leider noch hinterlegt sind. Angefangen habe ich damit bereits, aber es wird wohl eine Mammutaufgabe werden.

Ich bin froh, dass ich endlich mal aus meiner Komfortzone ausgebrochen bin, um einen neuen Schritt und eine wichtige Veränderung zu wagen. Ein Verbleib bei den bisherigen beiden Anbietern konnte ich inzwischen kaum noch vor mir selbst verantworten. Wenn dieser Beitrag für manche Menschen ganz verdächtig nach Werbung für Posteo riecht, dann stimme ich demjenigen zu, dass man das tatsächlich so auslegen könnte. Aber ich bekomme von Posteo definitiv kein Geld, sondern im Gegenteil, bezahle welches. Ich möchte mit dem Beitrag eigentlich nur andere Menschen dazu animieren, sich selbst Gedanken zu dem Thema zu machen, so wie ich es getan habe. Für mich ist inzwischen klar, dass Yahoo-Mail und Gmail in die Tonne gehören. Es mag vielleicht nicht allen klar sein, aber wir entscheiden in diesem Augenblick durch unsere Internetnutzung, ob wir in den nächsten Jahren ein Zeitalter der Datensouveränität und -kontrolle oder ein Zeitalter des Datendiebstahls und der Datenopfer einläuten. Wir könnten alle unsere Daten natürlich weiterhin an jeden Anbieter verschenken, der sie haben will, der sie dann wiederum weiterverschenkt an seine Kunden. Oder wir entscheiden endlich selbst, wer welche Daten haben darf, was mit unseren Daten passieren darf – und vor allem was NICHT. Aber um das zu erreichen, müssten wir umdenken, und das scheint vielen Menschen heute nicht mehr zu gelingen.

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Vor einigen Tagen machte eine Schlagzeile auf diversen IT-Newsportalen (und darüber hinaus) die Runde: Google hat drei kinderpornografische Bilder im E-Mail-Account eines Nutzers gefunden und sofort die Behörden alarmiert. Der Mann wurde verhaftet. Bravo! Das böse KiPo-Schlagwort scheint nur wenig Spielraum für Diskussionen zu lassen, denn zum Glück hat Google dieses Subjekt der Polizei ausgeliefert. Der wird in seinem Leben sicher keine E-Mails mehr schreiben. Man müsste doch eigentlich schon ziemlich einen an der Waffel haben, sollte man wenig Begeisterung für diese Aktion übrig haben. Mit dem Schutz der Kinder lässt sich natürlich alles rechtfertigen.

Was auf den ersten Blick wie eine gute Sache klingt, ist bei genauerem Hinsehen eigentlich eine Katastrophe. Es ist zwar nicht so, als könnte man sich das nicht schon selbst denken, aber die Gewissheit zerstört dann auch das letzte bisschen Illusion: Google durchsucht die E-Mails und sämtliche Anhänge seiner Nutzer. Und wenn dort etwas Verdächtiges entdeckt wird, werden entsprechende Schritte eingeleitet. Es ist davon auszugehen, dass konkurrierende E-Mail-Anbieter das genauso handhaben. Und wenn sie es bisher nicht getan haben, werden sie jetzt nach Bekanntwerden von den Politikern garantiert mit einigen gutgemeinten Worten dazu veranlasst. Das ist aber nicht besser, als wenn die Post im großen Umfang unsere Briefe öffnet und liest, oder den Inhalt von Paketen inspiziert, bevor sie wieder zugeklebt und uns zugestellt, oder einbehalten werden. Ja, ich weiß, beim Zoll wird das so gemacht, was ich ebenfalls nicht gutheißen kann. Und eigentlich wurde vor Monaten schon bekannt, dass auch die NSA regelmäßig Pakete öffnet, etwa von Cisco-Routern, um die Hardware zu kompromittieren. Also eigentlich können wir uns auch vom Postgeheimnis (das auf Grund seiner vielen Einschränkungen ohnehin irgendwie wirkungslos ist) schonmal verabschieden. Für E-Mails gibt es so etwas aber gar nicht erst – der Inhalt unserer elektronischen Post darf von allen Anbietern in jedem Maße ausgewertet werden, sogar für Werbezwecke. Das ist doch sehr beruhigend. Nicht.

Was ich mich zwischen all der Aufregung ernsthaft frage: Googles Interesse daran, die E-Mails und E-Mail-Anhänge seiner Nutzer zu scannen und auszuwerten, steht in direktem Konflikt zu deren langfristigen Plänen, irgendwann einmal Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für den E-Mail-Dienst Gmail anzubieten. Denn wenn die Informationen zwischen Absender und Empfänger nirgends entschlüsselt werden können, kann natürlich auch nichts gescannt und mit irgendwelchen Datenbanken abgeglichen werden. Also entweder lässt Google es gar nicht erst so weit kommen, dass Verschlüsselung sich durchsetzen kann, oder sie führen auch nur eine billige Fake-Verschlüsselung ein, so wie das bei der De-Mail der Fall ist. Die Nutzer werden in falscher Sicherheit gewogen, ihre Daten aber sind immer für Dritte einsehbar.

Kürzlich wollte ich in einem Artikel darüber informieren, wie ich mich vor einigen Wochen endgültig von dem amerikanischen Cloudspeicher-Anbieter Dropbox gelöst habe, da Dropbox die Nutzerdaten nicht verschlüsselt, und außerdem von Gesetzes wegen verpflichtet ist, Nutzerdaten ohne Widerworte an US-Geheimdienste auszuhändigen. Meinen Account habe ich mir 2009 angelegt, um mit Kommilitonen Quelltexte und Vorlesungsskripte auszutauschen, und ich fand die Idee wirklich sehr nützlich. Heute sind meine Ansprüche an solche Dienste jedoch andere, Datenschutz ist mir wichtiger geworden, und Dropbox geht absolut nicht mit der Zeit, sei es wegen vorauseilenden Gehorsams gegenüber der Obrigkeit, oder aus ganz anderen Gründen. Eine Alternative musste schnell her.

Nun dachte ich mir, dass die Zeiten kaum besser sein könnten, um sich nur die Rosinen unter den Cloud-Anbietern herauszupicken, doch ich irrte mich. Längst satteln die Anbieter auf Sparpolitik und auf Bezahlangebote um – aus ehemals 50 GB kostenlos wurden 5 GB für nicht unter einem Zehner im Jahr. Die Auswahl wurde jetzt schon deutlich kleiner, erst recht, wenn man auf Verschlüsselung Wert legte. Also doch wieder mit eingekniffenem Schwanz zurück zu Dropbox und sich stattdessen selbst um die Verschlüsselung kümmern? Da machte mich ein gütiger Arbeitskollege rechtzeitig auf Wuala aufmerksam. Beinahe hätte ich diesen Anbieter wirklich jedem empfohlen, aber nur wenige Wochen nach meiner Registrierung für einen Kostenlos-Account wurden ebendiese abgeschafft. Wuala bietet jetzt auch nur noch knauserige 5 GB für teures Geld im Jahr an. Als Kostenlosnutzer darf ich meinen Account weiterhin unentgeltlich nutzen – aber wer weiß wie lange noch. Wuala ist auf Dauer also auch nicht die Lösung, obgleich es damit natürlich trotzdem noch besser ist als Dropbox.

Auch Whistleblower Edward Snowden hat vor einigen Wochen von Dropbox abgeraten, was mich in meiner Meinung nachhaltig bestärkt. Stattdessen empfiehlt er sehr zu meiner Verwunderung den ebenfalls in den USA ansässigen Anbieter Spideroak. Spideroak verschlüsselt die Nutzerdaten, so dass ausschließlich jener Zugriff darauf haben kann. Aber ich frage mich auch hier, wie sich das – ohne Backdoor – mit dem berüchtigten amerikanischen Patriot Act unter einen Hut bringen lassen soll. Wahrscheinlich müsste ich mir jetzt vorstellen wie unwahrscheinlich es ist, dass Edward Snowden in diesem Fall naiver ist als ich, aber ich traue Spideroak trotzdem nicht.

Vorerst bin ich mit meinem verschlüsselten Cloudspeicher relativ zufrieden. Jetzt fehlt noch eine einfache Möglichkeit, meinen E-Mail-Verkehr zu verschlüsseln. Und wenn ich mich hierfür von Gmail verabschieden muss, werde ich das irgendwann auch in Angriff nehmen.

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