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So, alle mal die Hand hoch – wer hätte gedacht, dass ich heute einen Blog-Beitrag veröffentlichen würde? Tja, ich jedenfalls nicht, und doch sitze ich nun hier, nachdem ich ein Jahr lang nichts mehr geschrieben habe. Eine seltsame Kombination aus Scham, Schuldgefühl, Terminzwang und auch noch ein wenig gesundem Eigenantrieb drängt mich dazu.

15 Jahre Success Denied sind das nun also schon. Das bedeutet irgendwie, dass ich selbst auch um 15 Jahre gealtert bin. Das ist nur eine mittelmäßig angenehme Vorstellung, aber es wird schon stimmen, wenn ich mir überlege, was mir morgens so im Badezimmerspiegel entgegenblickt. Mein letzter Artikel ist nun auch ein Jahr her. Das war eigentlich nicht geplant. Es hat sich wirklich einfach so ergeben. Wie feiert man also ein weiteres Jubiläum, nachdem man ewig nichts Neues mehr zu vermelden hatte, und nachdem sich die vergangenen fünf Jahre in meinem Kopf eher wie fünf Monate angefühlt haben? Beinahe so als wäre ich irgendwann von Aliens entführt worden und diese hätten mir die letzten Jahre meines Lebens aus dem Gedächtnis gelöscht. Nachdem die Schweine mir aus irgendeinem Grund kahle Stellen auf meinem Kopf verpasst haben. Verdammte Aliens!

Ich lebe einerseits in einer Welt, in der das Mitteilungsbedürfnis und das Geltungsbedürfnis der Menschen im Schnitt immer stärker wird. Influencer, Streamer, YouTuber steigen plötzlich zu weltweitem Ruhm auf. Wir beobachten sozusagen die Demokratisierung der Modewelt, der Werbeindustrie, der Fernsehshows, der Telemedizin, der Finanzberatung und vieler weiterer Domänen, die früher sehr hohe Einstiegshürden hatten. Mein eigenes Mitteilungsbedürfnis ist andererseits auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt, was wohl auch mit der modernen, feindseligen Diskussionskultur im Internet und der neuen politischen Situation überall auf der Welt zusammenhängen mag. Exposition im Internet reizt mich nicht mehr. Für jede Meinung, die man ungefragt ins Netz blökt, gibt es irgendwo einen zornigen Soziopathen, der damit nicht umgehen kann.

Früher wollte ich die Leser meines Blogs gerne über mein Weltbild aufklären, meine neuesten Erwerbungen und meine Probleme dokumentieren, und meine Meinung zu allen möglichen gesellschaftlichen Themen lautstark in der Öffentlichkeit vertreten. Inzwischen kommt mir dieser Anspruch lächerlich vor. Meine Gedanken sind nicht das Maß der Dinge, ich liege politisch nicht “richtig”, andere liegen nicht “falsch”, und ich bin schließlich auch nur Teil einer Minderheit in einer sich schnell drehenden Welt. Überhaupt habe ich festgestellt, dass mich Politik nicht mehr fasziniert, sondern mich immer öfter unglücklich macht, was jüngeren Entwicklungen geschuldet ist, die aber offensichtlich im Begriff sind, sich weltweit festzusetzen und auch den Ton anzugeben. Noch vor zehn Jahren hätte ich vermutlich laut schimpfend einen Artikel dazu geschrieben, aber das hätte keinerlei Nutzen gehabt, außer mir Feinde zu machen.

Das zehnjährige Jubiläum dieses Blogs feierte ich noch mitten in der Corona-Pandemie, die die Welt damals fest im Griff hatte und auch nachhaltig veränderte. Und das 15-jährige Jubiläum? Tja, seit Monaten geht es in Gesprächen mit Verwandten, Freunden und Kollegen nur noch um ein Thema: Was hat der orangefarbene Irre heute wieder verbrochen und wieviele Jahre dauert es noch bis er sich endlich verpisst? Ach, Scheibenkleister! Ich wollte doch eigentlich nicht ins Detail gehen. Naja, wenigstens hab ich nicht verraten, wie sehr ich Brechreiz bei der Drecks-AfD bekomme… Oh, verflixt!! Ich hab nichts gesagt!

Was bleibt mir noch, euch zu diesem Jubiläum mitzuteilen? Bloggen ist ganz offensichtlich leider nie zu dem großen Hobby geworden, das ich vor 15 Jahren daraus machen wollte. Aber nur weil ich kaum Beiträge schreibe, heißt das noch lange nicht, dass ich aufhöre und verschwinde. Im Moment gibt es einige Dinge in meinem Privatleben, denen ich meine größtmögliche Aufmerksamkeit schenken will. Meinen Alltag zu meistern, ist für mich oft Herausforderung genug. Aber ich bin mir relativ sicher, dass mein nächster Artikel auf dieser Webseite nicht erst zum nächsten Jubiläum erscheint.

Zum Schluss wieder mal ein ganz herzliches Dankeschön an die treuen Leser von SuccessDenied.com! Bleibt alle cool. Du, bleib cool.

Ladies and Gentlemen, werte anwesende Gäste, vielen Dank, dass Sie alle so zahllos gut zählbar zur großen Feier zum zehnjährigen Jubiläum von SuccessDenied.com erschienen sind. Wie Sie wissen, begeistere ich die Welt nun schon seit genau zehn Jahren mit meinen schriftlichen Ergüssen, und das hat selbstverständlich Spuren hinterlassen. Vielleicht nicht unbedingt bei Ihnen, aber in jedem Fall bei mir: Meine Tastatur ist inzwischen ganz schön abgenutzt. Nach zehn Jahren wird es auch Zeit, mir endlich eine Neue zu kaufen. In den vergangenen zehn Jahren konnte ich mir über viele Dinge in meinem Bloggerleben ausgiebig Gedanken machen: Wer bin ich? Worüber soll ich schreiben? Wohin verschwinden all die Socken in meiner Waschmaschine? Und nun habe ich zehn weitere Jahre, in denen ich über diese wichtigen Dinge nachdenken kann, denn eine Antwort habe ich bislang nicht finden können.

Schon der große deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche sagte einst: „Die sogenannten Paradoxien des Autors, an welchen der Leser Anstoß nimmt, stehen häufig gar nicht im Buche des Autors, sondern im Kopfe des Lesers.„. Das hat zwar mit meiner Webseite nicht viel zu tun, aber es klingt äußerst tiefgründig. So tiefgründig wie meine vielen Artikel über Spiele, Filme, TV-Serien, Hitzewellen in meiner Wohnung, und auch über professionelle Prokrastination. Und nun, nach dieser langen Zeit, wird es allmählich Zeit, mir die Zeit zu nehmen, um ein Resümee zu ziehen: Es hat sich überhaupt nicht gelohnt. Und genau deswegen muss ich unaufhörlich weitermachen. Als ich anfing, war ich noch Student, jung, dynamisch, optimistisch, weltoffen. Inzwischen bin ich seit vielen Jahren berufstätig, verbittert, nörgelig, stur, mit Rücken. Das gibt mir die Gelegenheit, aus einem völlig anderen Blickwinkel über das tägliche Geschehen in der Welt zu berichten. Nämlich leicht gebeugt, mit Krückstock und viel Ibuprofen.

Ich bin wahrlich kein großer Redner, daher möchte ich mich möglichst kurzfassen und im folgenden nur aus den knapp 100 meiner einflussreichsten und bedeutendsten Blog-Beiträge der vergangenen zehn Jahre zitieren. Ich möchte nicht prahlen, aber unzählige Verfasser wissenschaftlicher Publikationen auf der ganzen Welt, Fachblätter aus allen Wissenschaftsbereichen, und außerdem viele anerkannte Koryphäen, darunter sogar mehrere Nobelpreisträger, haben sich für meine qualitativ hochwertigen Artikel auf SuccessDenied.com zwar bislang leider nicht interessiert, aber möglicherweise würden sie das, wenn sie sie gelesen hätten. Es wäre ohnehin zuviel der Ehre gewesen, und wie schon gesagt, ich wollte ja nicht prahlen.

Anschließend werde ich detailliert auf die 50 spannendsten Kommentare meiner großartigen Blog-Besucher eingehen und diese zur Diskussion stellen. Wenn uns im Anschluss noch etwas Zeit bleibt, würde ich sehr gerne den Abend ausklingen lassen mit einer Lesung einzelner Kapitel aus meinem neuen Buch „Erfolglos Bloggen für Dummies“. Vielleicht wird sich der eine oder andere sogar dadurch inspiriert fühlen, sich ebenfalls dieser beinahe vergessenen, brotlosen Kunst anzunehmen, und mit meiner Hilfe und unter meiner kompetenten Anleitung garantiert nicht reich und mächtig zu werden, sondern – wie ich – ganz auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

Das Buch gibt es für nur 14,99 EUR UVP in jedem gut gepflegten Buchhandel, den ich zuvor aufgesucht und einige Exemplare dort heimlich im Regal versteckt habe. Ich komme übrigens regelmäßig zu Signierstunden nach Hintertupfingen in die aufstrebende Buchhandlung hinter dem alten Bahnhof, direkt am Friedhof. Sie müssen nur bei „Meier“ klingeln und nach mir fragen, dann werden Sie direkt in den Hinterhof zum großen Bücherschuppen geführt. Die verrosteten Fahrräder und Gartengeräte können Sie ignorieren. Achja, wenn ich zur Mittagszeit noch nicht wach sein sollte, ziehen Sie einfach fest an der Zeitung, mit der ich mich zugedeckt habe, oder treten sie lautstark gegen eine der leeren Schnapsflaschen, die am Boden herumliegen. Für 5 EUR mache ich auch Selfies mit meinen Fans, für 10 EUR sogar gekämmt und mit einem sauberen Hemd.

An die beiden unruhigen Herren hier vorne in der ersten Reihe: Ich darf doch um Ruhe bitten. Keine Sorge, das Buffet wird bald eröffnet, ich möchte nur meine Rede noch beenden. Aber danke, dass Sie mir dieses passende Stichwort geben. Denn wie ich bereits im Vorfeld zu dieser Feier angekündigt hatte, würden wir das geplante opulente Festmahl vollständig von den reinen Werbeeinnahmen und Spenden auf SuccessDenied.com bezahlen! Sie haben richtig gehört. Alles was meine vielen Leser mir im Laufe der Jahre gegeben haben, fließt natürlich direkt wieder an Sie in Form des Caterings zurück. Und da kam definitiv einiges an gutem Willen und frohen Gedanken zusammen. Ich kann daher voller Stolz verkünden, dass sich die Tafel unserer wunderschönen Kommune bereit erklärt hat, uns mit Essen zu versorgen. Jeder Gast bekommt daher einen ganzen Teller klare Suppe mit einem kleinen Stück Brot.

Achja, ein herzliches Dankeschön an die treuen Leser von SuccessDenied.com! Es ist mir völlig unverständlich, aber irgendwie schön zu wissen, dass ihr immer noch regelmäßig, oder wenigstens ab und zu vorbeischaut. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ihr die Hoffnung noch nicht aufgegeben habt, dass ich irgendwann mal wirklich etwas aus meinem Blog mache. Bis dahin bleibt hier einfach alles so wie es ist. Und ihr bleibt hoffentlich so wie ihr seid. Es sei denn, ihr wollt etwas Besseres sein. Dann werdet etwas Besseres.

Auf die nächsten zehn Jahre!
Vince

Okay, ich habe wieder einmal sämtliche mir selbst gesetzten Deadlines verschlafen. Das Remake wurde leider doch nicht zum 25-jährigen Jubiläum fertig, und wird es vermutlich auch noch eine ganze Weile nicht. Scheiß drauf. Ich bin gleichzeitig Opfer meiner eigenen Faulheit und Penibilität geworden. Das Problem mit Arbeit nach der Arbeit ist, dass sie oftmals keinen Spaß macht, egal wie sehr einem das Zeug am Herzen liegt. Aber hey, ich habe Urlaub – Zeit für mehr Arbeit. Und das Wichtigste ist doch: Ich bin wieder dabei! Vor wenigen Tagen habe ich mit der Arbeit an der Version 0.60 begonnen.

Ich habe eine neue Spritebibliothek geschrieben, die sich um das Laden, Konvertieren und Verwalten der vielen kleinen Grafikdateien kümmert. Und diese Spritebibliothek kennt neuerdings auch jeweils die Monochrom- und Farbversion jeder einzelnen Grafik. Bisher waren dies verschiedene Klassen, die immer jeweils getrennt voneinander angepasst werden mussten, und auch der Wechsel von Monochrom nach Farbe hätte bisher viele Codeanpassungen erfordert. Nun wird es möglich, direkt im Client mit einem simplen Mausklick die Darstellung zu wechseln. SPACOLA Eclipse kann endlich richtig mit Farbe umgehen. Da aber noch weit über 90% der Sprites nur monochrom vorliegen, werde ich da irgendwann noch wahnsinnig viel Zeit investieren dürfen. Bisher gibt es nur vereinzelte Sprites in Farbe zu sehen.

Die Farbsprites haben aber noch keine Priorität. Zunächst muss der Classic-Modus fertiggestellt werden, und das ist nach wie vor nicht so einfach wie es klingt. Die Gegner-KI macht mir Sorgen, denn egal wie ich es anpacke, es verhält sich alles nie so ganz wie es sollte, oft scheitert es schon am Ansatz. Dafür habe ich erst zuletzt ein komplettes Explosions-Spriteset hinzugefügt, das mir bisher nicht aufgefallen ist. Es scheint also doch nicht so klar zu sein, dass ich inzwischen wirklich alles aus dem Spiel extrahiert habe. Und ich habe anhand eines Memory Dumps die Zuweisungen der Sounddateien korrigiert, also welcher Sound im Originalspiel welchen Dateinamen hatte. Bislang musste ich dazu raten, und scheinbar lag ich oft falsch. Immerhin konnte ich hier nun einige Fehler korrigieren und so manche Zuweisungen bestätigen, auch wenn es bei anderen Einträgen weiterhin beim Raten bleibt, da der Memory Dump nur eingeschränkt Aufschluss gibt, auf Grund der Art wie die Sounddateien im Original nachgeladen werden können.

Ich hoffe ich werde noch diesen Dezember einige vorzeigbare Fortschritte vermelden können. Kleine Schritte, Tag für Tag. Macht es die Sache besser oder schlimmer, wenn ich jetzt verkünde, dass das Remake in jedem Fall zum 30. Jubiläum im Jahr 2021 fertig sein wird? Hey, wieso werft ihr denn jetzt mit überreifen Tomaten und faulen Eiern nach mir? Okay, okay, ich fang ja schon an…

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Urlaubszeit: Zeit, um vielleicht doch mal wieder ein völlig belangloses Spiel durchzuspielen. Vor einigen Monaten wünschte ich mir in meinem Bericht zu Super Metroid noch, jemand möge sich doch erbarmen, ein ähnlich grandioses Spiel auch für andere Plattformen abzuliefern. Es stellte sich heraus, dass tatsächlich jemand drauf und dran war: AM2R – Return of Samus bzw. Another Metroid 2 Remake ist ein seit nahezu 10 Jahren in Entwicklung befindliches Remake des Gameboy-Klassikers „Metroid II: Return of Samus“. Das Spiel das bei uns 1992 erschien – sagt man – ist eines der besten für den Gameboy überhaupt, und ein Vorbild unter anderem in Sachen Storytelling und Atmosphäre. Doch leider ist das Spiel technisch mit seiner extrem niedrig aufgelösten Grünstufen-Grafik und den quäkenden Gameboy-Sounds sehr schlecht gealtert, und Nintendo hat bisher kein Interesse gezeigt, ein Remake in der Art des 2004 erschienenen Metroid: Zero Mission zu veröffentlichen. Doch sie haben ohne es zu wissen einen findigen argentinischen Programmierer mit just jenem NES-Metroid-Remake dazu ermuntert, auch das alte Gameboy-Spiel im modernen 2D-Metroid-Stil aufleben zu lassen.

Beinahe ein Jahrzehnt schraubte dieser Mensch mit Hilfe des GameMakers an seinem Remake, komponierte Neuinterpretationen alter Metroid-Musikstücke, übernahm Grafiken und Spielmechaniken aus den neueren Spielen, entwarf die Levelkarten, tüftelte an der Gegner-KI und vieles mehr. Das kostenlose Remake sollte ein Tribut an Nintendo und an die fantastischen 2D-Metroid-Spiele werden. Rechtzeitig zum 30-jährigen Jubiläum von Metroid am 6. August wurde das fertige AM2R schließlich in der Version 1.0 veröffentlicht. Viele Onlinemedien berichteten darüber, das Remake wurde größtenteils mit Begeisterung und mit Erstaunen über diese Leistung empfangen. Offenbar war das etwas zuviel Aufmerksamkeit, denn nur einen Tag später machten die Anwälte von Nintendo of America dem Treiben ein Ende. Sie forderten, das Spiel nicht länger zum Download anzubieten, da es Nintendos Urheberrechte verletze. Zur Erinnerung: Nintendo ist der Verein, der es seit 2004 nicht gebacken bekommt, einen brauchbaren Metroid-Nachfolger zu produzieren. Nintendo ist der Verein, der das 30-jährige Jubiläum von Metroid selbst komplett verpennt hat. Das verspätete Geschenk zum Jubiläum an die Fans ist jetzt also die Vernichtung eines der großartigsten Remake-Projekte.

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Die Community ist verständlicherweise ziemlich angepisst, der Ärger über Nintendos erbarmungslose Paragrafenreiter-Politik ist groß. Die Fans WOLLEN ein neues 2D-Metroid, doch Nintendo ist weder bereit es ihnen zu geben, noch sind sie bereit zu akzeptieren, wenn andere den Job gratis übernehmen. Nun, der Entwickler selbst macht das Beste aus der Situation: Er habe möglicherweise den richtigen Stein ins Rollen gebracht. Da das Spiel ohnehin schon im Internet ist, kann Nintendo es jetzt auch nicht mehr effektiv entfernen lassen. Der Programmierer werde das Spiel außerdem „privat“ weiterhin mit Updates versorgen: Inzwischen gibt es auch schon die Version 1.1. Zu Deutsch: Die Fans scheißen auf das was die Japaner ihnen vorschreiben wollen.

Natürlich musste ich mir dieses Spiel einmal gründlich ansehen. Schon da es das erste komplette Metroid für den PC ist. AM2R macht im direkten Vergleich mit Metroid Fusion und Metroid: Zero Mission einen ähnlich professionellen Eindruck. Die Musik wirkt sehr stimmig, und die schön gepixelte 16-Bit-Grafik wärmt das Herz jedes Konsolennostalgikers. Ich bin äußerst beeindruckt, dass AM2R nativ in 320×240 Pixeln läuft und nur hochskaliert wird. Dazu gehört irgendwo Mut und ein Sinn für Authentizität. Wer aber darüber hinaus eine originalgetreue Nachbildung von Metroid II erwartet, wird leider enttäuscht. Das Remake-Projekt orientiert sich eher frei an der Vorlage. Manche Gebiete kommen einem schon sehr bekannt vor, bei anderen klingelt dafür überhaupt nichts. Die Handlung und die meisten Bossgegner sind gleich geblieben, wurden lediglich modernisiert. Samus Aran fliegt auf den Heimatplaneten SR388 der Metroids, um die Viecher dort endgültig zu beseitigen. Dabei muss sie in jedem neu geöffneten Areal eine vorgegebene Anzahl an Metroids besiegen, bis durch Erdbeben neue Schächte freigelegt werden. So gerät Samus immer tiefer in den Untergrund des Planeten, wo immer gruseligere Metroid-Mutationen warten, bis sie schließlich der Metroid-Queen gegenübersteht.

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Der finale Kampf gegen die Metroid-Queen war quälend lang, mühsam und hat mich etliche Nerven gekostet, aber beim sechsten oder siebten Anlauf habe ich es doch noch geschafft. Dass es in AM2R am Ende nicht noch eine haarsträubende Fluchtsequenz gibt (die wurde schon zur Mitte des Spiels abgefrühstückt), kam mir gerade recht, so konnte ich meinen Triumph auf mich wirken und meinen wahnsinnig hohen Puls wieder sinken lassen. Die obligatorische Statistik zeigte mir eine Durchspielzeit von 8:23 Stunden, und offenbar fand ich stolze 84% der Gegenstände. Einige zusätzliche Verstecke waren mir zwar bekannt, aber die Speed-Booster-Moves, die man dafür hätte ausführen müssen, waren mir dann doch zu abgedreht. Ein komplettes Bonus-Gebiet habe ich leider übersehen, aber fairerweise sollte man anmerken, dass AM2R es direkt darauf anlegt, dass es nicht gefunden wird.

Im Verlauf des Spiels sind mir genau zwei große Bugs aufgefallen, die allerdings beide bereits von anderen fleißigen Spielern gemeldet wurden. Einer dieser Bugs sorgt dafür, dass Baby-Metroids plötzlich in der Wand verschwinden und sich daher die Türen nicht mehr öffnen lassen, so dass wieder zum letzten Spielstand zurückgekehrt werden muss. Das Remake bringt einige Grafikaspekte moderner 2D-Indie-Spiele ein, darunter Lichteffekte, echtes Alphablending, und natürlich Partikeleffekte, aber das ganze fügt sich gut ins Spiel ein. Samus bewegt sich im Remake wesentlich schneller und agiler als im Original, was hauptsächlich den Modernisierungen aus den neueren Metroid-Spielen geschuldet ist, so wurde auch hier dem bekannten Pacing aus z.B. Metroid Fusion der Vorzug gegenüber dem gemächlichen Ur-Metroid gegeben. Das ganze Paket wird durch ein Logbuch abgerundet, eine Art Metroid-Lexikon, das während des Spiels immer abrufbar ist, und auch Schwachstellen einzelner Bossgegner offenbart.

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Ich bin durchweg beeindruckt von AM2R, sowohl von der Leistung des alleinigen Entwicklers, als auch vom Ergebnis selbst, das zwar keine perfekte Metroid II-Reinkarnation ist, und sicherlich auch kein perfektes Metroid-Spiel, aber dafür eine spannende Erfahrung und eine gute Gelegenheit, noch einmal in das echte Metroid-Spielgefühl einzutauchen. Jedem Metroid-Fan kann ich dieses wirklich liebevolle Remake nur empfehlen. Zuviel Arbeit und Herzblut ist in dieses Projekt eingeflossen um es jetzt einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. Mit Hilfe des Dateinamens „AM2R_10.zip“ und ein wenig Suchmaschinenmagie solltet ihr problemlos in der Lage sein, das Spiel zu finden. Wobei die neue Version 1.1 sogar direkt im Forum des Projekts als Download angeboten wird. Ihr werdet die spaßige Metroid-Hatz nicht bereuen. Auf dem PC. Ohne Nintendos Segen.

Im Spieleveteranen-Podcast ist es nur eine halbe Anekdote bzw. eine kurze Randnotiz wert, mir dagegen natürlich ein kleiner Blogbeitrag: Heinrich Lenhardt erwähnt in der neuesten Folge #70 des Podcasts (der diesmal gleichzeitig auch als YouTube-Video zur Verfügung steht) den Atari ST-Klassiker Bolo von Meinolf Schneider. Besprochen wird das ganze im Rahmen der jeweils 30-jährigen Jubiläen des Amiga 1000 und des Atari ST.

Dabei geht Heinrich Lenhardt, der bekanntermaßen zu den erfahrensten deutschen Fachjournalisten für Computerspiele zählt, und der auch um 1990 Spieletests für das von mir geschätzte TOS-Magazin schrieb, quasi in einem Nebensatz darauf ein, dass es jeweils eine eigene Computerspielewelt rund um den Farbmonitor, aber auch um den Monochrommonitor gab. Aus seiner Sicht waren seine armen Kollegen zu belächeln, die sich regelmäßig über neue Spiele für den Monochrommonitor erkundigten, während er sich eigentlich hauptsächlich mit den Farbspielen beschäftigte. Als Beispiel für Monochromspiele nennt er sofort Bolo, das 1987 veröffentlicht wurde, also zu der Zeit als Herr Lenhardt noch für die Happy Computer arbeitete. Leider bleibt es allein bei der Nennung. Dennoch ist Amiga- und Atari-ST-Spielenostalgikern natürlich die gesamte Folge sehr zu empfehlen.

Der besagte Ausschnitt beginnt bei Minute 36:

Die Spieleveteranenrunde setzt sich in dieser Episode aus den Herren Heinrich Lenhardt, Jörg Langer, Winnie Forster, Michael Hengst, sowie dem Stargast Andreas von Lepel zusammen. Letzterer wurde bekannt als Moderator der ZDF-Sendung „X-Base“ Anfang/Mitte der 90er Jahre, in der es um Videospiele ging. Von Lepel arbeitet allerdings auch selbst als Spieleentwickler und früher auch als Spielejournalist.

Erwähnenswert ist auch, dass in dieser Episode kurz diskutiert wird, wie man denn am besten Screenshots von sehr alten Spielen macht. Jörg Langer und Heinrich Lenhardt sind sich dabei einig, dass man sowas am einfachsten mit Hilfe von Emulatoren macht, was mich natürlich entsprechend darin bestätigt, dass Emulatoren der beste, der richtige und vor allem ein zu schützender und zu fördernder Weg sind, alte Spiele zu bewahren, denn damit machen sie sich indirekt für Disk-Images und ROM-Dateien stark. Winnie Forster dagegen schwört auf aufwändige und teure Bildschirmfotografien der Monitore an den echten Geräten.