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Es ist ein absolut denkwürdiger Moment für Science-Fiction-Fans. Heute ist einer dieser Momente, die verloren sein werden in der Zeit, so wie Tränen im Regen. Heute ist Der Blade Runner-Tag, der 20. November 2019. Im Film „Blade Runner“ von Ridley Scott aus dem Jahr 1982, mit Harrison Ford, Rutger Hauer und Sean Young, wird der Polizist Rick Deckard auf die Jagd nach vier gefährlichen, künstlichen Menschen geschickt, die er allesamt in den Ruhestand schicken soll. Nur 37 Jahre nach Entstehung des Films hat uns dessen fiktive Zukunft endlich eingeholt. Das Original spricht zwar nur vom November 2019, doch im Nachfolger „Blade Runner 2049“ wird das Datum der ersten Begegnung von Deckard mit der Replikantin Rachael bei der Tyrell Corporation präzisiert. Es ist also der heutige Mittwoch. Blade Runner ist JETZT.

Links „Blade Runner“ (1982), rechts „Blade Runner 2049“ (2017)

Im stets verregneten, düsteren Los Angeles des Novembers 2019 gibt es Schwebewagen, gewaltige Hightech-Pyramiden, feuerspeiende Schornsteine, und animierte Reklame-Displays so hoch wie Wolkenkratzer. Vielleicht war die Zukunftsvision des Films etwas zu optimistisch, aber das lässt uns an seiner Qualität nicht zweifeln. Blade Runner basiert auf dem Buch „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968. Wer dem Film vorhalten möchte, dass er etwas aus der Zeit gefallen sei, der sollte mit dem Buch gar nicht erst anfangen. Ridley Scott hat aus dem ursprünglichen Text rausgeholt, was irgendwie sinnvoll erschien und daraus etwas Beispielloses geschaffen.

Nicht einfach nur als Film, vielmehr als episches, preisgekröntes Meisterwerk der Filmgeschichte, bietet Blade Runner in meinen Augen Vollendung in Bild und Ton, mit einer Atmosphäre, die dichter kaum sein könnte. Der außergewöhnliche Film setzte atmosphärisch, visuell, stilistisch, tricktechnisch und sogar musikalisch vielleicht nicht unbedingt neue Maßstäbe, aber in jedem Fall mindestens neue Akzente. Allein die ersten Minuten der Einleitung werden Zweifler von der Qualität überzeugen. Der Regisseur und Special-Effects-Guru Douglas Trumbull hat für Ridley Scott seinerzeit eine lebende, atmende, finster-dystopische Stadt erschaffen, dunkel wie die Nacht und gleichzeitig hell erleuchtet, die zu den atemberaubenden, verträumten Synthesizer-Klängen von Vangelis die Zuschauer beinahe zur Ehrfurcht verleitet und sich ins Gedächtnis einbrennt. Blade Runner wurde zum Cyberpunk-Vorbild für viele modernere Werke, unter anderem „Ghost In The Shell“, „Das Fünfte Element“ und „Matrix“.

In Blade Runner klebt der Schmutz und der Müll auf den regenüberfluteten Straßen, die Strahlung hat weite Teile der Erde unbewohnbar gemacht, die meisten Tiere sind ausgestorben, die Armut ist allgegenwärtig und steht den zerlumpten Menschen ins Gesicht geschrieben. Wer es sich leisten konnte, hat die Erde in Richtung der reicheren Kolonien längst verlassen. Als starker Kontrast befinden wir uns trotz des Elends in einer Gesellschaft der Hochtechnologie. Videotelefone stehen an jeder Ecke, futuristische Autos fliegen kreuz und quer über der Stadt, Laser-Scanner sind quasi Standardausstattung in jedem noch so heruntergekommenen Laden. Die Tyrell Corporation ist durch die Herstellung von Replikanten (künstliche Menschen; Androiden im Buch) zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt geworden. Replikanten werden als unfreie Arbeiter in den Kolonien eingesetzt und sind auf der Erde verboten. Die dunkle Welt von Blade Runner ist wunderschön und abgrundtief hässlich zugleich.

Zugegeben, als Kind verkannte ich die immense Qualität des Films, so wie Blade Runner auch vom Publikum und von den Kritikern zunächst weitgehend unterschätzt wurde. Heute gilt er unter Cineasten unbestritten als Kultfilm. Seit Jahren schmückt ein Nachdruck des Kinoplakats mein Wohnzimmer. Der Film wirft einige spannende philosophische Fragen auf, zum Beispiel, was das Menschsein eigentlich ausmacht, ob künstlich erschaffene Menschen versklavt werden dürfen, und was passiert, wenn etwas menschlicher als der Mensch ist. Doch darauf einzugehen, überlasse ich lieber den Experten, denn dafür bin ich sicher nicht qualifiziert genug. Meine Wertschätzung gilt insbesondere dem großartigen Soundtrack und dem „Neo-Noir“ Stil des Films und seiner Bedeutung für Hollywood.

Los Angeles, heute

Leider wird dieser besondere Tag überschattet vom kürzlichen Tod des brillanten niederländischen Charakterdarstellers Rutger Hauer, der den Replikanten Roy Batty im Film als eine seiner ersten und insgesamt bekanntesten Filmrollen spielte. Hauer verstarb bereits am 19. Juli 2019 und kann diesen Moment bedauerlicherweise nicht mehr mit uns erleben. Als kleine Anekdote hier der gern erwähnte Hinweis, dass er selbst die ikonische, finale „Tears in Rain“-Monologzeile komplett improvisiert hat. Ruhe in Frieden.

Wahrscheinlich hat mich die bedrückende aber gleichzeitig packende Cyberpunk-Stimmung im Los Angeles des Films nachhaltig in meinen Erwartungen geprägt, so dass mich ähnliche Projekte wie magisch anziehen. Eines dieser Projekte, das ich in diesem Beitrag unmöglich unerwähnt lassen kann, ist das Spiel „Cyberpunk 2077“ von CD Projekt Red, das im April 2020 erscheinen wird. Alle Einzelheiten des überwältigend ambitionierten Spiels zu beschreiben, wäre im Grunde eine komplette Artikelreihe wert, daher hier nur soviel: Näher an eine frei spielbare Rollenspiel-Version von Blade Runner werden Fans vielleicht niemals kommen. Man möge mir diesen kurzen Exkurs verzeihen.

Ich hoffe, ihr anderen Fans genießt den Blade Runner-Tag mindestens ebenso wie ich. Ich habe dieses historische Datum bereits in Vorbereitung zu diesem Artikel zum Anlass genommen, die literarische Vorlage erstmals, sowie die beiden Filme nochmals konzentriert zu betrachten. Und wer Blade Runner bisher noch gar nicht kannte, der möge an dieser Stelle bitte meiner Empfehlung folgen. Ein solches Versäumnis muss korrigiert werden; zumindest bei denjenigen, die Filme nicht einfach nur konsumieren, sondern sie gänzlich erfahren. Ich habe in dem Film jedenfalls Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet…

Nun also doch wieder ein winziger Beitrag zur Java-Welt von mir. Da ich an Projekten arbeite, die mit Hilfe von Apache Log4j Logdateien erstellen, wurde kürzlich die Frage geäußert, wie man denn verhindern kann, dass das System irgendwann mit gigabytegroßen Logs volllaufen wird. Die bisherige „Alles-in-eine-Datei“-Implementierung sollte also ersetzt werden durch eine Lösung mit täglichem Wegspeichern der Logs vom Vortag und nach Möglichkeit direkt als ZIP-Datei, um Platz zu sparen (Plain Text lässt sich bekanntlich unheimlich gut packen). Hinzu kommt dann noch, dass nur die Logdateien der letzten x Tage vorgehalten werden sollten. Ältere Logs müssen automatisch gelöscht werden.

Nun ist Log4j ein sehr mächtiges Tool, das einem wirklich viel Arbeit abnimmt. Der RollingFileAppender z.B. erlaubt es dem Entwickler ganz einfach, Logdateien wegzuspeichern, wenn sie eine bestimmte Dateigröße erreicht haben, und die nächste Logdatei zu beginnen. Wunderbarerweise gibt es zusätzlich sogar die Möglichkeit, mit maxBackupIndex vorzugeben, wieviele Logdateien gleichzeitig gespeichert bleiben sollen. Fast perfekt, aber leider nicht auf periodisches, also z.B. tägliches Wegspeichern anwendbar. Zu meinem Glück gibt es genau für diese Anforderung den DailyRollingFileAppender, so als wäre er direkt für mich gemacht worden. Und jetzt kommt der Brüller: Der DailyRollingFileAppender hat blöderweise wieder keinen maxBackupIndex, er erlaubt also nicht das Vorhalten einer vorgegebenen Anzahl an Logdateien. Super Sache. Wie bekomme ich jetzt DEN FileAppender, der beides kann? Ich bräuchte eine Kombination aus beidem.

Unter http://wiki.apache.org/logging-log4j/DailyRollingFileAppender fand ich die Rettung in Form einer fertigen Klasse: Der DailyMaxRollingFileAppender – tägliches Wegspeichern mit Angabe des maxBackupIndex. Damit wären also zwei von drei Anforderungen erfüllt. Die ZIP-Funktionalität fehlte noch. Meine Mission war es also, einen kleinen FileAppender zu schreiben, der den DailyMaxRollingFileAppender erweitert. Geboren war der DailyMaxRollingZipFileAppender (DAS ist mal ein Klassenname!):

Dieser FileAppender benennt zum Tageswechsel das Logfile mit Angabe des Datums um, verpackt es sofort als handliche ZIP-Datei, und löscht bei Bedarf das älteste Logfile (sofern maxBackupIndex erreicht). Ist ja eigentlich schon fast schade, dass Log4j sowas nicht von Haus aus kann. Falls jemand zufällig mit Log4j zu tun hat und damit was anfangen könnte: Bedient euch.

In related news: Hurra, endlich ein Syntax-Highlighter-Plugin für SuccessDenied. Als Programmierer kann man doch beinahe keinen Blog führen ohne ein solches Plugin.