Archiv der Kategorie: Film & TV

Frage: Was für eine Auswahl an Filmen und Serien bietet Netflix?

Antwort: Bei Netflix gibt es Tausende Filme und Serien, die Sie sofort über Ihren Computer oder ein beliebiges streamingfähiges Gerät – wie PS3, Wii oder Xbox 360 – auf Ihrem Fernseher ansehen können. Sie können beliebig oft pausieren, vor- und zurückspulen oder immer wieder neu ansehen – natürlich alles ohne Werbung. Es ist wirklich so einfach.

Dieser kurze Auszug aus der FAQ zur deutschen Version von Netflix verdeutlicht buchstäblich, was mich an den Streaming-Anbietern stört: Deren Angebot geht für mich leider völlig am Problem vorbei. Auf eine absolut berechtigte und oft gestellte Frage, die man zum Beispiel leicht beantworten könnte, indem man die Liste der Filme und Serien eben NICHT vor den interessierten Besuchern verbirgt, wird bereits nach einem mageren halben Satz dummdreist am Thema vorbeigerudert. Oho, ich kann vor- und zurückspulen! Und pausieren! Ich kann mit einem Auge zusehen, oder mit beiden, ich kann sogar beide Augen schließen und nur den Ton hören – so viele Möglichkeiten bietet mir Netflix, die hier genauso gut über das schöne Wetter bei Netflix erzählen könnten. Wie zynisch die faule Antwort „Tausende Filme und Serien“ auf die Frage, welche AUSWAHL an Filmen und Serien ich dort für mein Geld bekomme, überhaupt ist, darüber müssen wir wohl kaum diskutieren. Netflix hat gar nicht die Absicht, die Frage zu beantworten.

kinoxto

Aber Netflix ist da in schlechter Gesellschaft. Wer erfahren will, ob ein bestimmter Film bei einem oder mehreren Streaming-Anbietern im Programm ist, der muss sich etwa auf den Drittanbieter-Service werstreamt.es verlassen, denn nur dort erfährt man tatsächlich, ob sich ein Abo überhaupt lohnt. Dass die Streaming-Anbieter ihr Angebot eigentlich nur den Leuten in vollem Umfang offenbaren, die bereits ein Abo abgeschlossen haben, ärgert mich schon sehr lange, denn das Angebot ist für mich entscheidend bei der Wahl des Anbieters, nicht umgekehrt.

Aber das ist noch gar nicht das Hauptproblem des Streamings. Viel schlimmer finde ich, dass oftmals bei den Filmen ein „Verfügbar bis“-Datum eingeblendet wird. Manchmal gibt es einen Staffel-Countdown, der die Tage herunterzählt, bis eine bestimmte Staffel einer Serie aus dem Angebot verschwindet. Dies sind furchtbare Auswüchse des ekligen Sumpfes an Verträgen, Verwertungsrechten und Exklusivrechten, die dafür sorgen, dass viele Filme und Serien nur zeitlich begrenzt im Angebot sind, und dann entfernt werden, wenn Verträge auslaufen. Tatsächlich befand ich mich mit Kollegen schon einmal genau in der lustigen Situation, dass wir über mehrere Tage hinweg eine Filmreihe über einen Streaming-Anbieter sehen wollten. Dummerweise verschwand die Filmreihe plötzlich wieder aus dem Filmsortiment, bevor wir am Ende angelangt waren. Die Begeisterung war groß. So ist Streaming. Genau so.

Über das DRM bei den legalen Streaming-Angeboten müsste ich als nächstes zu sprechen kommen. Dank Microsoft Silverlight etwa kann mir die Streaming-Software untersagen, Monitore an den PC anzuschließen, die kein HDCP unterstützen. Ein reiner VGA-Monitor und viele ältere DVI-Monitore dürfen erst gar nicht eingestöpselt sein, will man Filme mit DRM sehen, egal ob der Monitor dafür verwendet wird oder nicht. Auch kann die Unterstützung beispielsweise von Linux und/oder bestimmten Browsern durch die DRM-Maßnahmen nicht garantiert werden, auch wenn es am Streaming des Films selbst nie scheitern würde. Natürlich bezahlt der Kunde am Ende selbst die teuren DRM-Lösungen, auch wenn er davon gar nicht profitiert.

Als ich mir zur Entstehungszeit dieser Distributionstechnik Gedanken darüber machte, wofür man Streaming einsetzen könnte, da leuchteten mir die Augen: Die größte Film- und Serienbibliothek der Welt – jederzeit verfügbar – egal wo man sich befindet – egal welche Sprache man bevorzugt, egal ob Kinofassung oder der Directors Cut, natürlich alles ungeschnitten. Derrick auf japanisch, längst vergessene Stummfilme aus der Zeit des ersten Weltkriegs, skandalöse italienische Splatterfilme aus den 70ern, und natürlich alle aktuellen Blockbuster, und das immer nur wenige Mausklicks entfernt. Doch letztendlich wird es nichts davon sein. Streaming-Anbieter schießen wie Pilze aus dem Boden und wetteifern mit Geldscheinen winkend um die begehrten aktuellen Filme und Serien. Die alten, nicht so bekannten Filmerzeugnisse findet man dagegen weniger, Raritäten praktisch gar nicht, denn damit lässt sich auch kein Geld verdienen. Wer ein möglichst breites Spektrum abdecken will, von dem wird erwartet, Abonnements bei fünf verschiedenen Anbietern abzuschließen.

Viele meiner Lieblingsserien und -filme kann ich weder bei Netflix, Maxdome, Watchever, Amazon Prime, Lovefilm etc. finden. Schlimmer noch: Irgendein Netflix-Manager sagte erst vor kurzem, er sehe gar keinen Sinn darin, ein möglichst großes Angebot anzustreben. Er fände es gut, wenn sich weitere Streaming-Anbieter für Nischenbereiche entwickelten. Also soll ich mir in Zukunft für jedes Genre einen spezialisierten Anbieter suchen, die monatlich allesamt fünf bis zehn Euro bei mir abbuchen? Das wird definitiv nicht passieren. Ich verzichte auch weiterhin gerne auf das aus meiner Sicht eher schwache Angebot der etablierten Streamingdienste. Noch gibt es Blu-ray und DVD. Die verschwinden wenigstens nicht plötzlich aus meiner Sammlung, wenn irgendein dämlicher Vertrag gerade ausläuft.

Freilich bin ich ein sehr spezieller Nutzer. Netflix & Co. bedienen vor allem den Löwenanteil der Nutzer, die sich – analog zum Fernsehen – gerne von dem Angebot irgendwie berieseln lassen. Diese erwarten hauptsächlich, dass die neuesten Kinofilme und topaktuelle Serien dabei sind, mehr nicht. Diese Nutzer durchsuchen das vorgegebene Angebot, und entscheiden sich dabei spontan. Ich dagegen kenne bereits im Vorfeld die Filme und Serien, die ich schauen möchte, und diese finde ich dort zu meiner Enttäuschung oft nicht. Ich habe die Hoffnung allerdings noch nicht aufgegeben, dass diese allumfassende Film- und Serienbibliothek im Internet irgendwann doch noch entstehen wird, aber dazu müsste Netflix erst einmal in der Versenkung verschwinden, und dann müssten sich die Filmstudios endlich in sehr vielen Punkten einig werden. Im Moment bleibt diese Technik noch weit unter ihren Möglichkeiten. So interessiert mich das alles nicht.

Leute, es ist jetzt endlich soweit: Heute ist der 21. Oktober 2015 – der langersehnte Zurück-in-die-Zukunft-Tag. Es ist nämlich genau der Tag, zu dem Marty McFly mit seiner Freundin Jennifer und Doc Brown in der Zukunft reist, um seine Kinder vor einer Katastrophe zu retten – und zwar in dem Film „Zurück in die Zukunft II“ mit Michael J. Fox und Christopher Lloyd. Endlich, endlich, das ewige Warten hat ein Ende.

backtothefuture_datum2

Um diesen einen speziellen Tag bildeten sich in der Vergangenheit unzählige Hoaxes in den sozialen Netzwerken und Blogs. Jährlich veröffentlichten irgendwelche Trolle neue manipulierte Bilder mit der berühmten Zeitleiste des DeLorean, auf welchen immer ein beliebiges falsches Datum im Jahr 2012, 2013 oder 2014 angegeben war, mit dem Hinweis, dass heute doch der Tag der Tage sei, und ständig fielen einige darauf herein, weil sie das Original-Datum nicht kennen oder zu faul waren, die Richtigkeit nachzuprüfen. Ich selbst habe so manches Mal jemanden auf seinen Fehler aufmerksam machen dürfen, denn mich als BTTF-Fan lässt so ein Frevel natürlich nicht kalt.

Nichtsdestotrotz, heute ist es WIRKLICH soweit. HEUTE ist dieser spannende Tag, auf den die Fans schon sehr lange und ungeduldig warten. Ab heute gibt es fliegende Autos, Sport-Almanachs, das Café der 80er Jahre, Hoverboards, Mr. Fusion, den Nahrungsmittel-Hydrator, es gibt Holofilme wie „Der weiße Hai 19“ und vieles mehr. Ich sollte jetzt direkt mal vor die Tür gehen und nachsehen, was sich alles verändert hat. Ich bin ja schon so gespannt.

Das Verrückteste ist, dass ich diesen Artikel schon vor langer Zeit vorbereitet habe. Diese Zeilen schreibe ich kurz nach Mitternacht, am Montag den 6. Januar 2014, also über eineinhalb Jahre bevor es tatsächlich soweit ist. Mit Hilfe der terminierten Artikelveröffentlichung von WordPress kann ich diesen Artikel in der Vergangenheit schreiben und ein ganz bestimmtes Veröffentlichungsdatum angeben, um ihn quasi in die Zukunft zu schicken, damit ihr ihn HEUTE lesen könnt, nämlich präzise am 21. Oktober 2015, kurz nach Mitternacht. Falls nicht vorher der Blitz in die Rathausuhr bzw. in den Serverraum meines Hosting-Providers einschlägt. Und da man bekanntlich nie zuviel über seine eigene Zukunft wissen sollte, wird der längst fertige Artikel auch keinen Tag früher veröffentlicht. Der Vorteil der Aktion ist, dass mein Artikel auch dann im Blog veröffentlicht wird, wenn ich es völlig vergessen habe. Wer weiß, vielleicht überrascht mich mein Blog selbst damit.

Ich gehe allerdings bereits jetzt stark davon aus, dass jeder zweite oder dritte Blogger auf dieselbe dämliche Idee gekommen ist, oder noch kommen wird. Insofern, nehmt es mir nicht übel, wenn man von Nachrichten über den Zurück-in-die-Zukunft-Tag praktisch erschlagen werden wird. Und vor allem, nehmt es euren Kindern nicht übel, wenn sie mal aus Versehen den Wohnzimmerteppich in Brand stecken.

Update: Und da wir nun schon in Partylaune sind: Am 3. Juli diesen Jahres hat die fantastische Filmreihe ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert! 30 Jahre Zurück in die Zukunft! Moment, das interessiert euch gar nicht? Tja, ich schätze ihr seid wohl noch nicht so weit, aber eure Kinder fahren da voll drauf ab!

So wie viele Bücherwürmer und Leseratten es sich zur Aufgabe gemacht haben, in ihrem Leben möglichst viele Bücher zu lesen, so handhabe ich das als Cineast mit den Filmen. Mit Büchern konnte ich schon immer wenig anfangen, obwohl ich es immer wieder aufs Neue versucht habe, aber Filme begeistern mich seit den frühesten Kindheitstagen. Im Unterschied zu gewöhnlichen Filmfans allerdings, die sich bereits damit begnügen, immer nur die neuesten Kinokracher durchzuarbeiten, und sich dann für besonders informiert halten, endet meine persönliche Mission nicht permanent am Ticketschalter der üblichen Filmtheater. Mein filmisches Interesse umspannt die allerersten Stummfilme genauso wie die ersten Farbfilme, bis hin zu allem natürlich was heutzutage so auf der Mattscheibe landet.

Ich bin ständig auf der Suche nach Filmmaterial, egal ob alt, ganz alt, oder neu. Filmkonsum ist für mich Unterhaltung und Bildung zugleich. Vor der Vorstellung, mein Filmwissen könne sich mal eine Weile nicht weiterentwickeln, graut es mir. Und so bin ich auch ständig in der Versuchung, Experimente zu wagen, mich an Genres zu versuchen, die ich bisher nicht kannte. Trotz dieses Umstands, behalte ich mir dennoch das Recht vor, eine Auswahl zu treffen, und nicht wahllos alles zu sehen. Kein Mensch kann alle Filme kennen. Ich kann mich aber zum Glück auch vorbehaltlos auf Filme einlassen, von dessen eher durchwachsenen Kritiken ich schon im Vorfeld weiß. Und selbst da gibt es bei mir Grenzen.

Im Dezember 2013 veröffentlichte ich eine kleine Liste von 35 Filmen, die ich auf netzkino.de schauen konnte. Darunter jede Menge Schund, aber auch einige echt nette Geheimtipps. In den zurückliegenden eineinhalb Jahren habe ich diesen Vorgang wiederholt, und werde nun erneut 35 Filme auflisten, die ich mir auf der werbefinanzierten Filmplattform so reinziehen durfte.

  1. The Terror – Schloß des Schreckens (1963)
  2. The Last Man on Earth (1964)
  3. Trinity schlägt zurück (1970)
  4. Bruce Lee – Die Todeskralle schlägt wieder zu (1972)
  5. Bruce Lee – Das Geheimnis der grünen Hornisse (1974)
  6. Knight Moves – Ein mörderisches Spiel (1992)
  7. Teurer als Rubine (A Price Above Rubies) (1998)
  8. Die Treue der Frauen – La Fidelité (2000)
  9. Where the Money Is – Ein heißer Coup (2000)
  10. Double Trouble – Ein Cop auf Abwegen (2001)
  11. Jeepers Creepers (2001)
  12. Sex für Anfänger (2002)
  13. Nobody Knows Anything (2003)
  14. Control – Du darfst nicht töten (2004)
  15. Hostage – Entführt (2005)
  16. Im Bett (2005)
  17. Rape & Revenge (2006)
  18. Who loves the sun (2006)
  19. Wristcutters (2006)
  20. Loooser – How to win and lose a Casino (2007)
  21. Smiley Face (2007)
  22. The Man From Earth (2007)
  23. Weirdsville (2007)
  24. Adventures of Power (2008)
  25. American Evil (2008)
  26. Antichrist (2009)
  27. Der Weihnachtsmuffel (2009)
  28. Paper Man – Zeit erwachsen zu werden (2009)
  29. Paranormal Conjuring (2009)
  30. Slammin’ Salmon – Butter bei die Fische! (2009)
  31. Street Fighter – Round One: Fight! (2009)
  32. Das Hausmädchen (2010)
  33. Legendary – In jedem steckt ein Held (2010)
  34. Sinister Encounters – Two Eyes Staring (2010)
  35. God bless America (2011)

twinpeaks1

Vor einigen Jahren machte ein Freund in einem Gespräch mit mir beiläufig einen kleinen Scherz – eine Anspielung auf eine bekannte Mystery-Serie. Als ich darauf nicht reagierte, fragte er mich beinahe vorwurfsvoll, ob ich denn Twin Peaks nicht gesehen hatte. Ich musste die Frage verneinen. Als ich nun Ende November letzten Jahres auf der Suche nach für mich unverbrauchtem Serienmaterial war, fiel mir die neue Blu-ray-Box ins Auge, und ich erinnerte mich an diese vage Serienempfehlung. Sofort bestellte ich das Ding, denn soviel Vertrauen hatte ich in das Urteilsvermögen des Freundes. Außerdem kenne ich einige Filme des Regisseurs David Lynch. In seiner Romanverfilmung „Dune“ spielte sogar ebenfalls Twin Peaks Hauptdarsteller Kyle MacLachlan mit.

Mein Kommentar zu Twin Peaks fällt leider recht dünn aus, also dünner noch als sonst, denn ich kann leider nicht behaupten in der Serie den vollkommenen Durchblick gehabt zu haben. Die Serie ist tatsächlich auf ihre ganz spezielle, unglaublich verdrehte Weise äußerst gut. Ich kann nur überhaupt nicht sagen wieso eigentlich. Die erste Staffel, die 1990 ausgestrahlt wurde, fängt nüchtern an: In der amerikanischen Kleinstadt Twin Peaks direkt an der kanadischen Grenze wird die Leiche einer beliebten Schülerin gefunden – Laura Palmer – eingewickelt in Plastikfolie. Da der hiesige Sheriff Truman keine besondere Erfahrung mit Mordfällen hat, und da es Hinweise darauf gibt, dass es sich um einen Serienmörder handeln könnte, wird Detective Dale Cooper vom FBI nach Twin Peaks beordert, um den Mord zu untersuchen.

twinpeaks2

Schnell stellt Cooper, der in der Stadt sofort wärmstens empfangen wird, fest, dass in Twin Peaks fast jeder irgendetwas Krummes am Laufen hat, weswegen die Serie sich in mehrere Handlungsstränge untergliedert, die aber alle miteinander verbunden sind, was man manchmal früher, manchmal erst später merkt. Schon nach wenigen Episoden beschreitet die Serie nach und nach den Weg ins Spirituelle, ins Übernatürliche. Es geht da um irgendeine weiße Hütte, und eine schwarze Hütte, und um rote Vorhänge in der schwarzen Hütte. Menschen sprechen dort grundsätzlich rückwärts, bzw. eigentlich vorwärts, aber so dass es wie rückwärts klingt. Oder vielleicht doch eher umgekehrt. Es ist alles ziemlich kompliziert. Ich kann verstehen, dass man die Serie liebt, wenn man die totale Erleuchtung hat, ich kann aber auch verstehen, wenn man mit der Serie absolut nichts anfangen kann, weil ohne die Erleuchtung alles ziemlich nach Unsinn klingt.

Soweit ich es durch das Making-Of und die Interviews verstanden habe, war ursprünglich geplant, dass das große Geheimnis um den Mörder des promiskuitiven Highschool-Mädchens die Serie tragen sollte, bis schließlich in einem spannenden Serienfinale das Rätsel gelöst würde. Das hätte womöglich auch wunderbar funktioniert, die Serie war in den USA ein echter Erfolg Anfang der 90er. Der produzierende Sender wollte bei diesem grandiosen Masterplan aber nicht mitspielen, und zwang die beiden Autoren der Serie, den Namen des Mörders schon viel früher zu enthüllen, nämlich kurz nach der ersten Staffel. Als das Thema damit vom Tisch war, die Akte geschlossen werden konnte, war die Luft aus der Serie für alle Beteiligten irgendwie raus. David Lynch und Mark Frost hatten Schwierigkeiten, die Serie handlungsmäßig in neue Bahnen zu lenken, jetzt wo ihr Zugpferd geschlachtet war. So wurde die Serie zum Ende hin immer abstruser und verwirrender, bis die Zuschauer schließlich mit einem bombastischen Cliffhanger-Staffelfinale hängengelassen wurden. Eine Fortsetzung gab es nicht, das erwartete von den Verantwortlichen auch niemand ernsthaft.

twinpeaks3

Twin Peaks besteht aus den beiden Staffeln, sowie dem 1992 erschienenen Spielfilm „Twin Peaks – Der Film“, der zeitlich kurz vor den Geschehnissen der Serie spielt. Die Geschichte wird auf jeden Fall sehr gut erzählt, und ich hatte meine Freude an der Serie. Kyle MacLachlan spielt die Figur des eigenartigen, aber grundanständigen Dale Cooper unglaublich cool. Die vielen Haupt- und Nebencharaktere sind leider viel zu zahlreich, um detailliert auf sie und ihre Bedeutung einzugehen. Interessanterweise wurde gerade erst eine neue Twin Peaks Serie angekündigt, die wohl 2016 ausgestrahlt werden soll, und die wieder alle Darsteller und sogar die beiden Serienmacher erneut zusammenbringen soll. Sinnvoll kann da ja nur sein, dass man die unvollendete Handlung nun 25 Jahre später in der Zukunft fortsetzt.

eureka1

Auf meinem TV-Serien-Kerbholz prangt seit wenigen Tagen eine weitere Kerbe, die ich mir mühsam durch wochenlange, intensive Beobachtung verdient habe. Meine Wahl fiel diesmal auf die Science-Fiction-Serie „Eureka – Die geheime Stadt“, die sich über fünf Staffeln zwischen 2006 und 2012 erstreckt. Die „geheime Stadt“ macht dabei eigentlich nie einen besonders geheimen Eindruck, gerade weil ziemlich oft Besuch da ist, daher ist der deutsche Untertitel meines Erachtens blöd gewählt, „geheimnisvoll“ hätte deutlich besser gepasst. Vieles in Eureka mag wohl geheimnisvoll sein, aber leider oft im Nachhinein auch komplett belanglos.

Zur Handlung: Jack Carter verfährt sich mit seiner rebellischen, etwas kleinkriminellen Teenie-Tochter Zoe, als die beiden einen Unfall haben, der aber glimpflich ausgeht. Auf der Suche nach einer Werkstatt verschlägt es sie in die merkwürdige Kleinstadt Eureka, in der nichts ist, wie es scheint: Kinder verstehen höhere Mathematik, der hiesige Kfz-Mechaniker Henry entwickelt in seiner Freizeit ein Gerät, das mühelos die Schwerkraft überwindet, und unerklärliche Phänomene halten die Ordnungshüter der Stadt auf Trab. Der U.S. Marshal Carter bietet seine Hilfe an, und bevor er sich versieht, bekommt er die gerade freigewordene Stelle des Sheriffs in Eureka angeboten. Fortan sorgt er für Recht und Ordnung in einer Stadt voller Genies und Wissenschaftler, in der sich alles um die geheime Forschungseinrichtung Global Dynamics dreht, wo modernste Technologien unter anderem für das Verteidigungsministerium erforscht werden.

Und damit herzlich willkommen zu Star Trek auf der Erde. Jedenfalls wird dem Zuschauer sehr früh klar, woher die Inspiration für die Serie hauptsächlich kommt. In Eureka geht es weitestgehend darum, dass es die Stadtbewohner mit irgendeinem Zeit-, Gravitations-, oder sonst irgendeinem Phänomen zu tun bekommen, Sheriff Carter muss mit seiner naiven, unwissenschaftlichen Art Spuren lesen und die Ursache ermitteln, und der Physiker Henry Deacon muss mit seiner sehr wissenschaftlichen Art Formeln entwickeln und das Problem irgendwie lösen. Carter wohnt in einem vollautomatischen Haus mit Computerstimme, das auf den Namen SARAH hört. Der spätere Hilfssheriff von Eureka ist der Androide Andy, der einmal sogar scherzhaft „Mr. Data“ genannt wird. Einzelne Dialoge und die Handlung ganzer Episoden sind fast 1:1 aus Star Trek: Das nächste Jahrhundert übernommen worden, so wie beispielsweise die, in der nach und nach die Bewohner der Stadt verschwinden, und sich außer Carter niemand mehr an diese Leute erinnern kann.

eureka2

Ärgerlich finde ich Unstimmigkeiten, die sich fast durch alle Staffeln konsequent durchziehen. Wenn Carter irgendein unerklärbares Phänomen in Eureka beobachtet, und er bei Global Dynamics den Top-Wissenschaftlern der Welt von seiner Beobachtung erzählt, dann wird erstmal herzhaft gelacht und gefragt, ob er denn getrunken habe, denn das was er beschreibt ist ja schließlich absurd. In Eureka – die Stadt, in der Häuser fliegen, Menschen und Autos unsichtbar werden, sich spontan eine zweite Sonne bildet, und das ist dort Alltagsgeschäft. Überhaupt, die allermeisten Episoden laufen nach dem gleichen Schema ab. Beliebiges, mehr oder weniger gefährliches Phänomen taucht in Eureka auf. Sheriff Carter fragt als einziger Nicht-Wissenschaftler bei GD in die Runde, ob Maschinen-Dingsi A das Problem sein könnte. Antwort: Nein, Maschine A kann auf gar keinen Fall so etwas verursachen. – Sheriff Carter: Na schön, was ist dann mit Maschinen-Dingsi B? – Antwort: Nein, auch Maschine B funktioniert nicht auf diese Weise. Absolut unmöglich. Sheriff Carter kratzt sich am Kopf und schnipst plötzlich mit dem Finger wie einst Wickie bei den starken Männern: Und wie sieht es aus wenn gleichzeitig Maschine A und Maschine B eingeschaltet sind? – Betroffenes Schweigen. Henry: „Das ist es!“. Henry löst das Problem.

In Eureka lassen sich Flugzeug-, Raumschiff- oder U-Boot-Starts grundsätzlich nicht mehr abbrechen, schon gar nicht, wenn diese versehentlich oder durch einen Fehler eingeleitet wurden. Tolle Technik. Die Lösung kann da nur sein, künftig noch viel mehr auf Technik zu vertrauen. In der ersten Staffel werden so extrem mysteriöse Dinge vorgestellt wie „Das Artefakt“, das bei GD hinter den sichersten Sicherheitsbarrieren unter Verschluss gehalten wird, weil es so mächtig und mysteriös ist, dass niemand seine Bedeutung versteht, die wohl noch viel mysteriöser und gefährlicher ist als wir uns das vorstellen könnten. Es bleibt die ganze Zeit immer wieder bei den selben öden Andeutungen über seine unbekannte Herkunft und die Gefahr, die von dem Artefakt ausgeht. Solange, bis das Artefakt irgendwann einfach nicht mehr erwähnt wird. Das Artefakt ist so mysteriös, dass es auf mysteriöse Weise aus der Serie verschwindet. Super!

Mal von dem ganzen Artefakt-Käse abgesehen ist die Serie teilweise echt nett, vor allem wenn man Zeitreisen und/oder Star Trek mag. Sogar Wil Wheaton spielt eine Gastrolle, der in TNG die allseits beliebte Figur des Fähnrich Wesley Crusher gespielt hat. Der Darsteller des Henry Deacon ist mir leider nur als Mitarbeiter bei Cyberdyne aus Terminator 2 bekannt, der sich selbst in die Luft sprengt, um zu verhindern, dass SkyNet erschaffen wird. Wen hätten wir noch? Max Headroom hat eine kleine Nebenrolle, außerdem Internet-Celebrity Felicia Day. Für mich ist Eureka eine Serie, die man sich vielleicht einmal ansieht, und dann definitiv kein zweites Mal, denn so fesselnd ist sie eigentlich nicht. Die Gags nutzen sich schnell ab, die Fortsetzungsgeschichten lösen sich schnell auf und die Pointen vieler Episoden sind schnell durchschaut. Aber für manche kann es sich lohnen, Eureka mal eine Chance zu geben.