Von Alterskennzeichnungen und Öffnungszeiten


Ab sofort ist Success Denied offiziell nur noch für Erwachsene ab 18 Jahren freigegeben. Warum ist das so? Da gibt es zwei Gründe, die ich nennen möchte.

1. Jugendliche unter 18 Jahren können mit dem Zeug ohnehin nichts anfangen, das ich hier so poste. Viel zu oft schreibe ich über Dinge, die sich auf meine Jugend oder Kindheit beziehen, also eine Zeit, als heutige Jugendliche noch nicht auf der Welt waren oder ihre erste Windel vollgemacht haben. Außerdem bin ich mir noch gar nicht sicher ob ich wirklich damit einverstanden bin, dass heute jedes Kind seinen Senf im Internet posten darf.

2. Ab dem 1. Januar 2011 tritt ein neues Gesetz in Kraft, das die Anbieter von Webinhalten aus Deutschland dazu mehr oder weniger verpflichtet, ihr Angebot auf Jugendgefährdung hin zu überprüfen und mit einer Alterskennzeichnung, ähnlich denen auf DVDs und Blu-rays, zu versehen. Wie das ganze im Detail aussehen soll, ist noch nicht fix, aber es ist leider beschlossene Sache. Da ich weder garantieren kann noch will, dass alle meine Inhalte für Kinder und Jugendliche geeignet sind, bleibt nichts anderes als diese auszuschließen.

Das Internet muss offenbar noch kuscheliger werden. Das denkt jedenfalls unsere derzeitige Regierung (die ich nicht gewählt habe!) unter der Führung von Frau Merkel. Wieder einmal meinen weltfremde Politiker, sie müssten uns etwas Gutes tun, indem sie das Internet einmal mehr zu regulieren versuchen. Welchen Schaden sie damit eigentlich anrichten, scheint ihnen entweder absolut unbewusst oder völlig egal zu sein. Macht auch nichts, sie verstehen schließlich nichts davon und müssen sich damit auch nicht befassen. Hauptsache ihre E-Mails kommen problemlos an.

Der Jugendschutz ist ja wirklich mein Lieblingsthema in Deutschland. Im Sinne des Jugendschutzes scheint man sich alles erlauben zu können. Nachdem es (glücklicherweise) noch nicht gelungen ist, eine Internetzensur in Deutschland einzuführen (für die ich Frau von der Leyen heute noch gerne eine reintreten würde), wird jetzt eine neue Strategie gewählt: Wir kennzeichnen alle deutschen Webseiten mit lustigen FSK-Logos und schon können wir die Kinder unbesorgt vor den Rechner setzen. Den Rest macht die Software. Die erkennt dann schon, welche Webseiten sich für den Sprössling eignen. Betreiber ungekennzeichneter Webseiten werden entweder solange abgemahnt bis sie sich den Hoster nicht mehr leisten können, oder wir sperren solche Seiten einfach prinzipiell aus. Webseiten aus dem Ausland will bestimmt sowieso keiner sehen.

Wenn es um das Internet geht, sind deutsche Politiker – allen voran die der christlichen Union – beinahe genauso bewandert wie Schafe. Sie unterliegen der Illusion, man könne im Internet Sendezeiten einführen (Zitat: „Nutzung von Sendezeitbegrenzungen“), so als gäbe es das Internet nur in Deutschland. Was Zeitzonen sind, hat den Damen und Herren niemand erklären wollen. Aber führen wir den Gedankengang trotz aller Absurdität mal zuende: Pornoseiten wie „Youporn“ sind nur noch ab 23 Uhr zu erreichen, bis etwa 5 Uhr morgens, danach beginnt das Kinderprogramm im Internet bis etwa 10 Uhr. Um 13 Uhr sind die ganzen Diskussionsforen erreichbar, wo über Probleme des Alltags gestritten und „geflamed“ werden kann. Webshops haben in dieser Welt plötzlich Öffnungszeiten. Bei eBay werden um 20 Uhr die Jalousien heruntergelassen. Sonntags ist grundsätzlich geschlossen.

Man sieht schon, das ganze macht ja herrlich viel Sinn. Was meinen diese Politiker eigentlich, an einem Massenmedium wie dem Internet nach so vielen Jahren nachträglich herumpfuschen zu können? Bitte kümmert euch um euren Scheiß, davon habt ihr vielleicht mehr Ahnung. Achtet lieber darauf, dass eure Kinder zur Schule gehen und nicht im WoW-Sumpf verschwinden. Meine Meinung.

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