Alle Jahre wieder, wenn auf irgendeiner Technik- und Hardware-Webseite oder an sonst irgendeinem Ort im Netz Neuigkeiten über ein aktuelles Festplatten-Flaggschiff, das alle bisherigen Festplattenkapazitäten in den Schatten stellt, berichtet wird, kommen sie ans Tageslicht: ich nenne sie die „Wer braucht denn soviel Platz?“-Trolle. Sie stürzen sich auf das Diskussionsforum und verärgern mit dieser billigen Provokation sämtliche Technikfans. Auch im eigenen Freundeskreis verbergen sie sich gerne, um dann im geeignetsten Augenblick zuzuschlagen.

Es vergeht kaum ein Jahr, in dem ich mir nicht eine neue Festplatte mit immer größerem Speicher zulege: 20 MB, 512 MB, 2.1 GB, 4.2 GB, 30 GB, 200 GB, 400 GB, 500 GB, 1 TB, 1.5 TB, 2 TB … ich hab praktisch alles mitgemacht. Eine 3 TB -Platte kommt mir sicher auch noch ins Haus. Doch kaum wird das Thema in heiterer Runde angeschnitten, folgt wieder die obligatorische Frage: „Wer braucht denn schon soviel Platz?“. Umgekehrt könnte ich natürlich fragen: „Was sind das eigentlich für Witzfiguren, die ernsthaft eine solche Frage stellen?“. Aber ich fürchte, damit begebe ich mich dann auch nur auf dasselbe Niveau herab.

Von dem „Wer braucht denn soviel Platz“-Troll gibt es viele verschiedene Formen. Wird das Gespräch gerade auf die kommenden 12-Kern-Prozessoren gelenkt, schlägt der Troll wieder zu: „Wer braucht denn soviele Kerne?“. Oder bei den Auflösungen der Monitore ab 24 Zoll: „Wer braucht denn so eine hohe Auflösung?“. Oder bei der Internetanbindung: „Wer braucht denn 50 MBit/s Downstream?“, respektive „Wer braucht denn mehr als 1 MBit/s Upstream?“. Es sind vermutlich dieselben Leute, die sich bei einer Digitalkamera von Red fragen: „Wer braucht denn Videos im 4K-Format?“ mit dem intelligenten Zusatz „720p reicht doch!“

Was bleibt mir in einer solchen Situation? Was mache ich also Jahr für Jahr, wenn wieder jemand halbklug daherlabert, sobald es um technische Neuerungen geht? Ganz einfach, ich erkläre es ihm: Wer denn soviel Platz bräuchte? ICH! ICH und viele andere Menschen, die die Technik gerne ausreizen, die eine ebenso große Sammelleidenschaft haben und die wissen, dass sich alles weiterentwickeln muss. Wo wäre die Technik heute, wenn sich von Anfang an immer jemand zunächst gefragt hätte: „Moment mal, wer braucht denn überhaupt mehr als 640 KByte RAM?“, um sich dann von seiner Idee angewidert abzuwenden und lieber noch eine Runde Dune II zu spielen.

Nur weil euch eine kleine Festplatte reicht, ihr Augenschmerzen von großen Desktopauflösungen bekommt, ihr im Monat nicht mehr als 200 MB Download-Volumen ansammelt und euch alles mit mehr als 2 Prozessorkernen und mehr als 2 GB RAM suspekt vorkommt, müsst ihr Trolle doch trotzdem einsehen, dass es Leute mit höheren Ansprüchen an die Technik gibt. Denkt bitte in Zukunft nochmal nach, bevor ihr wieder dämliche Fragen stellt. Wir wissen es zu schätzen.