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Vor einigen Jahren machte ein Freund in einem Gespräch mit mir beiläufig einen kleinen Scherz – eine Anspielung auf eine bekannte Mystery-Serie. Als ich darauf nicht reagierte, fragte er mich beinahe vorwurfsvoll, ob ich denn Twin Peaks nicht gesehen hatte. Ich musste die Frage verneinen. Als ich nun Ende November letzten Jahres auf der Suche nach für mich unverbrauchtem Serienmaterial war, fiel mir die neue Blu-ray-Box ins Auge, und ich erinnerte mich an diese vage Serienempfehlung. Sofort bestellte ich das Ding, denn soviel Vertrauen hatte ich in das Urteilsvermögen des Freundes. Außerdem kenne ich einige Filme des Regisseurs David Lynch. In seiner Romanverfilmung „Dune“ spielte sogar ebenfalls Twin Peaks Hauptdarsteller Kyle MacLachlan mit.

Mein Kommentar zu Twin Peaks fällt leider recht dünn aus, also dünner noch als sonst, denn ich kann leider nicht behaupten in der Serie den vollkommenen Durchblick gehabt zu haben. Die Serie ist tatsächlich auf ihre ganz spezielle, unglaublich verdrehte Weise äußerst gut. Ich kann nur überhaupt nicht sagen wieso eigentlich. Die erste Staffel, die 1990 ausgestrahlt wurde, fängt nüchtern an: In der amerikanischen Kleinstadt Twin Peaks direkt an der kanadischen Grenze wird die Leiche einer beliebten Schülerin gefunden – Laura Palmer – eingewickelt in Plastikfolie. Da der hiesige Sheriff Truman keine besondere Erfahrung mit Mordfällen hat, und da es Hinweise darauf gibt, dass es sich um einen Serienmörder handeln könnte, wird Detective Dale Cooper vom FBI nach Twin Peaks beordert, um den Mord zu untersuchen.

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Schnell stellt Cooper, der in der Stadt sofort wärmstens empfangen wird, fest, dass in Twin Peaks fast jeder irgendetwas Krummes am Laufen hat, weswegen die Serie sich in mehrere Handlungsstränge untergliedert, die aber alle miteinander verbunden sind, was man manchmal früher, manchmal erst später merkt. Schon nach wenigen Episoden beschreitet die Serie nach und nach den Weg ins Spirituelle, ins Übernatürliche. Es geht da um irgendeine weiße Hütte, und eine schwarze Hütte, und um rote Vorhänge in der schwarzen Hütte. Menschen sprechen dort grundsätzlich rückwärts, bzw. eigentlich vorwärts, aber so dass es wie rückwärts klingt. Oder vielleicht doch eher umgekehrt. Es ist alles ziemlich kompliziert. Ich kann verstehen, dass man die Serie liebt, wenn man die totale Erleuchtung hat, ich kann aber auch verstehen, wenn man mit der Serie absolut nichts anfangen kann, weil ohne die Erleuchtung alles ziemlich nach Unsinn klingt.

Soweit ich es durch das Making-Of und die Interviews verstanden habe, war ursprünglich geplant, dass das große Geheimnis um den Mörder des promiskuitiven Highschool-Mädchens die Serie tragen sollte, bis schließlich in einem spannenden Serienfinale das Rätsel gelöst würde. Das hätte womöglich auch wunderbar funktioniert, die Serie war in den USA ein echter Erfolg Anfang der 90er. Der produzierende Sender wollte bei diesem grandiosen Masterplan aber nicht mitspielen, und zwang die beiden Autoren der Serie, den Namen des Mörders schon viel früher zu enthüllen, nämlich kurz nach der ersten Staffel. Als das Thema damit vom Tisch war, die Akte geschlossen werden konnte, war die Luft aus der Serie für alle Beteiligten irgendwie raus. David Lynch und Mark Frost hatten Schwierigkeiten, die Serie handlungsmäßig in neue Bahnen zu lenken, jetzt wo ihr Zugpferd geschlachtet war. So wurde die Serie zum Ende hin immer abstruser und verwirrender, bis die Zuschauer schließlich mit einem bombastischen Cliffhanger-Staffelfinale hängengelassen wurden. Eine Fortsetzung gab es nicht, das erwartete von den Verantwortlichen auch niemand ernsthaft.

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Twin Peaks besteht aus den beiden Staffeln, sowie dem 1992 erschienenen Spielfilm „Twin Peaks – Der Film“, der zeitlich kurz vor den Geschehnissen der Serie spielt. Die Geschichte wird auf jeden Fall sehr gut erzählt, und ich hatte meine Freude an der Serie. Kyle MacLachlan spielt die Figur des eigenartigen, aber grundanständigen Dale Cooper unglaublich cool. Die vielen Haupt- und Nebencharaktere sind leider viel zu zahlreich, um detailliert auf sie und ihre Bedeutung einzugehen. Interessanterweise wurde gerade erst eine neue Twin Peaks Serie angekündigt, die wohl 2016 ausgestrahlt werden soll, und die wieder alle Darsteller und sogar die beiden Serienmacher erneut zusammenbringen soll. Sinnvoll kann da ja nur sein, dass man die unvollendete Handlung nun 25 Jahre später in der Zukunft fortsetzt.