abgezocktBereits seit ich denken kann, stört mich die Vorstellung, dass ich Fernseh- und Radiosendeanstalten mit einer monatlichen Zwangsabgabe finanzieren muss, nur weil ich entsprechende Empfangsgeräte bereithalte, sogar wenn ich überhaupt nicht beabsichtige, deren Angebot wahrzunehmen. Und genau das ist das Problem: Eigentlich hat es die noch nie interessiert, ob es jemand nutzen will. Das deutsche Volk wurde per Gesetz einfach dazu verpflichtet. Ein Zwangs-Abonnement – Basta. Wer sich weigert, der wird de facto zum Schwarzseher und muss sich unangekündigte Hausbesuche von „GEZ-Fahndern“ (die noch obendrein mit rechtlich grenzwertigen Methoden arbeiten) gefallen lassen. Es mag Zeiten gegeben haben, als es höchst sinnvoll war, eine Gebührenpflicht einzuführen. Was ist nun eigentlich, wenn ich künftig gefragt werden will? Was ist, wenn ich selbst entscheiden will, was bei mir zuhause läuft? Warum geht sowas nicht, und vor allem: Warum geht sowas heute immer noch nicht?

Das Internet hat einen weiterhin andauernden gesellschaftlichen Wandel wenigstens im Kontext unseres täglichen Medienkonsums in Gang gesetzt und sorgt dafür, dass weltweit zugängliche On-Demand-Inhalte immer gefragter werden, während dagegen althergebrachte regional eingeschränkte Fernseh- und Radiosender, die nach einem strikten kaum beeinflussbaren Sendeplan arbeiten, das Nachsehen haben. Auch Printmagazine und Zeitungsverlage bekommen diesen Wandel in der einen oder anderen Weise zu spüren. Völlig zu Recht. Man mag diese Entwicklung aus nostalgischen Gründen traurig finden, aber das macht sie nicht weniger sinnvoll.

Die bekanntgewordenen Fälle der Veruntreuung von Gebührengeldern bei den Öffentlich-Rechtlichen, bzw. die heimliche Finanzierung von Sexreisen inklusive Edelnutten für irgendwelche steinreichen ARD-Beauftragten, stärken nicht gerade mein Vertrauen darin, dass (ungern gezahlte) Gebührengelder bei der GEZ gut aufgehoben sind. Überhaupt, die Gesetzgebung muss sich der Gesellschaft anpassen, und nicht etwa umgekehrt, wie das die Verantwortlichen seit Jahren versuchen. Das krampfhafte Festhalten an veralteten und kaum mehr praktikablen gesetzlichen Strukturen führt nur zu noch mehr Widerstand und zu immer weniger Unrechtsbewusstsein, das ist nicht nur in der Urheberrechtsdebatte so, sondern eben auch bei der Finanzierung der sogenannten Rundfunkgrundversorgung. Die Einführung der Haushaltsabgabe hat die Situation nicht verbessert, sondern immens verschlechtert.

Darüber hinaus: Bildungsauftrag hin oder her – die öffentlich-rechtlichen Sender produzieren mindestens genauso viele Müllformate wie die privaten, dazu reicht ein oberflächlicher Blick auf das wöchentliche Programm. Der Unterschied ist, dass sich die Privaten selbst finanzieren und ihre Quoten daher immer im Auge behalten müssen. Fälle unseriöser fehlgeleiteter Berichterstattung und Quotengeilheit gibt es dagegen auch bei ARD und ZDF. Unparteilichkeit? Wer’s glaubt. Der Heiligenschein steht den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland längst nicht mehr zu. Im Gegenteil. So etwas möchte ich nicht mehr finanzieren. Warum sollten diese Sendeanstalten weiterhin einen Sonderstatus verdient haben? Warum sollen sie sich nicht auch dem Wettbewerb aussetzen müssen?

Wer mehr oder weniger meiner Meinung ist, der darf gerne diese Online-Petition mitzeichnen, die ich hiermit unterstützen möchte. Wer mir dagegen in keinster Weise zustimmt, der möge diesen Aufruf ignorieren. Für alle diejenigen, die es zwar interessiert, die aber Javascript nicht aktiviert haben:

https://www.openpetition.de/petition/online/abschaffung-der-gez-keine-zwangsfinanzierung-von-medienkonzernen

Auch wenn ich wie immer große Hoffnung in diese Petition setze, die Erfahrung zeigt doch, dass selbst wenn die Petition die erforderliche Anzahl Mindestunterzeichner findet und der Petent sein Anliegen vor dem Petitionsausschuss des Bundestages vortragen darf, wahrscheinlich binnen kürzester Zeit entschieden wird, dass der Status Quo absolut legitim ist und dass die Petition damit leider völlig umsonst war. Trollface.jpg. Oder, um mal einen Freund von mir zu zitieren: Warum soll sich denn was ändern, ist doch alles gut so wie es ist.