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Durchgespielt: Stardew Valley

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Vor zwei Jahren erschien ein kleiner, pixeliger Stern am Indie-Spielehimmel: Stardew Valley. Ein erfrischend alternatives Spiel, das Gemütlichkeit und ein Heile-Welt-Gefühl ausstrahlt, weitestgehend gewaltfrei daherkommt (sofern man möchte), und den Spieler einerseits an die Hand nimmt, um ihm eine Rahmenhandlung zu bieten, ihm andererseits völlig freie Hand lässt, da es eigentlich ein Endlosspiel ist. Stardew Valley ist im Kern ein Bauernhof- und Dating-Simulator in 2D-Retro-Optik und basiert auf dem SNES-Spiel „Harvest Moon“ von 1996.

Meine Erinnerungen an Harvest Moon sind leider inzwischen ziemlich verblasst, aber ich weiß noch, dass ich es sehr gerne gespielt habe, wenn auch nicht besonders eifrig oder gar erfolgreich. Mein Alltag bestand darin, den eigenen Hof von Unkraut und Gestein zu befreien, ein paar Felder anzulegen, in einem kleinen Wasserloch zu fischen, und im Dorf die hübsche Kirchenmaus mit kleinen Geschenken zu beeindrucken. Letzteres hat wie erwartet nur mäßig gut funktioniert. Die Musik war eintönig und repetitiv, aber frisst sich dafür umso schneller ins Hirn. Harvest Moon sah aus wie ein zu jener Zeit typisches 2D-JRPG (mit etwas simplerer Tileset-Grafik), und spielte sich auch exakt so – mit dem Unterschied, dass man keine Burgen aufsucht, um Endgegner zu besiegen.

Stardew Valley tritt das Erbe des SNES-Klassikers an und erweitert es liebevoll um viele neue, aber passende Elemente. Der Spieler übernimmt den verwaisten Bauernhof des verstorbenen Großvaters, um der Hektik und betäubenden Einöde der Großstadt zu entkommen. Dafür müssen Steine, Gehölz und Unkraut entfernt, Bäume gefällt und kleine Beete angelegt sowie täglich gegossen werden. Man kann frei nach Belieben zum Angeln gehen, im Dorf einkaufen, Leute kennenlernen, Dorffeste besuchen, kleine Monster in der Mine jagen, im Wald Beeren sammeln, und vieles mehr. Nach kurzer Zeit kommt wahlweise ein Hund oder eine Katze als Haustier dazu. Hühnerställe, Pferdeställe, Kuhställe, eine Mühle, ein Brunnen, ein Silo, mit ausreichenden Resourcen kann der Spieler seinen Bauernhof ständig erweitern. Zentrum des Spiels ist das freundliche Dorf „Pelikan“ im Sternentautal, dessen zahlreiche Einwohner jeweils einen ganz individuellen Lebensrhythmus und Tagesablauf haben. Man kann ihnen dabei zusehen, wie sie zur Arbeit gehen, in der Kneipe abhängen, sich ein Eis kaufen, am See angeln, oder wöchentlich im Aerobic-Kurs ihre müden Knochen wieder in Schwung bringen. Es ist eine lebendige Gemeinschaft mit vielseitigen Charakteren.

Im Spiel kann man mit viel Geduld auch das Herz einer beliebigen (ledigen) Figur aus dem Dorf gewinnen und diese schließlich heiraten. Die allmählichen Fortschritte in einer aufkeimenden romantischen Beziehung honoriert das Spiel mit Cutscenes, in denen der Spieler Entscheidungen fällen muss, die den weiteren Verlauf der Romanze positiv oder negativ beeinflussen. Meine Partnerwahl fiel dabei ganz logisch auf Penny, die junge, belesene Lehrerin. Mit ihr konnte ich auf Anhieb sympathisieren. Penny schämt sich insgeheim dafür, als einzige im Dorf in einem Wohnwagen zu hausen, und das ganz dem Klischee entsprechend mit ihrer alkoholkranken Mutter. Kinder sind ihr immens wichtig, und sie ist eine ruhige Persönlichkeit, die nur davon träumt, irgendwann auf einem eigenen Hof zu leben. Ich musste dieses arme Mädel also einfach aus seinem Elend befreien. Inzwischen sind wir glücklich verheiratet, auch wenn sie mir kaum eine Hilfe ist. Sie kocht selten, obwohl sie kaum was zu tun hat, und auch um die Tiere und Pflanzen kümmert sie sich nicht. Meistens steht sie in der Gegend rum, oft liest sie, hin und wieder geht sie einkaufen. Damit kann ich umgehen.

Zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung habe ich genau 94 Stunden in das Spiel investiert. Die Haupthandlung, die ich nach ungefähr 86 Stunden abgeschlossen habe, dreht sich um das verfallene Gemeindehaus von Pelikan, in dem kleine Naturgeister hausen. Der gnadenlos kapitalistische Marktleiter des Joja-Supermarktes will es aufkaufen und in eine Lagerhalle umfunktionieren. Doch der Spieler kann sich entscheiden, das alte Gemeindehaus Stück für Stück wieder herzurichten, indem er den freundlichen Geistern kleine Artefakte schenkt. Gelingt ihm das, wird er zum Held der Stadt ernannt. Aber auch abseits dieses Rahmens gibt es im Spiel sehr vieles zu entdecken und zu erledigen.

Von dem Spiel war ich lange Zeit sehr gefesselt, zumindest solange man noch ein klares Ziel vor Augen hatte. Nie wusste ich, ob ich heute vielleicht den einen Fisch angeln würde, der mir noch zur Komplettierung eines Zwischenziels fehlte. Eine Lösung habe ich bewusst nie gelesen, da das dem Spiel natürlich die Herausforderung nimmt. Einige Rätsel sind leider noch offen geblieben, andere habe ich schließlich irgendwann lösen können. Störend empfinde ich lediglich die tägliche Routine, die sich irgendwann einstellt. Das Spiel erlaubt es mir beispielsweise, das Füttern der Tiere oder das Gießen der Pflanzen zu automatisieren, nicht jedoch das morgendliche Einsammeln der Eier, das Melken der Kühe, oder das Scheren der Schafe. Rechnet man alle unvermeidbaren täglichen Pflichten zusammen, fehlen einem meist bereits die ersten 6 Stunden jedes ohnehin recht kurzen Spieltages, ehe man zum Einkaufen, Steineklopfen, Angeln etc. kommt. Gerade am Anfang weiß man die seltenen Regentage wirklich zu schätzen, denn dann braucht man sich zumindest nicht um die Pflanzen zu kümmern.

Von der Retrografik bin ich sehr angetan. Es sieht zwar leider nicht alles wie aus einem Guss aus (pixelige 2D-Sprites, aber dann eine hochauflösende Angelschnur, schiefe Pixel bei der Uhr, unterschiedlich große Pixel bei Animationen…), aber der Stil bleibt zumindest für die alten Hasen unter den RPG-Fans weiterhin reizvoll. Stardew Valley triggert bewusst den Sammeltrieb bei den Spielern, indem es Buch über alle Fortschritte und gefundene Artefakte führt, und man regelmäßig neue Lokationen freischalten kann. Blöd ist es, wenn man bestimmte Dinge beispielsweise nur im Herbst bekommen kann, und man dann ein weiteres Jahr warten muss, weil man den Zeitpunkt gerade verpasst hat. Aber Stardew Valley ist wie gesagt eine angenehme Möglichkeit, dem tristen Alltag zu entkommen, um einen anderen Alltag auf dem Bauernhof zu erleben. Wer sich einen solchen Zeitfresser erlauben kann, sollte dem Spiel eine reelle Chance geben.

Stardew Valley ist bei GOG DRM-frei regulär für 13,99 EUR zu haben, findet sich aber regelmäßig deutlich vergünstigt im Sale wieder. Aktuell befindet sich ein Mehrspieler-Coop-Modus in der Betaphase, der wohl in einigen Wochen auch final im Spiel verfügbar sein sollte. Mit Hilfe neuer Fan-Modifikationen lässt sich sogar die Vier-Spieler-Limitierung des Mehrspielermodus aushebeln, so dass beliebig viele Farmer gemeinsam über den Bildschirm wuseln können.

Macht Dating via Smartphone alles einfacher?

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Romantischer kann man einen Abend wohl kaum verbringen: bei Kerzenschein und sanfter Hintergrundmusik beim Italiener um die Ecke, das Essen könnte nicht besser sein, alles stimmt. Ich sitze umzingelt von Pärchen, die sich schmachtend in die Augen blicken. Nein, Moment, irgendetwas stimmt hier nicht. Die romantischen Blicke und das vorsichtige Lächeln gelten nicht etwa dem Gegenüber, sondern dem heißgeliebten Smartphone! Man muss ja schließlich mit der Zeit gehen, wer gibt sich denn heute noch mit einer einfachen Unterhaltung zufrieden, wenn es so schöne Dinge wie Nachrichten, Voice-Mails und Selfies gibt? Da ist es doch weitaus spannender, seinem Gegenüber ein nettes Smiley zu schicken, als ihn selber mal anzulächeln. Ist unsere Gesellschaft mittlerweile wirklich schon so weit, dass Gespräche nur noch über das Smartphone laufen oder bevorzugen die meisten von uns doch noch die gute altmodische Art des Datings und der Kommunikation überhaupt?

Image courtesy of adamr / FreeDigitalPhotos.net

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In den letzten 20 Jahren wurden gigantische Sprünge gemacht, was das Kennenlernen und Beziehungen allgemein betrifft. Heutzutage kann selbst der gestresste Geschäftsmann mit einer 60-Stunden-Woche seine sozialen Kontakte bequem von zu Hause aus oder aber auch unterwegs pflegen. Ob Online Dating oder Mobile Dating, soziale Netzwerke oder Chatrooms, jeder wird fündig. Wer sich bei Kontaktbörsen anmeldet, hat die Möglichkeit über verschiedenste Kriterien den passenden Partner zu finden. Oft kann dies aber auf dem Computer langwierig sein: Profil erstellen, andere Profile lesen, Kontakt aufnehmen usw.. Deshalb steigen immer mehr Menschen auf das Mobile Dating, also eine Art des Online Kennenlernens, die dank den Smartphones möglich geworden ist, um. Mit den Dating Apps geht ja alles schneller. Fast die Hälfte aller deutschen Singles hat heutzutage schon einmal in irgendeiner Form das Online Dating genutzt. Mittlerweile sind es etwa 39% aller Singles, die auf Flirten via Smartphone und Tablet umgestiegen sind.

Doch was macht das Dating im Netz so spannend, dass in den letzten 10 Jahren die Nutzerzahlen von knapp 10 Millionen auf fast 100 Millionen hochgeschnellt sind? Zum Einen hat sich unser Lebensstil in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch verändert: wir arbeiten länger, unser Leben ist schnelllebiger, oftmals hat man wenig Möglichkeiten (oder aber auch die nötige Energie) abends noch wegzugehen um unter Anderem auch neue Leute kennenzulernen. Zum Anderen gibt es eine Vielzahl an neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die nicht unbedingt auf unsere persönliche Präsenz angewiesen sind und man hat somit die Möglichkeit, Menschen mit den gleichen Interessen und Lebenseinstellungen kennenzulernen, ohne vielleicht unnötig Zeit zu verlieren. Beim Online Dating lernt man sich schon mal vorab etwas näher kennen und kann daraufhin entscheiden, ob man die Person dann auch im wirklichen Leben treffen möchte.

Beim Mobilen Dating geht man noch einen Schritt weiter: man befindet sich gerade im Biergarten und möchte wissen, ob sich interessante Singles in der Nähe aufhalten? Ganz einfach, eine vorherige Anmeldung bei dem dementsprechenden Kennenlernportal, unterwegs einloggen und schauen, ob gerade jemand Interessantes in der Nähe ist. Natürlich sollte man bedenken, dass auch andere Singles sehen können, wo man sich selbst gerade aufhält, also sollte man nicht zu sorglos mit dieser neuen Art des Kennenlernens umgehen.

Auch sind viele Singles (und nicht ausschließlich diese) oftmals nicht gerade auf Partnersuche, sondern eher auf der Suche nach einem Flirt oder einem erotischen Abenteuer. Und genau aus diesem Grund sind Kontaktbörsen wie beispielsweise First Affair eingerichtet worden, auf denen man hauptsächlich diese Art von Treffen suchen kann. Bei den Singles also frei nach dem Motto „wie haben ja gerade beide nichts Besseres zu tun, also lass uns doch einfach ein wenig Spaß haben“ und bei den bereits Vergebenen…na ja, dass muss dann jeder für sich selbst entscheiden.

Ein großer Teil unseres „Offlinelebens“ findet mittlerweile doch online statt: man zeigt seinen Freunden ein lustiges Video, einige Fotos seines Schwarms oder romantische Nachrichten mit dem potenziellen Online-Date. Und das Mobile Dating involviert unser Umfeld immer mehr, es wird nicht mehr nur als eine Form des Flirtens für Verlierer gesehen, denn es ist eine neue Art des Kennenlernens, welche sogar unsere Freunde und Familie an unserem (Liebes)Leben teilhaben lässt. Wird unsere Gesellschaft also irgendwann nur noch mittels Smartphone miteinander kommunizieren? Und wo bleiben die schüchternen Blicke an der Bushaltestelle, das tagelange Warten mit Schmetterlingen im Bauch, ob er oder sie doch endlich anruft? Oder sollen wir all diese Gefühle und „altmodische“ Kommunikationsarten lieber vergessen, weil es sie in Zukunft nicht mehr geben wird?

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