Feierabend los, Hirn aus, Kofferraum zu

Das war ja wieder einmal eine Glanzleistung in meinem Leben, die ich gestern vollbrachte. Kunststück, sowas gelingt mir schließlich mit links. Wenn schon, dann richtig. Nach einem anstrengenden Arbeitstag das Notebook in die Notebooktasche gepackt, den Rucksack geschultert, und dann möglichst schnell ab ins Beinahe-Wochenende (mit dem folgenden Feiertag), genau das war mein Plan. Die dünne Sommerjacke hatte ich trotz warmer Temperaturen kurz vorher noch schnell angezogen, weil ich sie bis zum Auto nicht auch noch in der Hand tragen wollte. Vollbepackt kam ich auf dem Parkplatz beim Auto an, erleichtert warf ich Notebooktasche, Rucksack und die Jacke in den Kofferraum. Heckklappe zu, es kann endlich losgehen. Mein anschließender Griff zur rechten Jackentasche um die Autoschlüssel herauszuholen, war nicht unbedingt die intelligenteste Aktion des Tages, und leider auch nicht von Erfolg gekrönt.

Große Augen machte ich vermutlich, als ich da in meinem Elend auf dem Parkplatz stand, nicht wissend was eigentlich gerade vor sich ging. Aus Verzweiflung vergewisserte ich mich mit einem Handgriff davon, dass die verriegelte Heckklappe sich nicht doch noch auf magische Weise von mir öffnen ließ, und auch die beiden Türgriffe waren wenig beeindruckt von meinen traurigen Öffnungsversuchen. Mein gemütlicher Feierabend? Gestrichen. In diesem Augenblick ärgerte ich mich über soviel Blödheit, war aber gleichzeitig froh darüber, dass ich nicht auch noch die Hausschlüssel oder den Geldbeutel in der Jacke gelassen hatte. Einen Zweitschlüssel fürs Auto habe ich, und der liegt zuhause. Also musste ich wohl erstmal mit der Bahn nachhause fahren, und dann im Laufe des Tages wieder zurück. Ich wollte mich gerade zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof machen, als mir ein zufällig in der Nähe befindlicher Kollege eine Mitfahrgelegenheit in meine Richtung anbot.

Vier Stunden später war ich nebst Auto wieder zuhause. Der sechs Kilometer lange Spaziergang – geschenkt, doch leider war ich nach zwei Jahren Unabhängigkeit auch deutlich mehr mit der Bahn unterwegs als ich wollte. Für den freundschaftlichen Ticketpreis von nur 5,50 Euro durfte ich in einem völlig überfüllten Zug Platz … äh, Stehplatz nehmen. Im Service waren wie gewohnt 10 Minuten Verspätung inbegriffen, sowie ständiges unergründliches minutenlanges Anhalten mitten auf der Strecke mit den immergleichen lahmen Entschuldigungs-Durchsagen, die niemand mehr hören kann. 50 Minuten war ich unterwegs für eine nach Fahrplan etwa 30-minütige Fahrt. Immerhin: Seit ich in den vergangenen Wochen wieder verstärkt in Erwägung zog, es doch mal wieder mit der Bahn zu versuchen, bin ich nun hoffentlich endgültig geheilt. Der schlimmste Autobahnstau kann nicht so schlimm sein, dass man eine Bahnfahrt ernsthaft als willkommene Alternative betrachten könnte. Die Bahn macht nicht mobil, sondern krank.

Wenn die Hirn-Aus-Kofferraum-Zu-Aktion also zumindest für diese eine Erkenntnis gut war, war sie vielleicht sogar dringend nötig. Aber nach der vierstündigen Odyssee war der Tag für mich natürlich gelaufen, der frühe Feierabend im Endeffekt völlig für die Katz. In Zukunft werde ich mit Sicherheit erst einmal alle Jacken- und Hosentascheninhalte abklopfen, bevor ich irgendwelche Türen schließe.

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