Gratisplätze auf der Ehrentribüne

Stell dir vor, direkt vor deiner Haustür bauen geschäftstüchtige Menschen eine Stunt- und Monstertruck-Show auf. Und obwohl die Damen und Herren dabei selbstverständlich an einen zweieinhalb Meter hohen Sichtschutz um das komplette Showgelände denken, um unerwünschte Gaffer fernzuhalten, die keinen Eintritt bezahlen wollen, kann das die Anwohner aus dem dritten Stock kaum daran hindern, sich die Show trotzdem anzusehen. Im Klartext: Ich war dabei!

stuntshow

So kam ich am Samstag in den Genuss zweier Gratis-Vorstellungen der – laut Flyer-Text – erfolgreichsten europäischen Stunt-Show. Mittels Stativ und fernbedienbarer 3D-Kamera mit brauchbarem Zoom an einem Dachfenster konnten wir das ganze Spektakel auf einen großen Fernseher streamen, in 1080p aufzeichnen und bequem von der Couch aus mit 3D-Brille genießen. Ich muss sagen, das war irgendwie doch eine sehr witzige Angelegenheit, so auf eine ziemlich schmarotzende Weise. Die Eintrittspreise wurden weder auf der Webseite noch auf den unzähligen Flyern bekanntgegeben, was ich ziemlich bescheuert finde. Laut eines Beitrags im Internet liegen sie aber zwischen 10 und 16 Euro, je nachdem ob man Kind oder Erwachsener ist, und einen Steh- oder Sitzplatz wollte. Aber ich bin mir ziemlich sicher, von hier oben hatte man viel mehr Übersicht als unten auf den teuren Sitzplätzen.

Hätte ich die 16 Euro gezahlt, wäre ich wohl etwas enttäuscht gewesen. Den größten Teil der 90-minütigen Show machen relativ lahme Sparflamme-Stunts aus, darunter ein bisschen zurückhaltendes Herumdriften mit einem PS-starken BMW, der seinen Reifenbelag großzügig auf dem Platz verteilte. Das traurige daran ist nämlich, dass genau an derselben Stelle praktisch ohnehin dreimal die Woche irgendwelche spätpubertierenden Fahranfänger und Hobbydrifter nächtens ihre getuneten Autos über den Platz jagen und die Anwohner mit dem aufgewirbelten Staub und der erheblichen Geräuschbelästigung nerven. Die unbeeindruckenden Sprünge mit den Motorrädern konnten mich jedenfalls nicht mehr vom Hocker hauen, dafür hat man sowas vielleicht einfach schon zu oft gesehen. Zu den spannenderen Augenblicken der Show gehörten noch die Stuntfahrer, die ihre Autos seitlich auf zwei Rädern (und das teilweise auch noch freihändig) fahren konnten, und die Fahrzeugüberschläge mit extra gummigepolsterten Autos.

Was ich wirklich schade fand, war, dass die Stunt-Show tagelang vorher mit zwei großen Monstertrucks beworben wurde, da erwartet man natürlich eine ganze Menge. Zu diesem Zweck haben sie einen davon werbewirksam u.a. auf dem Parkplatz des hiesigen Mediamarkts abgestellt. Tatsächlich bekommt man immerhin einen davon gerade noch fünf Minuten vor Schluss in Aktion zu sehen, wenn er dreimal über einige präparierte schrottreife Kleinwagen rollt. Das war doch leider ein wenig … äh, zu wenig.

4 Gedanken zu „Gratisplätze auf der Ehrentribüne

  1. Gerry

    Danke für Deinen Bericht aus erster Hand :-). Solche Shows finden auch in meiner Stadt gelegentlich auf einem Supermarktparkplatz statt und ich habe mich immer gefragt, ob einem wirklich etwas für sein Geld geboten wird.

    Dank der Gratisplätze wird es sich für Dich ja wahrscheinlich doch irgendwie gelohnt haben (bist um eine Erfahrung reicher und konntest Dein Equipment nutzen). Die Verwendung von 3D-Kamera und -TV finde ich eine praktische aber auch witzige Idee.

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  2. Vince Beitragsautor

    In der Tat, beklagen konnte ich mich nicht. Mehrmals im Jahr gibt es hier für die Anwohner einiges zu sehen bzw. hören, darunter der Jahrmarkt, zweimal jährlich irgendein Wanderzirkus, dank Segelflugplatz in der warmen Jahreszeit unzählige Segelflieger, Zeppeline, Heißluftballons, und nun eben sogar eine Freiluft-Stunt-Show, die man prima filmen konnte. Die zentrale Lage hier ist definitiv ein Highlight.

    Wenn ich diese Wohnung Ende des Sommers zum letzten Mal verlasse, werden mir die vielen schönen Erinnerungen der vergangenen 8 Jahre den Abschied wohl ziemlich schwer machen.

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  3. AndiBerlin

    Ich finde es nach wie vor erstaunlich das solche Shows noch Leute anziehen, wo man meint das gemeine Volk ist doch durch Film und Fernsehen von so Stuntgedöns übersättigt.
    Und wie es scheint, kann man davon wirklich leben.

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  4. Vince Beitragsautor

    Hallo Andi! Das waren genau meine ersten Gedanken dabei: Lohnt sich das überhaupt für die, und gehen da wirklich Leute hin? Übersättigt ist so ziemlich das richtige Wort.

    Andererseits gibt es auch heute noch genug Leute, die sich Pornos an der Tankstelle kaufen, obwohl das ganze Internet voll davon ist.

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