Archiv der Kategorie: Monolog

Kennt ihr dieses „Let’s Play„-Internetphänomen? Diese kommentierten Spielevideos auf den ganzen Videoportalen wie z.B. Youtube? Zum ersten Mal bin ich damit wohl so Ende 2008, Anfang 2009 in Kontakt gekommen. Im Prinzip geht es darum, dass sich irgendjemand mit einer Videocapturing-Software und einem Headset hinsetzt, irgendein Spiel spielt und dabei Kommentare über seine Spielweise oder die Gegner von sich gibt. Das Resultat wird dann in Einzelteilen bei Youtube u.a. hochgeladen, wo sich die Fans das dann in aller Ruhe anschauen können. Mal davon abgesehen, dass die Idee mich ähnlich interessiert wie jemandem beim gepflegten Fernsehen zuzuschauen, so muss ich doch sagen, dass es doch viele recht gut gemachte „Let’s Play“-Videos gibt. Einige betreiben dies als Live/OnDemand-Videostream, der praktisch rund um die Uhr sendet, z.B. das englische „Dopefish Lives„, andere erstellen die Videos wie gesagt vorab und laden sie nachträglich hoch, z.B. der britische Youtuber Necroscope86.

Beide haben ihre Stärken und Schwächen und sind meistens recht gut gemacht. Dopefish Lives besteht inzwischen aus einem ganzen Netzwerk an „Let’s Playern“, die sich regelmäßig abwechseln, so dass immer irgendwas gespielt wird. Die englischen Walkthroughs vom Necroscope mag ich vorrangig deshalb, weil er professionell klingt und witzige und zugleich intelligente und informative Dinge über das Spiel erzählt. So wird er dem Spiel immer gerecht, so alt es auch sein mag.

Etwas was mir allerdings sehr schnell sauer aufstößt: deutsche „Let’s Play“-Videos. Gerade erst kürzlich habe ich mir bei Youtube einige solcher Videos von selbsternannten „Let’s Playern“ angesehen und ich konnte mein Frühstück kaum bei mir behalten, so schlecht wie diese Videos waren. Das fängt bereits bei den Legasthenikern an, die ihre Videos mit „Lets Play“ (Apostroph?) oder „Letz play“ (äh..?) betiteln oder noch viel schlimmere Auswüchse entwickeln. Den Gipfel der Inkompetenz habe ich gesehen, als ich nach Videos zu einem meiner Lieblingsrennspiele der 90er gesucht habe. Zwei Freunde – offenkundig Schüler – haben dieses Spiel per Splitscreen gespielt, dies gefilmt und dazu ihre unglaublich witzigen Kommentare abgegeben. In dem Spiel versagen sie zwar auf ganzer Linie, aber wenigstens haben sie viel zu lachen. Das Vokabular reicht ansonsten von „imba“, „Skill“, „mu-ha-ha“, „lol“, „lolololol“, „episch“, „grinden“, „hack“, über „failbot“, „aimbot“, „geowned“, „kackboon“, „noob“, bis hin zu „spawnkill“, „weggechecked“ und „Augenkrebs“.

Man hat bei diesem Übermaß an dilettantischem Geschwätz den Eindruck, dass hier zwei Teenager vor dem Rechner sitzen, die noch in die Windeln gemacht haben, als dieses Spiel auf den Markt kam. Das sind also kurzgesagt genau die richtigen, die ein solches Spiel kritisieren sollten. Und kritisieren ist im Hinblick auf das Stichwort „Augenkrebs“ noch gut gemeint: Praktisch am laufenden Band machen die Beiden sich über die „epischen Grafikeffekte“, die „Grafik Deluxe“ und die „super Soundeffekte“ lustig und fordern die Zuschauer dazu auf „die Pixel zu zählen“. Dass das auch kultivierter geht, und man nicht unter die Gürtellinie gehen muss um witzig zu sein, machen andere euch vor, wieso müssen die Deutschen beim Spielen dann so einen hirnlosen Müll erzählen?

Mein Appell an euch: Lasst es bitte bleiben, ihr könnt es nicht.

Ich gehöre ja nicht wirklich zu den Leuten, die sich oft Spiele kaufen. Nur noch gelegentlich, wenn mich ein Titel sehr interessiert. Das war früher anders, da hab ich mir eigentlich jeden Monat mal was bestellt: Grand Theft Auto, Theme Hospital, Dungeon Keeper Gold, Death Rally, Pizza Syndicate, Daggerfall, Worms 2, Diablo, Diablo 2 uvm. Die Preise waren mit 30 bis 80 DM absolut im Rahmen für das was man bekommen hat: Tolle Spiele, die sich unkompliziert installieren ließen und manchmal sogar ohne CD spielbar waren.

Als ich mir vor eineinhalb Jahren einen neuen PC zusammengestellt habe, dachte ich mir, ich könnte mir ja mal wieder ein halbwegs aktuelles Spiel mitbestellen um das System einzuweihen und zu testen. Ich dachte da natürlich gleich an ein FSK18-Spiel auf Cryengine/Dunia-Basis – entweder war es Crysis oder Far Cry 2. Und tatsächlich bot mein Lieblings-Onlineversandhandel die Spiele auch an. Mal eben schnell in den Warenkorb gelegt, dachte ich jedenfalls, doch da lag das Problem. Die Shop-Software teilte mir mit, dass ich das Spiel aus Jugendschutzgründen nicht online bestellen könnte. Moment mal, Jugendschutzgründe? Ich war 25 Jahre alt, wieso gab es bei mir irgendwas Jugendliches zu schützen? Genial!

Witzigerweise war das nur ein paar Monate nachdem bekannt wurde, dass bei Kaufhof aus Jugendschutzgründen sämtliche FSK18-Spiele aus den Regalen genommen wurden. Wäre ich jetzt also direkt zu Kaufhof marschiert und wollte mir das Spiel dort kaufen, so hätte man mir vermutlich mitgeteilt, dass ich das Spiel doch lieber online bestellen sollte. Super Idee, da wär ich nicht drauf gekommen. Das war der Zeitpunkt wo ich mir dachte: Wenn ihr Pisser mein Geld nicht wollt, dann habt ihr leider Pech gehabt!

Spiele in Deutschland legal erwerben:

  1. aus Jugendschutzgründen online oft nicht möglich
  2. aus Jugendschutzgründen scheinbar auch offline immer seltener möglich
  3. wahrscheinlich nur deutsche zensierte Version verfügbar
  4. Spiel MUSS nach Kauf online aktiviert werden
  5. Manche Spiele erlauben z.B nur drei Installationen
  6. SecuROM oder andere Rootkits müssen installiert werden
  7. Weiterverkauf nicht möglich/erlaubt

Spiele illegal downloaden:

  1. Spiele sind vorgecrackt und laufen ohne CD/DVD
  2. bereits vorgepatcht und optimiert
  3. alle Sprachversionen bereits integriert und auswählbar
  4. Unzensiert
  5. Möglicherweise in der seltenen Special Edition mit Extra-DLCs
  6. Kein Aktivierungszwang
  7. Kein Rootkit nötig
  8. In 20 Minuten startklar, sobald der Download läuft
  9. Völlig kostenlos und sowas von unkompliziert

Geht das nur mir so oder vergeht einem da nicht irgendwann der Spaß daran, die Spiele legal zu beziehen? Wieso muss es einem erwachsenen Menschen in Deutschland so schwer und so uninteressant gemacht werden? Wäre es nicht langsam an der Zeit, sich die Sache mit den Restriktionen, Aktivierungszwängen und dem Wiederverkaufsverbot nochmal zu überlegen?

Versteht mich nicht falsch, ich will keineswegs zum „raubmordkopieren“ auffordern. Aber Spiele werden raubkopiert schon länger als ich denken kann, und das können auch die besten Kopierschutzmechanismen nicht verhindern, höchstens hinauszögern. Wenn die Publisher/Entwicklerfirmen das akzeptieren und die Bemühungen lieber in das Spiel selbst anstatt viel Geld in teure, sinnlose Kopierschutzlösungen zu investieren, die am Ende nur dem ehrlichen Käufer schaden, dann wäre schon einiges gewonnen. Aber vielleicht bin ich ja der einzige, dem sowas stinkt.

Nun ist es also amtlich. Die Tage erhielt ich zum letzten Mal Post von der Hochschule: Offizielles Diplomzeugnis und Diplomurkunde sind endlich da. Da hab ich das Zeug direkt mal eingescannt und zu meinen Bewerbungsunterlagen gepackt. Die Diplomnote 2,2 kann sich absolut sehen lassen, die Einzelnoten sind teilweise leider nicht ganz so berauschend. Speziell Mathematik und Wissensverarbeitung haben meinem Zeugnis zwei hässliche Kratzer verpasst. Aber damit kann ich gut leben.

Kaum zu glauben, dass ich jetzt schon auf den Arbeitsmarkt losgelassen werde. Ich persönlich hätte ja gerne noch fünf Jahre weiterstudiert, aber wer kann sich das schon leisten. Zum MSc wäre es ja nur noch ein kleiner Schritt, und eine Promotion hätte sicher auch ihre Reize *g*.

Wie hat man sich denn jetzt so als frischgebackener Akademiker zu fühlen? Eine kleine Portion Stolz ist schon dabei, aber die große Euphorie war doch relativ schnell verflogen. Die obligatorische Diplomfeier liegt auch schon ein paar Wochen zurück. Trotz allem: Ich hab meine „Karriere“-Ziele bisher alle erreicht und auf der Schiene werd ich hoffentlich weiterfahren können. Mit ein wenig Glück kann ich dieses Jahr noch einen ordentlichen Job vorweisen.

5000 Euro Studienaufwendungen, ein Ordner voller BAföG-Anträge, hunderte Pflichtübungen, 36 bestandene Prüfungen, zehn Semester und zwei sinnlose Praktika später: Ich hab es geschafft! Fünf Monate Stress während der Diplomarbeit sind endlich durchgestanden. Letzten Mittwoch war der Tag aller Tage. Der Tag auf den ich die letzten sechs Jahre hingearbeitet hatte. Nachdem ich meine Diplomarbeit bereits Anfang September eingereicht habe, musste ich nur noch das Kolloquium durchstehen. Ich hab alles gegeben und noch viel mehr zurückgelassen. Mehr konnte ich kaum erreichen. So kann ich nun mit Stolz sagen: Ich hab mein Diplom!

Die letzten Semester waren harte Arbeit nicht nur für mich, sondern auch für meine Kommilitonen. Viele der Informatik-Erstsemestler vom WS 05/06 bzw. SS 06 sind auf der Strecke geblieben. Es gab Zeiten, da wollte ich aufhören. Es gibt vier Personen, ohne die ich das Studium nie beendet hätte. Einem davon möchte ich ganz besonders danken: Thomas Hubrig. Gemeinsam haben wir uns durch unzählige Pflichtübungen und Klausuren gequält. Er schreibt inzwischen schon zum zweiten Mal an seiner Diplomarbeit und ist daher leider noch nicht ganz fertig, aber er macht das schon. Danke Thomas!

Die Diplomarbeit habe ich mit der Note 1,3 bestanden und ich bin wahnsinnig froh über das Ergebnis. Mein Diplomschnitt ist zwar nicht ganz so überragend, aber trotzdem eine Leistung, die sich sehen lassen kann. Nun werde ich mich also so langsam ins Berufsleben eingliedern. Ich hoffe der Einstieg gelingt mir einigermaßen. Ich lasse mich mal überraschen, was die nächsten Wochen so bringen. Am Donnerstag war ich zum letzten Mal an der Hochschule – um das Diplomzeugnis und die Urkunde zu beantragen. Mir wird der graue Klotz in Mannheim fehlen…

Was mache ich eigentlich zur Zeit? Manch einer mag denken, dass ich momentan nur am professionellen Abgammeln bin. Doch weit gefehlt! Diese Tage sind längst vorbei. Seit Anfang Mai schreibe ich an meiner Diplomarbeit an der HS Mannheim um meinem mittlerweile fünf Jahre andauernden Informatikstudium die Krone aufzusetzen. Lange genug hat es ja gedauert. Inzwischen geht die Abschlussarbeit in die heiße Phase, in etwas weniger als 3 Wochen ist die Dokumentation fällig.

Und worum gehts überhaupt? Im Prinzip ist meine Arbeit eine Machbarkeitsstudie über die verschiedensten Lokalisierungsverfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln für mobile Endgeräte. Wer nicht weiß was das bedeutet, den wirds auch nicht groß interessieren, wenn ich es genauer erklären würde, daher spare ich mir an dieser Stelle die Arbeit.

Ich weiß jedenfalls eines: Sobald ich die Hochschule mit meinem Diplom verlasse, werde ich die größte Party feiern die Sinsheim je gesehen hat. Naja, vielleicht nicht exakt, aber approximativ.