Romantischer kann man einen Abend wohl kaum verbringen: bei Kerzenschein und sanfter Hintergrundmusik beim Italiener um die Ecke, das Essen könnte nicht besser sein, alles stimmt. Ich sitze umzingelt von Pärchen, die sich schmachtend in die Augen blicken. Nein, Moment, irgendetwas stimmt hier nicht. Die romantischen Blicke und das vorsichtige Lächeln gelten nicht etwa dem Gegenüber, sondern dem heißgeliebten Smartphone! Man muss ja schließlich mit der Zeit gehen, wer gibt sich denn heute noch mit einer einfachen Unterhaltung zufrieden, wenn es so schöne Dinge wie Nachrichten, Voice-Mails und Selfies gibt? Da ist es doch weitaus spannender, seinem Gegenüber ein nettes Smiley zu schicken, als ihn selber mal anzulächeln. Ist unsere Gesellschaft mittlerweile wirklich schon so weit, dass Gespräche nur noch über das Smartphone laufen oder bevorzugen die meisten von uns doch noch die gute altmodische Art des Datings und der Kommunikation überhaupt?

Image courtesy of adamr / FreeDigitalPhotos.net

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In den letzten 20 Jahren wurden gigantische Sprünge gemacht, was das Kennenlernen und Beziehungen allgemein betrifft. Heutzutage kann selbst der gestresste Geschäftsmann mit einer 60-Stunden-Woche seine sozialen Kontakte bequem von zu Hause aus oder aber auch unterwegs pflegen. Ob Online Dating oder Mobile Dating, soziale Netzwerke oder Chatrooms, jeder wird fündig. Wer sich bei Kontaktbörsen anmeldet, hat die Möglichkeit über verschiedenste Kriterien den passenden Partner zu finden. Oft kann dies aber auf dem Computer langwierig sein: Profil erstellen, andere Profile lesen, Kontakt aufnehmen usw.. Deshalb steigen immer mehr Menschen auf das Mobile Dating, also eine Art des Online Kennenlernens, die dank den Smartphones möglich geworden ist, um. Mit den Dating Apps geht ja alles schneller. Fast die Hälfte aller deutschen Singles hat heutzutage schon einmal in irgendeiner Form das Online Dating genutzt. Mittlerweile sind es etwa 39% aller Singles, die auf Flirten via Smartphone und Tablet umgestiegen sind.

Doch was macht das Dating im Netz so spannend, dass in den letzten 10 Jahren die Nutzerzahlen von knapp 10 Millionen auf fast 100 Millionen hochgeschnellt sind? Zum Einen hat sich unser Lebensstil in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch verändert: wir arbeiten länger, unser Leben ist schnelllebiger, oftmals hat man wenig Möglichkeiten (oder aber auch die nötige Energie) abends noch wegzugehen um unter Anderem auch neue Leute kennenzulernen. Zum Anderen gibt es eine Vielzahl an neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die nicht unbedingt auf unsere persönliche Präsenz angewiesen sind und man hat somit die Möglichkeit, Menschen mit den gleichen Interessen und Lebenseinstellungen kennenzulernen, ohne vielleicht unnötig Zeit zu verlieren. Beim Online Dating lernt man sich schon mal vorab etwas näher kennen und kann daraufhin entscheiden, ob man die Person dann auch im wirklichen Leben treffen möchte.

Beim Mobilen Dating geht man noch einen Schritt weiter: man befindet sich gerade im Biergarten und möchte wissen, ob sich interessante Singles in der Nähe aufhalten? Ganz einfach, eine vorherige Anmeldung bei dem dementsprechenden Kennenlernportal, unterwegs einloggen und schauen, ob gerade jemand Interessantes in der Nähe ist. Natürlich sollte man bedenken, dass auch andere Singles sehen können, wo man sich selbst gerade aufhält, also sollte man nicht zu sorglos mit dieser neuen Art des Kennenlernens umgehen.

Auch sind viele Singles (und nicht ausschließlich diese) oftmals nicht gerade auf Partnersuche, sondern eher auf der Suche nach einem Flirt oder einem erotischen Abenteuer. Und genau aus diesem Grund sind Kontaktbörsen wie beispielsweise First Affair eingerichtet worden, auf denen man hauptsächlich diese Art von Treffen suchen kann. Bei den Singles also frei nach dem Motto „wie haben ja gerade beide nichts Besseres zu tun, also lass uns doch einfach ein wenig Spaß haben“ und bei den bereits Vergebenen…na ja, dass muss dann jeder für sich selbst entscheiden.

Ein großer Teil unseres „Offlinelebens“ findet mittlerweile doch online statt: man zeigt seinen Freunden ein lustiges Video, einige Fotos seines Schwarms oder romantische Nachrichten mit dem potenziellen Online-Date. Und das Mobile Dating involviert unser Umfeld immer mehr, es wird nicht mehr nur als eine Form des Flirtens für Verlierer gesehen, denn es ist eine neue Art des Kennenlernens, welche sogar unsere Freunde und Familie an unserem (Liebes)Leben teilhaben lässt. Wird unsere Gesellschaft also irgendwann nur noch mittels Smartphone miteinander kommunizieren? Und wo bleiben die schüchternen Blicke an der Bushaltestelle, das tagelange Warten mit Schmetterlingen im Bauch, ob er oder sie doch endlich anruft? Oder sollen wir all diese Gefühle und „altmodische“ Kommunikationsarten lieber vergessen, weil es sie in Zukunft nicht mehr geben wird?