Archiv des Monats: September 2012

Als einer der wenigen Besitzer des Originals von 1996, betrachtete ich es als meine Mission, das Remake zu spielen, auch wenn die finnischen Jungs von Remedy zwischendurch Apple-Huren geworden sind. Mit dem späten Android-Release und dem Release der PC-Version vor einer Woche haben sie gerade noch die Kurve gekriegt. Obwohl mich der Steam-Zwang und die iOS-Only-Premiere ziemlich angepisst haben, blieb mir letztlich keine andere Wahl: Die Shareware des Originals war immerhin das erste Spiel, das ich auf meinem eigenen PC spielen konnte. Death Rally ist endlich wieder da. Und mit „da“ meine ich zuhause, auf dem PC, mit echtem Heimvorteil. Vor 16 Jahren war so etwas noch ein Vollpreistitel, umgerechnet 30 Euro, heute kostet das Remake direkt nach Veröffentlichung 10 Euro, die Android-Version gibts (abzüglich der kostenpflichtigen Spielinhalte) sogar gratis. Für solch einen niedrigen Preis muss man sich wohl eine gewisse Casualisierung gefallen lassen. Echte Rennspiel-Fans werden nur wenig Freude an diesem extrem kurzweiligen Pausenfüller haben. Ich war in knapp 3 Stunden durch, echte Profis schaffen das wahrscheinlich in unter 60 Minuten. Aber wer schaut bei sowas auf die Uhr.

Death Rally ist dasselbe Spiel geblieben. Aus der Vogelperspektive steuert der Spieler sein Auto in einem tödlichen Rennen gegen einige der übelsten Unterwelt-Raser. Dabei sollten die Gegner beschossen und gerammt werden, bis sich deren Autos in ihre Einzelteile zerlegen, möglichst ohne selbst Schaden zu nehmen, und dabei auch noch das Rennen zu gewinnen. Man darf zwischen acht Autos wählen, darunter die sechs des Originals (Vagabond, Sentinel, Dervish, Shrieker, Wraith und Deliverator), und zwei weitere fahrende Festungen: Interceptor und Bravestar. Autos werden nicht mehr wie im Original gekauft, sondern durch „Kills“ freigeschaltet, genau wie die Waffen. Jedes Fahrzeug hat eine primäre Feuerwaffe. Zusätzlich kann eine von sechs Extrawaffen eingebaut werden. Außerdem gibt es drei optionale Hilfsmittel: Spiked Bumpers, Minen und Laservisier. Der Spieler muss an Rennen in fünf verschiedenen Ligen teilnehmen, um so Geld, Ruhm und die Aufmerksamkeit des Königs von Death Rally zu gewinnen: Der finstere Adversary

Die primäre Feuerwaffe muss vom Spieler nicht betätigt werden, denn die reagiert automatisch auf vorausfahrende Gegner, was wohl der ursprünglichen Zielplatform geschuldet ist. Dafür haben es die aufrüstbaren Waffen immerhin in sich. Am Anfang ballert man ziellos mit Pumpgun oder Gatling in den Gegnerpulk, später verdient man sich beispielsweise einen Flammenwerfer oder ein Arsenal an tödlichen Lenkraketen. Die Zusatzwaffen lassen sich mit dem gewonnen Geld begrenzt upgraden, genau wie das Handling, die Geschwindigkeit und die Panzerung der Fahrzeuge. Die Reihenfolge der Freischaltungen entspricht dabei der Stärke der Waffen und Fahrzeuge, es ist also keine taktische Entscheidung dabei. Im Remake fahren nun sechs statt vier Fahrer im Rennen mit, dabei ist die Rennplatzierung nicht mehr so wichtig, aber umso mehr, wieviele Konkurrenten man ausschaltet. Bei jedem Rennen ist ein Platzhirsch – ein Bossfahrer – anwesend, den es zu schlagen gilt. Zusätzlich zu den Ligenrennen gibt es nun ein dutzend Story-Rennen, in denen man zum nächsten Kapitel voranschreiten kann. Bei den Strecken gibt es einige alte Bekannte, darunter das Velodrama und Oasis, und unter den Fahrern trifft man z.B. Sam Speed, Suzy Stock und Nasty Nick wieder. Duke Nukem ist mir nicht mehr begegnet, den haben sie wohl aus der PC-Version ausgebaut. Dafür ist George Lucas unter dem Namen Tex Harris mit an Bord. Der Sprecher ist ebenfalls bekannt aus dem Original.

Einige Dinge haben mir nicht so gefallen. Als ich vor einigen Monaten die Android-Version spielte, da wollte mir die Steuerung auf dem Touchscreen so gar nicht gefallen. Es war einfach nicht gut spielbar. An der Tastatur des PC geht das schon deutlich besser, aber die präzise Steuerung des Originals ist leider weg. Die Anzahl Strecken ist sehr begrenzt, was ich schade finde. Sehr ärgerlich: Ein Rennen dauert gerade mal 40 bis 60 Sekunden, dann ist alles vorbei. Da hat man sich kaum warmgefahren, schon ist man wieder über die Ziellinie gerollt. Eindeutig zu wenig, und lässt sich nicht einmal einstellen. Sogar im Original hatte man mehr Zeit, um die Gegner wegzupusten. Der Soundtrack ist eingängig, repetitiv und unspektakulär, trotz Titelsong von der bekannten Band „Poets of the Fall“. Die Klasse von Jonne „Purple Motion“ Valtonens Soundtrack hat das bei weitem nicht mehr. Auf Blut wurde komplett verzichtet, um sich nicht mit den Sittenwächtern oder dem Apple-Jugendschutz anlegen zu müssen, denn die angesprochene Käuferschaft dürften Teenager mit iPhones sein. Zur Erinnerung: Im Original konnte man Zuschauer am Streckenrand überfahren und man hinterließ dann blutige Reifenspuren.

Die putzige Micro-Machines-Optik ist zweckmäßig und sicher nicht hässlich, aber man merkt dennoch, dass das eigentlich kein PC-Spiel mit der Auflösung 1920×1200 werden sollte. Ein paar mehr Polygone hätten der Grafik sicher nicht wehgetan. Es gibt mit der Chasecam nun eine zusätzliche Kameraeinstellung, womit Death Rally stark an das ebenfalls ganz putzige Rennspiel „Bleifuß Fun“ (bzw. „Ignition“) erinnert. Der Adversary fährt langsamer als noch im DOS-Vorbild. So war es mir ein leichtes, ihn im zweiten Anlauf zu überholen und zu gewinnen. Und man fährt auch keine neun Runden mehr gegen ihn, sondern gerade noch fünf. Casualisierung eben, alles muss in kleineren Portionen verfügbar sein. Auch unterscheiden sich die Autos nicht mehr so drastisch. Ein schlechteres Auto ist gegen Computergegner kaum ein Nachteil, ein stärkeres Auto dafür oft auch kein Vorteil. Selbst mit dem schnellsten Boliden fährt man einigen Bossgegnern auf manchen Strecken hoffnungslos hinterher. Insgesamt habe ich sowieso den Eindruck, dass das Können hier keine so große Rolle mehr spielt, dafür braucht man oft Glück.

Ein wenig irritiert war ich, weil der CD-Key direkt auf der CD aufgedruckt war. Während der Installation ist das natürlich ein Spaß, wenn man die CD erst auswerfen, und dann wieder einlegen darf. Auch wenn es ein sehr kurzes Vergnügen war, muss ich doch gestehen, dass es Spaß gemacht hat, mal wieder das Erbe des Adversary anzutreten. Das Spiel ist etwas wackeliger, weniger gut ausbalanciert, es gibt zwei neue Autos und viele coole Waffen, aber im Grunde ist es dasselbe Spiel mit besserer Grafik, und das war mir wichtig. Mehr Inhalt hätte ich mir wirklich gewünscht, und vielleicht eine längere Kampagne, aber für den Preis kann ich kaum unzufrieden sein. Death Rally Fans, die sich nicht die Laune mit der entsetzlichen Touchscreen-Steuerung verderben wollen, sollten sich einfach die PC-Version zulegen und in der Mittagspause etwas Spaß haben, fast so als wäre die Zeit stehengeblieben.

Junge pickelgesichtige minecraft-zockende Gamer verstehen nur wenig von ihrem eigenen … nunja … „Fachgebiet“. Das musste ich jedenfalls vor kurzem feststellen. Was ich zuerst für einen traurigen Einzelfall hielt und ignorierte, begegnete mir in den letzten Wochen so häufig, dass ich die Angelegenheit genauer analysieren musste. Ich habe die Probe gemacht und einige Meinungen zu dem Thema eingeholt. Man berichtete mir von ähnlichen Beobachtungen, was meine These bestätigte. Es scheint fast so als würde es bei dieser neuen Generation von Gamern überall laggen – vor allen Dingen im Gehirn.

Junge razermaus-schwingende headset-tragende Gamer sind zu blöd zwischen ruckeliger Grafik und einem Lag zu unterscheiden. Aber wir uncoolen Oldschooler kennen den Unterschied zum Glück noch, und müssen die Begriffe daher nicht wie Opfer hilflos durcheinanderwerfen. Daher keine Sorge: Mit Hilfe meiner fettkrassen Lehrstunde werden diese armen Seelen vielleicht nicht dumm sterben müssen. Also zumindest nicht ganz so sehr wie zuvor.

Beginnen wir mit einer einfachen Definition der beiden Fachbegriffe. Da ist zunächst der (oder das) sogenannte Lag. Ein Lag entsteht durch einen Engpass bei der Datenübertragung in einem Netzwerk. Er zeigt sich etwa als zeitliche Verzögerung zwischen Aktion des Spielers auf der Tastatur und entsprechender Reaktion der Spielfigur auf dem Bildschirm eines Spieleclients. Wahlweise könnte er auch als Input-Lag gemeint sein, wenn beispielsweise die Mausbewegung spürbar nachzieht. Beides habe ich in diesem Zusammenhang kennengelernt. So ein Lag bewegt sich in einem Bereich von wenigen hundert Millisekunden bis mehreren Sekunden. Ein Lag lässt sich dadurch an einem hohen Ping messen.

Kennen junge Gamer übrigens auch nicht: Netzwerkkarte, BNC-Stecker und T-Stück

Ruckelnde Grafik entsteht vorwiegend wenn die Hardware, die für das Rendern des Bildes zuständig ist, die benötigten Grafikoperationen nicht ausreichend schnell durchführen kann, bis das Bild gezeichnet werden soll. Es entsteht ein zeitlicher Rückstand, der nur kompensiert werden kann, wenn darauf folgende Bilder übersprungen werden (Framedrop). Das Bild ruckelt oder „stottert“. Die Bewegungen sind nicht flüssig, sondern abgehackt, wie ein Daumenkino. Manche sprechen im Extremfall auch von „Diashow“. Der Effekt wird verstärkt oder abgeschwächt, je nachdem wieviele Objekte auf dem Bild gerade zu sehen sind. Ruckelnde Grafik äußert sich in einer niedrigen Framerate, also alles zwischen 0 fps und 25 fps.

Bei einem Lag ist die entscheidende Komponente das Netzwerk und die Netzwerkhardware, etwa wenn im Hintergrund zuviele Downloads/Uploads laufen, und die restliche Bandbreite nicht mehr für die Datenübertragung im Spiel ausreicht. Dagegen ist es bei ruckelnder Grafik die CPU oder die Grafikkarte, beispielsweise weil die Auflösung zu hoch eingestellt ist und so die Kapazität der Hardware übersteigt.

Wir merken uns: Lag – hoher Ping. Ruckelnde Grafik – niedrige FPS. Lag – Spielfiguren reagieren verzögert auf Eingaben oder teleportieren plötzlich wie Zauberer in der Spielwelt herum. Ruckelnde Grafik – Diashow-Effekt, Animation der Spielgrafik ist abgehackt und nicht flüssig.

Wir folgern daraus: „Lag“ ist der falsche Begriff für das was diese Konsumenten DRM-verseuchter Spielekost meinen. Eigentlich meinen sie etwas, das man als „Ruckeln/Ruckler“, „Framedrop“, „low FPS“ oder „scheiß Framerate“ bezeichnen könnte. Es gibt sicher noch bessere Begriffe. Man denke nur mal an die Probleme mit den „Mikrorucklern“ bei einer SLI/Crossfire-Konfiguration von Grafikkarten, die man vor einigen Jahren noch von NVidia und ATI kannte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, das Problem „Mikrolag“ zu nennen. Es sind eben keine Lags. Ein Lag ist was anderes.

Das Spiel ruckelt und der unaufgeklärte Gamer flucht: „Wieso laggt das denn so?“. Solche Szenen gehören mit diesem großartigen Artikel hoffentlich bald der Vergangenheit an. Ich bin zuversichtlich, die Welt damit ein bisschen besser und ein bisschen schlauer gemacht zu haben. In der nächsten Folge erkläre ich dann, warum HTML keine Programmiersprache ist. Achja: Dieser Artikel kann Spuren von Satire und Islamkritik enthalten!

Amüsantes aus der Rubrik „Achterbahn des Lebens“

Manchmal trifft einen das Leben wie ein Schlag mitten ins Gesicht. So passiert es Nathalie (Audrey Tautou), die ihren Eltern und den Schwiegereltern in spe gerade erst Hoffnung auf Enkelkinder gemacht hat. Und dann stirbt ihr Verlobter François (Pio Marmaï) nach einem schweren Unfall. Nathalie bleibt alleine mit ihrer Trauer zurück, und um der unerträglichen Einsamkeit zu entgehen, flüchtet sie sich in ihre Arbeit. Drei Jahre vergehen, in denen Nathalie es zur Teamleiterin bringt, als der humorvolle aber nur wenig attraktive Schwede Markus (François Damiens) sie plötzlich aus ihrer Zurückgezogenheit reißt. Zum ersten Mal seit drei Jahren beginnt sie sich wieder zu öffnen und in Gesellschaft wohlzufühlen. Markus, der sich bis dahin sehr um Nathalie bemüht hat, traut in seiner Unsicherheit seinem eigenen Glück nicht mehr. Außerdem ist da noch Nathalies Chef, der ebenfalls ein Auge auf sie geworfen hat.

Sich nach einer schmerzhaften Trennung neu zu verlieben ist oft eine hochkomplizierte Angelegenheit. Sich nach dem Tod des Partners, mit dem man bereits sein gesamtes künftiges Leben geplant hat, neu zu verlieben, ist noch weit mehr als das. Eine Szene des Films, in der Nathalie die Nummer ihres verstorbenen Verlobten aus dem Adressbuch ihres Handys löschen will, steht sinnbildlich für die Kernfrage: Wie kann man eine nie beendete und doch für immer abgeschlossene Beziehung „löschen“? Die Romanverfilmung „Nathalie küsst“ von David und Stéphane Foenkinos behandelt ein Thema, mit dem von vornherein eine tiefe Traurigkeit einhergeht, und zeigt dem Zuschauer die Chancen, die eine solche Situation bieten kann, wenn man die Phase des emotionalen Ausblutens während der Trauer einmal überwunden hat. Es ist ein Film, der beispielhaft demonstriert, dass Liebe auch und womöglich vor allem dann passiert, wenn man für sich selbst eigentlich damit abgeschlossen hat.

Angelpunkt der Handlung ist ein leidenschaftlicher Kuss zwischen Nathalie und Markus, für den es nicht den geringsten Anlass gibt, und an den sie sich anschließend nicht erinnert. Dem Zuschauer wird die Begegnung zur Interpretation überlassen. Der unerklärliche Kuss dient als Katalysator für die folgende Beziehung der beiden Arbeitskollegen. Die französische Schauspielerin Audrey Tautou ist in Deutschland besonders für ihre Hauptrolle in „Die fabelhafte Welt der Amélie“ bekannt, darüber hinaus allerdings nicht so präsent. In diesem Film liefert sie eine glaubwürdige, wenn auch in emotionalen Schlüsselszenen etwas ausdrucksschwache Darstellung ihrer Rolle ab. François Damiens, der den in Sachen sozialer Interaktion ein wenig unbeholfenen Schweden Markus spielt, tritt mit seinem gutherzigen aber beinahe verschrobenen Holzfällercharme dabei fast noch eine Spur deutlicher hervor.

Wie sich das für französische Filme gehört, ist der Soundtrack hier nicht einfach nur eine Begleiterscheinung der jeweiligen Stimmung in einer Szene, sondern oft ein eigenständiger Darsteller. So wie es zur Situation passt, wird ein Song eingespielt, der die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und den Film dann nahezu wie ein Musikvideo wirken lässt. Diesen Stil liebt man oder man hasst ihn. Sehr gelungen fand ich die Titelmusik, die mich z.B. auf ihre verträumte Weise irgendwie an eine Spieldose erinnert und einen Hauch von Melancholie in mir entstehen lässt. Das ist etwas, das ich dem Film hoch anrechne, und das mich die teilweise schleppende Handlung und die mangelnde Abwechslung mit Leichtigkeit verzeihen lässt.

Über das Ende lässt sich streiten, und vermutlich werde ich mir vorwerfen lassen müssen, die abschließende Botschaft nicht verstanden zu haben, aber auf den Abspann war ich nicht so recht vorbereitet. Vielleicht kommt die Erleuchtung mit der Zeit. Da der Plot ohnehin nicht so umfangreich ist, hatte ich jedenfalls den Eindruck, dass die Geschichte nicht ganz zuende erzählt wurde.

Fazit: „Nathalie küsst“ ist außerordentlich sympathisch, hat aber leider seine Schwächen und entspricht lange keinem Ideal. Ein wenig so wie Markus in der Geschichte also. Der Film ist etwas für diejenigen, die eine traurige und gleichzeitig lustige Episode einer unkonventionellen Liebesgeschichte suchen, die einen sogar zum Nachdenken anregt, und natürlich für Genießer französischer Filme.

Nur eine mäßig spannende Nacht

Mit der untreuen und promiskuitiven Tris hat sich der Highschool-Schüler und Musiker Nick offensichtlich die falsche Freundin ausgesucht. Um die kurz zuvor gescheiterte Beziehung zu retten, erstellt er dutzende Mix-CDs für Tris, die diese aber verächtlich wegwirft. Dafür begeistert sich die zunächst verschlossene Norah umso mehr für die CDs des unbekannten Musikkenners und schwärmt heimlich für ihn. Ein Zufall bringt die beiden auf einem Konzert zusammen, und was vielversprechend beginnt, stellt sich schnell als Reinfall heraus, weil Nick und Norah erkennen, dass sie sehr verschieden sind. Auf der ereignisreichen Suche nach Norahs verschollener betrunkener Freundin Caroline und nach einem Geheimkonzert der gemeinsamen Lieblingsband „Where’s Fluffy?“ scheint es mit etwas Verspätung doch noch zu funken. Und auf einmal will Tris sich wieder mit Nick versöhnen.

„Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht“ ist für mich ein Wunderwerk, und das meine ich nicht in erfreulicher Weise. Es ist nämlich ein Wunder, wie durchschnittlich dieser Film wirkt: Humor, Spannung, Romantik – das alles ist vorhanden, aber nichts davon richtig. Die Liebesgeschichte zwischen Nick und Norah will nicht richtig abheben, und berührt mich auch in der weiteren Entwicklung nur wenig. Die zentrale Frage, ob die Charaktere das angekündigte Konzert rechtzeitig finden (von dem sie nur wissen, dass es irgendwo in der Stadt sein soll) löste in mir auch keine nennenswerte Spannung aus. Es gelingt dem Film leider nicht, den Zuschauer auf dem Road Trip, den Nick, Norah, und ihre gemeinsamen Freunde erleben, einzusammeln und mitzunehmen.

Unglücklicherweise sah ich den auffallend ähnlichen Film „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ (2010) lange vor dieser Romanverfilmung von Peter Sollett aus dem Jahr 2008, in dem ebenfalls Michael Cera die Hauptrolle, und – mal vom Namen abgesehen – so ziemlich den gleichen Charakter spielt. Alles was „Nick und Norah“ bietet, hat „Scott Pilgrim“ auch, nur in cooler, abgedrehter, witziger und sogar romantischer. Unnötige stilistische Fehlgriffe wie eine Überdosis homosexuell angehauchter Wortspiele, Witze die in der deutschen Synchronisation so überhaupt nicht funktionieren wollen, und eine der sinnlosesten Ekelszenen, die ich je gesehen habe, können dem Zuschauer mitunter recht früh den Spaß an diesem Film nehmen.

Der visuelle Aspekt hat mich ein wenig enttäuscht, weil der vom Regisseur vielleicht am meisten vernachlässigt wurde. Mir ist keine einzige besondere Kameraeinstellung oder eine sonstige bemerkenswerte Aufnahme im Gedächtnis geblieben. Für meinen Geschmack verhält sich die optische Präsentation der Handlung zu sehr pragmatisch, zu nüchtern. Musikalisch mag der Film sich vom Durchschnitt abheben, vorausgesetzt man hat ein Faible für amerikanischen Indie-Rock, der sich zwar meiner Ansicht nach äußerst gut für Highschool-Komödien eignet (weil ich mich dabei unweigerlich an Abi-Bands erinnert fühle, und die Kombination daher in diesem Kontext sehr stimmig ist), aber dem ich sonst nicht viel abgewinnen kann. Der eine oder andere mag das gänzlich anders sehen und mehr zum musikalischen Wert des Soundtracks sagen können.

Es gibt auch Positives: Michael Cera und Kat Dennings sind die einzigen bekannteren Stars im schauspielerischen Line-Up, machen als Nick und Norah aber einen guten Job. Wobei ich hoffe, dass Cera auch noch andere Rollen als den schüchternen unbeliebten Schuljungen mit musikalischer Ader spielen will. Eine unüberhörbare Message, die der Film sich außerdem mit „Scott Pilgrim“ zu teilen versucht: Schwule Freunde sind immer die besten Freunde, weil sie dir nie die Frau ausspannen. Oder so etwas in der Art. Und darüber hinaus: Geld und Ruhm machen nicht glücklich.

Fazit: Den größten Spaß werden wohl Fans des Musikgenres und der Hauptdarsteller haben. Wer eine einfache Liebesgeschichte mit jungen unerfahrenen Schauspielern ohne echte Überraschungen erwartet, kann bedenkenlos zugreifen. Auf seine Art war der Film für mich interessant und mitunter sogar spaßig und romantisch, aber präsentiert sich leider wirklich kunstlos und unmotiviert. Man hätte mit Sicherheit mehr aus der Thematik herausholen können.

Ach, kennt jemand den Song „Bettina, zieh dir bitte etwas an“ von Fettes Brot? „Bettina! Pack deine Brüste ein!“ *sing*. OK, jetzt wieder zu einem ernsten Thema.

Meanwhile at google.de:

Inzwischen ist jedem scheißegal, ob an den Gerüchten überhaupt jemals was dran war. Es geht nur noch um den Sinn oder Unsinn der ganzen Aktion. Viele Leute (mich eingeschlossen) wussten von diesen Gerüchten nichts, bis das Thema in der Öffentlichkeit endlich so richtig breitgetreten wurde. Seit zwei Tagen wird in allen möglichen Foren über den Streisand-Effekt diskutiert. Bettina W. zementiert die Verknüpfung ihres Namens mit diversen Begriffen aus dem horizontalen Gewerbe. Wer das nicht vorausgeahnt hat, der versteht wahrscheinlich auch sonst nicht viel vom Netz. Wie so oft bei Politikern.

Mein Verdacht ist aber, dass Bettina W. sich insgeheim nen Ast lacht, weil ihr perfider Plan tatsächlich aufgegangen ist. Ihr gammliges Buch ist in aller Munde, keinen interessiert noch ihre olle Vergangenheit, aber jeder tippt fleißig ihren Namen bei Google ein, um zu sehen welche Suchbegriffe da vorgeschlagen werden. Genial!