Archiv für Februar, 2012

Filme

Film-Kurzreview: “Roller Girl”

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Sympathisches Roller-Skate-Märchen für Sportfans

rollergirl film2Die 17-jährige Highschool-Schülerin Bliss Cavendar (Ellen Page) wird von ihrer Mutter von einem Schönheitswettbewerb zum anderen geschleift, hat aber eigentlich ganz andere Dinge im Kopf. Durch einen Flyer wird sie auf die TXRD aufmerksam, eine amerikanische Roller-Derby-Liga für Frauen, im benachbarten Austin, Texas. Schon nach der ersten Übungsstunde ist klar, dass Bliss ein großes Talent für diesen harten Sport hat, und avanciert sich als “Babe Ruthless” schnell zum neuen Star der Mannschaft. Zum ersten Mal können die “Hurl Scouts” darauf hoffen, den Titelfavoriten, angeführt von der erfahrenen Iron Maven (Juliette Lewis) zu besiegen. Unterstützung findet Bliss bei ihren Teamkolleginnen Smashley Simpson (Drew Barrymore) und Maggie Mayhem (Kristen Wiig). Dann verliebt sie sich auch noch in den Musiker Oliver. Als Bliss’ Eltern aber von ihrem gefährlichen neuen Hobby erfahren, scheint ihre steile Karriere ein jähes Ende zu finden.

Eigentlich dachte ich, die Siebziger wären endgültig vorbei, doch manchmal kann man noch angenehme Überraschungen erleben. Selten war Rollschuhfahren cooler als in “Roller Girl – Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg”. Das Regiedebüt von Drew Barrymore kann man als durchaus gelungen betrachten, wenn auch noch lange kein Meister vom Himmel gefallen ist. Sie zeigt vielleicht nicht wie ein grandioser Film auszusehen hat, aber dafür wie man richtig für seine Träume kämpft.

“Roller Girl” ist ein Film in dem es um das klassische Tauziehen zwischen dem Erfüllen elterlicher Erwartungen und den eigenen Wünschen im Leben geht. Bliss Cavendar balanciert zwischen einer Karriere als Schönheitskönigin und Roller-Derby-Sportlerin. Zudem muss sie sich gleichzeitig um ihre beste Freundin und ihren ersten richtigen Freund kümmern. Dass sich das nicht ohne Schwierigkeiten unter einen Hut bringen lässt, stellt den zentralen Konflikt dar.

Der Film gestaltet sich sehr angenehm und unkompliziert. Der Filmverlauf ist vorhersehbar aber nicht langweilig, und weiß über weite Teile zu fesseln. Bei den schnellen Schnitten während der Roller-Derby-Rennen fällt es manchmal schwer, den Überblick über das Geschehen und die beeindruckenden Teammanöver zu behalten, aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Die Liebesgeschichte zwischen Bliss und Oliver wirkt etwas stumpf und mehr befremdlich denn rührend, was wohl auch an dem schwachen Darsteller von Oliver liegen mag.

Davon abgesehen sind die Darsteller weitestgehend authentisch und vielseitig. Ellen Page fühlt sich sichtlich wohl in ihrer Rolle als schüchternes Mädchen von der Highschool, das sich vom introvertierten Mauerblümchen zum kessen Roller-Skate-Ass mausert. Schauspielerisch am eindrucksvollsten erschien mir Juliette Lewis als die coole ehrenhafte Widersacherin, gegen die Bliss sich durchsetzen muss. Drew Barrymore mit ihrer beinahe schrillen Art, in ihrer bekannten Rolle als liebenswerter Tollpatsch, der aber auch austeilen kann wenn es darauf ankommt, rundet das Frauenpower-Ensemble ab.

Fazit: An “Roller Girl” kann man problemlos auch Spaß haben, wenn man die Rollschuhe schon lange nicht mehr vom Dachboden geholt hat. Neben interessanten Einblicken in einen eher unbekannten aber spannenden amerikanischen Sport, bietet der Film außerdem ein überzeugendes Drama über Auseinandersetzungen mit den Eltern und Freunden und über die erste Liebe. “Roller Girl” ist zwar kein typischer Frauenfilm, aber wer sich auf die Probleme jugendlicher Mädchen und vor allem auf Damensport so gar nicht einlassen kann, sollte besser die Finger davon lassen. Alle anderen bekommen solide Unterhaltung wenigstens für einen Abend.

Television

Roland Emmerichs “Joey”

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emmerich joeyStolz präsentiere ich meine neueste Anschaffung, die heute per Post kam. Die Abbildung zeigt mein originalverpacktes Exemplar noch mit Folie. Bei all den Diskussionen über ACTA, über das Urheberrecht und über das angeblich fehlende Unrechtsbewusstsein der heutigen Jugend (wobei ich mich leider auch nicht mehr zu den Jugendlichen zählen darf), musste ich mir mal wieder selbst (und anderen) beweisen, dass ich durchaus in der Lage bin, Geld für Produkte auszugeben, die mir wichtig sind. Dafür waren mir dann auch stolze 30 Euro nicht zuviel, obwohl das für DVDs und Blu-rays ja schon der gehobene Preisbereich ist. Aber der Film ist nicht besonders bekannt und ich wollte nicht riskieren, dass ich die DVD in zehn Jahren schon nirgends mehr finde.

Als ich noch ein Kind war, hat mein Vater mir einmal “Joey” von Roland Emmerich aus dem Jahr 1985 auf VHS aufgenommen, so dass ich ihn gefühlte 200 mal anschauen konnte. Dieser Film hat mich damals unheimlich fasziniert, auch weil er einerseits so gruselig ist, andererseits aber irgendwie ansprechend auf Kinder wirkt, weil eben Kinder die Hauptdarsteller sind. Ganz besonders bewegt hat mich, dass der Film auf eine wirklich spannende Art das Thema Tod behandelt. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass der Streifen viele Schwächen hat und wohl nicht zu Emmerichs besten Werken gehört, aber für mich bleibt es derselbe Film, den ich als Kind so gerne gesehen habe und der mich damals beeindruckt hat.

Für das viele Geld bietet die DVD eigentlich fast gar nichts. Ein paar Texttafeln, ein Trailer, dazu der Film in zwei Schnittfassungen und Sprachen. Aber das kann ich verschmerzen, es gibt wohl einfach kein Bonusmaterial zu dem Film. “Joey” ist übrigens auch unter dem Namen “Making Contact” bekannt und wurde meines Wissens in Sindelfingen gedreht, könnte mich aber auch irren. Eine der vielen Stärken des Films ist der fantastische Synthesizer-Soundtrack von Hubert Bartholomae, der schon in der rührenden Eingangsszene zeigt, was er kann.

Da soll nochmal jemand sagen, ich sei geizig und würde mir alles kostenlos aus dem Netz ziehen, nur weil ich mir meine Filme sehr gezielt aussuche und kaum Mainstream-Crap kaufe.

Update vom 02.04.: Der Komponist des Soundtracks konnte mir freundlicherweise einige sehr interessante Details zu den Dreharbeiten nennen, die ich falsch in Erinnerung hatte. Der Film wurde tatsächlich in Sindelfingen in Baden-Württemberg gedreht, allerdings nur die Innenaufnahmen. Im nur wenige Kilometer entfernten Döffingen wurden die Außenaufnahmen um’s Haus gedreht und einige Szenen ohne Darsteller sogar in den USA. Der Hauptdarsteller Joshua Morell stammte nicht aus Heidelberg, wie ich glaubte, sondern aus den Robinson Barracks im Stuttgarter Norden. Dort wurden die Klassenzimmer-Szenen gedreht. Er lebt heute als Mormone in Utah in den USA.

Webfundstück

Opium des Volkes

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kircheUpdate vom 20.02.: Danke an Ulke für den mehr oder weniger beabsichtigten Wink mit dem Zaunpfahl. Bevor ich nun Bomben- und Morddrohungen von irgendwelchen christlichen Fundamentalisten erhalte, möchte ich eine Sache ganz dringend klarstellen: Ich bin kein Fan und kein Mitglied der Kirche, und einiges was die Kirche tut oder nicht tut, verurteile ich. ICH persönlich habe dennoch keinen Grund, die katholische Kirche in nachstehender Weise zu beschimpfen und ich werde das auch nicht tun. Mir ist der Begriff wirklich zu derb. Der Punkt ist aber: Ich finde es richtig, dass, wenn jemand eine solche Meinung über diesen Verein zu haben scheint (wie der werte Herr Kantel), er diese Meinung auch öffentlich äußern darf, ohne dafür verklagt und bestraft zu werden. Das ist der Punkt, den ich an folgendem Beitrag positiv bewertet habe. Soweit kommt es noch, dass jemand für drei Jahre in den Bau wandert, nur weil er die Kirche verachtet und dies auch sagt.

Der folgende Beitrag betrachtet NICHT die Fragestellung, ob und inwieweit die genannte Bezeichnung angebracht ist oder eben nicht. Das soll mal schön jeder für sich selbst tun.

Mit Religionen ist es so eine Sache. Ich finde ja, was Menschen in ihrer Freizeit glauben oder an religiösen Aktivitäten ausüben wollen, bleibt alleine ihre Sache, solange sie niemanden damit belästigen und niemandem schaden. Wo religiöse Menschen anfangen wollen in irgendeiner Weise zu missionieren, da hört meine Toleranz gegenüber gläubigem Volk auf. Im Beruf und in der Politik haben Religionen nichts zu suchen. Das ist einer von mehreren Punkten, die den ganzen Misthaufen an christlichen deutschen Parteien, allen voran CDU und CSU, für mich unwählbar machen. Diesen Parteien spreche ich mit voller Überzeugung jede Existenzberechtigung ab, solange sie nicht bereit sind, christliche Interessen aus ihren Parteiprogrammen zu streichen. Meiner Meinung nach ist schon das “C” im Parteinamen nichts weiter als der (leider gelungene) Versuch, christlichem Bauernvolk zu suggerieren, welche Partei sie zu wählen haben.

In einem säkularen Staat ist es außerdem ein absolutes Unding, eine wahre Zumutung, dass Nichtgläubige sich §166 StGB gefallen lassen müssen, in dem Gotteslästerung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden kann. Welches imaginäre Wesen ich wann und wie beleidige, das bleibt immer noch meine Sache, und hat auch die Judikative nicht zu kümmern. Besonderer Schutz der Religionen ist nicht Aufgabe des Staates, denn sonst hätte auch jeder andere Verein einen Anspruch auf Verankerung eines solchen individuellen Paragraphen, der die Vereinsmitglieder vor Andersdenkenden schützt. Zum Glück weiß ich nicht, in welcher Weise dieser Paragraph anderen schon zum Schaden gereicht wurde, denn sonst wäre mein Unrechtsempfinden wieder einmal erheblich tangiert. Dieser Paragraph gehört eigentlich sofort entfernt, und es ist unentschuldbar, dass er heute noch Bestand hat.

Um diese Einleitung nun also mit einem aktuellen Ereignis in Verbindung zu bringen: Der Blogger Jörg Kantel hat kürzlich auf seinem Blog “Der Schockwellenreiter” die katholische Kirche als “Kinderficker-Sekte” bezeichnet und wurde dafür prompt verklagt. Nun wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens von der zuständigen Richterin abgelehnt. Die Begründung lautet sinngemäß, dass der öffentliche Frieden nicht gestört ist und dass die Bezeichnung keineswegs völlig aus der Luft gegriffen ist. In meinen Augen ein echter Sieg der Meinungs- und Pressefreiheit. Furchtbar enttäuscht hätte mich, wenn eine solche Klage Erfolg gehabt hätte. Desillusioniert wird man heute ja beinahe täglich, da kommt mir sowas gerade recht.

Die katholische Kirche muss sich nun also gefallen lassen, öffentlich als Kinderschänder-Sekte bezeichnet zu werden. Dass ich das noch erleben darf, ist eine echte Freude. So, und jetzt richte ich noch ein Gute-Nacht-Gebet an das fliegende Spaghettimonster, auf dass es uns noch weitere solche witzigen Geschichten bescheren möge.

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Not so weekly rant: ACTA-Kritiker-Kritikerin

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Gestern las ich einen Artikel der Autorin Eva Schumann, der mir wirklich gruselig erschien. Im Prinzip wollte sie die vermeintliche Argumentation der ACTA-Kritiker zerpflücken, die sie hauptsächlich als dumm-jugendliche Piratenwähler und damit ziemlich naiv als Filmdownloader hinstellen wollte. Also alles ganz frei von Unterstellungen und Vorurteilen. Sie beschreibt darin ihre Sichtweise über ACTA als Urheber, und dass sie schon durch ihren Beruf berechtigte Gründe habe, am bisherigen Urheberrecht festzuhalten. Wer ACTA ablehnt, der wolle offenbar nur das Urheberrecht abschaffen und illegale Downloads legalisieren. Dass die europaweiten Proteste gegen ACTA nicht allein damit zusammenhängen, dass hier Menschen um ihre geliebten Torrents und Rapidshare-Downloads bangen, das wurde ihr auf Google+ schon deutlich gemacht. Ich fand allerdings zwei, drei ihrer Punkte sehr kurios, die noch nicht übermäßig oft angesprochen wurden, denn ihr Artikel enthält für meinen Geschmack doch stellenweise ziemlich viel Fünününü, wenn sie davon spricht wie hart das Leben einer glücklosen Autorin ist, die vier(!) Monate an einem Buch schreibt. Mal davon abgesehen, dass sie sehr undifferenziert über eine ganze Generation von Internetusern urteilt und von Enteignung spricht, wenn die Leute, wie auch ich, fordern, dass das Urheberrecht modernisiert (nicht abgeschafft) gehört, spricht sie im restlichen Artikel einige Themen an, die offenbaren, dass sie eine etwas verdrehte Sicht der Dinge hat.

Es steht jedem frei, zu schreiben, komponieren, fotografieren und seine Werke als frei zu deklarieren (GNU-Lizenz für freie Dokumentation). Doch ich möchte vom Schreiben leben können.

Die Menschen möchten vermutlich viel. Ich würde mein Geld vielleicht auch lieber als Schauspieler verdienen, aber das kann ich eben nicht, denn mich würde niemand dafür bezahlen, höchstens als Laiendarsteller oder Statist in irgendeiner billigen Fernsehserie. Wenn ich es dennoch versuchen würde, und es nicht klappt, darf ich mich dann beklagen? Wenn ich mich nun ab heute als Autor bezeichne und Bücher schreibe, die niemand kauft, darf ich dann über die verkorkste Gesellschaft schimpfen, die mich um mein verdientes Geld bringt? Wenn ich von dem, was mein selbstgewählter Beruf mir einbringt, kaum leben kann, wäre es dann nicht eigentlich besser, wenn ich einer anderen Beschäftigung nachgehe, die für mich rentabler ist? Nicht jedem ist es vergönnt, sich allein dem zu widmen, was ihm Spaß macht. Das haben schon viele andere vorher lernen müssen, wieso Frau Schumann nicht auch? Als ich 14 war, wollte ich immer Spieletester werden. Wenn es aber niemanden gibt, der mich fürs Spieletesten anständig bezahlt, dann muss ich das eben in meiner Freizeit oder im Urlaub machen, und mir einen anderen Job suchen. Mich nun einfach selbst als Spieletester zu bezeichnen, und zu verlangen, dass das schon reichen wird, löst das Problem nicht, dass meine Dienste als Spieletester offenbar niemand braucht. Heute betreibe ich einen kleinen Blog, von dem ich ebenfalls nicht leben kann, wieso gehe ich nicht eigentlich davon aus, dass mir das Bloggen zum Leben reichen können sollte? Ich möchte doch so gern vom Bloggen leben können…

Etwas ganz anderes an der Sache will mir aber so gar nicht gefallen. Was soll ich von der Idee halten, dass jemand Bücher schreibt, damit er davon leben kann? Was sind das für Bücher, die jemand in regelmäßigen Abständen veröffentlichen muss, damit er nicht verhungert? Das erinnert mich an Fließbandproduktion. Denken sich Künstler “Verdammt, ich hab nichts mehr zu Essen im Kühlschrank und kein Geld mehr auf dem Konto, ich muss schnell ein Bild malen und verkaufen”? Das kann doch der Qualität der Arbeit in keinster Weise zuträglich sein. Ein Buch schreibt man doch, wenn man denkt, dass man etwas hat worüber man unbedingt schreiben müsste. Ein Bild male ich erst dann, wenn ich eine Eingebung habe. Wenn meine Intention für das Schreiben von Büchern die ist, dass ich unbedingt davon leben können muss, dann kann doch dabei nur Mist rauskommen – und zwar viel davon, denn wenn das Buch sich – aus gutem Grund – nicht richtig verkauft, dann muss ich ja sofort ein zweites und ein drittes Buch schreiben, wo einem anderen (erfolgreichen) Autor finanziell gesehen ein einziges Buch gereicht hätte, um seinen Esstisch für Jahrzehnte zu decken. Noch ein Grund mehr, warum das Schreiben von Büchern doch besser in der Freizeit geschehen sollte, also genau da wo man sich keine Sorgen um seine Einkünfte machen muss.

[...] aber ich will, dass Gesetze auch im Internet gelten – allerdings gehören die auch mal eindeutig für das Internet ausgelegt und kommuniziert, statt User und Publisher in Fallen laufen zu lassen, in der Hoffnung, dass Gerichte alles irgendwann klären werden, während sich die Politik irgendwo versteckt. Aber grundsätzlich: Wenn ich die Situation auf ein Gasthaus übertrage: Von einem Wirt verlange ich doch auch, dass er dafür sorgt, dass in seinem Laden das Gesetz eingehalten wird, dass er dort keinen Drogenhandel duldet und Kindern keinen Alkohol verkauft. Warum soll man das nicht auch von einer Internetplattform verlangen können.

Nun bringt Frau Schumann ein sehr amüsantes Beispiel, über das ich lachen musste. Gehen wir einmal davon aus, dass dieses Gasthaus in irgendeinem Land steht, dann wird der Gastwirt selbstverständlich die Gesetze, die es in diesem Land gibt, befolgen müssen, da er sonst mit Konsequenzen rechnen muss. Wenn also Alkohol für Kinder und Drogenhandel in diesem Land verboten sind, dann sollte der Wirt sich tunlichst danach richten. Aus diesem Grund ist das Beispiel eher unpassend: Würde dieses Gasthaus nun nämlich so gigantisch groß sein, dass es die gesamte Welt umspannt, die Gesetze welchen Landes sollte man dann darin befolgen? Die aus dem der Gastwirt kommt? Die aus dem der Gast kommt? Die des Landes auf dem der Stuhl steht, auf dem man sitzt? Die in dessen Einzugsbereich man zufällig gerade stand, als man das Gesetz brach? Die aus dem das Essen kommt, das ich mir bestellt habe? Ich denke es sollte jedem klar sein, worauf ich hinaus will.

Wer darf hier festlegen, wessen Gesetz es war, das ich gebrochen haben soll? Vielleicht habe ich ja nur die Gesetze eines völlig anderen Landes penibel genau befolgt? Was für den einen Gast illegal ist, ist für den anderen völlig legal. Wofür der eine Gast die Todesstrafe erwarten kann, mag für einen anderen Gast kaum der Rede wert sein. Es gibt keine eindeutigen Gesetze für das Internet, da es keine globalen Gesetze gibt. Die für uns selbstverständlichsten Richtlinien haben auf der anderen Seite der Erde womöglich überhaupt keine Bedeutung – und umgekehrt. Das fängt ja schon bei Dingen wie den Menschenrechten an. Bei einer globalen Erscheinung wie dem Internet kann man nicht so einfach nationale Gesetze anwenden. Das ist vielleicht für Menschen schwer zu verstehen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, und sich so eine “Welt” kaum vorstellen können. Wenn 100 Menschen eine (in Deutschland urheberrechtlich geschützte) Datei herunterladen, dann kann man nicht die 17 deutschen User nach deutschem Recht bestrafen, die 23 Amerikaner nach US-Gesetzgebung, 14 Japaner werden in Japan angeklagt, sieben Afrikaner gehen straffrei aus, und im Iran wird jemand wegen Besitzes von unzüchtigem Filmmaterial gesteinigt, weil es sich vielleicht um einen Pornofilm mit homosexuellem Inhalt handelt, usw. So funktioniert das einfach nicht. Zuerst müssten Gesetze her, die weltweit uneingeschränkt Gültigkeit haben.

[...] und zwar sollte Illegales in Deutschland erst gar nicht angeboten werden dürfen, statt den überforderten Nutzer oder Publisher ins Verderben sausen lassen. Da sollte sich die Politik endlich mal dran setzen und die Regeln formulieren.

Hier noch einmal derselbe Käse. Illegales DARF ja in Deutschland auch erst gar nicht angeboten werden, dafür sorgt schon die Tatsache, dass es illegal ist. Aber das Internet ist eben nicht Deutschland. Das scheint die Autorin nicht zu begreifen. Es müsste der Politik also entweder gelingen, international gültiges Recht zu schaffen, das auch im hintersten Winkel der Erde durchgesetzt wird, oder man fängt eben damit an, die Ländergrenzen im Internet klarer abzustecken. Und gegen letzteres bin ich ganz entschieden. Ersteres wäre sicher wünschenswert, aber wohl eher Utopie.

ATARI

Komplettes Dongleware-Set für den Atari ST

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donglewarebooks1Das Internet ist eine gigantische Schatzkiste. Das konnte ich in den letzten Jahren bei vielen Gelegenheiten immer wieder feststellen. Dieses Mal konnte ich eine ganz besondere Rarität ergattern, die ich schon seit meiner Kindheit haben will. Noch dazu stellte sich heraus, dass besagte Rarität in einem außergewöhnlich guten Zustand ist, praktisch kaum benutzt. Meine Sammlung wird damit endlich komplett, nach lächerlichen 21 Jahren.

Eigentlich bin ich überhaupt kein Sammler und Raritätenjäger, ich habe gar nicht das Geld oder den Platz, um mir eine entsprechende Sammlung aufzubauen, und so mancher hat sein ganzes Haus voller Spielerelikte, Konsolen, Handhelds, ungeöffneter Originalversionen, Handbücher, alter Homecomputer, und was weiß ich noch alles. Ich bin aber in gewisser Hinsicht etwas ähnliches, nämlich Verfechter der Informationsfreiheit und Informationserhaltung, ganz im speziellen im Bereich alter Spiele bzw. historischer Software, auch für Systeme, die längst nicht mehr existieren. Sehr gerne beschäftige ich mich darunter mit den auf dem Atari ST bekannten Kugel- oder Murmelspielen von Meinolf Schneider (OXYD-Reihe), sowie von Martin Hintzen und Jürgen Verwohlt (Thriller- und Shocker-Reihe). Mit diesen Spielen verbinde ich eine sehr spannende und angenehme Kindheit. Ich war eines von jenen Kindern, die keinen Nintendo hatten, aber dafür alle möglichen Computer – zum Glück, denn mit Computern kann man doch soviel mehr machen als mit Spielekonsolen.

Gerade vor wenigen Tagen führte ich ein einstündiges Telefoninterview mit Martin Hintzen über seine aktive Zeit als Spieleentwickler für den Atari ST. Ich konnte ihm so einige Interna über seine Spiele, und nebenbei so manche interessante Anekdote entlocken. Das ist einer der Gründe, warum ich derzeit wieder in einem richtigen Atari-Fieber bin. Nun ist es mir – wider Erwarten – tatsächlich gelungen, etwas zu erwerben, was inzwischen kaum noch zu bekommen ist: ein Exemplar von “Das Oxyd 2 Buch“. Daneben habe ich mir jeweils ein zusätzliches Exemplar von “Das OXYD-Buch” und dem “Spacola Sternenatlas” bestellt, schon alleine weil meine alten Exemplare etwas abgegriffen sind (um es mal harmlos auszudrücken). Die Bücher waren teilweise deutlich teurer als der ursprüngliche Verkaufspreis, aber das konnte mich nicht abhalten, diese seltene Gelegenheit zu nutzen. Jetzt besitze ich alle drei Dongleware-Bücher für den Atari ST. Oh Internet, gelobet und gepreiset seiest du.

Wer die Spiele nicht kennt und sich jetzt fragt, welche interessanten Geschichten in diesen Büchern stehen könnten, den muss ich enttäuschen. Die Bücher bestehen aus zwei Teilen: Zum einen fungieren sie als Handbuch für das jeweilige Spiel, zum anderen bestehen die Bücher zu 90% nur aus Kopierschutzcodes, also seitenweise Kolonnen aus Ziffern und Buchstaben, die man eingeben musste, wenn das Spiel danach fragte. Mehr ist das nicht. Warum also für so einen alten unnützen Krempel soviel Geld ausgeben? Genau. Weil halt. Aus zwei Gründen ist es absolut unsinnig, diese Bücher heute noch zu kaufen: 1. Es gibt gecrackte bzw. kopierschutzfreie Versionen der OXYD-Spiele im Netz. 2. Es gibt Enigma, einen freien OXYD-Klon für alle möglichen modernen Betriebssysteme. So, und auf der anderen Seite trifft das auf Spacola schonmal nicht zu, denn davon gibt es meines Wissens keine gecrackte Version. Wie auch, die “Codeabfrage” ist derart intelligent mit dem Gameplay verknüpft, dass man sich das Spielen ohne Buch schon rein prinzipiell sparen kann. Zum anderen ist es einfach die Nostalgie an diesen Büchern, die mich reizt. Außerdem haben sie einen gewissen Seltenheitswert, denn die Zielgruppe war relativ klein und entsprechend wenige Exemplare sind jeweils in Umlauf gekommen, vermutlich nur wenige tausend Stück.

Und was mache ich mit meiner Beute nun? Keine Ahnung. Tag und Nacht bewundern. Einscannen und als PDF aufbereiten. Von der Staubschicht befreien, einschweißen und in einer Glasvitrine ausstellen. Wenn ich eine hätte. Wahrscheinlich kommen sie einfach nur ins Regal. So richtig habe ich mir das noch nicht überlegt.

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